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So konnte Konstantinopel sich immer wieder vor Angreifer schützen


Die Stadt Konstantinopel wurde bereits im 6. Jh. V. Chr. Unter dem Namen Byzanz gegründet. Nach der Teilung des Römischen Reiches (395 n.Chr.) wurde sie zu Ehren des römischen Kaisers Konstantin umbenannt und wurde zur Hauptstadt des Oströmischen Reiches. Über Jahrhunderte hinweg blieb die Stadt unbezwingbar. Nur im Vierten Kreuzzug im Jahr 1204 wurde die Stadt eingenommen und geplündert, konnte jedoch einige Jahre später wieder zurückerobert werden. Im Jahr 1453 fiel Konstantinopel erneut, was zum endgültigen Zerfall des Byzantinischen Reiches führte. Dass die Stadt so lange Zeit unbezwingbar blieb ist vor allem auf die grandiose Stadtbefestigung zurückzuführen, welche zu dieser Zeit einzigartig war.

Die Errichtung der sogenannten Theodosianischen Mauer

Im 5. Jh. Wurde unter der Herrschaft von Theodosios II. ein umfangreiches Befestigungssystem für Konstantinopel errichtet. Zur Planung dieser neuen Stadtmauer haben zwei Faktoren geführt. Einerseits befand sich Konstantinopel in einer starken Wachstumsphase, wodurch große Teile der Stadt nicht mehr durch eine Stadtmauer geschützt waren. Andererseits waren zu dieser Zeit die gotischen Stämme auf dem Vormarsch und hatten sogar die weströmische Hauptstadt Rom erobert und geplündert. Zu dieser Gefahr gesellten sich hunnische Stämme, welche begannen sich in der Nähe der Stadt anzusiedeln.

In der ersten Bauphase der Theodosianischen Mauer wurde ein großer Mauerring zwei Kilometer außerhalb der alten Stadtmauer errichtet. Nach einer Beschädigung durch ein Erdbeben wurde diese neue Mauer wiedererichtet und ein weiterer Mauerring mit Türmen und einer vorgelagerten Brustwehr hinzugefügt. Damit besaß Konstantinopel zu dieser Zeit drei umlaufende Mauerringe, welche eine Eroberung praktisch unmöglich machten.

Besondere Merkmale der Theodosianischen Mauer

Die Stadtmauern von Konstantinopel waren in Landmauern sowie eine Seemauer aufgeteilt. Beide waren in den modernsten und ausgefeiltesten Techniken der damaligen Zeit errichtet worden. Sie war aus einem Gemisch aus Bruchstein und Beton errichtet worden. Regelmäßig waren horizontale Ziegelschichten eingebaut worden, welche dazu führten, dass die Mauer Beschuss durch Belagerungswaffen besser standhalten konnte.

Die Mauer war über weite Strecken in einem Wall-System angelegt worden. Zunächst mussten Angreifer eine Sektion aus Ziegelmauern und Wassergräben überwinden. Es folgte eine niedrige Grabenmauer, welche den Ansturm von Angreifern aufhielt, jedoch einen ungehinderten Beschuss von innerhalb der Stadt ermöglichte. Selbst wenn die Angreifer bis zu diesem Punkt gelangten, mussten sich noch eine 8 Meter hohe Vormauer und eine 12 Meter Hohe Hauptmauer überwinden. Beide Mauern waren mit zahlreichen nach außen vorgesetzten Türmen bestückt, welche einen ununterbrochenen Beschuss der Angreifer ermöglichten.

Auch der Seeweg nach Konstantinopel war trotz besonders starker Strömung und unvorhersehbaren Wetterverhältnissen mit einer Mauer geschützt worden. Da diese jedoch stark von den Wellen unterspült wurde, musste sie regelmäßig saniert werden. Über 100 Türme entlang dieser Mauer sicherten den Hafen und die hier stationierte Flotte von Konstantinopel. Um zusätzliche Sicherheit zu gewährleisten war eine 300 Meter lange Sperrkette über die Bucht von Konstantinopel gespannt worden.

