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Prädynastische Zeitepoche (Altes Ägypten)


Die Prädynastik Ägyptens oder auch als prädynastische Zeitepoche des Alten Ägyptens bezeichnet, ist eine Epoche vor der Herrschaft der pharaonischen Herrschergeschlechter (Dynastien) über Ägypten. „Prä“ ist lateinisch und bedeutet vor. Dynastik ist der Sammelbegriff für die ägyptischen Dynastien. Somit bedeutet der Begriff Vorherrschaft.

Archäologisch betrachtet umfasst der Begriff die Zeit, in der neben typischen Funden aus der Steinzeit erstmalig Gegenstände aus Kupfer auftauchen.

Bedeutung der Pädynastischen Zeit im Alten Ägypten

Die prädynastische Zeit beginnt nach der Vorgeschichte Ägyptens (ca. 4000 v. Chr.) und schließt eng die dynastische Zeit Ägyptens (1.Dynastie) an. Denn ohne die Entwicklungen der Prädynastik im sozialen Leben, der Wirtschaft, dem Handwerk und den Künsten, dem Jenseitsglauben und Grabkult wäre die Hochkultur des Alten Ägypten nicht denkbar. Die Entwicklung des Gemeinwesens von einfachen Siedlungen über staatliche Vorformen bis hin zu Kleinkönigtümern mündet schließlich in der zentralen Herrschaft eines Königs (Pharaos) über Ober- und Unterägypten.

Dynastik im Alten Ägypten: Abgrenzungen und Zeiteinteilung

Das altgriechische Wort dynástēs bedeutet Herrscher. Dynastie meint das Herrschergeschlecht. Dynastik ist in der Geschichtswissenschaft eine Form der Chronologie, bei der die Abfolge der Herrschergeschlechter die Zeitleiste für eine Einordnung historischer Ereignisse liefert.

Die Geschichte des Alten Ägypten wird nach den Pharaonendynastien gegliedert:

Die sich anschließende griechisch-römische Zeit (332 v. Chr. bis 395 n. Chr.) wird nicht mehr zu den Dynastien gezählt. Die Herrschergeschlechter der Argeaden (Alexander der Große, sein Halbbruder und sein Sohn) und Ptolemäer waren ausländischer Herkunft. Nach dem Ende der Ptolemäer wurde Ägypten als römische Provinz verwaltet.

Die Prädynastik umfasst also die Zeit vor der 1. Dynastie. Dem Begriff nach müsste dies die Zeit von den Anfängen bis einschließlich der 0. Dynastie umfassen. Ägyptologen schließen jedoch in ihrem Sprachgebrauch die Vorgeschichte aus. Ein Blick auf die Entwicklungen der Zeit vor der Prädynastik zeigt, warum.

Vorzeitliche Geschichte Ägyptens

Die Vorgeschichte Ägyptens umfasst die Spätsteinzeit, die Jungsteinzeit, die Merimde-Kultur sowie die Omari- und Maadi-Kultur. Die archäologischen Funde dieser Zeit machen deutlich, dass zwischen Vorgeschichte und Prädynastik zwar Gemeinsamkeiten bestehen. Mit der Prädynastik aber setzen in vielen wichtigen Bereichen grundlegende Veränderungen ein, die diese Zeit zum Vorläufer des Ägyptens der ersten Pharaonen machen.

Aus der Spätsteinzeit haben sich kleine Fundorte am Nil erhalten. Sie lassen darauf schließen, dass die Menschen jedes Jahr saisonal an diese Stätten zurückkehrten, um zu sammeln und zu jagen.

In der Jungsteinzeit lassen sich erste dauerhafte Siedlungen am Fayum-See nachweisen. Deren sesshafte Bevölkerung baute Getreide an und lagerte es in unterirdischen Silos, stellte Steinwerkzeuge, erste Beispiel der Webkunst und einfache Keramik her.

Etwas später, aber in vielen Aspekten sehr ähnlich ist die Merimde-Kultur. Für sie sind erste Tonfiguren und einfache Bestattungen mit wenig Beigaben im Siedlungsbereich nachzuweisen.

Ähnliche Bestattungsriten zeigt die unterägyptische Omari-Kultur aus der Nähe von Kairo, der die Maadi-Kultur folgt. Allerdings wurden nun erstmals Friedhöfe angelegt, die Toten wurden in Hockstellung in Gruben bestattet. Grab-Beigaben waren immer noch selten.

