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Warum läuft mein Hund hinter mir her


Das Wort „hinterherdackeln“ hat definitiv eine Daseinsberechtigung.
Haushunde laufen ihren Besitzern schließlich sehr gerne überallhin nach. Dieses Verhalten kann allerdings auch zu einem Problem werden.

Im Folgenden erfährst du, warum dein Hund dir ständig nachläuft und was das mit seiner Abstammung zu tun hat. Außerdem kannst du überprüfen, ob das Nachlaufen bei dir und deinem Hund zu einem Problem werden könnte, welches euer Zusammenleben stört.

Die Abstammung des Hundes setzt ein Hinterherlaufen voraus

Unsere Haushunde stammen allesamt von Wölfen ab.
Wann genau ihre Domestizierung, also das Zähmen der ersten Wölfe, stattfand, ist nicht genau bekannt. Vermutet wird, dass die Geschichte des Hundes vor etwa 15.000 bis 20.000 Jahren begann. Es gibt allerdings auch Hundeschädel, die deutlich älter sind, ca. 36.000 Jahre. Diese Schädel wurden genetisch untersucht und das Ergebnis zeigt eindeutig, dass das Tier näher mit dem heutigen Haushund als dem Wolf verwandt ist. Eine Studie aus den 90er Jahren hat sogar ergeben, dass die Unterschiede in der DNA von Wolf und Hund eine Entwicklung von etwa 100.000 Jahren bedeuten könnten.

Vermutlich suchten die Wölfe die Nähe des Menschen, um etwas von seiner Beute abzubekommen.
Schon damals liefen die Wölfe den Menschen hinterher, könnte man daher sagen. Es ist auch wahrscheinlich, dass die Menschen ebenfalls die Vorteile eines zahmen Wolfes erkannten und irgendwann damit anfingen, Welpen mit der Hand aufzuziehen, damit sie ihnen gegenüber friedlich waren. Von da an waren die Wölfe von ihren wilden Artgenossen getrennt und verloren über Generationen ihre Wildheit.

Wahrscheinlich ist, dass dies ganz nebenbei geschah, da die Zucht mit freundlichen und gehorsamen Tieren viel leichter gelang als mit aggressiven. So setzten sich von Beginn an die Gene durch, die der Mensch an seinem tierischen Begleiter schätzte.
Die ersten Hunde gab es vermutlich in Ostasien, aber auch hier fehlen bisher eindeutige Beweise.

Der Hund ist somit das einzige Haustier, welches zum Menschen kam.
Alle anderen Haustiere musste der Mensch mühsam einfangen und zu seinem Dasein zwingen.

Rudelverhalten und Dominanz

Wölfe haben eine klare Rangordnung in ihrem Rudel.
Ein Rudel besteht meist aus einem ausgewachsenen Pärchen und seinem Nachwuchs. Junge Wölfe verlassen die Eltern mit der Geschlechtsreife. Meistens bleiben sie nicht länger als drei Jahre.

Die Rangordnung entscheidet darüber, wer nach einer erfolgreichen Jagd zuerst fressen darf. Es kommt hierbei gelegentlich zu Konflikten, die jedoch in der Regel ohne ernste Verletzungen beigelegt werden.

Auch bei in Freiheit lebenden Wölfen kann man ein Hinterherlaufen beobachten.
Denn wandern Wölfe, geschieht dies in einer Linie hintereinander. Das kommt daher, dass Welpen in ihren Eltern ihre Versorger und Beschützer sehen, denen sie natürlich stets nah sein wollen. Nur dann können sie in den Genuss der dadurch entstehenden Vorteile kommen. Das Hinterherlaufen bei frei lebenden Wölfen hat also in den allermeisten Fällen natürliche Gründe.

Sollte man dem Hund das Hinterherlaufen abgewöhnen?

