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6 Gründe, warum Ägypten eine Hochkultur war


In den Geschichtswissenschaften und der Archäologie wird der Begriff Hochkultur im Sinne einer komplex organisierten Gesellschaft verwendet. Oft ist in diesem Zusammenhang auch die Rede von einer Zivilisation. Eine Hochkultur ist also eine Zivilisation mit einer komplexen Gesellschaft, in der alles miteinander verflochten ist. Alle sozialen Bereiche weisen eine entwickelte Form auf und stehen vollständig miteinander in Beziehung.

Laut Auffassung der Geschichtswissenschaft, weist eine Hochkultur folgende Merkmale auf:

  1. entwickelte Technik (zum Beispiel der Nilkalender in Ägypten)
  2. Landwirtschaftliche Errungenschaften, wie Pflugbau und Überproduktionen
  3. Marktwesen und Handel, welches durch Überproduktion gewährleistet wird
  4. Schrift (Hieroglyphen)
  5. Zentrale Verwaltung durch Staatsdiener eines König oder Pharaos
  6. Soziale Differenzierung (Klassengesellschaft mit Sklaven, Staatsdienern, Bürgern und Pharaonen als Oberhäuptern)

In anderer Literatur werden sogar 13 Merkmale für Hochkulturen genannt, welche sich mit obigen überschneiden.

  1. eine komplexe gesellschaftliche Hierarchie
  2. organisiertes Verwaltungs-, Regierungs- und Rechtssystem
  3. Militärwesen mit Rängen und Rangstufen
  4. Religion mit Religionsdienern auf verschiedenen Hierarchiestufen
  5. Entwicklung von Wissenschaften
  6. Schriftsystem, wodurch Gesetze und Ordnung, Handel und Wirtschaft festgeschrieben werden können
  7. Entwicklung von Technologie
  8. Entwicklung von Landwirtschaft und Vorratshaltung, wodurch Überschüsse gehandelt werden können
  9. eine Arbeitsteilung und spezialisierte Berufe
  10. Kunst und Architektur mit Monumentalbauten (Pyramiden)
  11. Ausbau von Infrastruktur, um Handel betreiben zu können
  12. ein einheitliches Kalendersystem
  13. zeitlichen Anfang (Reichseinigung durch Menes circa 3000 v.Chr.) und Ende (Untergang, spätestens 395 n.Chr. mit Teilung Roms als Ägypten bereits römische Provinz war)

Alle diese Merkmale wies Ägypten auf, weshalb die Geschichtswissenschaft von einer Hochkultur Ägyptens spricht.

Der Ursprung der ägyptischen Hochkultur

Eine der Grundlagen für die Entstehung der altägyptischen Hochkultur war die Erfindung der Schrift. Denn ohne Schrift keine Verwaltung. Und ohne Verwaltung keine differenzierte politische und religiöse Organisation. Schließlich wäre ohne Politik und Religion auch keine Kunst und Monumentalarchitektur, kein überregionaler Handel, keine zukunftsweisende Technik, keine effiziente Landwirtschaft, keine Arbeitsteilung möglich gewesen. Und letztendlich wäre ohne Arbeitsteilung keine Steuereinnahmen, keine Städte und kein Militär möglich.

Das alte Ägypten wurde erst durch die Einigung zur Hochkultur

Der Nil ist noch heute die Lebens- und Hauptverkehrsader Ägyptens. Ohne den Fluss gäbe es kein Ägypten und keine ägyptische Hochkultur. Die Ägyptologie, das ist die Wissenschaft, die sich mit den Hinterlassenschaften des alten Ägyptens beschäftigt, legt den Anfang des ägyptischen Staates und damit der ägyptischen Hochkultur auf etwa 3000 v. Chr. fest. Denn etwa zu dieser Zeit gelang es einem Herrscher mit dem Namen Menes, die Macht über Gesamtägypten an sich zu reißen.

