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Wer war erster deutscher König und wie wurde er dazu


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Siegel Heinrichs I. an einer Urkunde vom 18. Oktober 927


Als erster deutscher König wird der frühmittelalterliche Herrscher Heinrich I., geboren 876 und gestorben 936, von vielen Historikern genannt. Zwar ist die These mittlerweile nicht mehr unumstritten, doch gilt seine Epoche zur Frühzeit des Ostrankenreichs als wichtiger Baustein für die Gründung eines deutschen Königreichs. Das hat auch mit den Bündnissen von Heinrich I. zu tun.

Vorgeschichte: Karolinger, das Fränkische Reich und die Teilung

Zwischen Antike und Frühmittelalter existierte in Teilen des heutigen Frankreichs und Deutschlands das Frankenreich. Die Epoche des Frankenreichs wird geschichtlich typischerweise zwischen dem 5. und 9. Jahrhundert n. Chr. verortet. Bevor Heinrich I. und das Ostfränkische Reich eine Rolle spielten, herrschten im Frankenreich die Karolinger. Das fränkische Herrschergeschlecht existierte bereits im 7. Jahrhundert n. Chr. und begann den Aufstieg mit den sogenannten Pippinidischen Hausmeiern, die frühen Karolinger. Ein Hausmeier war ein hochrangiges Veraltungsamt der frühmittelalterlichen Hofgesellschaft. Zum Ende des Frankenreichs stiegen die Karolinger in Macht und Einfluss auf.

Der berühmteste Vertreter der Karolinger war Karl der Große, der von 747/748 bis 814 lebte. Er schaffte es, das Frankenreich auf seine maximale Größe zu erweitern, bis es sich wenige Jahrzehnte nach seinem Tod im Jahr 843 infolge eines Machtkampfes in drei Teile aufteilte. Aus einem dieser Teile entstand das Ostfrankenreich. Nach dem Niedergang der Karolinger wurde 911 Konrad I. zum König des Ostfrankenreichs gewählt. Obwohl Konrads Herrschaft nicht unumstritten war, begann schon unter ihm die Formierung zu einem deutschen Königreich. Das Ostfrankenreich gilt also als Ursprung der deutschen Könige.

Thronbesteigung – Das Ostfränkische Reich unter Heinrich I.

Eine Schlüsselrolle in der Geschichte des Ostfrankenreichs übernimmt Heinrich I.. Er wird dem Adelsgeschlecht der Luidolfinger zugerechnet, die zur späteren Kaiserzeit unter dem Namen Ottonen bekannt wurden. Über Heinrich wissen Historiker heute, dass er als Vogler dem Interesse des Vogelfangs nachging und deshalb zuweilen auch als Heinrich der Vogler bekannt war.

Daneben ist seine Geschichte eng mit der Stadt Quedlinburg verknüpft, die unter seiner Herrschaft im Jahr 922 zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt wurde. Unter den ottonischen Herrschern wurde Quedlinburg zur Königspfalz, d.h. als königliche Residenz ausgewählt. Im Jahr 912 fiel Heinrich I. die Herrschaft als Herzog von Sachsen zu. Zu jener Zeit wurde ihm eine Rivalität gegenüber dem damaligen ostfränkischen König Konrad I. nachgesagt. Dennoch bestimmte ihn Konrad I. gen Ende seines Lebens als Nachfolger. Im Mai 919 wurde Heinrich I. zum König der Ostfranken gekrönt.

Auch wenn über seinen Vorgänger Konrad I. heute nicht viel bekannt ist, so weiß man doch, dass Konrad in seinen sieben Jahren Herrschaft allerlei Konflikte mit seinen untergebenen Herzögen hatte – und dem ostfränkischen Reich der Zerfall drohte. Hier setzte Heinrich I. in seiner Herrschaft an. Ein Schlüssel übernahm die sogenannte Amicitia, ein lateinischer Begriff, der so viel wie Freundschaft heißt. In der Herrschaft bedeutete dies, das Heinrich ein freundschaftliches Verhältnis zu seinen Herzögen entwickelte.

Auf diese Weise konnte er nicht nur den Herzog von Schwaben, sondern auch den Herzog von Bayern für sich gewinnen. Als Teil seiner vielschichtigen Freundschaftsbündnisse fiel im Laufe seiner Herrschaft gar Lothringen in den Einfluss des Ostfränkischen Reichs. Anders als sein Vorgänger Konrad I. war Heinrich I. also ein Herrscher, der um den inneren Frieden von Ostfranken bemüht war. Das spielt bei seiner Bewertung als erster deutscher König eine wichtige Rolle.

