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Was bedeutet Konterrevolution: Definition und Bedeutung


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Bild zur Französischen Revolution


Die Konterrevolution bezeichnet eine Gegenrevolution, welche das Ziel hat, die bisherigen revolutionären Vorgänge zu beenden und den althergebrachten Status wieder herbeizuführen. Sie wirkt also einer Revolution, welche meistens vom Volk ausgeht, entgegen. Organisatoren einer Konterrevolution werden als Konterrevolutionäre bezeichnet. Erstmals kam der Begriff im Zuge der Französischen Revolution auf und hatte seit dem eine lange, mitunter sehr blutige Geschichte. Neben dem Wirken der neuen und der alten Kräfte wurde der Begriff Konterrevolution fast immer eingesetzt, um oppositionelle Kräfte innerhalb einer revolutionären Phase dauerhaft und mit Gewalt zu unterdrücken.

Die Konterrevolution während der Französischen Revolution

Im Zuge der Französischen Revolution kamen nach einer kurzen, vergleichsweise moderaten Phase die Kräfte rund um Robespierre an die Macht. Die Gruppierung der sogenannten „Jakobiner“ entwickelte den Begriff der Konterrevolution, um diktatorische Maßnahmen zu rechtfertigen. Historiker sprechen im Allgemeinen von der blutigsten Phase der Revolution, in welcher die Guillotine als effektives Instrument zur Hinrichtung von Menschen entwickelt und täglich eingesetzt wurde. Als konterrevolutionär galt:

  • wer die Ziele des neuen Staates durch Wort, Schrift und Taten gefährdete
  • Adlige und hohe Würdenträger der alten Stände
  • alle anderen Personen, welche den Machthabern unliebsam waren

Dies ist wichtig zu begreifen, denn diesen Charakter hat sich auch im Laufe der nächsten Jahrhunderte immer wieder durchgesetzt. Die Konterrevolution wurde so zu einem Mittel, um die freie Meinung zu unterdrücken und die Bevölkerung durch gezielten Terror und Angst gefügig zu machen.

Konterrevolutionen bis zur Russischen Revolution

Die nachfolgenden Jahrhunderte waren geprägt von weltweiten Umstürzen, in denen der Begriff der Konterrevolution von Machthabern auf der ganzen Welt gerne eingesetzt wurde. Es gibt die Theorie, dass jede Revolution automatisch eine Konterrevolution nach sich zieht. Unabhängig davon, ob die Gefahr einer Konterrevolution tatsächlich existiert oder nicht.

Viele Machthaber verwendeten den Begriff gerne, um eine reale oder imaginäre Gefahr zu beschwören und ihr nachfolgendes Handeln zu rechtfertigen. Dabei war immer davon auszugehen, dass keine legalen Mittel angewandt wurden, um die Konterrevolution zu unterdrücken. Es gab bis zur Russischen Revolution keine beschworene oder reale Konterrevolution, die nicht mit den Mitteln der Gewalt verhindert oder hergeführt wurde.

Die Konterrevolution nach der Russischen Revolution und im Kalten Krieg

Um den Begriff der Konterrevolution sowjetischer Prägung zu verstehen, benötigt man ein Verständnis der marxistisch-leninistischen Weltherrschaftstheorie sowjetischer Prägung. Die Ideologie der Sowjetunion ging davon aus, dass sich der Staat in einer Phase der permanenten Revolution befindet und diese im Rest der Welt, auch unter Anwendung von Gewalt, herbeiführen muss. Nur so könnte der Arbeiter und Bauernstaat in Gänze verwirklicht werden. Schon unter Lenin wurden Konterrevolutionäre, also Oppositionelle, verfolgt und oft hingerichtet.

Unter der Herrschaft Stalins wurde der Begriff auf ganze Bevölkerungsgruppen ausgedehnt. Diese wurden entweder umgebracht, oder aber in Zwangsarbeitslager überführt und hatten dort einen wesentlichen Beitrag zur Industrialisierung der Sowjetunion zu leisten. Nach dem Tod des Diktators Stalin wurde der Begriff innerhalb der Sowjetunion weitestgehend verdrängt und vergessen. Er wurde nur selten gebraucht. Dabei darf nicht vergessen werden, dass auch der sogenannte Westen die Konterrevolution bekämpfte.

Hier ging die Gefahr einer Konterrevolution allerdings nicht von demokratischen Kräften aus. Vielmehr wurden Staaten geschützt, die auf ihre Souveränität und Westbindung pochten und den Kommunismus aktiv unterdrückten. Kam es in diesen Staaten zu revolutionären Geschehnissen, so griffen die USA und andere Westmächte aktiv und oft mit großen Konsequenzen in die innere Politik der Länder ein.

Die Konterrevolution nach dem Ende des Kalten Krieges

Das Ende des Kalten Krieges läutete eine große Änderung in der Definition der Konterrevolution ein. Das Fehlen des klassischen Ost-West-Konflikts machte so gut wie jeden Akt gegen eine neu entstehende staatliche Struktur zu einer Art von Konterrevolution. Allerdings fehlten häufig Akteure, die aktiv eingreifen konnten und wollten. Ein gutes Beispiel ist hier der afrikanische Kontinent.

Hier gibt es Länder, in denen ein Putsch und eine Revolution der nächsten folgt. Hier werden Konterrevolutionäre nach dem klassischen Vorbild der Französischen Revolution verfolgt, und das in wechselnde politische Richtungen. Ein weiteres gutes Beispiel für eine moderne Art der Konterrevolution ist die Ukraine. Hier sorgte die Maidan-Revolution für eine stärkere Westbindung und wurde seitens Russlands als eine durch den Westen beeinflusste Konterrevolution angesehen.

Ursachen und Gründe für Konterrevolutionen

Schon in der Französischen Revolution war die Konterrevolution eine durchaus reale Gefahr, ging aber in fast keinem Fall vom Volk selbst aus. Vielmehr war es der alte Adel, der im Ausland ein Exil gefunden hatte und nun versuchte, die Geschicke des Landes in gewohnte Bahnen zu lenken. Während der frühen Neuzeit, des Kalten Krieges und im Digitalen Zeitalter wurde diese Schematik weitestgehend beibehalten.

Eine Konterrevolution war und ist ein Akt, der in den meisten Fällen von Interessensgruppen geleitet wird. Diese haben ihre Basis oft im Ausland und verfolgen eine bestimmte politische Agenda. Oft mit dem Ziel einer langfristigen Anbindung an die bestehenden Großmächte und deren Bündnisstrukturen. Dabei ist oft unklar, ob die Konterrevolution das erklärte Ziel hat, die bisher bestehende Ordnung durch die vorige zu ersetzen. Oft wird eine Konterrevolution auch mit dem Ziel der Demokratisierung, oder einer Einführung einer Diktatur propagiert und durchgeführt.