Ihm gelang die Reichseinigung. Es gab aber schon Jahrtausende zuvor steinzeitliche Kulturen im Niltal. Diese Kulturen sind nach ihren Hauptfundorten benannt und existierten regional begrenzt: Fayumien, Merimde, Badari, Naqada oder Maadi.

Kulturgeschichte ist auch immer Klimageschichte. Als um 6000 v. Chr. die Trockenheit zunahm zogen sich die Menschen aus den Wüstenregionen in die zurückbleibenden Oasen und an den Nil zurück. Aus Jägern und Sammlern wurden Ackerbauern, Viehzüchter und Fischer. Je enger die verschiedenen Menschengruppen und Großfamilien zusammenrücken mussten, desto mehr Streitigkeiten und Kämpfe wurden ausgefochten.

Am Ende war es Menes, der als erster König über das gesamte Land herrschte. Er gilt als der Begründer der 1. Dynastie. Die ägyptische Hochkultur existierte von dieser Zeit an 3000 Jahre lang bis zu ihrer Eroberung durch die Römer 30 v. Chr. Kleopatra war die letzte Königin Ägyptens. Mit ihrem Tod wurde Ägypten Teil des Römischen Reichs.

Das alte Ägypten war eine hydraulische Hochkultur, deren Grundlage die Landwirtschaft war

Viele Hochkulturen waren sogenannte hydraulische Kulturen, also welche, die sich an einem Fluss entwickelten. Der Nil war einerseits die Lebensader Ägyptens. Er konnte aber auch den Tod bringen. Blieben die Überschwemmungen aus, hungerten die Menschen und verhungerte das Vieh. Waren die Fluten zu gewaltig, wurde alles überschwemmt und vernichtet. Die organisierte Anstrengung, den Fluss zu kontrollieren, um das Leben an seinen Ufern dauerhaft zu ermöglichen, kann als der eigentliche Beginn der ägyptischen Hochkultur bezeichnet werden.

Gemeinschaftlich wurden Kanäle gebaut und das Wasser vom Fluss in die Felder geleitet. Der Fluss brachte nährstoffreiche Mineralerde aus dem Inneren Afrikas mit sich und lagerte sie während der Überschwemmungszeit ab. Das Fruchtland rechts und links des Nils bildete die Grundlage für die Ernährung der gesamten Bevölkerung. Die Dörfer und Städte entwickelten sich direkt angrenzend am Fruchtlandrand in der Wüste, um kein wertvolles Ackerland zu verschwenden.

Der Regierungsapparat entwickelte sich parallel und rasant. Durch das gezielte Bewässern während der Trockenzeit konnte die Ernte besser geplant werden. Beamte berechneten die an den König abzugebenden Steuern in Form von Ernteanteilen. Dazu brauchte es die Schrift, die Mathematik und die Astronomie zur Berechnung des Kalenders mit seinen drei Jahreszeiten der Überschwemmung, der Aussaat und der Ernte. Anhand der Beobachtung von Sternenaufgängen konnten die Daten genau bestimmt werden.

Hierarchische Gesellschaft im Alten Ägypten

Ein Merkmal von Hochkulturen ist es, dass deren Gesellschaft ein Hierarchiesystem mit Ständen, Rangordnungen und Klassen aufweist. Im sogenannten Alten Reich (2707–2216 v. Chr.), welches die Dauer der 3. bis 6. Dynastie zusammenfasst, entstanden die großen Pyramiden.

Die heute noch in Gizeh stehenden Pyramiden von Cheops, Chephren und Mykerinos wurden während der 4. Dynastie (2620 bis 2500 v. Chr.) erbaut, als diese drei Pharaonen ihre Regierungszeit dem Bau dieser Weltwunder widmeten.

