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Unterschied zwischen Tiefenpsychologie und wissenschaftlicher Psychologie


Die Tiefenpsychologie bewegt sich auf der Basis des „Gegenwartsbewussten“. Das heißt: Gegenstand einer tiefenpsychologischen Therapie sind die Konflikte, die in der Gegenwart aktuell ist. Oder kurz: Das Hier und Jetzt bilden den Schwerpunkt.

Bringt ein Mensch eine Vorgeschichte inklusive Kindheitserfahrungen mit, werden diese also nicht im Detail aufgearbeitet. Das wäre die Arbeit der traditionellen analytischen Psychotherapie. Dennoch finden die heute aktualisierten Prinzipien aus Freuds Lehren stets Berücksichtigung.

In der Vergangenheit verankerte Geschehnisse werden dann berücksichtigt, sofern sie für die Grundlage der Persönlichkeit besondere Bedeutung haben. Beeinflussende Faktoren können zum Beispiel traumatische oder belastende Erlebnisse der frühen biographischen Lebensgeschichte sein.

Andere psychoanalytische Verfahren beschäftigen sich mit dem Konflikt innerhalb einer Person (intrapsychisch). Die Tiefenpsychologie sieht das Problem eines Konflikts im Rahmen von mehreren Personen (interpersonell). Das konkrete Belastungserleben soll hieraus entstehen.

Warum lässt sich das Therapieziel mit der Tiefenpsychologie schneller erreichen?

Eine detaillierte Aufarbeitung der gesamten Frühgeschichte eines Lebens braucht viel Zeit. Darüber hinaus braucht eine dahingehende Analyse auch viel Geduld. Die klassische Psychoanalyse, aus der die Tiefenpsychologie entstand – passt jedoch nicht auf jeden Patienten.

Schnellere Hilfe gewährt hingegen die tiefenpsychologische Therapie, weil sie sich mit gegenwärtigen Problemen beschäftigt. Die Inhalte der gegenwärtiger Konflikte können somit mit mehr Klarheit umrissen werden.

Das Verfahren der Tiefenpsychologie berücksichtigt dabei mögliche traumatisierende und andere Ereignisse aus der Kindheit oder früheren Lebensgeschichte. Die Berücksichtigung erfolgt aber nur insoweit, sofern sie für die grundlegende Persönlichkeitsbildung maßgeblich geworden sind.

Eine plötzliche Lebensveränderung oder soziale Ereignisse bekommen einen konfliktträchtigen Eingang in die Psyche. Die daraus entstehenden Symptome behandelt der Therapeut dann im Rahmen der Tiefenpsychologie. Liegt die Ursache in Konflikten mit mehreren Personen, arbeitet das Verfahren auch eine Lösung für Verhaltensschwierigkeiten aus. In der Therapiestunde sitzen sich der Klient und der Psychotherapeut gegenüber.

Was ist wissenschaftliche Psychologie?

Bei der wissenschaftlichen Psychologie geht es nicht um konkrete Therapiemaßnahmen, sondern um die methodische Gewinnung von Erkenntnissen. Die Methode liegt dabei in der systematischen Wahrnehmung und Beobachtung. Diese Erkenntnisse münden dann in wissenschaftlichen Aussagen, die

  • allgemeingültig
  • überprüfbar
  • und objektiv sein müssen.

Gegenstand der wissenschaftlichen Psychologie ist das Verhalten und Erleben des Menschen. Dabei erklärt und beschreibt sie die Veränderungen und Entwicklungen eines Menschenlebens.

Auf der Grundlage von empirischen Untersuchungen kann Handeln damit nicht nur erklärt und beschrieben werden. Es kann sogar vorhergesagt werden. Ohne das Sammeln von bestimmten Daten und ihrer Auswertung (Empirie) sind Erkenntnisse nicht wissenschaftlich. Sie bleiben wissenschaftlich nicht belegt.

Aus den Erkenntnissen der wissenschaftlichen Psychologie werden Theorien entwickelt, die einer Überprüfung standhalten müssen. Theorie und Empirie wechseln sich demnach ab.

Unterschiede zwischen Tiefenpsychologie und wissenschaftlicher Psychologie

  • Tiefenpsychologie sind verschiedene Modellannahmen der menschlichen Psyche. Diese Modelle bzw. Theorien liefern einen Ansatz, um Menschen zu therapieren. Diese Modelle sind weitestgehend nicht durch Datenmaterial belegbar.
  • Wissenschaftliche Psychologie dient dem Erkenntnisgewinn. So werden Experimente, Tests, Befragungen durchgeführt – um menschliches Handeln, Verhalten und Denken zu verstehen, vorauszusagen und wissenschaftlich aufzuarbeiten. Grundlage sind empirische Daten, Statistiken und deren Analyse.

Die Tiefenpsychologie ist nicht aus sich selbst heraus entstanden. Sie ist entstanden aus Ansätzen, nährt und gestaltet sich weiter aus wissenschaftlichen Erkenntnissen. Der Therapeut kennt die Auswertung bestimmter Daten zu bestimmten Verhaltensweisen. Er weiß welche Faktoren bestimmte Symptome hervorrufen können. Zusammen mit den Erkenntnissen aus der Wissenschaft und seinem Klienten formt sich seine Therapie.


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