Die Keramik weist rundliche Formen, eine flache Basis, einen schmalen Hals und gebrannte Ränder auf. Darin zeigen sich sowohl Verbindungen zur Naqada-Kultur der prädynastischen Zeit als auch zu Kulturen des Nahen Ostens, mit denen Handel getrieben wurde.

Grenzfall Badari-Kultur

Ca. 4500 bis 4000 v. Chr. lässt sich in Oberägypten die sog. Badari-Kultur nachweisen. Sie hat ihren Namen von der Stadt Badari am Ostufer des Nils, südöstlich von Assiut. In mancher Hinsicht finden sich hier Vorformen der Kultur, die für die prädynastische Zeit charakteristisch ist, namentlich die sog. Naqada-Kultur.

Leben

Funde aus der Zeit legen nahe, dass die Badari-Kultur nicht sesshaft gewesen ist. Zumindest ist kein Getreideanbau nachweisbar.

Keramik/Kunsthandwerk

Die Keramik der Badari-Kultur zeichnet sich durch technischen Fortschritt aus. Dieser geht vermutlich mit einer beginnenden Spezialisierung der Töpfer einher. Beispiele sind die spezielle Brenntechnik, mit der der schwarze Randstreifen erzeugt wurde, sowie das sog. Kämmen der Politur, durch die die typische gerippte Oberfläche erreicht wurde.

Auch das Auftauchen erster Funde von Kupfer- und Fayencearbeiten ist Zeuge des technischen Fortschritts.

Grabkult

Bestattungen erfolgten zwar noch in sog. Hockergräbern, doch eingeschlagen in Matten oder Ziegenhaut, mit reichen Grabbeigaben (Schmuck, feinem Tongeschirr, Nahrungsmittel) und Ausrichtung der Gesichter nach Westen. Offensichtlich fand in der Badari-Kultur eine Abkehr vom Glauben an eine Wiederkehr ins irdische Leben statt. Der Tote wurde nun auf ein ewiges Leben nach dem Tod vorbereitet.

Auffällig ist, dass die Grabbeigaben in Umfang und Qualität variieren. Dies legt nahe, dass sich der soziale Stand der Bevölkerung zu differenzieren begann.

Die Badari-Kultur existierte eine Weile neben der Naqada-Kultur und ging Anfang des vierten Jahrtausends v. Chr. in dieser auf, wenn sie nicht von Anfang an eine rein lokale Ausprägung dieser Kultur war. Der technische Fortschritt, die begonnene soziale Differenzierung und die Veränderungen im Jenseitsglauben lassen den Weg in die dynastische Zeit erkennen.

Einige Forscher wollen daher die Badari-Kultur in die Prädynastik mit aufgenommen sehen. Die Mehrzahl der Ägyptologen lässt die Prädynastik allerdings erst mit der eigentlichen Naqada-Kultur einsetzen.

Naqada als erste prädynastische Kultur im Alten Ägypten

Die Naqada-Kultur ist gleichbedeutend mit der prädynastischen Zeit. In den 1500 Jahren ihres Bestehens vom Anfang des vierten Jahrtausends v. Chr. bis zum Beginn der 1. Dynastie breitete sie sich von Oberägypten nach Norden aus, bis die weniger weit entwickelte Kultur Unterägyptens schließlich darin aufging.

Ihren Namen hat die Naqada- oder auch Negade-Kultur von der ägyptischen Stadt Naqada nördlich von Luxor. 1893 stieß der britische Archäologe Petrie dort auf einen Friedhof mit über 2000 Gräbern. Bestattungsriten und Grabbeigaben unterschieden sich so sehr von Bestattungen der dynastischen Zeit, das Petrie diese Kultur als prädynastisch einordnete.

Die wegweisende soziale, ideologische und politische Entwicklung dieser Zeit vollzog sich in drei Etappen: Naqada I, Naqada II und Naqada III.

Naqada I: ältere prädynastische Zeit (3750–3600 v. Chr.)

Als die zunehmende Trockenheit in der Sahara das Leben immer schwieriger machte, ließen sich die Hirten der Badari-Kultur im fruchtbaren Niltal nieder. Mit der Sesshaftigkeit gingen Siedlungsgründungen einher, deren wachsende Bevölkerung versorgt und geschützt werden musste.