Diese Bauleistung setzte eine enorme Kraftanstrengung und Fokussierung der Gesamtbevölkerung voraus, welche geplant, umgesetzt und permanent angepasst werden musste. Solche Prozesse erforderten eine Zentralverwaltungsmacht (König) mit Staatsbeamten, welche diesen Plan in die unteren Stände einbringen. Und spätestens im Alten Reich war Ägypten eine absolute Monarchie mit einem Pharao an seiner Spitze.

Dem Pharao unterstanden die Beamten, welche einzelne Verwaltungsbezirke (Gaue) verwalteten. Unter diesen Gauleitern standen die Handwerker und Bauern.

Für die Versorgung des Reiches waren die Bauern verantwortlich, welche ihr Getreide als Tribut zahlten, den die Beamten eintrieben. Andere Lebensmittel, welche nicht haltbar waren – wie Fleisch oder Gemüse – durften die Bauern behalten.

Da der Nil immer Überschwemmungsphasen und Trockenphasen brachte, konnten die Bauern ihre Felder nicht das ganze Jahr bewirtschaften. In diesen Zeiten wurden sie zum Militärdienst eingezogen oder verrichteten Tätigkeiten beim Pyramidenbau.

Dieses Ständesystem ermöglichte, dass alle Ressourcen des Landes zielgerichtet eingetrieben und verteilt worden, wodurch die Grundlage für die kulturellen Errungenschaften (Bauwerke, Tempelkult) im Alten Ägypten gelegt wurde.

Politik, Recht und Verwaltung im Alten Ägypten

Ägypten wurde zentral durch einen König (Pharao) verwaltet, welcher als Nachkomme des Sonnengottes Re betrachtet wurde. Durch die Stammeslinie mit den Göttern war der Pharao nicht nur ein irdischer Herrscher, sondern dessen Amt wurde als göttlich betrachtet.

Als Alleinherrscher besaßen Pharaonen uneingeschränkte Macht, ihnen gehörte das Land und der Boden und sämtliche Kostbarkeiten, welche das Reich hervorbrachte.

Pharaonen hatten Ehen mit mehreren Frauen. Allerdings wurde eine Hauptfrau bestimmt, deren ältester Sohn zum Nachfolger des Königs bestimmt wurde. Die Regierungszeit eines Pharaos erstreckte sich vom Thronantritt bis zu seinem Tod.

Die Maat war ein Konzept im Alten Ägypten, welches aus deren Mythologie hervorging und durch die Göttin Maat verkörpert wurde. Sie war die Verkörperung von Recht und Gesetz, einer Moral und Weltordnung. Dargestellt wurde Maat mit Straußenfedern und dem Ankh-Symbol in der Hand. Des Königs Aufgabe war es, der Weltordnung der Maat zu folgen, indem er Gesetze und Verordnungen erließ.

Weiterhin lenkte der König den Handel, die Wirtschaft, befehligte das Militär und bestimmte die Bauprogramme, welche insbesondere während der Zeit des Alten Reiches (circa 2707–2216 v. Chr.) die großen Pyramiden hervorbrachte. Er ernannte die obersten Minister und sorgte dafür, dass die Tempelkulte eingehalten worden.

Das Alte Ägypten war ein Beamtenstaat, in welchem mehr als 2000 verschiedene Beamtentitel existierten. Durch dieses groß angelegte Verwaltungswesen war es möglich, dass die großen Tempelanlagen, Pyramiden, Sphinx und Königsgräber geplant und zielgerichtet erstellt werden konnten. Dabei war das Verwaltungswesen hierarchisch aufgebaut. An oberster Stelle stand der Wesir, welcher direkt dem König unterstellt war. Auf zweiter Verwaltungsebene folgten wichtige Ämter, wie Schatzmeister, Bauleiter oder Bürgermeister. Eine Sonderstellung nahmen die Siegler des Königs (Chetemti-biti). Dieser Titel wurde an die ranghöchsten Beamten vergeben.

