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Wer ist Holla die Waldfee: Ursprung, Herkunft und Bedeutung


„Holla, die Waldfee“ wird bei Überraschungen oder als anerkennender Ausruf verwendet. Der Ursprung des Sprichworts ist nicht eindeutig geklärt, liegt aber vermutlich im Aberglauben um den Holunderstrauch.

Was bedeutet Holla die Waldfee

„Holla, die Waldfee“ wird als überraschter Ausruf verwendet. Hört jemand etwas Erstaunliches oder Unglaubliches, kann er darauf mit dem Sprichwort antworten. Auch Anerkennung kann auf diese Weise ausgedrückt werden.

Auf der anderen Seite benutzen manche Menschen die Redensart ironisch. Hören sie eine spannend vorgetragene, aber eigentlich unspektakuläre Geschichte, eignet sich „Holla, die Waldfee“ als nicht ernst gemeinte Erwiderung darauf.

Synonym eignen sich Sprichwörter wie „Alter Schwede“ oder „Mein lieber Schwan“. Auch ein einfaches „Wow“ oder „Wahnsinn“ kann man im gleichen Kontext verwenden.

Ursprung des Wortes Holla

„Holla“ ist ein veralteter Imperativ des Verbs „holen“. Das Wort rief man früher Fährmännern zu, wenn man eine Überfahrt brauchte. „Holla“ bedeutet in diesem Zusammenhang etwa „hol über“. Das Wort ist mit dem heutigen Daumen an der Straße Hochhalten oder Winken nach einem Taxi vergleichbar.

Später wandelte sich die Bedeutung und „Holla“ allein wurde als überraschter Ausruf verwendet. Es ist außerdem möglich, dass das Wort „Hallo“ hier seinen Ursprung hat.

Weitere Möglichkeiten finden sich im Wort „Husch“, welches synonym zu „Holla“ verwendet worden sein soll. Außerdem könnte es sich bei „Holla“ um eine Abwandlung des Namen „Hel“, der germanischen Göttin der Unterwelt, handeln. So ließe sich auch „Holla“ als überraschter Ausruf erklären. Bis heute benutzen wir „Was zum Teufel“ in ähnlichen Situationen, wenn uns etwas Überraschendes oder Unglaubliches begegnet.

Ursprung der Redensart

Um die Herkunft von „Holla, die Waldfee“ ranken sich viele Mythen und Erklärungsversuche. Einen eindeutig identifizierbaren Ursprung hat das Sprichwort nicht. Allerdings ist eine Erklärung deutlich wahrscheinlicher als alle anderen.

Der Holunderstrauch

Bis ins 18. Jahrhundert wurden dem Holunderstrauch verschiedene magische Kräfte zugesprochen. Bauern nutzten die Blüten, um darin die Höhe der bevorstehenden Ernte zu lesen. Frauen stellten dem Strauch Fragen zu ihrem künftigen Ehemann. Ein Kuchen mit Holunderbeeren war vor allem zum Fest der Sonnenwende beliebt. Durch ihn sollte man besonders weit springen können. Dadurch gewann man den Wettstreit des Feuersprungs, der dabei üblich war. Ein Sprung über oder durch das Feuer sollte eigentlich nur Glück bringen. Daraus entwickelte sich aber schnell ein Wettbewerb unter den Teilnehmern. Möglicherweise glaubte man, je weiter man sprang, desto mehr Glück erwartete einen.

Zusätzlich heißt es, unter Holunderbüschen sei man vor Mückenstichen und Schlangenbissen geschützt. Der Pflanze werden außerdem heilende Kräfte zugeschrieben, wodurch sie auch bei Kräuterfrauen beliebt waren.