Ca. 85 Friedhöfe und 50 Siedlungen dieser frühen Zeit geben Aufschluss über landwirtschaftlichen Fortschritt sowie Ausgestaltung und Schutz der neuen Gemeinwesen, die den Beginn einer neuen Zeit markieren.

Die Naqada-I-Periode wird nach dem Fundort El-Amra auch amratische Kultur genannt.

Leben

Gewohnt wurde in einfachen Hütten aus Stoff und Matten über einem Holzgestell. Viehzucht und Ackerbau bildeten die Lebensgrundlage der Gemeinschaft. Nutztiere und Kulturpflanzen zeigen eine bislang unerreichte Vielfalt. Sogar Bier wurde bereits gebraut. Daneben wurde weiterhin gejagt und gesammelt.

Das soziale Gefüge war von diesen Lebensumständen bestimmt. Die Frauen verrichteten die Arbeiten rund ums Haus. Die Männer gingen teils noch auf ausgedehnte Jagdunternehmungen, wie Höhlenmalereien in den temporären Unterschlüpfen beweisen.

Keramik/Kunsthandwerk

Herausragendes Merkmal dieser Epoche ist die Bemalung der Keramik. Auf ausgefallenen Gefäßen (z.B. Vasen mit zwei Hälsen) aus rotem Nilton mit dem typischen schwarzen Rand („black topped pottery“) finden sich geometrische Muster in Weiß und Creme. Immer häufiger werden figürliche Darstellungen angefertigt.

Tiere, Jagd, Kult- und Kampfhandlungen berichten von wichtigen Bereichen des Lebens. Erstmalig zeugen Schiffsdarstellungen von der Bedeutung des Handels. Neu sind auch menschliche Figuren, bärtige Männer und auch Frauen.

Schmuck erfreute sich großer Beliebtheit. Gegenstände aus Kupfer kommen vor, bleiben aber selten.

Grabkult

Wie in der Badari-Kultur wurden die Toten auf Friedhöfen bestattet. Die Grabform der in den Boden eingelassenen Stampflehmhütte erinnert an die nomadische Herkunft und das Leben in Zelten. Reiche Grabbeigaben versorgten den Verstorbenen für das Leben im Jenseits.

Naqada II: mittlere prädynastische Zeit (3600–3350 v. Chr.)

In dieser zweiten Etappe der vordynastischen Zeit breitete sich die Naqada-Kultur nach Unterägypten aus und überlagerte die dortigen Kulturen. Nach dem Fundort Girga heißt diese Zeit auch Girga-Kultur.

Leben

Die Einführung einer künstlichen Bewässerung war ein Meilenstein in der Entwicklung der Landwirtschaft, die nun über den Bedarf hinaus produzieren konnte. Dies veränderte das städtische Leben.

In Hierakonpolis finden sich neben den etablierten Rundhütten erstmals Lehmziegelhäuser mit rechteckigem Grundriss, wie sie für die spätere Zeit typisch sein sollten.

Das Leben spezialisierte sich weiter und in den Städten entstanden entsprechend gesonderte Viertel für Herrschaft, Kult und Handwerk. Töpferei, Bearbeitung von Feuerstein und Kupfer, die erstmalige Verarbeitung von Silber und Gold und die Braukunst entwickelten sich weiter. Entsprechend kam dem Handel immer größere Bedeutung zu, sowohl in Oberägypten als auch bis nach Unterägypten, Nubien und in die südliche Levante.

Keramik/Kunsthandwerk

In der Keramik und überhaupt im Kunsthandwerk finden sich überall die Zeichen der neuen Zeit. Verwendung von Mergelton aus der Wüste, fortschreitende Spezialisierung im Handwerk, neue Muster wie Wellenlinien und Spiralen, neue Maltechniken, Ritzdekorationen und Schnürhenkel sind Zeugen des Fortschritts im Bereich der Keramik.

Daneben belegen Gefäße aus Stein, figürliche Darstellungen aus Ton, Werkzeuge aus Feuerstein und eine zunehmende Zahl an Kupfergegenständen unter den Funden die rasante Entwicklung. Eine Neuheit ist die Verarbeitung von Gold und Silber.

