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Was sind kognitive Schemata in der Psychologie


Schemata oder Schema in der Psychologie – beinhalten den Durschnitt aller Erfahrungen, die in Bezug auf eine bestimmte Kategorie gemacht wurden.

Ein Schema kannst du dir daher als einen Rahmen oder eine Bündelung von verschiedenen Informationen vorstellen. Diese Informationen sind das Wissen, dass du im Laufe deines Lebens über bestimmte Objekte, Situationen oder Menschen angesammelt hast. Dieses Wissen wird für jede Kategorie gebündelt. Der Durchschnitt aus allen Situationen und Erfahrungen, die du bisher gemacht hast, bildet dann so gesehen einen Prototypen oder eine Art Schablone für eine bestimmte Kategorie: Ein Schema oder Referenzbild.

Diese „Wissensbündel“ erlauben dir, eine bestimmte Vorstellung von deiner Umwelt zu haben.
So kannst du auch schnell beurteilen, ob etwas an einer Situation nicht stimmt. Stelle dir zum Beispiel einen Hund am Steuer eines Lastwagens vor. Diese Vorstellung kommt dir seltsam vor, weil du weißt, dass Hunde keine Fahrzeuge steuern können. Dein Schema über Hunde beinhaltet nämlich mit hoher Wahrscheinlichkeit das Wissen darüber, dass Hunde dazu nicht in der Lage sind.

Da jedoch stetig neue Erfahrungen zu deinem Wissensschatz hinzukommen, sind Schemata auch nicht in Stein gemeißelt. Sie ändern sich mit wechselnden Lebensereignissen und beinhalten auch nur Details, denen du genug Aufmerksamkeit widmest. Informationen, die an dir vorbei gehen, werden nicht Teil deines Schemas zu einer Kategorie.

Wie funktioniert das Modell der kognitiven Schemata?

Das Konzept der Schemata wurde vor allem durch Jean Piaget geprägt.
Er befasste sich mit der geistigen Entwicklung im Kindesalter und forschte an den Prozessen rund um das Denken, Problemlösen und Schlussfolgern. Seine Erkenntnisse erhielt er hauptsächlich aus Denkaufgaben und Interviews, die er mit Kindern durchführte. Besonders interessiert war Piaget daran, wie sich das Denken der Kinder im Laufe der Jahre verändert.

Ein Schema war für Piaget eine geistige Struktur, die dem Menschen bei der Interpretation seiner Umwelt hilft. Nicht nur neue Erfahrungen, sondern auch Übung führt dazu, dass Schemata immer komplexer werden.

Kinder entwickeln ihre Schemata laut Piaget mittels der beiden Prozesse Assimilation und Akkommodation.
Bei der Assimilation geht es darum, dass eine neue Information in ein bereits vorhandenes Schema passt. Das Kind kann problemlos auf sein „Wissensbündel“ zurückgreifen und die Situation damit abgleichen beziehungsweise interpretieren. Passt die Information allerdings nicht in dieses Schema, muss das Schema angepasst werden. Bei diesem Anpassungsprozess handelt es sich dann um eine Akkommodation.

Das Wechselspiel der beiden Prozesse führt zu kognitivem Wachstum.
Nehmen wir den Greifreflex eines Kindes als Beispiel. Hat das Kind bereits gelernt, dass es Objekte greifen kann, führt es für jedes Objekt dieselbe Greifbewegung aus. Alles, was mit dieser Bewegung greifbar ist, wird also assimiliert. Das Kind merkt sich, dass es ein Objekt mit dieser bestimmten Bewegung greifen kann, um es aufzuheben.

Versucht das Kind nun nach Wasser zu greifen, findet eine Akkommodation statt.
Das Schema der Greifbewegung passt nicht mehr zu dem Objekt und muss angepasst werden. Dem Schema für die erste Greifbewegung wird die neue Information hinzugefügt, dass sie nur für feste Objekte geeignet ist. Um das Wasser aufzuheben, muss das Kind seine Bewegung anpassen. Es formt anschließend nicht nur seine Hand zu einer Kelle, um das Wasser darin aufzunehmen. Gleichzeitig wird auch das Schema geändert und das Kind merkt sich, dass die Greifbewegungen sich abhängig von der Konsistenz des Objekts unterscheiden müssen.

Wieviel sehen wir wirklich über die Augen und wie viel wird ergänzt?

Hier spielt das kognitive Schema eine wichtige Rolle.
Denn „Aus den Augen“ heißt nicht gleichzeitig „aus dem Sinn“.
In seinen Theorien beschreibt Piaget verschiedene Phänomene, die mit den einzelnen Entwicklungsschritten einhergehen. Eines davon ist die Objektpermanenz. Damit ist die mentale Repräsentation von Objekten gemeint, die das Kind gerade nicht sehen kann.

