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6 Gründe, warum Ägypten eine Hochkultur war


In den Geschichtswissenschaften und der Archäologie wird der Begriff Hochkultur im Sinne einer komplex organisierten Gesellschaft verwendet. Oft ist in diesem Zusammenhang auch die Rede von einer Zivilisation. Eine Hochkultur ist also eine Zivilisation mit einer komplexen Gesellschaft, in der alles miteinander verflochten ist. Alle sozialen Bereiche weisen eine entwickelte Form auf und stehen vollständig miteinander in Beziehung.

Laut Auffassung der Geschichtswissenschaft, weist eine Hochkultur folgende Merkmale auf:

  1. entwickelte Technik (zum Beispiel der Nilkalender in Ägypten)
  2. Landwirtschaftliche Errungenschaften, wie Pflugbau und Überproduktionen
  3. Marktwesen und Handel, welches durch Überproduktion gewährleistet wird
  4. Schrift (Hieroglyphen)
  5. Zentrale Verwaltung durch Staatsdiener eines König oder Pharaos
  6. Soziale Differenzierung (Klassengesellschaft mit Sklaven, Staatsdienern, Bürgern und Pharaonen als Oberhäuptern)

Alle diese Merkmale wies Ägypten auf, weshalb die Geschichtswissenschaft von einer Hochkultur Ägyptens spricht.

Der Ursprung der ägyptischen Hochkultur

Eine der Grundlagen für die Entstehung der altägyptischen Hochkultur war die Erfindung der Schrift. Denn ohne Schrift keine Verwaltung. Und ohne Verwaltung keine differenzierte politische und religiöse Organisation. Schließlich wäre ohne Politik und Religion auch keine Kunst und Monumentalarchitektur, kein überregionaler Handel, keine zukunftsweisende Technik, keine effiziente Landwirtschaft, keine Arbeitsteilung möglich gewesen. Und letztendlich wäre ohne Arbeitsteilung keine Steuereinnahmen, keine Städte und kein Militär möglich.

Das alte Ägypten wurde erst durch die Einigung zur Hochkultur

Der Nil ist noch heute die Lebens- und Hauptverkehrsader Ägyptens. Ohne den Fluss gäbe es kein Ägypten und keine ägyptische Hochkultur. Die Ägyptologie, das ist die Wissenschaft, die sich mit den Hinterlassenschaften des alten Ägyptens beschäftigt, legt den Anfang des ägyptischen Staates und damit der ägyptischen Hochkultur auf etwa 3000 v. Chr. fest. Denn etwa zu dieser Zeit gelang es einem Herrscher mit dem Namen Menes, die Macht über Gesamtägypten an sich zu reißen.

Ihm gelang die Reichseinigung. Es gab aber schon Jahrtausende zuvor steinzeitliche Kulturen im Niltal. Diese Kulturen sind nach ihren Hauptfundorten benannt und existierten regional begrenzt: Fayumien, Merimde, Badari, Naqada oder Maadi.

Kulturgeschichte ist auch immer Klimageschichte. Als um 6000 v. Chr. die Trockenheit zunahm zogen sich die Menschen aus den Wüstenregionen in die zurückbleibenden Oasen und an den Nil zurück. Aus Jägern und Sammlern wurden Ackerbauern, Viehzüchter und Fischer. Je enger die verschiedenen Menschengruppen und Großfamilien zusammenrücken mussten, desto mehr Streitigkeiten und Kämpfe wurden ausgefochten.

Am Ende war es Menes, der als erster König über das gesamte Land herrschte. Er gilt als der Begründer der 1. Dynastie. Die ägyptische Hochkultur existierte von dieser Zeit an 3000 Jahre lang bis zu ihrer Eroberung durch die Römer 30 v. Chr. Kleopatra war die letzte Königin Ägyptens. Mit ihrem Tod wurde Ägypten Teil des Römischen Reichs.

Das alte Ägypten war eine hydraulische Hochkultur

Viele Hochkulturen waren sogenannte hydraulische Kulturen, also welche, die sich an einem Fluss entwickelten. Der Nil war einerseits die Lebensader Ägyptens. Er konnte aber auch den Tod bringen. Blieben die Überschwemmungen aus, hungerten die Menschen und verhungerte das Vieh. Waren die Fluten zu gewaltig, wurde alles überschwemmt und vernichtet. Die organisierte Anstrengung, den Fluss zu kontrollieren, um das Leben an seinen Ufern dauerhaft zu ermöglichen, kann als der eigentliche Beginn der ägyptischen Hochkultur bezeichnet werden.

Gemeinschaftlich wurden Kanäle gebaut und das Wasser vom Fluss in die Felder geleitet. Der Fluss brachte nährstoffreiche Mineralerde aus dem Inneren Afrikas mit sich und lagerte sie während der Überschwemmungszeit ab. Das Fruchtland rechts und links des Nils bildete die Grundlage für die Ernährung der gesamten Bevölkerung. Die Dörfer und Städte entwickelten sich direkt angrenzend am Fruchtlandrand in der Wüste, um kein wertvolles Ackerland zu verschwenden.

