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Wie hängen Berufswahl, Karriere und Persönlichkeit zusammen


Schon im Kindesalter werden wir häufig mit der Frage konfrontiert, welchen Beruf wir denn später einmal ausüben wollen. Das suggeriert uns bereits in jungen Jahren, dass der Beruf eine wichtige Rolle in unserem Leben spielen wird. Auf unsere Antwort im Kindesalter baut vielleicht unsere weitere Schulbildung auf. Oder auch nicht. Schließlich kennen wir im jungen Alter in der Regel noch nicht die Vielzahl an möglichen Berufen.

Naht jedoch der Schulabschluss, stehen wir konkret vor der Frage nach dem Wunschberuf. In Sachen Berufswahl kann es allerdings knifflig werden. Zwar haben wir eine Vorstellung von unseren Interessen, doch treffen diese nicht zwingend mit unseren Fähigkeiten überein. Ob Persönlichkeit und Fähigkeiten zu den beruflichen Anforderungen passen, ist in der Forschung zur Berufswahl relevant und wird auch differenzialpsychologischer Matching-Ansatz genannt.

Doch nicht nur zum Job, sondern auch zum Unternehmen sollten Wesen und Fähigkeiten des Bewerbers passen. Mit den heutzutage recht häufigen Unternehmenswechseln gehen zudem neue organisationale Sozialisationsprozesse für den Arbeitnehmer einher. Und gleichzeitig fragen wir uns unweigerlich im Laufe unseres Berufslebens, wie erfolgreich unsere Karriere überhaupt ist.


Zur Persönlichkeit:

Zum Thema Beruf und Arbeit:

“Was möchtest du denn machen, wenn du groß bist?“

Die Berufswahl hat einen entscheidenden Einfluss auf unser weiteres Leben.
Wir können einen Ausbildungsplatz ergattern, der genau unseren Erwartungen entspricht. Die Arbeit liegt uns und macht uns sogar Spaß, mit den Kollegen verstehen wir uns prima und wir können uns durchaus vorstellen, diesen Beruf bis zur Rente und vielleicht sogar auch dauerhaft in dieser Firma auszuüben.

Das ist jedoch eher selten der Fall. Heute sind die Lebensläufe wesentlich facettenreicher als früher. Früher blieben die Leute meist nach Beendigung ihrer Lehre im Ausbildungsbetrieb. Mittlerweile finden häufige Wechsel von einem Unternehmen zum anderen statt. Studiengänge oder Ausbildungen werden abgebrochen, Umschulungen und Weiterbildungen gemacht und vielleicht auch komplett neue berufliche Richtungen eingeschlagen.
Nichtsdestotrotz ist es dennoch sinnvoll, sich einen Beruf auszusuchen, für den man auch geeignet ist.

Person und Beruf sollten zusammenpassen

Vielleicht besteht bei einem Abiturienten ein starkes Interesse an Medizin, doch wäre er deshalb direkt auch ein guter Arzt?

Wenn es ihm trotz seiner medizinischen Leidenschaft an Empathie oder anderen sozialen Kompetenzen mangelt, ist der Umgang mit Patienten nicht unbedingt das richtige für ihn. Und auch nicht für seine Patienten. Denn vielleicht wäre der zukünftige Arzt schnell von seinen Patienten genervt und diese hätten das Gefühl, dass er ihnen überhaupt nicht richtig zuhört. Alternativ könnte er zum Beispiel in die medizinische Forschung gehen.

Du siehst….
Die Passung von Persönlichkeit, Fähigkeiten und beruflichem Anforderungsprofil spielt eine bedeutende Rolle in der Berufsberatung. Am bekanntesten ist hier das RIASEC-Modell von dem Psychologen John L. Holland. Dieses Konzept wurde zu Beginn der 1970er Jahre entwickelt und ordnet sowohl der Person als auch den beruflichen Tätigkeiten sechs Dimensionen zu. Hinter RIASEC verberben sich die englischen Begriffe realistic (realistisch), investigative (forschend), artistic (künstlerisch), social (sozial), enterprising (unternehmerisch) und conventional (konventionell).