Es geht hierbei also um das Wissen, dass Objekte auch unabhängig vom eigenen Bewusstsein existieren.
Bereits in den ersten Lebensmonaten verfolgen Kinder Objekte mit ihren Augen. Doch sie verlieren schlagartig das Interessen, sobald das Objekt sich nicht mehr in ihrem Blickfeld befindet. Erst im Alter zwischen acht und zwölf Monaten beginnen Kinder, das verschwundene Objekt zu suchen. Es muss sich demnach ein Bewusstsein darüber ausgebildet haben, dass Dinge nicht aufhören zu existieren, nur weil man sie nicht mehr sehen kann.

Das kognitive Schema beeinflusst das was Ich sehe und was ich eigentlich nicht sehe…

Doch nicht nur unser Bewusstsein sorgt dafür, dass wir scheinbar Dinge wahrnehmen, die wir nicht sehen.
Um überhaupt sehen zu können, braucht der Mensch ein gesundes Paar Augen. Die Welt um dich herum kannst du über die Augen wahrnehmen, weil alles in deinem Umfeld Licht reflektiert. Das Licht gelangt zunächst durch die Hornhaut deines Auges, dann weiter durch die vordere Augenkammer und wird von der Pupille durch die Linse und den Augapfel bis auf die Retina geleitet.

Die Retina ist die Netzhaut des Auges, auf der sich auch die Stäbchen- und Zapfenzellen sitzen.
Sie sind für die Licht- und Farbwahrnehmung zuständig. Von den Zellen der Retina wird das eintreffende Licht in Nervenimpulse umgewandelt, die dann an das Gehirn weitergeleitet werden. Allerdings befinden sind an einer Stelle der Netzhaut keine Zellen zur visuellen Wahrnehmung. Und zwar dort, wo der Sehnerv austritt. Hier befindet sich ein blinder Fleck.

Warum haben wir dennoch nicht das Gefühl an der Stelle blind zu sein, sondern sehen ein scheinbar vollständiges Bild von der Welt? Das hat zwei Gründe. Erstens ist der blinde Fleck in beiden Augen so positioniert, dass die Rezeptoren des einen Auges das aufnehmen, was dem anderen fehlt. Und zweitens ergänzt das Gehirn die fehlenden Informationen mit Hilfe der Infos aus der umliegenden Region.

Sehen wir manche Dinge nicht, weil wir keine kognitiven Schemata für sie angelegt haben?

Manche Dinge sehen wir nur, wenn wir sie auch erwarten.
Wenn wir ein Schema über eine bestimmte Situation angelegt haben, gibt es zwei Möglichkeiten.
Entweder fallen sie uns besonders stark auf, weil sie nicht zu unserem Schema passen oder sie fallen uns überhaupt nicht auf, weil wir nicht mit ihnen rechnen. Unsere Aufmerksamkeit spielt hier eine sehr wichtige Rolle.

Ein berühmtes Beispiel ist der „unsichtbare Gorilla“.
Die Psychologen Christopher Chabris und Daniel Simons führten ein Experiment durch, bei dem sie ihren Versuchsteilnehmern ein Video zeigten. Darin warfen Personen mit weißen T-Shirts und Personen mit schwarzen T-Shirts sich jeweils gegenseitig einen Ball zu. Die Versuchsteilnehmer sollten zählen, wie oft sich die Personen in den weißen T-Shirts den Ball zuwarfen. Im Laufe des Videos lief plötzlich eine Person im Gorillakostüm durch das Bild.

Das Ergebnis des Experimentes ist zunächst sehr verblüffend.
Denn keiner der Versuchsteilnehmer bemerkte den Gorilla. Dieser Effekt gilt als Unaufmerksamkeitsblindheit. Dabei wird der Gorilla übersehen, gerade weil er so offensichtlich ist. Die Versuchsteilnehmer hatten immerhin die Aufgabe bekommen, die Pässe der weiß gekleideten Personen zu zählen. Der Gorilla passte einfach nicht in den Aufmerksamkeitsfokus und wurde nicht wahrgenommen. Schließlich wird kaum jemand ein Schema verinnerlicht haben, der Gorillas bei einem Basketballspiel als Informationsbaustein beinhaltet. Schemata lenken somit unsere Aufmerksamkeit bei der Wahrnehmung von Situationen.

Wie hängen Erwartungen mit unserer kognitiven Wahrnehmung zusammen?

Da wir in unseren Schemata sämtliches Wissen über eine Kategorie vereinen, haben wir auch entsprechende Erwartungen an eine Kategorie.

Diese Erwartungen werden verunsichert, sobald man mit mehrdeutigen Informationen konfrontiert wird.
So ist es etwa bei ambivalenten Figuren der Fall, die man auch als optische Täuschungen bezeichnen kann.

Eine ambivalente Figur lässt mehrere Interpretationen zu.
Zum Beispiel ein Bild, welches nur die vagen Umrisse eines Kopfes und ein Auge andeutet. Je nach Interpretation könnte man in diesem Bild entweder eine Ente sehen oder einen Hasen. Sieht man den Hasen, verwandelt sich der Schnabel der Ente in Hasenohren. Umgekehrt wird aus den Ohren der Schnabel einer Ente. In diesem Beispiel ist es schwierig für das Gehirn, sich auf eine einzige Interpretation festzulegen. Der Grund dafür ist der, dass es in diesem Bild keine weiteren Kontextinformationen gibt. Im Normalfall liegen nämlich genügend Informationen in der Umwelt beziehungsweise im Kontext vor, um sich ein eindeutiges Bild zu machen.

