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13 Merkmale von Hochkulturen und ihre Bedeutung an Beispielen erklärt


Eine Kultur wird im Allgemeinen dann als Hochkultur bezeichnet, wenn sie in allen gesellschaftlichen Bereichen herausragende Errungenschaften hervorgebracht hat. Wenn die nachfolgenden Merkmale auf eine bestimmte Gesellschaft zutreffen, ist von einer Hochkultur die Rede:

  1. eine komplexe gesellschaftliche Hierarchie mit einem Herrscher an der Spitze
  2. ein organisiertes Verwaltungs-, Regierungs- und Rechtssystem
  3. ein organisiertes Militärwesen
  4. eine differenzierte Religion
  5. eine Entwicklung von Wissenschaften
  6. Schrift, ein Bildungssystem und Literatur
  7. eine entwickelte Technologie
  8. eine entwickelte Landwirtschaft
  9. eine Arbeitsteilung und spezialisierte Berufe
  10. Kunst und Architektur mit Monumentalbauten
  11. Städte, Handel und eine Infrastruktur
  12. ein einheitliches Kalendersystem
  13. zeitlichen Anfang und Ende

Es besteht Einigkeit darüber, welche Merkmale eine Hochkultur definieren. Fehlen diese, handelt es sich nicht um eine Hochkultur. Ausnahmen bestätigen aber die Regel: Das Inka-Reich hatte keine Schrift im eigentlichen Sinne. Dennoch war es eine Hochkultur erster Güte.

Es erlebte seinen absoluten Höhepunkt innerhalb von etwa einhundert Jahren, zwischen ca. 1410 bis zum 16. November 1532. An diesem Tag besiegten die Spanier unter Francisco Pizarro den letzten Inka-Herrscher Atahualpa.

Die Inka entwickelten keine Schriftzeichen, sondern eine Knotenschrift, Khipu genannt. Verschiedenartige Knoten an verschiedenfarbigen Schnüren aus unterschiedlichen Materialien dienten zur Kommunikation – zur Dokumentation und zur Nachrichtenübermittlung.

Wie entstehen Hochkulturen?

Eine Hochkultur kann sich nur dann entwickeln, wenn es einen mächtigen Anführer gibt, der sich einen Herrschaftsbereich aneignet und ihn erfolgreich in die Zukunft führt. Seine Herrschaft legt die Grundlagen für all die Merkmale, die später eine Hochkultur ausmachen. Dass es sich dabei um den Herrschaftsanspruch einer mächtigen Elite handelt, ist klar.

Ein Herrscher ist von seiner Familie und von treuen Gefolgsleuten umgeben, die bestimmte Aufgaben innerhalb seiner Herrschaft übernehmen: Sie leiten die Verwaltung, leiten Bauprojekte, kümmern sich um die Eintreibung der Steuern und organisieren die Armee. Über allem steht der Herrscher. Wenn es schlecht für ihn läuft, wird er von seinen eigenen Leuten ermordet und ersetzt.

Der Herrscher, seine Angehörigen und engsten Vertrauten nehmen von Anfang an bestimmte Vorrechte in Anspruch. Diese Privilegien werden den Nachkommen vererbt. Es entstehen konkurrierende adlige Linien, die immer wieder um die Macht kämpfen.

Arten von Hochkulturen

Allerdings gibt es völlig unterschiedliche Arten von Hochkulturen. Viele waren sogenannte hydraulische Kulturen, die sich entlang eines großen Flusses entwickelten. Dies war im alten Ägypten der Fall, als die Bewohner sich am Nil (ca. 4000 v.Chr. ) ansiedelten. Der altägyptische Name des Reiches lautete „Kemet“, was „schwarzer Schlamm“ bedeutet und auf das Flussufer hindeutet.

Die Hochkultur der Sumerer siedelte ab circa 11.000 v. Chr. in Mesopotamien. Diese erste Hochkultur der Menschheitsgeschichte entstand an den Flüssen Euphrat und Tigris, im heutigen Pakistan. Von dort aus siedelten die Menschen weiter zum Indus oder in China zum Gelben Fluss. Flüsse dienten diesen hydraulischen Hochkulturen nicht nur zur Bewässerung für die Landwirtschaft, sondern auch als Verkehrsadern und Transportwege für Baumaterial, Nahrungsmittel oder Nachrichten.

Es gab aber auch Hochkulturen, die keinen speziellen Fluss als Lebensgrundlage hatten. Sie dehnten sich über riesige Gebiete und verschiedene Landschaften aus, über Wüsten, Gebirge und auch Regenwälder. Diese Form der Hochkultur (ohne Fluss) war das Inka-Reich im Westen Südamerikas, die minoische Kultur auf Kreta, die Maya oder auch die Azteken in Mittelamerika. Hochkulturen können überall entstehen, wo die Bedingungen dafür geeignet sind.