Es kann anstrengend werden, wenn dein Hund dir überallhin folgt.
Manche Hundebesitzer brauchen bloß vom Sofa aufzustehen und ihr Hund springt sofort ebenfalls auf. Ein entspanntes Zusammenleben kann dadurch tatsächlich gestört werden. Nicht nur kann es dich stören, wenn du nicht mal alleine den Raum verlassen kannst, es setzt auch deinen Hund unter Stress. Schließlich muss er stets darauf achten, nicht von dir getrennt zu werden.

Generell sollte an dem natürlichen Verhalten des Hundes, denn auch er will dir, seinem Versorger und Beschützer, nur nahe sein, nur dann etwas ändern, wenn dadurch ein Problem entsteht.

Gründe in Erziehungsfehlern/Traumata

Das ständige Hinterherlaufen kann einem Hund zumindest zum Teil aberzogen werden.
Dazu müssen am besten bereits im Welpenalter klare Grenzen aufgezeigt werden. Der Hund darf zum Beispiel nicht mit auf die Toilette. Aus diesem Verbot resultierendes Jaulen oder an der Tür kratzen sollte unterbunden werden.

Da du kaum den ganzen Tag mit deinem Hund in einem Raum verbringen kannst, ist es ratsam, dass er das Alleinsein übt. Er wird es zu Beginn nicht mögen und vielleicht aus Trotz und Langeweile Möbelstücke zerkauen, aber bald wird er merken, dass du nicht für immer weg bist.

Es gibt auch Hunde, die der Meinung sind, ihr Besitzer kommt ohne sie nicht zurecht.
Sie laufen ihnen daher ständig hinterher, um auf sie aufzupassen. Den Unterschied zwischen Verlassensängsten und Kontrollzwang kannst du in der Reaktion erkennen, wenn du deinen Hund alleine lässt.

Ein Hund, der befürchtet, dass du ihn verlassen hast, wird heulen oder versuchen, die Tür zu öffnen.
Möchte dein Hund dich kontrollieren, wird er eher wütend darauf reagieren, dass du dich seiner Kontrolle entziehst. Daher wird er in diesem Fall eher bellen, um dir klarzumachen, dass du zurückkommen sollst.
Wie du deinen Hund am besten erziehen solltest, lernst du in der Hundeschule. Ein ausgebildeter Hundetrainer kann dir auch bei traumatischen Erlebnissen deines Hundes zur Seite stehen.

Fazit

Das Hinterherlaufen bei Hunden ist ein natürliches Verhalten, das sie noch mit ihren Verwandten, den Wölfen, verbindet. Von ihnen stammen die Haushunde ab und haben sich über die letzten 15.000 Jahre, vermutlich jedoch deutlich länger, zu unseren heute existierenden Haushunden entwickelt.

Wird das Hinterherlaufen zu einem Problem, sollte es jedoch unterbunden werden. Es führt nicht nur zu Stress beim Besitzer, sondern lässt auch den Hund nicht zur Ruhe kommen.


Literatur

  • Dr. Dorit Feddersen-Petersen: Hundepsychologie,Sozialverhalten und Wesen, Emotionen und Indivitualität, Mit 90 Minuten Hundefilmen auf DVD, ISBN 3440137856*
  • Martin Rütter, Andrea Buisman: Sprachkurs Hund mit Martin Rütter: Körpersprache und Kommunikation, ISBN 9783440127599*
  • Dorit U. Feddersen-Petersen: Ausdrucksverhalten beim Hund: Mimik und Körpersprache, Kommunikation und Verständigung: Mimik, Körpersprache, Kommunikation und Verständigung, ISBN 344009863X*
  • Jan Nijboer: Hunde verstehen: Hundesprache und Verhalten, ISBN 3440150674*
  • James O’Heare: Die Neuropsychologie des Hundes, ISBN 3936188467*
  • Jörg Tschentscher: Mensch-Hund Psychologie: Wie Mensch und Hund miteinander leben und sich gegenseitig beeinflussen, ISBN 3936188505*
  • Masih Samin: Sei höflich zu deinem Hund!: Kommunikation auf Augenhöhe, ISBN 3833866837*

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