Kenne ich Sie nicht irgendwoher?

Die Aspekte Kontext und Erwartungen wirken auch im Alltag an der Wahrnehmung mit.
So kann man zum Beispiel eine Person sehr viel schneller wiedererkennen, wenn man sie im selben Umfeld trifft.

Vielleicht ist dir das auch schon einmal so ähnlich passiert…
Du siehst im Supermarkt eine Person, die dir irgendwie bekannt vorkommt. Du bist dir absolut sicher, diese Person zu kennen. Allerdings kannst du dich nicht erinnern, wer diese Person ist oder woher du sie kennen könntest. Beim nächsten Zahnarzttermin fällt es dir dann wie Schuppen von den Augen. Die Person, die du im Supermarkt gedanklich nicht einordnen konntest, arbeitet bei deiner Zahnärztin und macht immer die Vorsorgetermine mit dir aus. In der Praxis hast du keine Probleme, diese Person wiederzuerkennen. Im Supermarkt hast du sie ganz einfach nicht erwartet und konntest dich nicht erinnern.

Das liegt daran, dass auf einem Mal der Zahnarzt-Kontext derselbe ist und dieser dient deinem Gehirn als Erinnerungsstütze. Es sind also nicht nur unsere Sinnesorgane, mit denen wir unsere Umwelt wahrnehmen. Unser Gedächtnis hat ebenso einen großen Einfluss darauf.

Wie befestigt man eine Kerze an einer Wand?

Der Einfluss von Kontext und Erwartung auf die Wahrnehmung wird häufig im Zusammenhang mit der Bildung von Sets untersucht.

Bei einem Set handelt es sich um eine Art Voreinstellung.
Gemeint ist damit eine erhöhte Bereitschaft, auf bestimmte Reize in einer bestimmten Weise zu reagieren. Ein mentales Set ist daher die erhöhte Bereitschaft, richtig auf ein Spiel oder eine Problemstellung zu reagieren. Wie reagiert wird, hängt mit den erlernten Regeln, Erwartungen oder Anweisungen zusammen.

Das hat einerseits den Vorteil, dass man nicht lange überlegen muss.
Man handelt fast automatisch. Ein Nachteil ist allerdings, dass dieses Set auch bei der Lösung eines Problems hinderliche sein kann. Und zwar dann, wenn die alten Regeln nicht zu der neuen Situation passen. Das Set kann in diesem Fall zu einer geistigen Blockade führen.

Dies zeigte sich in einem Versuch sehr deutlich, bei dem die Probanden ein Teelicht an der Wand befestigen sollten. Vor ihnen stand ein Tisch, auf dem ein Teelicht, eine Streichholzschachtel und Reißzwecken lagen. Die Lösung bestand darin, die Streichholzschachtel mithilfe der Reißzwecken an der Wand zu befestigen und das Teelicht darauf zu stellen. Doch die meisten hatten Probleme mit der Aufgabe. Ihr Schema von der Funktion einer Streichholzschachtel beinhaltete nicht, dass man diese auch zu einer Art Regal für ein Teelicht umfunktionieren kann.

Schemata beziehen sich jedoch nicht nur auf mentale Abläufe.
Neben diesem kognitiven Schemasystem gibt es auch noch ein prozedurales und ein motorisches System. Hinter dem prozeduralen System verbergen sich bestimmte Vorstellungen über zeitliche Abläufe. Hier spricht man auch von Skripten. Beispiele dafür sind etwa Restaurantbesuche oder das Zähneputzen.

Du hast irgendwann einmal gelernt, wann welcher Schritt an der Reihe ist.
Dadurch weißt du, dass du zuerst den Deckel der Zahncreme abschrauben musst, bevor du die Zahncreme auf die Zahnbürste gibst und anschließend diese im Mund so bewegst, dass deine Zähne sauber werden. Und du weißt auch, dass du im Restaurant zuerst einen Tisch suchst, dann ein Gericht auf der Karte auswählst und anschließend dein Essen serviert bekommst. Dieses Schema nennt sich Skript und ist Teil des prozeduralen Systems.

Daneben gibt es auch noch das motorische System, auf das die Schemata Einfluss haben. Damit sind sämtliche Bewegungsabläufe gemeint, wie etwa das Erlernen des Fahrradfahrens.

Zusammenfassung:

  • Ein kognitives Schema oder Schemata ist ein Schablone, welche in unserem Gehirn existiert.
  • Diese Schablone setzt sich aus all unseren Erfahrungen und Wissenseindrücken zusammen.
  • Dadurch ergänzt unser Gehirn gewisse Seh-Eindrücke und legt das Schema darüber. Die Schablone bewirkt somit, dass richtige Seheindrücke überlagert werden können.
  • Da Sehen nichts anderes als eine Reflektion und daraus folgende Reaktion in unserem Gehirn ist, kann das kognitive Schema diesen Eindruck sehr gut ergänzen, komplettieren und anpassen.

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