Gründe für den Untergang von Hochkulturen

Der Aufstieg einer Gesellschaft zur Hochkultur beginnt mit dem Machtstreben eines Anführers und seiner Unterstützer. Auch der Untergang einer Hochkultur hängt von ihrem Herrscher ab. Wenn es zu einem Machtverlust des Anführers und dadurch bedingt zu einem Kontrollverlust über die Institutionen und über die Untertanen kommt, ist das der Anfang vom Ende.

Immer steht am Ende einer hochkulturellen Epoche der Sieg über den Herrscher. Zumeist handelt es sich bei den Bezwingern um ausländische Siegermächte. Es können aber auch ehemalige Vasallen oder inländische Oppositionelle sein, die durch Aufstände und Kriege die Macht des Herrschers brechen und dadurch einen kulturellen Niedergang einleiten.

Das Ende des altägyptischen Reiches wurde durch den Sieg der Römer über die Ägypter und dem anschließenden Freitod von Kleopatra besiegelt. Auch der Niedergang der Maya begann mit einer Eroberung nach einer verlorenen Schlacht, bei der das mächtige Calakmul besiegt und der Herrscher gefangengenommen wurde.

Das Reich der Inka in Südamerika und das Reich der Azteken in Mexiko endeten mit ihrer Eroberung durch die Spanier und der Ermordung ihrer Könige. Alle mesopotamischen, vorderasiatischen und kleinasiatischen Hochkulturen endeten mit verlorenen Schlachten, von Sumer und Akkad über Babylon und Assyrien bis zum Hethiter- und dem Perserreich.

Umweltbedingte Gründe, die zum Niedergang einer Hochkultur beitrugen, können nicht ausgeschlossen werden. Dazu zählen die Überbeanspruchung der landwirtschaftlich genutzten Böden, der Raubbau an den natürlichen Ressourcen und Naturkatastrophen wie Überschwemmungen oder Dürren, die Hungersnöte und eine Entvölkerung zur Folge hatten.

Dennoch standen am Ende solcher Krisen und Katastrophen verlorene Schlachten eines geschwächten Reiches gegen Gegner, die ihre Chance nutzten. Der Untergang kam entweder schnell oder zog sich Jahrzehnte hin. Aber aufzuhalten war er nicht. Das zeigt die Geschichte.

Warum sind das römische Reich und das antike Griechenland keine Hochkultur?

Es scheint absurd, dass weder von einer griechischen noch von einer römischen Hochkultur die Rede ist. Alle Merkmale einer Hochkultur treffen auf das Antike Griechenland und das Römische Reich zu. Dennoch ist keine Rede davon.

Woran liegt das?
Eine Antwort darauf ist vermutlich die Tatsache, dass „klassische“ Hochkulturen zeitlich abgeschlossen sind. Sie haben einen einigermaßen definierten Anfang und ein klares und deutliches Ende. Diese Feststellung sollte ebenfalls als ein Merkmal einer Hochkultur festgehalten werden.

Die griechische und römische Kulturen sind nicht abgeschlossen, sondern wirken noch heute. Die griechische Kultur ist in vielen Aspekten in der römischen aufgegangen. Die Philosophie, die Mythologie, die Kunst, die Architektur, alle bedeutenden kulturellen Errungenschaften der Griechen wurden von Rom übernommen und angepasst oder schlichtweg kopiert. Die römische Kultur, und damit auch die griechische, sind in Europa bis heute bedeutsam. Sie hat bis heute kein definiertes Ende. Wir leben noch mitten in einer Art römischen Spätzeit.

Die griechische und römische Kultur können erst dann als Hochkulturen bezeichnet werden, wenn wir uns zeitlich von ihnen distanziert haben. Das ist noch nicht geschehen und wird wohl noch eine sehr lange Zeit dauern. Wann das sein wird, kann niemand sagen. Irgendwann in der Zukunft wird von einer römischen Hochkultur gesprochen werden, aber dann sind wir schon lange ein Teil ihrer Geschichte.

Hochkulturen werden nicht entdeckt, während sie noch existieren, sondern erst, wenn es sie nicht mehr gibt. Es handelt sich um einen rückblickenden Prozess, wenn es um die Definition und Kategorisierung einer Kultur geht.

Über den Autor:

Mein Name ist Mathias Mücke und ich bin Autor und Inhaber von ScioDoo.

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Gleichzeitig will ich das Wissen recht unterhaltsam servieren, so dass du vielleicht mal wiederkommst.

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LG Mathias Mücke


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