Der Regierungsapparat entwickelte sich parallel und rasant. Durch das gezielte Bewässern während der Trockenzeit konnte die Ernte besser geplant werden. Beamte berechneten die an den König abzugebenden Steuern in Form von Ernteanteilen. Dazu brauchte es die Schrift, die Mathematik und die Astronomie zur Berechnung des Kalenders mit seinen drei Jahreszeiten der Überschwemmung, der Aussaat und der Ernte. Anhand der Beobachtung von Sternenaufgängen konnten die Daten genau bestimmt werden.

Gemeinschaftsprojekte und Arbeitsteilung in der Hochkultur Ägyptens

Eine Hochkultur kann entstehen, wenn alle Menschen zentral organisiert an einem Projekt arbeiten. Das war nach der Reichseinigung das Bewässerungssystem, später waren es die großen Monumentalgräber der Fürsten, die Pyramiden und Totenkulttempel der Könige, die Tempelanlagen der verschiedenen Götter und die Festungsanlagen an der Landesgrenze im Süden.

Gemeinschaftsprojekte stärken das Zusammengehörigkeitsgefühl. Durch die Zusammenarbeit entsteht eine Arbeitsteilung und es bilden sich Spezialisten und Berufsgruppen heraus. Die Gesellschaft differenziert sich immer mehr. Es entsteht eine komplexe, hierarchische Ordnung mit dem König an der Spitze und einem großen Verwaltungsapparat. Die hohen Beamten organisieren den Staat, Generäle das Militär und Oberpriester die Priesterschaften der großen Reichsgötter Horus, Re, Amun oder Aton und der vielen anderen Gottheiten im Land.

Die ägyptische Hochkultur war eine Schriftkultur

Die Existenz einer Schrift ist ein Hauptmerkmal einer Hochkultur. Ägypten war eine Schriftkultur ersten Ranges. Eine unüberschaubare Anzahl schriftlicher Hinterlassenschaften aus drei Jahrtausenden zeugt vom Grad der literarischen und damit kulturellen Entwicklung Ägyptens. Die Hieroglyphen wurden 1822 von Jean François Champollion entziffert und die großen Texte sind längst übersetzt.

Ebenso wie im Laufe der Jahrhunderte die ägyptische Gesellschaft immer komplexer wurde, veränderte sich auch die Schrift. Waren es am Anfang nur wenige Hieroglyphen, fanden am Ende der Geschichte etwa 7000 Schriftzeichen Verwendung.

Die Hieroglyphenschrift ist eine Monumentalschrift. Das heißt: Hieroglyphen wurden in Stein gemeißelt. Sie waren heilig und wurden für heilige Zwecke verwendet: in Gräbern, in Tempeln, im königlichen Umfeld. Für profane, alltägliche und gewöhnliche Zwecke wurde hieratisch geschrieben. Hieratisch ist die Schreibschrift, eine kursive Hieroglyphenschrift. Verwaltungsdokumente über Steuereinnahmen, Überschwemmungshöhen oder Lebensmittelzuteilungen für die Arbeiter, Zaubersprüche, Schreibübungen von Schülern, Handwerkernotizen auf Werkstücken und vieles mehr ist in Hieratisch überliefert.

Exkurs: Der König und die Götter

Der Bezeichnung Pharao für den ägyptischen König tauchte zum ersten Mal etwa 1500 v. Chr. auf, wurde aber nie Teil der offiziellen Titulatur des Königs. Entgegen der verbreiteten Meinung, wurde der ägyptische König nie als Gott verehrt. Das Königtum, also das Amt an sich war göttlich. Der Herrscher selbst galt als Sohn des Sonnengottes und als Mittler zwischen Himmel und Erde.

Aber…
Der König wurde nie mit dem Sonnengott identifiziert. Er repräsentierte den Sonnengott, der durch ihn auf der Erde regierte. Starb ein König, stieg er in den Himmel auf zu den Göttern. Erst im Tod wurde der König göttlich. Auf der Erde übernahm ein Nachfolger das heilige Amt, idealerweise ein Sohn des verstorbenen und jetzt göttlichen Königs. Auf diese Weise saß tatsächlich ein Sohn Gottes auf dem Thron.

Komplexität in allen gesellschaftlichen Bereichen

Ägypten war eine Hochkultur, weil alle relevanten gesellschaftlichen Bereiche eine Komplexität erreicht hatten, die kaum überschaubar ist. Eine Hochkultur hinterlässt Spuren. Ihre Errungenschaften werden Teil des kulturellen Gedächtnisses der Menschheit. Ägypten liefert dafür den Beweis. Kulturelle Überbleibsel aus dem alten Ägypten finden sich in allen europäischen Kulturen, von den Griechen über die Römer bis in die heutige Zeit.


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