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Unterschied zwischen Abendmahl und Agapemahl


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Die Eucharistie bzw. das Abendmahl und das Agapefest haben ihren gemeinsamen Ursprung in geschilderten Tischgemeinschaften, deren Ursprung das historische Pessachmahl war, welches Jesus von Nazareth – am Abend vor seiner Kreuzigung – mit seinen Jüngern einnahm. Um das Sättigungsmahl vom Heiligen Mahl besser unterscheiden zu können, kam es zum Verbot der Agapefeier ab dem 4. Jahrhundert n.Chr.

Was bedeutet Agape

Agape – das Wort stammt aus dem Altgriechischen und meinte zunächst die selbstlose und den anderen Menschen fördernde Liebe. Die altgriechische Sprache war in vielen Bereichen sehr ausdifferenziert und kannte detaillierte Begrifflichkeiten, so auch für die verschiedenen Arten von Liebe. Bekannt bis heute ist zum Beispiel auch Eros als erotische Liebe oder Philia als Freundesliebe.

In der althebräischen/aramäischen Fassung des Alten Testaments gibt es nur eine Wortwurzel für Liebe, „ahab“, die alle möglichen Liebesformen abdeckt. Als man begann, das Ate Testament etwa 250 vor Chr. ins Griechische zu übersetzen, in der Septuagenta, nahm man lediglich den Begriff „Agape“ für alle Formen der Liebe, von der Liebe zu Gott bis hin zur Liebe zum Geld oder zur Erotik.

Eine große Veränderung fand dann im Neuen Testament statt. In der altgriechischen Fassung werden ebenfalls Agape und Philia benutzt und stehen oft nebeneinander, ohne dass man sie immer genau semantisch unterscheiden kann.

Insgesamt jedoch meint Agape seit dem Neuen Testament die höchste Form der Liebe überhaupt. Der Apostel Paulus spricht von den drei höchsten christlichen Tugenden – Glaube, Liebe, Hoffnung. In diesem Sinne ist Agape seit dem NT zu verstehen – sowohl als die absolute und eigentlich unaussprechliche Gottesliebe zu den Menschen als auch als die spirituelle Liebe der Menschen untereinander, die jeden einschließt – sogar die Feinde.

Insofern kann man Agape als ein heiliges Wort bezeichnen, das für alle Menschen Bedeutung hat, wenn sie sich auf die Liebe der Menschen untereinander bezieht.

Agape als heiliges Mahl

Synonym wird Agape seit dem Neuen Testament als heiliges Mahl, als Liebesfeier verstanden und von den frühen Christen als eine heilige Mahlfeier aufgenommen und weiterentwickelt. Die erste Erwähnung finden wir schon in der Apostelgeschichte des Lukas (Apg 2,46-47), in der er für die erste christliche Gemeinschaft in Jerusalem schreibt:

„Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk.“

Im Herzen der heiligen Mahlfeiern stand bei den frühen Christen die Eucharistie bzw. das Brotbrechen oder Abendmahl. Die Forschung belegt indes heute, dass die frühen Agapen auch Sättigungsmahle waren. Heiliges und Körperliches waren vereint. Brot und Wein sowie andere Lebensmittel wurden gesegnet und gemeinsam verzehrt. Demnach ist es falsch, die Agapen als Ursprung der Eucharistie zu sehen.

Vor vorneherein waren beide Elemente getrennt vorhanden. Das Sättigungsmahl, welches durchaus auch in vielen Gemeinden karitativen Charakter trug, scheint dann später auch ausgeartet zu sein. Im Zweiten Petrusbrief (2. Petrus 2,13) bezieht sich folgende Stelle wohl auf die Mahlfeiern:

„Sie halten es für ein Vergnügen, bei Tag ein üppiges Leben zu führen; Schandflecke und Makel sind sie, die in ihren Betrügereien schwelgen, wenn sie zusammen mit euch prassen.“

Im 4. Jahrhundert nach Chr. wurden deshalb die ursprünglichen Agapen verboten und durch streng ritualisierte Feiern ersetzt, die wir heute Abendmahl bzw. Eucharistie nennen.

Abendmahl und Eucharistie

Das Abendmahl bzw. die Eucharistie ist für die Christen der Höhepunkt ihrer Gottesdienste. In der evangelischen Kirche feiert man das Abendmahl, in der katholischen Kirche in den Heiligen Messen die Eucharistie.

Im Abendmahl bzw. der Eucharistie wird daran erinnert, dass Jesus Christus kurz vor seiner Festnahme und Kreuzigung mit seinen Jüngern und Jüngerinnen ein letztes Pessachmahl in Jerusalem einnahm. Von Historikern wird das Datum zwischen 30 und 33 nach Chr. geschätzt und von einigen Wissenschaftlern noch mehr eingeschränkt auf dem 7. April 30 oder den 1. April 33 nach Chr.