Da Kenntnisse über Heilkräfte der Natur mit Zauberei in Verbindung gebracht wurden, lebten diese Frauen gefährlich. Sie mussten ständig fürchten, als Hexe diffamiert zu werden. Vor allem ältere oder weniger hübsche Frauen bezeichnete man in diesem Zusammenhang gern als Kräuterhexe. Der Beiname bedeutete nicht unbedingt, dass man ihnen etwas Böses wollte. Die jüngeren und schöneren nannte man Feen. Hexen und Feen waren dem alten Aberglauben nach dasselbe und unterschieden sich nur äußerlich.

Die Waldfee könnte demnach auch eine Waldhexe sein. Holla ist dabei nicht ihr Name, sondern ein Synonym für den Holunder. Aus dem Kinderlied „Ringel, Ringel, Reihe“ kennt man beispielsweise die Bezeichnung „Holderbusch“ oder auch „Hollerbusch“. Abgekürzt wird daraus schlicht der „Holler“.

„Holla, die Waldfee“ meint damit einen Strauch, dem heilende und magische Kräfte zugesprochen werden. Gleichzeitig bezeichnet der Spruch eine Frau, die diese Kräfte einzusetzen weiß. Diese Erklärung für den Ursprung des Sprichworts ist die wahrscheinlichste.

Die germanische Mythologie

In der germanischen Mythologie findet sich eine Mutter– und Baumgöttin. Sie war für den Schutz von Menschen, Tieren und Pflanzen zuständig und bewahrte sie vor Naturkatastrophen und bösen Geistern. Gleichzeitig kontrollierte sie das Wetter und beeinflusste damit die Ernte.

Diese Göttin stand eng in Verbindung mit dem Holunderstrauch, was die Pflanze zu einem willkommenen Gast in Gärten machte. Es stand sogar unter Strafe, einen solchen Strauch zu fällen. Man fürchtete, den Zorn der Göttin auf die ganze Familie oder Gemeinde zu ziehen.

Mit „Holla, die Waldfee“ könnte daher die germanische Göttin gemeint sein. Daneben trägt auch Freya, die nordische Göttin der Liebe und Ehe, den Beinamen „Hulla“. „Hulla“ bedeutet „die Huldvolle“, also „die Wohlwollende oder Sanftmütige“. Der Beiname wurde vor allem nach der Christianisierung verwendet, um ihre Verehrung geheimzuhalten. Diese Herkunft ist aber unwahrscheinlicher.

Grimms Märchen Frau Holle

Frau Holle ist sowohl eng mit der germanischen Mythologie, als auch mit dem Holunderstrauch verknüpft. Die Idee der über das Wetter herrschenden Frau beruht vermutlich auf der Göttin mit ähnlichen Fähigkeiten. Die Gebrüder Grimm bedienten sich der Mythologie und formten daraus ihr Märchen. Weil der Ursprung des Märchens bekannt war, blieb er in Form der „Waldfee“, also der Göttin, möglicherweise in dem Sprichwort erhalten. Neu hinzu kam der Name von Frau Holle. Auch diese Erklärung ist eher unwahrscheinlich.

Ein Theaterstück

In einem Theaterstück von Oskar Freiherr von Redwitz aus dem Jahr 1859 kommt der Spruch „Husch husch, die Waldfee“ vor. Das Theaterstück heißt „Philippine Welser“ und basiert lose auf tatsächlichen Ereignissen. Philippine Welser war eine Patriziertochter, die im 16. Jahrhundert lebte. Als bürgerliche Frau heiratete sie den Erzherzog Ferdinand II. Die Ehe wurde erst 1559, zwei Jahre nach Schließung, von seinem Vater bemerkt. Dieser schwankte zwischen Bestrafung für seinen Sohn und Wohlwollen gegenüber Philippine und seinen Enkeln.

Da „Husch“ und „Holla“ das Gleiche bedeutet haben könnte, könnte sich daraus in abgewandelter Form der Spruch „Holla, die Waldfee“ entwickelt haben. Aber auch diese Erklärung deutlich unwahrscheinlicher als der Zusammenhang mit dem Holunderstrauch.