Hollands Modell bildete die Basis für das EXPLORIX-Instrument, welches häufig in der Berufswahlberatung mit Jugendlichen genutzt wird. Dabei werden die drei Dimensionen mit der höchsten Ausprägung ermittelt und bilden einen Code, anhand dessen eine Vorschlagsliste mit potenziell geeigneten Berufen erstellt wird. So könnte jemandem mit einem hohen sozialen Wert beispielsweise den Berufsvorschlag Krankenschwester oder Pfleger erhalten, während jemandem mit einem hohen realistischen Wert eher zu handwerklichen Berufen geraten werden könnte.

Wichtig ist…
Ein Mensch, sei er noch so intelligent, wird keinen beruflichen Erfolg haben, wenn sein Job nicht zu seinen persönlichen Stärken passt. Denn Intelligenz ist nur eine Eigenschaft, welche dabei hilft, bestimmte Unzulänglichkeiten zu überbrücken. Es fällt dem intelligenten Menschen somit leichter, sich auf neue Felder schneller einzustellen – glücklich und wirklich erfolgreich wird er dadurch noch lange nicht. Denn seine Persönlichkeit, seine Einstellung, seine Werte und Normen müssen zum Job und Unternehmen passen, da nur so der Job zur Berufung werden kann.

Die richtige Berufswahl und organisationale Sozialisation

Mit einer neuen Firma gehen auch neue Normen einher.
Jedes Unternehmen verfügt über eine eigene Organisationskultur, welche bestimmte Regeln, Normen und Werte umfasst. Diese haben einen bestimmten Einfluss auf die Mitarbeiter. Das heißt allerdings auch, dass man sich beim Wechseln in ein anderes Unternehmen wieder an eine neue Organisationskultur gewöhnen muss.

Die damit einhergehende organisational Sozialisation beschreibt daher einen Lernprozess, bei welchem Einstellungen, Normen, Fähig- und Fertigkeiten erworben werden müssen. Dieser Prozess findet bei der Auseinandersetzung mit dem neuen Unternehmen statt. Der neue Mitarbeiter muss sich demnach in das neue Unternehmen einfügen, die zwischenmenschlichen Regeln und Normen übernehmen und sich dadurch sozialisieren.

Dabei ist wichtig zu verstehen, dass die persönlichen Werte des Mitarbeiters mit den Werten und Normen der Firma übereinstimmen sollten. Ansonsten kommt es zu einem Wertekonflikt, welcher dem Mitarbeiter sehr viel Engagement, Aufopferung und Energie kostet. Denn gegen seine innerste Einstellung zu kämpfen, kostet nun einmal Kraft. Diese täglich verlorene Energie kann er nicht in seine Erwerbsarbeit stecken, wodurch die langfristige Karriereplanung gefährdet wird.

Proximale und distale Indikatoren der Sozialisation

Ob diese Sozialisation nun erfolgreich war, kann anhand verschiedener Indikatoren ausgemacht werden.
Hier wird zwischen proximalen und distalen Indikatoren unterschieden. Die proximalen Indikatoren liefern Aufschluss über den Fortschritt des Sozialisationsprozesses. Diese Indikatoren beziehen sich auf die Rollenklarheit, die soziale Integration, die Kenntnis von den organisationsspezifischen Regeln und einer korrekten Ausübung der beruflichen Aufgaben.

Daneben beziehen sich die distalen Indikatoren auf das organisationale Commitment, die Arbeitszufriedenheit und eine geringe Fluktuationsrate. Mit dem Commitment ist die Bindung an das Unternehmen gemeint.

Die organisationale Sozialisation bildet sozusagen den Feinschliff. Dem voraus geht nämlich die sogenannte Gravitation. Damit sind Prozesse gemeint, durch welche eine Organisation bestimmte Bewerber anzieht und auswählt. Das führt im Umkehrschluss dazu, dass die Mitarbeiter eines Unternehmens sich stärker untereinander ähneln können als innerhalb derselben Branche.

Was bedeutet Erfolg?

Beruflicher Erfolg wird meistens mit dem Erklimmen der Karriereleiter gleichgesetzt. Doch was bedeutet „Karriere“ überhaupt?