Hemaka war ein Siegler des Königs von Unterägypten, welcher als sicher belegt ist. Er diente dem Pharao Den aus der 1. Dynastie. Der Titel des Sieglers ist bis zur Spätzeit belegt, wurde allerdings in verschiedenen Dynastien anders ausgelegt und unterlag einem Bedeutungswandel. So genossen die Siegler in der Frühzeit das Recht, sämtliche Güter des Königs mit einem Siegel zu versehen, wodurch der Titelträger zu einem Vertreter der Königsmacht wurde. Ihm wurde zugleich die Strukturierung und Führung sämtlicher Verwaltungsaufgaben übertragen.

In späteren Dynastien war der Chetemti-biti lediglich ein Rangtitel ohne spezielle Funktion, verlieh seinem Träger allerdings eine soziale Sonderstellung im engsten Kreis der Königsberater.

Der Beamtenstatus war während der gesamten Hochkulturzeit, über alle Reiche und Dynastien hinweg, ein anerkannter und sozial umworbener Titel. Höhere Beamte hatten eine größere geografische Königsnähe als niedere Beamte. So waren die wichtige Beamte bspw. der Palastverwalter oder Aktenschreiber. Auch hatten höhere Beamte eine Chance darauf, eine eigene Grabanlage zu erhalten.

Obwohl das Alte Ägypten zentral, durch einen König, regiert wurde – war das Reich politisch unterteilt. So gab es in den einzelnen Provinzen, welche als Gaue bezeichnet wurden, jeweils Gaufürsten mit eigener Führungsaufgabe und einer zentralen Gauhauptstadt. Alle nördlichen Gaue wurden dann von Memphis und alle südlichen Gaue von Theben aus geleitet. Später wurden die Gaufürsten durch Beamte ersetzt, welche die selbe Funktion ausführten.

Gemeinschaftsprojekte und Arbeitsteilung in der Hochkultur Ägyptens

Eine Hochkultur kann entstehen, wenn alle Menschen zentral organisiert an einem Projekt arbeiten. Das war nach der Reichseinigung das Bewässerungssystem, später waren es die großen Monumentalgräber der Fürsten, die Pyramiden und Totenkulttempel der Könige, die Tempelanlagen der verschiedenen Götter und die Festungsanlagen an der Landesgrenze im Süden.

Gemeinschaftsprojekte stärken das Zusammengehörigkeitsgefühl. Durch die Zusammenarbeit entsteht eine Arbeitsteilung und es bilden sich Spezialisten und Berufsgruppen heraus. Die Gesellschaft differenziert sich immer mehr. Es entsteht eine komplexe, hierarchische Ordnung mit dem König an der Spitze und einem großen Verwaltungsapparat. Die hohen Beamten organisieren den Staat, Generäle das Militär und Oberpriester die Priesterschaften der großen Reichsgötter Horus, Re, Amun oder Aton und der vielen anderen Gottheiten im Land.

Die ägyptische Hochkultur war eine Schriftkultur

Die Existenz einer Schrift ist ein Hauptmerkmal einer Hochkultur. Ägypten war eine Schriftkultur ersten Ranges. Eine unüberschaubare Anzahl schriftlicher Hinterlassenschaften aus drei Jahrtausenden zeugt vom Grad der literarischen und damit kulturellen Entwicklung Ägyptens. Die Hieroglyphen wurden 1822 von Jean François Champollion entziffert und die großen Texte sind längst übersetzt.

Die Hieroglyphenschrift machte eine Zivilisation für Ägypten möglich. Denn die Aufgaben, welche eine Zentralregierung planen und vergeben musste, nahmen an Komplexität zu – weshalb das schriftliche Festhalten unabdingbar war. Die Sumerer gelten als erste Hochkultur der Menschheitsgeschichte, und zwar deshalb, weil sie die Schrift als Erstes erfunden haben. Etwa 200 Jahre nach den Sumerern erfanden die Ägypter die Schrift um circa 3000 v. Chr.