Viele Elemente der Bildsprache dieser Zeit werden wegweisend für die späteren Zeiten. So werden Jagdszenen auf Flusspferde und Wüstentiere nur noch im Bereich des Kultes eingesetzt. Die Jagd hatte ihre Bedeutung für das Überleben der Gemeinschaft verloren. Wichtiger geworden war jedoch der Handel, was sich in einer häufigeren und größeren Darstellung von Schiffen äußert. Im Konkurrenzverhältnis der lokalen Machtzentren kommt Kampfszenen besondere Bedeutung zu. Das Erschlagen des Feindes durch den König bleibt ein wichtiges Motiv im Alten Ägypten.

Auch die frontale Darstellung des menschlichen und tierischen Körpers mit zur Seite gewandtem Kopf nimmt den Stil der Pharaonenzeit vorweg. Über die Naqada-Kultur gingen hierin vermutlich Einflüsse aus Babylon, Mesopotamien, Syrien und Palästina in die ägyptische Kunst ein. Auch Tiergefäße aus Kalkstein künden von den Verbindungen zu Vorderasien, das über Siedler am Ostdelta die ägyptische Kunst beeinflusste.

Grabkult

Erstmals entstehen eigene Friedhöfe für die Angehörigen der herrschenden Klassen. Statt in Lehmgruben werden Verstorbene mit vielen kostbaren Grabbeigaben (Keramik, Schmuck, Waffen, Werkzeuge) in rechteckigen Gräbern aus z. T. mehreren Kammern bestattet. Die Sargkammern sind gemauert und es tauchen erste Wandmalereien auf.

Die Leiche wurde einem Verfahren unterzogen, das auf die später übliche Einbalsamierung vorausweist. Im Zentrum des Totenkultes steht die Vorbereitung des Verstorbenen auf das Leben im Jenseits.

Naqada III: jüngere prädynastische Zeit (3350–3100 v. Chr.)

Die Naqada-III-Periode wird auch als präthinitische Zeit (also vor der Thiniszeit, welche die frühdynastische Zeit meint), protodynastische Zeit oder 0. Dynastie bezeichnet. Während die Einteilung nach Kulturen sich nach den archäologischen Funden richtet, beziehen sich die Bezeichnungen protodynastisch oder 0. Dynastie auf das Phänomen, dass Könige lokalen Machtzentren vorstanden.

Diese Zeit wird auf allen Gebieten – sei es Gesellschaft, Kunst oder Grabkult – von der sich vollziehenden Staatenbildung beherrscht.

Leben

Während der Naqada-III-Periode setzte sich die Differenzierung der Gesellschaft weiter fort. Ämter und Hierarchien wurden mit Blick auf das Funktionieren des Staates immer weiter entwickelt.

Es kam einerseits zu einem regen Handel und kulturellen Austausch zwischen den konkurrierenden Kleinkönigtümern. Andererseits wurde die Macht in immer weniger Händen zentriert. Dies führte zu einer Vereinheitlichung im Inneren wie nach Außen.

Bei der Verteilung der Macht scheint der Kontrolle von Handelswegen sowie den Bewässerungsanlagen große Bedeutung zugekommen zu sein. Dies ist nicht verwunderlich, da von ihnen die Lebensgrundlage der Gemeinschaft, Handel und Landwirtschaft, abhing.

Keramik/Kunsthandwerk

Auch in der Kunst schlägt sich der Machtkampf der Kleinkönigtümer nieder und findet in ihr ein Mittel zum Ausdruck der Königsideologie. Steinerne Keulenköpfe waren nun der Elite vorbehalten. Schminkpaletten, die ursprünglich tatsächlich bei Herstellung und Anwendung von Schminke zum Einsatz kamen, dienten nun dem Gedenken an den Herrscher und hatten womöglich kultische Funktion. Das Kunstschaffen ist stark auf die Vermittlung der Königsideologie ausgerichtet. Der Rest der Bevölkerung verschwindet – seiner symbolischen Ausdrucksformen beraubt – in der Anonymität.

Diese Bündelung von Ausdrucksformen in den Händen der Elite führt zu neuen Entwicklungen. Zum ersten Mal kommt der Serech als königliches Namenssiegel zum Einsatz. Es handelt sich dabei um ein langes Rechteck, das in vereinfachter Form den Palast darstellt und von einem Falken gekrönt wird. Es enthält den Horusnamen des Pharaos, der bis in die 4. Dynastie hinein dessen einziger Name war. Schminkpaletten werden erstmals mit erzählenden Darstellungen geschmückt.

