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Was bedeutet Selbstgefälligkeit: Definition und Bedeutung


Selbstgefälligkeit sind Verhaltensweisen des Individuums oder einer Gesellschaft, welche entweder darauf abzielen, dass man sich selbst besser stellt oder besser darstellt. Man tut sich selbst einen Gefallen bzw. gefällt sich selbst in einer bestimmten Rolle. Fast jeder Mensch verirrt sich gelegentlich in einem milden Grad an Selbstgefälligkeit – zum Beispiel, wenn er etwas aus seiner Sicht sehr gut gemacht hat. Eigenlob gilt bereits als eine milde Form von Selbstgefälligkeit. Solange das Selbstbild aber ansonsten intakt und der Realität entsprechend ausgebildet ist, gibt es kein Problem.

Probleme sind zu erwarten, wenn das Selbstbild stark von dem Bild abweicht, das andere von einem haben. Wenn Eigenlob, ein Hang zur Selbstgerechtigkeit, übertriebene Selbstliebe und überzeichnetes Selbstwertgefühl dominieren, ist bereits eine Nähe zum Narzissmus gegeben. Der Grad an Selbstgefälligkeit kann somit sehr unterschiedlich sein.

Was bedeutet Selbstgefälligkeit?

Selbstgefälligkeit ist ein abwertender Begriff. Er wird jedoch von selbstgefälligen Menschen häufig mit gut entwickeltem Selbstwertgefühl oder einem gesunden Selbstbewusstsein verwechselt. Wer sich in Selbstgefälligkeit übt, stellt sich ständig in den Mittelpunkt und über andere. Er stellt seine eigenen Vorzüge in überheblicher Weise ständig heraus und ignoriert oder minimiert die Leistungen anderer.

Beim Betrachten des Wortsinnes erkennt man bereits, dass die Betroffenen sich selbst sehr gefallen. Die von sich selbst überzeugte Haltung beinhaltet eine Prise Narzissmus und Eitelkeit, vor allem aber eine Neigung zur Überheblichkeit, zur Egozentrik und zur Gefallsucht. Auch Eigenschaften wie Selbstgerechtigkeit, Anmaßung, Arroganz oder Einbildung passen in diesen Zusammenhang.

Wenn jemand sich – mit oder ohne einen Beweis für ein Mehr an Qualitäten – einbildet, er sei besser als alle anderen, dann ist das reine Selbstgefälligkeit. Selbstgefällige Menschen sehen sich als allen anderen überlegen an. Sie belassen es aber nicht bei dem bloßen Gefühl der Überlegenheit, sondern sie posaunen ihre überzogene Selbstsicht bei allen möglichen Gelegenheiten heraus. Als Kollegen sind solche Menschen schwer zu ertragen. Sie stellen die Leistungen ihrer Kollegen permanent in den Schatten. Sie bemühen sich, auf deren Kosten Karriere zu machen, indem sie ihre eigenen Leistungen ständig als herausragend herausstellen.

Falls andere Kollegen einen Anteil an den marktschreierisch beworbenen Leistungen hatten, werden diese bestenfalls am Rande erwähnt. Mancher würde Selbstgefälligkeit vielleicht als eine übersteigerte Art des Selbstbewusstseins ansehen. Doch die Betreffenden sind sich eben NICHT darüber bewusst, dass ihre Haltung zu sich selbst maßlos übertrieben ist. Das Selbstwertgefühl solcher Menschen ist vermutlich nicht besonders groß.

Daher verbergen sie ihre Ängste davor, übersehen und missachtet zu werden, hinter einer selbstgerechten Haltung. Diese ist stark verinnerlicht. Sie erfolgt praktisch automatisch. Falls Widersprüche zu eigenen Überzeugungen auftauchen, werden diese ignoriert, schöngeredet oder uminterpretiert.

Wie entsteht Selbstgefälligkeit und was begünstigt sie?

Die Neigung zur Selbstgefälligkeit mag teilweise charakterliche Grundlagen haben. Im größeren Teil beruht sie aber auf einem falschen Selbstbild. Das Bild, dass die Betroffenen im Laufe des Lebens von sich selbst entwickelt haben, wird stark von den Einflüssen anderer geprägt. Ein Beispiel: Männlichen Nachkommen wird von den Eltern oft ein größeres Selbstbewusstsein und mehr Durchsetzungsvermögen eingetrichtert. Sie sollen im Leben ihren Mann stehen, wehrhaft sein und ihren Wert hoch einschätzen.

Mädchen hingegen lernen von ihren Müttern schon früh, sich anzupassen, hausfrauliche Tätigkeiten zu bevorzugen, mütterlich zu sein und ihren Ehemann zu unterstützen. Frauen entwickeln daher häufig ein geringeres Selbstwertgefühl. Sie üben sich häufig in Nachgiebigkeit und erlernter Hilflosigkeit. Sie lassen sich leicht dominieren. Auch wenn Frauen heutzutage ehemalige Männerberufe ergreifen können und als Managerin, CEO oder Vorstandsvorsitzende erfolgreich sind, wird dieses Grundmuster verinnerlicht und ist bei vielen Frauen lebenslang als latente Prägung vorhanden.