Diese Belagerungen wurden dank der Theodosianische Mauer abgewehrt

Attila und seinen Hunnenhorden zogen im 5. Jh. Gegen Konstantinopel. Als sie die massiven Befestigungsanlagen erblickten, verzichteten sie auf eine Belagerung und zogen stattdessen weiter nach Westen. Später versuchten arabische, bulgarische und russische Völker erfolglos die Stadt einzunehmen. Selbst massive Beschädigungen durch einen besonders heftigen Winter im Jahr 764 konnten die Mauer nicht stürzen. Konstantinopel erhielt den Ruf, uneinnehmbar zu sein, weswegen zahlreiche Feinde bereits im Vorhinein abgeschreckt wurden.

Der erste Fall von Konstantinopel während des Vierten Kreuzzuges

Während des Vierten Kreuzzuges wurde Konstantinopel von der vereinigten Kreuzritterarmee belagert. Ein erster Versuch, die Mauern über den Seeweg zu überwinden wurde am 9. April 1204 abgewehrt. Wenige Tage später wendete sich jedoch das Blatt und die Flotte der Kreuzritter konnte, durch glückliche Winde begünstigt, einige Türme der Seemauer erobern.

Einige Kreuzritter konnten in die Stadt eindringen und weitere Breschen in die Mauern schlagen. Eine geplante Strategie zur Verteidigung mit Hilfe einer Feuerwand schlug fehl, Teile von Konstantinopel wurden dabei niedergebrannt. Der damalige Kaiser Alexios V. musste fliehen, Konstantinopel war erstmals gefallen.

Erst im Jahr 1261 gelang es, Konstantinopel zurückzuerobern. Dies gelang jedoch nicht mit Hilfe einer Belagerung, sondern durch einen strategischen Geniestreich. Die byzantinischen Truppen schlichen im Schutze der Dunkelheit an die Mauer und bestiegen diese durch eine geheime Tür. Die Soldaten konnten die Wachen besiegen und die Tore zu der Stadt öffnen. Binnen weniger Stunden war der damals in Konstantinopel herrschende lateinische Kaiser Balduin II. besiegt und floh.

Der endgültige Fall von Konstantinopel

Im Jahr 1453 wurde Konstantinopel durch den osmanischen Sultan Mehmed II. belagert. Über 80.000 Soldaten waren Teil des osmanischen Heeres. Dieser Übermacht standen lediglich 10.000 Verteidiger gegenüber. Im April 1453 begann die Belagerung. Die ersten Tage waren recht unspektakulär und sahen keinerlei größere Kampfhandlungen. Erste große Gefechte fanden Mitte April statt. Hier sind insbesondere Seeschlachten zu nennen, welche allesamt von den technisch überlegenen Verteidigern gewonnen wurden.

Auch auf der Landseite fanden immer stärkere Auseinandersetzungen statt. Ausschlaggebend waren die neuen massiven Geschütze der Belagerer. Insbesondere das sogenannte „Konstantinopel-Geschütz“ ist hier hervorzuheben. Dieses feuerte Geschosse mit über 500 kg Gewicht ab, welche verheerende Wirkung auf die Stadtmauern hatte. Allerdings konnten nur sieben Schuss pro Tag abgefeuert werden. Nach einer Woche Beschuss wurde ein Sturmangriff durchgeführt, welcher jedoch ohne größere Probleme zurückgeschlagen werden konnte.

In den kommenden Tagen verlagerte sich das Geschehen erneut auf die Seeseite von Konstantinopel. Die Angreifer hatten weitere Schiffe ihrer Flotte hinzugefügt. Schließlich fiel der Hafen in die Hände der osmanischen Armee. Dennoch konnte Konstantinopel die kommenden weiteren Angriffe ohne Schwierigkeiten abwehren.

Erst am 29. Mai, also knapp 2 Monate nach Beginn der Belagerung, fiel Konstantinopel. Das osmanische Reich griff in drei Wellen über den Landweg sowie über den Seeweg gleichzeitig an. Die Verteidiger wurden so immer stärker ermüdet und zermürbt. Schließlich wurden die Tore durchbrochen und Konstantinopel wurde binnen kürzester Zeit zur Gänze erobert. Mit dem Fall der Stadt war auch das Ende des byzantinischen Reichs besiegelt.


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