Darunter ist eigentlich nur ein beruflicher Entwicklungsprozess zu verstehen, bei dem über die Zeit immer höhere Positionen angestrebt und eingenommen werden. Etwas allgemeiner gefasst ist da der Begriff der Berufsentwicklung. Hierbei geht es nicht nur um die Aneinanderreihung von aufsteigenden Positionen, sondern auch um Veränderungen in den eigenen Einstellungen, Werten und Zielen. Hier ist also auch die subjektive Wahrnehmung von Bedeutung.

Ebenso können die Indikatoren von Erfolg anhand von objektiven und subjektiven Indikatoren gemessen werden. Wie erfolgreich unsere Karriere verläuft, zeigt sich beispielsweise an der Höhe des Einkommens, der Anzahl der Beförderungen oder Bonuszahlungen.

Aber auch das Verhältnis von Position und Alter kann als Anhaltspunkt genutzt werden. Wie jung oder alt ist dieser Mitarbeiter im Vergleich zu den anderen Beschäftigten auf der gleichen Karrierestufe? Diese Kriterien sind allerdings nicht universell anwendbar. Schließlich variieren Aufstiegsmöglichkeiten oder Gehälter zwischen den Branchen und Berufsfeldern.

Erfolg bedeutet nicht für alle dasselbe

Daneben können die subjektiven Indikatoren zur Bemessung des Erfolgs genutzt werden. Diese werden in selbstbezogene und fremdbezogene Indikatoren unterteilt.

Beim selbstbezogenen subjektiven Erfolg geht es um die Frage, welche individuellen Ziele und Standards man für sich selbst definiert hat. Das kann ein bestimmtes Gehalt sein oder auch eine große Tätigkeitsvielfalt im Beruf. Die persönlichen Wertvorstellungen und Ziele spielen hier eine bedeutende Rolle. Wovon das eigene Erfolgserleben und die damit einhergehende Zufriedenheit abhängen, ist daher sehr individuell.

Beim fremdbezogenen subjektiven Erfolg wird dieser anhand von objektiven Kriterien bemessen. Diese lassen sich besser untereinander vergleichen als subjektive Vorstellungen und beziehen sich daher wieder eher auch die objektiven Indikatoren des Karriereerfolgs.

Zusammenfassung

  • Die Frage nach der Berufswahl ist für den Einzelnen nicht immer leicht zu beantworten.
  • Stimmen Persönlichkeit und Fähigkeiten nicht mit den Tätigkeiten des Wunschberufs überein, ist der Job auf Dauer nicht geeignet, kostet zu viel Kraft und wird nie wirklich erfolgreich sein.
  • Um die Wahl eines geeigneten Berufs zu erleichtern, werden bestimmte Diagnostikinstrumente in der Beratung verwendet. So kann das auf dem RIASEC-Modell basierende EXPLORIX-Instrument Jugendlichen bei der Entscheidung für einen bestimmten Beruf weiterhelfen.
  • Im Berufsleben angekommen, lernen die neuen Mitarbeiter eine für das Unternehmen typische Organisationskultur kennen. Diese Struktur, die Normen und Werte des Unternehmens müssen ebenfalls zum Mitarbeiter passen, um das Fundament für Erfolg zu ebnen
  • Da das heutige Erwerbsleben allerdings nicht mehr so gradlinig ist wie früher, finden auch häufige Wechsel von einer Organisation in eine andere statt. Damit verbunden ist eine organisationale Sozialisation. In diesem Prozess lernen die neuen Beschäftigten die Normen, Werte und Einstellungen des anderen Unternehmens kennen.
  • Unternehmen verfügen über eine sogenannte Gravitation. Sie ziehen einen bestimmten Typus Mensch an, welcher zu ihrer Organisationskultur passt. Durch die organisationale Sozialisation verfeinert sich die Passung zwischen Mitarbeiter und Unternehmen zusätzlich.
  • Mit der eigenen Erwerbstätigkeit ist auch die Frage nach dem beruflichen Erfolg verbunden. Dieser kann anhand von objektiven Kriterien (zum Beispiel Gehalt oder Beförderungen) bemessen werden oder aber an subjektiven Kriterien.
  • Letztere sind recht individuell und nicht objektiv messbar oder vergleichbar.

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