In einem Grab bei Abydos tauchen erstmalig Hieroglyphen auf. Im Bereich der Königsideologie erscheinen übernatürliche Wesen. Schlangenhalspanther etwa oder geflügelte Greifen, die den Einfluss des Nahen Ostens verraten. Die Keramik wird zu dieser Zeit immer einheitlicher, die „black topped pottery“ verschwindet.

Grabkult

Die Gräber in Abydos, der Nekropole (Friedhof) des Machtzentrums Thinis und Begräbnisstätte der frühen Pharaonen, stechen in dieser Zeit durch eine besonders reiche Ausstattung hervor. Gleichzeitig werden Gräber in anderen Teilen Ägyptens einfacher, ihre Ausstattung nimmt ab. Dies im Einklang mit der zunehmenden Hierarchisierung der Gesellschaft und Entwicklung der Königsideologie.

Die Könige der prädynastischen Zeit

Ägyptische Könige lassen sich seit der Naqada-II-Periode nachweisen. Allerdings überwiegend durch Tonritzungen, was uns nicht viel über ihre Herrschaft sagt. Einige dieser Könige sind darüber hinaus in ihrer Existenz stark umstritten. Die unterägyptischen Könige sind sogar nur auf dem Palermostein bezeugt. Dabei handelt es sich um eines von zwei größeren Bruchstücken vom Annalenstein der 5. Dynastie, das zusammen mit dem anderen großen Bruchstück, dem Kairostein, und kleineren Stücken die Namen der Pharaonen von der prädynastischen Zeit bis zur 5. Dynastie liefert. Eine zeitliche Einordnung ist dementsprechend nur in ganz seltenen Fällen möglich.

Es lassen sich folgende Könige nachweisen:
Für die Naqara-II-Periode, also die Zeit vor der 0. Dynastie:

  • Fingerschnecke
  • Fisch
  • Pen-abu (um 3300 v. Chr.)
  • Tier
  • Storch
  • Hund
  • Stier (um 3250 v. Chr.)
  • Skorpion I. (um 3250 v. Chr.)

Unter die Herrschaft von Skorpion I. soll die Einführung von Schrift und Bewässerungsanlagen fallen.

Für die 0. Dynastie:

  • Hedju-Hor (um 3200 v. Chr.)
  • Ni-Hor (um 3100 v. Chr.)
  • Doppelfalke (um 3100 v. Chr.)
  • Ni-Neith
  • Hat-Hor
  • Krokodil (um 3100 v. Chr.)
  • Iri-Hor
  • Skorpion II. (um 3025 v. Chr.)
  • Ka/Sechen (um 3020 v. Chr.)
  • Narmer (um 3000 v. Chr.)

Für die letzten drei dieser Könige wurden Gräber in Abydos (für Skorpion II. vielleicht in Hierakonpolis, von wo eine Darstellung des Königs mit der weißen Krone Oberägyptens stammt) nachgewiesen. Die Einordnung von Narmer in die 0. Dynastie ist umstritten. Manche Forscher setzen ihn mit dem ersten Pharao Menes gleich.

Für Unterägypten:

  • Seka
  • Iucha
  • Tiu
  • Itjiesch
  • Niheb
  • Wenegbu
  • Imichet
  • Wasch

Der Weg zur Staatenbildung in prädynastischer Zeit

Der Weg zur Staatenbildung vollzog sich durch allmählichen Zusammenschluss zu immer größeren Einheiten bis hin zu Kleinkönigtümern. Deren Verhältnis zueinander ist nicht sicher geklärt. Das Neben-, Mit- und Nacheinander scheint sowohl von wirtschaftlichem und kulturellem Austausch wie auch von kriegerischen Auseinandersetzungen bestimmt gewesen zu sein. Insbesondere in der letzten Phase der prädynastischen Zeit, zur Zeit der 0. Dynastie, verdichteten sich die Ereignisse, die schließlich zur ersten Reichseinigung führten.

Proto-Staaten

Bereits in der Naqada-I-Periode schlossen sich die Siedlungen mit der Zeit zu Häuptlingstümern zusammen, aus denen sich später die Gaue entwickelten. Aus diesen gingen wieder später um die acht Proto-Staaten hervor. Diese staatlichen Vorformen wurden von einer lokalen Elite in den Zentren Abydos, Abadijeh, Naqada, Gebelein, Hierakonpolis, El-Kab, Edfu und Elephantine geführt und unterschieden sich nach dem Zeugnis der Funde durch kulturelle Eigenheiten.