Fortan konnte der Handel mit Waren schriftlich festgehalten werden. Gesetze und Diskrete konnten schriftlich fixiert werden. Das Aufstellen einer Ordnung, welche auf Recht und Gesetze basiert, sichert Besitztümer zu, schafft rechtliche Sicherheit und bewahrt somit Frieden innerhalb einer Bevölkerung. Dadurch kann eine Gesellschaft zur Zivilisation heranreifen. Außerdem konnten Ereignisse und Errungenschaften für die Nachwelt festgehalten werden. In der Menschheitsgeschichte bildet der Übergang zur Schrift, den Übergang von der Urgeschichte zur Frühgeschichte.

Ebenso wie im Laufe der Jahrhunderte die ägyptische Gesellschaft immer komplexer wurde, veränderte sich auch die Schrift. Waren es am Anfang nur wenige Hieroglyphen, fanden am Ende der Geschichte etwa 7000 Schriftzeichen Verwendung.

Die Hieroglyphenschrift ist eine Monumentalschrift. Das heißt: Hieroglyphen wurden in Stein gemeißelt. Sie waren heilig und wurden für heilige Zwecke verwendet: in Gräbern, in Tempeln, im königlichen Umfeld. Für profane, alltägliche und gewöhnliche Zwecke wurde hieratisch geschrieben. Hieratisch ist die Schreibschrift, eine kursive Hieroglyphenschrift. Verwaltungsdokumente über Steuereinnahmen, Überschwemmungshöhen oder Lebensmittelzuteilungen für die Arbeiter, Zaubersprüche, Schreibübungen von Schülern, Handwerkernotizen auf Werkstücken und vieles mehr ist in Hieratisch überliefert.

Exkurs: Der König und die Götter

Der Bezeichnung Pharao für den ägyptischen König tauchte zum ersten Mal etwa 1500 v. Chr. auf, wurde aber nie Teil der offiziellen Titulatur des Königs. Entgegen der verbreiteten Meinung, wurde der ägyptische König nie als Gott verehrt. Das Königtum, also das Amt an sich war göttlich. Der Herrscher selbst galt als Sohn des Sonnengottes und als Mittler zwischen Himmel und Erde.

Aber…
Der König wurde nie mit dem Sonnengott identifiziert. Er repräsentierte den Sonnengott, der durch ihn auf der Erde regierte. Starb ein König, stieg er in den Himmel auf zu den Göttern. Erst im Tod wurde der König göttlich. Auf der Erde übernahm ein Nachfolger das heilige Amt, idealerweise ein Sohn des verstorbenen und jetzt göttlichen Königs. Auf diese Weise saß tatsächlich ein Sohn Gottes auf dem Thron.

Religion im Alten Ägypten

Die Ägypter beschäftigten sich ihr Leben lang mit dem Leben nach dem Tod. Daraus entstand ein Totenkult, welcher so etabliert war, dass dieser die Weltsicht und den Alltag der Menschen bestimmte. Durch die lebenslange Ausgestaltung ihrer Gräber entstand ein Wettkampf, die Grabanlagen früherer Generationen überbieten zu wollen, wodurch der Ausbau der kulturellen Errungenschaften (Pyramiden, Tempel) überhaupt erst möglich bzw. immer wieder angetrieben wurde.

Beim Bau der Pyramiden überwachte ein Baumeister, welcher sämtliche Privilegien genoss – die Bauleistung seiner Untergebenen. Eine Vielzahl von Ingenieuren planten und überwachten einzelne Bauabschnitte, unterstanden allerdings ebenfalls dem Baumeister. Zudem gab es tausende Vorarbeiter und Träger, welche den eigentlichen Bau ausführten.