Warum gilt Heinrich I. vielen als erster deutscher König

Warum aber ist Heinrich I. heute als erster deutscher König bekannt? Insbesondere, da er doch der König der Ostfranken war? Namentlich war Heinrich tatsächlich nicht der König der Deutschen. Schließlich existierte zu jener Zeit kein solches Königreich. Doch anders als Konrad I. gelang es Heinrich, die Herzogtümer von Bayern, Schwaben und Lothringen innenpolitisch an seine Seite zu ziehen. Mit seinem Herzogtum Sachsen, Bayern, Schwaben und Lothringen war ein großer Teil dessen, was heute als Deutschland bekannt ist, bereits Teil des Ostfrankenreichs. Insbesondere der westdeutsche und süddeutsche Teil.

Zugleich gelang es Heinrich I. durch seine Freundschaftspakte mit den Herzögen Teile seiner Herrschaft an seine untergebenen Vasallen abzugeben und so eine Verwaltungsstruktur zu schaffen, die an einen klassischen hierarchischen Bund erinnert. Das Ostfrankenreich war also nicht wie unter Konrad I. zersplittert und unstrukturiert, sondern hatte eine klare Struktur: Die Herzöge bekamen mehr Macht und achteten im Gegenzug ihren König Heinrich. Zusammen mit den Gebieten, die einem heutigen Deutschland ähneln (wenn auch sich vieles verschoben hat) kann so von einer frühen deutschen Herrschaftsstruktur gesprochen werden, einem ersten deutschen Königreich.

Alternative Sichtweisen – Warum Heinrich als erster deutscher König nicht unumstritten ist

Tatsächlich bleibt es jedoch umstritten, Heinrich I. als ersten deutschen König zu bezeichnen. Das liegt daran, dass ein deutsches Königreich nicht über Nacht, sondern über Jahrhunderte graduell entstand. Doch Heinrich I. war elementar bei der historischen Weichenstellung, auch durch das Integrieren von Herzogtümern wie Schwaben, Bayern und Lothringen in das Ostfrankenreich. Heinrich wird daher von vielen als erster logischer deutscher König gesehen – auch, wenn das damalige Reich Ostfrankenreich hieß.

Heinrichs Herrschaft bedeutete die Loslösung von der karolingischen Dynastie und die Schaffung eines Bündnisses, das geographisch an eine Frühform Deutschlands erinnert. Im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert geriet die These von Heinrich I. als erstem deutschen König jedoch vermehrt unter kritischen Blick.

So gibt verbreiteten sich alternative Ansichten, dass bereits der Vorgänger Konrad I. wichtige Schritte zu einem deutschen Königreich vollbrachte. Schließlich zersplitterte das Frankenreich mit Ostfranken in eine Region, die mehr an das heutige Deutschland erinnert. Daher: Eine klare und finale Antwort auf die Frage, wer erster deutscher König war, gibt es heute nicht. Vielmehr gibt es um die Frage weiterhin eine lebhafte historische Debatte. Bei der Entstehung eines deutschen Königreichs handelte es sich um einen graduellen Prozess, bei dem Heinrich I. eine Hauptrolle spielte.

Die Welt nach Heinrich – Der Einfluss und Folgen des Regnum Teutonicum

Heinrich I. legte jedoch den geschichtlichen Grundstein für den Fortbestand des Reiches und den Übergang in das Heilige Römische Reich und seine Nachfolgestaaten. Es waren die Ottonen, die direkten Nachfahren von Heinrich, die das Heilige Römische Reich formten. Genaugenommen war es sein Sohn Otto, der 962 zum ersten römisch-deutschen Kaiser gekrönt wurde. Nach Heinrich wurde das Reich nicht weiter aufgespalten, wie es bei den Karolingern der Fall war. Das Ostfrankenreich blieb also später als Heiliges-Römisches Reich erhalten. Auch das ist eng im Zusammenhang mit Heinrich I. als erstem deutschen König zu sehen.

Der Begriff des Königreichs der Deutschen, taucht erst im 11. Jahrhundert sprachlich auf. Zu jener Zeit ist vom Regnum Teutonicorum (Königreich der Deutschen) die Rede. Damit unterschieden die Päpste den nördlichen Teil des Heiligen Römisches Reiches vom Südteil, dem Regnum Italicum (Königreich Italien).

  • Die Frage, wer erster deutscher König Deutschlands war, ist noch heute umstritten.
  • Am weitesten verbreitet ist jedoch die These, dass Heinrich I. durch seine enge Verbindung zu den Herzögen und dem Zusammenhalt des Reichs die wichtigsten Grundlagen für ein deutsches Königreich schaffte.
  • Geschichtlich handelt es sich jedoch um einen graduellen Prozess, der von den Karolingern über Konrad I. bis zum Regnum Teutonicorum des Heiligen Römischen Reichs umfasste.

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