Es hängt zunächst von den äußeren Einflüssen, deren Bewertung und Verarbeitung ab, wie selbstgefällig jemand wird. Einen von Natur aus bescheidenden, nachdenklichen und stillen Menschen dürfte man kaum dazu bewegen, sich in Selbstgefälligkeit zu üben. Neben den elterlichen und schulischen Prägungen sind nicht erfüllte Grundbedürfnisse und verinnerlichte Werte prägend. Möglicherweise addieren sich frühkindliche Erfahrungen dazu, die mit Minderwertigkeitsgefühlen und Gefühlen des Übersehen-Werdens einhergehen. Daraus resultiert dann eine stärkere Geltungssucht.

Die eigenen Stärken werden künftig überzeichnet, die Schwächen übertüncht. Das trügerische Selbstbild entspricht dem Fremdbild nicht mehr. Die Selbstwahrnehmung ist eine andere als das, was man in den Augen anderer verkörpert. Der so vorgeprägte Erwachsene entwickelt nach und nach ein Selbstkonzept, das aus selbst zugeschriebenen Eigenschaften, starren Einstellungen und inneren Überzeugungen besteht. Je mehr dieses Selbstbild sich verfestigt, desto weniger ist es durch Kommentare, Kritik oder Handlungen anderer ins Wanken zu bringen. Nicht ins Selbstbild passende Gedanken und Erfahrungen werden ausgeblendet.

Selbstbild und Selbstwertgefühl sind miteinander verwoben. Normalerweise entsteht ein positives Selbstbild dadurch, dass jemand positive Erfahrungen mit anderen Menschen macht. Man lernt, sich selbst zu vertrauen. Man entwickelt ein gewisses Maß an Selbstwertschätzung. Fehlt diese Entwicklung aber, wird daraus oft Selbstüberschätzung. Man vertraut nicht auf sich selbst, sondern stellt durch sein Verhalten sicher, dass andere einen so wahrnehmen, wie man sich selbst sieht. Aus einer gesunden Selbstwertschätzung wird somit Selbstgefälligkeit. Diese kann sich bis hin zu einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung entwickeln.

Interessant ist, dass sowohl eine überhöhte als auch eine zu niedrige Selbstwertschätzung zu einem fragilen Selbstbild führen können. Da die Betroffenen sich damit nicht wohlfühlen, feilen und modellieren sie ständig daran, um das fragile Selbstbild zu stabilisieren und perfektionieren. Unterscheidet sich die Selbstsicht zunehmend von der Fremdwahrnehmung, wird das als Inkongruenz bezeichnet. Beide Sichtweisen stimmen nicht mehr überein.

Prekär ist, dass solche Menschen ihre verzerrte Sichtweise auf sich selbst auch auf andere Menschen übertragen. Wer sich in den Augen solcher Menschen nicht ebenso produziert und seine vermeintlichen Stärken ständig herausstellt, ist ein Versager und ein Schwächling. Diese Sichtweise bietet einen Grund mehr, dem anderen seine Defizite ständig vor Augen zu führen. Selbstgefälligkeit entsteht demnach aus einem verzerrten Selbstbild und der Neigung zur Selbstüberschätzung. Das verinnerlichte Defizit im Selbstbild wird durch übertriebenes Eigenlob, Gefallsucht und einen Hang zur Arroganz kompensiert.

Statt durch Lernprozesse ein dynamisches Selbstbild zu entwickeln, halten solche Menschen oft lebenslang an ihrem statischen Selbstbild fest. Nur eine tiefe Seelenkrise könnte daran etwas ändern. Meistens braucht es eine Psychotherapie. Ob diese tatsächlich erfolgreich ist, ist eine andere Frage. Der Patient müsste zu anderen Sichtweisen bereit sein.

Welche psychologische Strategie steht hinter Selbstgefälligkeit?

Die grundlegende Überzeugung selbstgefälliger Menschen scheint zu sein, dass man mit Bescheidenheit im Leben nicht weiterkommt. Das selbstgefällige Verhalten wird fälschlicherweise für Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein gehalten.

Ein verzerrtes Selbstbild beruht, wie wir festgestellt haben, auf frühen Einflüssen und Negativ-Erfahrungen. Das verzerrte Selbstbild wird durch eigene Überzeugungen und Kompensationsstrategien unterfüttert. Ein Teil des entwickelten Selbstbildes beruht also auf Selbsttäuschung: Der Betroffene will die Realität nicht so sehen, wie sie ist. Er definiert seine eigenen Eigenschaften so, wie er sie gerne hätte. So wird seine Selbstgefälligkeit zu einer vermeintlich erfolgreichen Strategie. An dieser rütteln auch Misserfolge oder Kritik nichts.

