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Was bedeutet Ach du grüne Neune: Herkunft, Ursprung & Bedeutung


Das Sprichwort „Ach du grüne Neune“ wird in negativen, überraschenden Situationen genutzt. Es ist seit 1900 belegt. Seine genaue Herkunft ist unbekannt. Jedoch sind einige Namen, Begriffe und andere Redensarten bekannt, welche abgewandelt zur heutigen Redewendung geführt haben können.

Was bedeutet „Ach du grüne Neune“?

„Ach du grüne Neune“ ist ein überraschter Ausruf. Heutzutage wird er nur noch selten verwendet.
Das Sprichwort wird häufig aus dem Affekt heraus genutzt, wenn man etwas hört, das Bestürzen hervorruft. Auch wenn sich jemand plötzlich an etwas erinnert, das er vergessen hat oder ihn überrascht, eignet sich der Ausruf. Wichtig ist dabei nur, dass es sich um etwas Negatives handelt. „Ach du grüne Neune“ ist kein Sprichwort, das in angenehmen Situationen verwendet wird.

Für wirklich tragische Ereignisse wie Todesfälle oder Katastrophen eignet sich der Ausruf jedoch nicht. Er wird eher in milderen Fällen wie angebranntem Essen oder anderen Missgeschicken genutzt. Redensarten mit ähnlicher Bedeutung sind „Ach du meine Güte!“, „Oh mein Gott!“ oder „Ach Herrje!“.

„Ach du grüne Neune“ in anderen Sprachen

Die Briten nutzen in solchen Situationen gern das Slangwort „gorblimey“. Für sich hat dieses Wort keine Bedeutung und auch keine deutsche Übersetzung. Es handelt sich um den schlampig ausgesprochenen Satz „God blind me“, also „Gott, blende mich“. Auch dieser Ausruf drückt Bestürzen und den Wunsch aus, etwas, das als unangenehm empfunden wird, nicht mehr sehen zu müssen.

In Frankreich sagt man „Bon sang de bonsoir“. Dabei handelt es sich um eine Erweiterung oder Verstärkung des Ausrufes „Bon sang“. „Bon sang“ bedeutet wörtlich „gutes Blut“, in diesem Zusammenhang kann man es jedoch eher mit „Zum Kuckuck!“ übersetzen. Zusammen mit „de bonsoir“, dem guten Abend, wird es in denselben Situationen verwendet, wie es ein Deutscher mit „Ach du grüne Neune“ tun würde.

Ursprung von Ach du grüne Neune

Die Herkunft der Redensart ist nicht eindeutig geklärt. Es existieren viele Erklärungsversuche, einige davon wahrscheinlicher als andere.
Erstmals schriftlich belegt ist „Ach du grüne Neune“ um 1900. In dieser Zeit war das Sprichwort hauptsächlich in Berlin und in Norddeutschland bekannt. Junge Menschen nutzen es heute kaum noch. Es ist eher bei der älteren Generation beliebt.

Das Tanzlokal „Conventgarten“

Im 19. Jahrhundert gab es in Berlin ein Theater und Tanzlokal, das zwar beliebt war, aber allgemein keinen guten Ruf genoss. Es kam dort immer wieder zu Schlägereien und die Gäste, die sich in das Lokal verirrten, wirkten eher düster.

Das Theater stand in der Blumenstraße 9b. Sein Haupteingang befand sich allerdings im Grünen Weg. Auf diese Weise könnte sich der umgangssprachliche Name „Grüne Neune“ gebildet haben. Dafür spräche, dass der Ausruf Bestürzen oder Überraschung ausdrückt und allgemein eher im negativen Kontext genutzt wird. Er passt also auf den Ruf des Tanzlokals.

Als das Lokal geschlossen wurde, erschien ein Artikel in einem Satiremagazin, indem es ebenfalls als „Grüne Neune“ bezeichnet wurde. Das beweist nicht, dass das Sprichwort dort seinen Ursprung hat. Aber es bestand zumindest ein Zusammenhang zwischen diesem und dem Lokal.

Die Spielkarte Pik Neun

Auf Jahrmärkten war es viele Jahre üblich, sich seine Zukunft mit Spielkarten voraussagen zu lassen. Jede Zahl und jede Farbe hatte dabei andere Bedeutungen, durch die der Wahrsager seinen Kunden genaue Aussichten formen wollte. Das Herz steht für den Frühling und den Abend, während Pik eine Aussicht auf den Winter oder die Nacht gewährt. Rote Karten stehen für positive Ereignisse, schwarze für negative. Besonders negativ soll sich die Pik Neun auswirken.

Die Bezeichnung „Pik“ war in Deutschland zu der Zeit der Wahrsager eher unbekannt. Man nannte die Karten „Grün“ und die Pik Neun daher „Grün Neun“. Wer die „Grün Neun“ gelegt bekam, musste großes Unheil erwarten, das von ihm selbst oder einer anderen Person ausging. Abergläubische Menschen, die diese Karte gelegt bekamen, erschraken in diesem Moment sicherlich.
Auf diese Weise könnte sich der Ausruf „Ach du grüne Neune“ ebenfalls entwickelt haben. Die Spielkarte ruft dieselben Gefühle wie das noch heute verwendete Sprichwort hervor.

Neunkräutersuppe

Die Neunkräutersuppe besteht aus neun verschiedenen Heilkräutern. Das Rezept stammt aus dem 9. oder 10. Jahrhundert und ist bis heute nicht vollständig entschlüsselt. Es handelt sich dabei um ein Gedicht in altenglischer Sprache, das durch Wiederholungen wie ein Zauberspruch wirkt. Die Suppe soll vor Giften und Krankheiten schützen.

Insgesamt kommen 15 verschiedene Kräuter infrage: Beifuß, Wegerich, Behaartes Schaumkraut, Heilziest, Brennnessel, Kamille, Wildapfel, Garten-Kerbel, Fenchel, Hühnerhirse, Gewöhnlicher Natternkopf, Schwarzer Nachtschatten, Brunnenkresse und Gewöhnlicher Feldsalat. Als sicher identifiziert gelten Beifuß, Wegerich, Brennnessel, Kamille, Wildapfel, Garten-Kerbel und Fenchel.

Alle neun Kräuter zusammen ergeben gekocht eine grüne Suppe. Auf diese Weise könnte sich der alternative Name „grüne Neune“ entwickelt haben. Um sich vor Unheil zu schützen, nutzten die Menschen des Mittelalters gern Zaubersprüche oder Namen von Heiligen. Das bloße Aussprechen letzterer sollte einen sicheren Schutzschild bilden. Auf diese Weise könnte sich der Ausruf gebildet haben: Jemand befürchtet, sich vergiftet oder mit einer Krankheit angesteckt zu haben, und nutzt den Namen der Neunkräutersuppe als Schutz. Diese Erklärung ist allerdings eher unwahrscheinlich.