Einzelne Beamte, wie Schreiber und Sekretäre des Königs und des Baumeisters, dokumentierten den Pyramidenbau. Alle Beteiligten mussten mit Essen und Trinken versorgt werden, was weitere Mitarbeiter nach sich zog. Am Bau der Pyramiden waren somit tausende Menschen beteiligt und trotz der hohen Menschenmasse dauerte ein Bau mehrere Jahrzehnte. Diese lange Bauzeit führte dazu, dass Baumeister und selbst Könige vor der Fertigstellung starben. Dennoch wurde der Bau weitergeführt, der Baumeister ersetzt und die Mumie des Pharaos verspätet ins Grab gebettet.

Neben dem Pharao, welcher als Gott auf Erden verehrt wurde, und dessen Pyramide als Himmelsleiter gedacht wurde – verehrten die alten Ägypter zahlreiche nichtirdische Götter. Jedem Gott wurde eine eigene Tempelanlage gewidmet.

Da der Totenkult im gesamten Königreich etabliert war, wurden während des Mittleren Reiches (2137–1781 v. Chr.) sogenannte Totentempel (Haus der Millionen) erbaut. In diesen Tempelanlagen wurden Reliefs und Kultbilder ausgestellt, welche die Vereinigung eines Pharaos mit einem Gott (Osiris, Amun, Ptah) zeigen.

Noch heute stehen Felsentempel in Deir el-Bahari, nördlich von Theben oder Millionenjahrhäuser in el-Qurna, am westlichen Nilufer gegenüber von Luxor. Bei Abydos, ebenfalls am westlichen Nilufer gelegen, sind die Totentempel von Ramses II. und Sethos I. erhalten.

Die Tempelanlagen der Götter waren ebenfalls riesige Monumentalbauten, an denen die Menschen den altägyptischen Göttern gedachten. Die Bevölkerung durfte die Tempel nicht betreten. Und somit legten sie ihre Opfergaben vor den Tempelgebäude ab.

Oberster Tempelhüter war der Pharao, welcher durch die Priester in den Tempelanlagen vertreten wurde. In den Tempeln wurden Priester ausgebildet, welche entweder direkt in der Tempelanlage wohnten oder ein Quartier an einem nahen gelegenen See bezogen. Die Seen wurden künstlich angelegt und Priester musste sich zweimal täglich und zwei in der Nacht im Gewässer reinwaschen.

Observatorien auf den Dächern der Tempel ermöglichten es, die Sterne zu beobachten. Die Alten Ägypter nahmen an, dass durch die Himmelskörper eine Verbindung zu den Göttern hergestellt werden könne.

Militärwesen im Alten Ägypten

Das Militärwesen hatte lange Zeit eine untergeordnete Rolle im Alten Ägypten gespielt. Denn Nachbarn im Westen, stammten aus der westlichen Wüste. Und Nachbarn im Süden bewohnten die Nubische Wüste. Und da der Wohlstand und die technologischen Errungenschaften in Ägypten unmittelbar mit der Landwirtschaft am Nil und der daraus resultierenden Grundversorgung verbunden waren, fürchtete man die Wüstenvölker lange nicht.

Die Zeit, welche man nicht in die Ausbildung eines Militärs investieren musste, konnte man in den Ausbau von Kultur und Architektur investieren – was ein weiterer Grund für die Blütezeiten dieser Hochkultur war.

Während der Trockenphasen des Nils wurden die Arbeiter und Bauern allerdings zum Militärdienst eingezogen, um stets eine Grundsicherung zu bewahren. Nach Beendigung ihrer Wehrpflicht wurden die Arbeiter und Bauern wieder ihrer eigentlichen Tätigkeit zugeordnet.

Am Ende des Alten Reiches kam es zu Kriegszügen gegen Palästina, Libyen und Nubien, wodurch die Zentralmacht des Königs immer mehr an Einfluss verlor. Neueste Erkenntnisse deuten auch daraufhin, dass Klimaereignisse dazu führten, dass das Nilhochwasser über mehrere Perioden aussetzte. Dieses Klimaereignis und dessen Bedeutung für Ägypten ist nicht eindeutig geklärt und wird unter dem Begriff 4,2-Kilojahr-Ereignis geführt.