Kleinkönigtümer: Thinis, Naqada, Hierakonpolis

Das Nebeneinander führte zu einer Konkurrenz um Land und Wasser. Die daraus resultierenden Konflikte bereiteten den Weg für die weitere Entwicklung. Im Laufe der Zeit, möglicherweise bereits zu Beginn der Naqada-II-Periode, möglicherweise aber auch erst in der Naqada-III-Periode, reduzierte sich die Zahl der Kleinkönigtümer auf drei: Thinis (arabisch: Girga), Naqada und Hierakonpolis (ägyptisch: Nechen).

Welches dieser Königtümer schließlich einen einheitlichen oberägyptischen Staat schuf, ist unsicher. Schäden im Friedhof von Hierakonpolis sowie die Sage vom Kampf zwischen Horus und Seth mit ihren Kultstätten in Hierakonpolis und Nagada könnten Kriegshandlungen nahelegen.

Erste Reichseinigung

Der neue Staat breitete sich bald weiter aus nach Unterägypten. Ob das Ende der unterägyptischen Kultur durch militärische, wirtschaftliche oder kulturelle Kräfte, insbesondere durch einen Bevölkerungszustrom aus Oberägypten, herbeigeführt wurde, ist unklar. Am Ende dieser Entwicklung jedenfalls stand ein einheitlicher Staat, der Ober- und Unterägypten umfasste. Wie diese Reichseinigung sich gestaltete, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Verschiedene Thesen werden diskutiert:

  • These 1: Menes als erster Reichseiniger
  • These 2: Narmer als Reichseiniger
  • These 3: Reichseinigung als andauernder Prozess
  • These 4: Reichseinigung, Expansion oder Krieg

Menes als erster Reichseiniger

Meist wird angenommen, dass der erste Pharao Menes die erste Reichseinigung herbeigeführt hat. In diesem Fall muss man Menes mit Narmer gleichsetzen (und nicht mit Aha, wie manche Forscher es tun). Denn das Hauptargument für die Zuweisung der Reichseinigung an Menes/Narmer liefert die sog. Narmer-Palette.

Narmer-Palette

Die weltberühmte Schminkpalette zeigt den König Narmer auf Vorder- und Rückseite, einmal mit der Roten Krone Unterägyptens, einmal mit der Weißen Krone Oberägyptens. Auf der Vorderseite ist die Siegesfeier Narmers dargestellt, zwei Schlangenhalspanther vertreten den König im Zusammenhang des Vereinigungsfestes als Herrscher über Ober- und Unterägypten. Auf der Rückseite findet sich das Motiv vom Erschlagen des Feindes, was von einigen Wissenschaftlern als Sieg des oberägyptischen Narmers über Unterägypten ausgelegt wird.

Setzt man Narmer mit Menes gleich, scheint diese Auslegung durch die Königsanalen, jährliche Berichte über wichtige Ereignisse und Taten des Königs, gestützt zu werden. Doch wird Menes hier möglicherweise nur eine mythologische Rolle als Reichsgründer zugeschrieben. So wie es sich bei dem erst zwölfhundert Jahre nach seiner Regierungszeit in Quellen belegten Menes selbst vielleicht auch um eine rein mythische Figur handelt.

Nun könnte man natürlich auch ohne die Identifizierung von Menes mit Narmer in der Narmer-Palette ein Zeugnis für die erste Reichsgründung sehen und diese Narmer zuschreiben. Allerdings spricht einiges dagegen. Vielmehr verdichten sich die Hinweise, dass es die eine, erste Reichseinigung so gar nicht gegeben hat.

Reichseinigung als Prozess

Zunächst einmal gibt es keine Möglichkeit festzustellen, ob der auf der Palette dargestellte Sieg über ganz Unterägypten oder nur über einen Teil errungen wurde.

Außerdem sahen sich schon Narmers Vorgänger im Zusammenhang mit dem Vereinigungsfest als Herrscher von Ober- und Unterägypten. Die ägyptischen Begriffe für Ober- und Unterägypten, Schemau und Mehu, sind etwa schon unter König Iri in prädynastischer Zeit belegt.

Darüber hinaus weisen archäologische Funde den Warenaustausch zwischen Ober- und Unterägypten bereits in prädynastischer Zeit nach. Dieser könnte wirtschaftlich oder rituell motiviert gewesen sein. In jedem Fall legt er die Existenz eines zentral regierten Ägyptens nahe.