Das Mahl hat demnach am Abend oder in der Nacht vor dem jüdischen Pessachfest stattgefunden und es wird in allen drei synoptischen Evangelien – Matthäus, Markus, Lukas – sowie im Korintherbrief des Paulus an die Gemeinde in Korinth darüber berichtet. Im Johannesevangelium stehen an der Stelle der Beschreibung des Mahles eine Geschichte über die Fußwaschung, in der Jesus seiner Gefolgschaft die Füße wäscht und damit auf den Dienst am anderen Menschen hinweisen will, sowie die Austeilung des Brotes an Judas Iskariot, der Jesus später verriet. Zudem treten umfangreiche und sehr ergreifende Abschiedsreden an die Stelle der ausführlicheren Mahlschilderung.

In den drei anderen biblischen Darstellungen und im Korintherbrief teilt Jesus mit feierlichen und nachdrücklichen Worten Brot und Wein mit seinen Jüngern und Jüngerinnen und fordert sie auf, dass dieses Ritual stets an den neuen Liebesbund, den er mit den Menschen geschlossen hat, erinnern soll. Kurz gefasst, kann die Botschaft also gedeutet werden: Erinnert Euch an mich!

Die christlichen Urgemeinden haben, wie oben dargestellt, diese überlieferten Berichte aufgegriffen und ritualisiert. Erst später, seit dem 2. Jahrhundert tritt der theologisch fundierte Begriff „Eucharistie“ auf. Und Martin Luther sprach dann vom „Abendmahl“. Seitdem haben sich aber Unterschiede in den Mahlfeierlichkeiten in den christlichen Kirchen etabliert, die bislang nicht überwunden werden konnten.

Dabei stehen die Wandlungsinterpetationen trennend im Vordergrund. Es geht um die Frage, inwieweit Jesus Christus leibhaftig in Brot und Wein mit Leib und Blut vertreten ist und für welchen Zeitraum. Dazu muss man sich tief in theologische und vor allem eschatologische Denkweisen hineinbegeben, um das zu verstehen. Zudem ist es unterschiedlich geregelt, wer das Ritual ausführen darf. In der katholischen Kirche ist es den geweihten Priestern vorbehalten. In der evangelischen dürfen es alle getauften Christen. Interessant ist dabei, dass in den christlichen Urgemeinden wohl meist Frauen dieses Ritual vorbereiteten und ausführten, wie die Forschung heute belegt.

Für gläubige Christen ist diese Meditation insgesamt über alle Differenzen hinweg aber ein Höhepunkt ihres Glaubens an ihren Herrn und Gott, bei dem sie ihm besonders nahe sein können. Und die Sehnsucht von Katholiken und evangelischen Christen wird immer größer, das gemeinsam zu feiern.

Tischgemeinschaft mit Jesus

Während das Ate Testament häufig auch als Kulturgeschichte des Essens bezeichnet wird, sprechen Forscher auch davon, dass das Neue Testament eine „Mahl-Religion“ ist, die sich dadurch deutlich von den anderen theistischen Religionen unterscheidet. Es ist also durchaus falsch, der Bibel stets Sinnesfeindlichkeit zu unterstellen. In den vier Evangelien gibt es 12 Gastmahlgeschichten, in denen 30 Wunder geschildert werden. Das Wort „essen“ taucht 76 mal auf. Der Lebensweg Jesu, wenn man ihn genau verfolgt, wird von Tischgemeinschaften und Sättigungen bestimmt, wobei das letzte Abend-Mahl, wie dargestellt, als Sakrament gilt.

Ob man nun gläubig ist oder nicht, die Erzählungen des Neuen Testaments lehren auch für uns moderne Menschen Weisheiten, was Essen und Tischgemeinschaft angeht. So waren die geschilderten Tischgemeinschaften Jesu immer von Inklusion bestimmt – alle nahmen daran teil, auch diejenigen, die von der „guten“ Gesellschaft eigentlich ausgeschlossen waren.

Weiterhin weisen uns die Reden Jeus darauf hin, dass die innere Nahrung ebenso wichtig ist wie die äußere. Sättigung bedeutet in der Bibel – auch im Alten Testament – auch immer seelische Sättigung. Zudem geht es um die Befreiung von falschen Regeln, die die Seele einengen. Verfolgt man heute die unendlich vielen Diäten und Essenvorschriften, bei denen das Ursprüngliche in den Hintergrund tritt, dann wird deutlich, dass die Forderung nach Wertschätzung der Nahrungsmittel und wertschätzende Tischgemeinschaften viele Menschen bewegt.

So ist es nicht verwunderlich, dass neben dem des Sakarament Abendmahls bzw. der Eucharistie auch die Agape wieder Einzug in die christlichen Kirchen gefunden hat – als ein „heiliges“, gemeinsames Mahl, mit Jesus im Zentrum und Vorbild, aber auch als ein Zusammensein in Tischgemeinschaften, die Genuss, Kommunikation und Wertschätzung der Speisen beinhalten.


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