Die 4,2-Kilojahre stehen für die 4200 Jahre, welche das Ereignis zurückliegt – was der Zeit um 2200 v.Chr. entspricht. In diesem Zeitraum gehen das Alte Reich in Ägypten und das Akkadische Reich in Mesopotamien unter. Man nimmt für beide Reiche an, dass die Dürrezeit den Untergang beschleunigte oder auslöste.

Letzter Pharao des Alten Reichs war Pepi II., aus der 6. Dynastie. Wohlmöglich verloren die Menschen das Vertrauen in die Königsmacht und deren Göttlichkeit, aufgrund der Kriege und Dürren. Ans Alte Reich schloss sich die Erste Zwischenzeit an, wo keine zentrale Königsmacht regierte und die beiden Städte Theben und Neni-nesu ( Herakleopolis) an Einfluss gewannen.

Das Reichsgebiet wurde fortan durch Kleinkönige regiert, welche sich aus den Gaufürstentümern hervortaten und kriegerische Auseinandersetzungen untereinander begingen. Die Erste Zwischenzeit war die Regierungszeit der 7. bis 11. Dynastie. Unter Mentuhotep II. aus der 11. Dynastie wurde das aufgeteilte Reich wieder vereint und das Mittlere Reich (circa 2137–1781 v. Chr.) begründet.

Im mittleren Reich wurde das Militärwesen stärker ausgebaut als im Alten Reich. Man hatte wohlmöglich aus der Vergangenheit und aus den Kriegen gegen Palästina, Libyen und Nubien gelernt – welche eine Teilschuld am Zerfall des Alten Reiches trugen.

Aus der Regierungszeit von Sesostris III. (1882 – 1842 v. Chr.) sind mehrere Kriegszüge nach Nubien, südlich von Assuan, bekannt. Er eroberte das Gebiet in drei oder vier Feldzügen. Die Geschichtsschreiber Herodot und Manetho berichten auch von Feldzügen nach Asien. Belege für Feldzüge nach Palästina existieren, sind allerdings umstritten und werden nur Indizien betrachtet. Auf jeden Fall mussten nun Grenzsicherungen nach Nubien errichtet werden, um Ägypten vor den Nachbarn im Süden zu schützen.

Im Mittleren und späteren Neuen Reich wurde das Militärwesen ausgebaut, um Hierarchien und Einheiten erweitert. So bestand eine Abteilung aus 50 Mann. Vier bis fünf solcher Abteilungen wurden zu einem Regiment zusammengeschlossen. Bis zu 20 Regimenter bildeten eine Division. Und jede Division wurde einem bestimmten Gott untergeordnet, dessen Führung und Vertrauen man sich dadurch erhoffte.

Auch die Einheiten wurden spezialisierter. So gab es eine Infanterie mit Lanzenträgern und Bogenschützen. Es gab eine Nilflotte, welche den Flusslauf des Nils und die Flussufer schützte. Und spätestens seit der 18. Dynastie (Neues Reich) gab es den Streitwagen. Als Generäle wurden im Neuen Reich die Kronprinzen eingesetzt.

Entwicklung von Wissenschaft und Technik im Alten Ägypten

Medizin und Religion waren in Ägypten untrennbar miteinander verbunden, da das Leben als Vorstufe für das Leben nach dem Tod betrachtet wurde. Somit waren Priester oftmals gleichzeitig Heiler, welche Rituale abhielten, scheinbar Magie verwendeten, Tränke oder Elixiere herstellten – um damit Therapien anzubieten.