Zuletzt kann man nicht umhin anzuerkennen, dass spätere altägyptische Quellen von mehreren Reichseinigungen in einem längeren Zeitraum sprechen.

Nimmt man all diese Hinweise zusammen, so scheint es die eine Reichseinigung gar nicht gegeben zu haben. Vielmehr handelte es sich vermutlich um einen jahrhundertelangen Prozess. Bei diesem kam es immer wieder zur Einigung und Trennung verschiedener Regionen in Abhängigkeit von den aktuellen Landesgrenzen. Die Anfänge dieser Entwicklung scheinen bereits in der Zeit vor Narmer/Menes zu liegen, also in prädynastischer Zeit.

Eroberung oder friedliche Expansion?

Die Narmer-Palette mit ihrem Motiv vom Erschlagen des Feindes scheint auf eine militärische Eroberung Unterägyptens durch Oberägypten hinzuweisen. Es ist nicht auszuschließen, dass es in einem jahrhundertelang dauernden Prozess auch zu Kampfhandlungen gekommen ist. Es gibt aber auch Hinweise darauf, dass die Reichseinigung die Form einer friedlichen, langsamen Expansion annahm.

Die riesige Zahl von Gefangenen des Narmer wird angesichts einer realistischen Heeresgröße dieser Zeit wohl eher eine Zählung der gesamten Bevölkerung darstellen, die gesammelt als Rebellen bezeichnet werden.

Auch das Verhältnis von Rebellen zu Viehbeständen gibt zu denken. Im neuen Reich lag das Verhältnis bei 1 : 10, was darauf zurückzuführen ist, dass Viehbestände als Tributzahlungen von Regionen kamen, die nicht zum Kernreich gehörten. In prädynastischer und frühdynastischer Zeit jedoch lässt ein Verhältnis von 1 : 3 vermuten, dass größere Regionen nach und nach dem Reich einverleibt wurden samt Bewohnern (Rebellen) und Vieh.

Wie die Reichseinigung im Einzelnen auch abgelaufen sein mag. Am Ende stand die zentrale Herrschaft eines Königs über ein geeintes Ägypten. Ermöglicht wurde dies durch die Entwicklungen der prädynastischen Zeit.

Zusammenfassung

  • Die Prädynastik Ägyptens bezeichnet den Zeitraum in der ägyptischen Geschichte, in der der Boden für die Herrschaft eines Pharaos über ein geeintes Ägypten gelegt wurde.
  • Dies geschah im Wesentlichen in drei Phasen: Naqada I, Naqada II und Naqada III.
  • Die erste Phase legte den Grundstein für eine sesshafte Gesellschaft auf der Grundlage von Landwirtschaft mit einem Glauben an ein ewiges Leben nach dem Tod.
  • Die zweite Phase sah eine zunehmende Spezialisierung und Differenzierung der Gesellschaft. Die herrschende Elite wird zum dominierenden Element im gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und künstlerischen Leben der Gemeinschaft und selbst im Tod (Eliten-Friedhöfe).
  • In der letzten Phase steht jede Entwicklung im Zeichen der Kleinkönigtümer und ihrem Weg zu größerer Macht. Technischer Fortschritt (Bewässerungsanlagen), Wirtschaft (Kontrolle der Handelswege), Ideologie – alles dient der Konzentration von Macht in den Händen weniger.
  • Im Wettbewerb und Austausch der Kleinkönigtümer kam es so zu einer Vereinheitlichung der Kultur in Ägypten. Auf eine Einigung Oberägyptens folgte eine vermutlich allmähliche und weitestgehend friedliche Expansion des Reiches.
  • Am Ende der Entwicklung steht die Herrschaft eines Pharaos über ein Reich. Die erste Dynastie setzt auf den Leistungen der prädynastischen Zeit an. Viele Charakteristika dieser Zeit bleiben fortan typisch für die Hochkultur des Alten Ägypten.

Literatur und Quellen

  • Robert Forrer: Über Steinzeit-Hockergräber zu Achmim, Naqada etc. in Ober-Ägypten, und über europäische Parallelfunde, ISBN 1012193519
  • Regine Schulz (Hrsg.), Matthias Seidel (Hrsg.): Ägypten – Die Welt der Pharaonen, ISBN 3895085413
  • Hermann A. Schlögl: Das Alte Ägypten: Geschichte und Kultur von der Frühzeit bis zu Kleopatra, ISBN 3406549888

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