Aus dem Totenkult heraus, entstand das Konzept des Totengerichts, wonach jeder Tote sein Herz auf eine Waage legen muss – welche dessen Gewicht misst und daraus ableitet, wie der Tote gelebt haben muss. Mit einer positiven Entscheidung der 42 Totenrichter war eine Loslösung von allen Sünden verbunden, wodurch der Tote in die Götterwelt (Sechet-iaru) übergehen konnte. Die Vorstellung von einem Gerichtsverfahren am Ende der Lebzeit prägte den Alltag der Menschen, weshalb Priester als Vorbereiter auf das Götterreich eingesetzt wurden. Diese berieten die Bevölkerung zu allen Lebensfragen, auch zur Gesundheit, zum Seelenfrieden usw.

Als Universalgenie im Alten Ägypten gilt der Baumeister Imhotep, welcher circa 2700 v.Chr. im Alten Reich lebte. Er war Vorlesepriester unter König Djoser und gilt als Baumeister der Djoser-Pyramide. Außerdem wird ihm die Erfindung der Hieroglyphenschrift und der ägyptischen Medizin zugesprochen. Beides gilt allerdings als nicht belegt. Aber in der Spätzeit (ca. 664–332 v. Chr.) entwickelte sich ein Imhotep-Kult. Und so wurden in ganz Ägypten verschiedene Tempel und Wallfahrtsorte zu Ehren des Imhotep gebaut, in welchen die Kranken einkehrten, um dort wieder gesund zu werden.

In Ägypten war bereits die Chirurgie bekannt und aus Kupfer wurden chirurgische Messer hergestellt. Auf Papyrus wurden verschiedene Methoden und Praktiken des Heilens festgehalten. Der Papyrus Ebers ist das umfangsreichste medizinische Dokument der alten Ägypter, welcher über 19 m lang ist und auf dem 108 Beiträge zur Gynäkologie, Inneren Medizin, Zahnmedizin, Parasitologie, Augenheilkunde und Dermatologie enthalten sind. Der Papyrus Ebers entstand zu Beginn des Neuen Reiches um 1550 v. Chr..

Da die Landwirtschaft notwendig war, um die Bevölkerung zu versorgen, war der Nil der Lebensmittelpunkt in Ägypten. Die Nilschwemme brachte den notwendigen Nilschlamm, um darauf Feldfrüchte anzubauen. In der Astronomie erkannten die Ägypter diverse Strukturen bzw. Abläufe und wussten dadurch, wann die Jahreszeiten einsetzten. Aus dem Sternbild des Sothis (Sirius) konnten sie den Zeitpunkt der nächsten Nilschwemme ableiten. Außerdem stellten die Himmelskörper eine Verbindung zu den Göttern dar, weshalb Religion und Astronomie in Ägypten untrennbar waren.

Der Pyramidenbau setzte mathematische Grundlagen, wie die Bestimmung von Flächeninhalten und Volumen voraus. Sämtliche Grundrechenarten waren in Ägypten ebenfalls bekannt und man konnte sich der Kreiszahl Pi nähern, indem man Brüche umrechnete. Im Papyrus Rhind, welcher um 1550 v.Chr. im Neuen Reich entstand, sind Abhandlungen zur Arithmetik, Algebra, Geometrie, Trigonometrie und Bruchrechnung enthalten. Das Zahlensystem der Ägypter war ein Dezimalsystem mit der Zahl 10 als Basis, was sehr praktisch ist, da jeder Mensch 10 Finger hat.

Komplexität in allen gesellschaftlichen Bereichen

Ägypten war eine Hochkultur, weil alle relevanten gesellschaftlichen Bereiche eine Komplexität erreicht hatten, die kaum überschaubar ist. Eine Hochkultur hinterlässt Spuren. Ihre Errungenschaften werden Teil des kulturellen Gedächtnisses der Menschheit. Ägypten liefert dafür den Beweis. Kulturelle Überbleibsel aus dem alten Ägypten finden sich in allen europäischen Kulturen, von den Griechen über die Römer bis in die heutige Zeit.


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