Doch die Neigung zur Selbsttäuschung ist in allen Menschen präsent. Die Frage ist nur, in welchem Ausmaß. Vieles, was wir tun, tun wir entgegen besseren Wissens. Wir bedienen uns dabei augenscheinlich vier verschiedener Strategien der Selbsttäuschung, um unser selbstgestricktes Selbstbild nicht zu beschädigen. Diese These haben die Wissenschaftler Francesco Marchi und Albert Newen im Rahmen eines gemeinsamen Forschungsprojektes aufgestellt. Ein verzerrtes Selbstbild und die daraus resultierende Selbstgefälligkeit beruhen ihnen zufolge auf Überzeugungen, die trotz handfester Gegenbeweise aufrechterhalten werden.

Die vier Strategien der Selbsttäuschung sind Marchi und Newen zufolge

  • die Reorganisation von Überzeugungen
  • das selektive Wählen von Tatsachen
  • das Zurückweisen bestimmter Tatsachen
  • und das Generieren von neuen Tatsachen.

Die Reorganisation von Überzeugungen beruht darauf, dass eine verinnerlichte Überzeugung nicht als stimmig erkannt wird. Sie wird aber trotzdem beibehalten und mit passenden Argumenten unterfüttert. Diese widersprechen zwar oft den Tatsachen – aber die dadurch aufrecht erhaltene Überzeugung ist wichtiger. Ein Beispiel: Jemand hält sich für einen Einser-Schüler. Er schreibt zwei Fünfen. Indem er seine frühere Überzeugung reorganisiert, kann er diese Zensuren vor sich selbst als Ausrutscher bezeichnen. Er kann den Umständen oder anderen die Schuld dafür zuschieben. Diese Erklärungen ermöglichen ihm die Reorganisation der verinnerlichten Überzeugungen, dass er brillant ist.

Das Auswählen von Tatsachen zeigt, dass wir dazu neigen, Fakten auswählen, die unsere eigenen Überzeugungen unterstützen. Dinge, die eine verinnerlichte Überzeugung torpedieren könnten, werden demnach ausgeblendet. Wer von seinem Können überzeugt ist, vermeidet alles, was auch nur den Gedanken untermauert, es könnte vielleicht anders sein. Die Fakten werden nur selektiv wahrgenommen, um das Selbstbild und die daraus resultierende Haltung der Selbstgefälligkeit beibehalten zu können.

Das Zurückweisen von Tatsachen ergibt sich daraus. Alle Fakten, die dem eigenen Selbstbild widersprechen, werden geleugnet. Sie werden ignoriert, wegerklärt oder diskreditiert. Diese Fakten können und dürfen nicht wahr sein. Die Glaubwürdigkeit von Fakten wird angezweifelt, die eigene Überzeugung bleibt, was sie ist: statisch. Wie sich ein Zurückweisen von Tatsachen und eine selektive Wahrnehmung in der Realität auswirken, konnte man 2021 an den Impfgegnern und Corona-Leugnern beobachten. Kein noch so kluges Argument konnte ihre starre Haltung aufweichen oder ändern.

Das Generieren von neuen Tatsachen wird laut Marchi und Newen als strategische Notlösung eingesetzt. Wenn die vorherigen Argumentationen und Strategien nicht mehr aufrechterhalten werden können, weil die Fakten unübersehbar anders sind oder sich einfach nicht mehr schönreden lassen, erfolgt eine Umdeutung dessen, was ist. Aus den Fakten, die man nun zwangsweise akzeptieren muss, werden neue Sichtweisen und Überzeugungen gestrickt. Ein Beispiel: Es wird zwangsweise anerkannt, dass die schulischen Leistungen des Sohnes schlecht sind. Als Ursache wird aber der Lehrer gesehen, nicht der Sohn. Gegebenenfalls wird dieser von der Schule genommen, um neue Fakten zu schaffen.

Vor- und Nachteile dieser Strategie

Legen wir die These von Marchi und Newen zugrunde, dient die Strategie der Selbstgefälligkeit dem Erhalt der eigenen Überzeugungen und des eigenen Selbstbildes. Wird dieses Selbstbild durch irgendeinen Umstand ins Wanken gebracht, droht die gefühlte Vernichtung des selbsterschaffenen Bildes. Dieses aber dient vermeintlich den angestrebten Zielen.

Psychologen sagen: Vermeintlich positive Überzeugungen und Sichtweisen werden vehementer aufrechterhalten als andere. Beruht die Selbstgefälligkeit auf einer Haltung der Veränderungsresistenz – also auf dem Widerstand, die zuwiderlaufenden Fakten als relevant anzuerkennen -, wird die selbstgefällige Haltung immer wieder argumentativ unterfüttert. Vermeintlich sind Selbstgefälligkeit und Überlegenheitsgefühle erfolgreiche Strategien, mit denen man seine Ziele erreichen kann: Bestätigung, Anerkennung und Erfolg. Auch das fällt dann in den Bereich der Selbsttäuschung.

Hinter der vordergründig für Selbstbewusstsein gehaltenen Einstellung lauern aber eher negative Eigenschaften. Diese können keineswegs als zielführende Strategien gelten. Denn Selbstgefälligkeit basiert auf Respektlosigkeit. Unabhängig vom tatsächlichen Können ist es respektlos, seinen Kollegen ständig ihre Defizite vor Augen zu halten und eigenes Können bei jeder Gelegenheit herauszustreichen.

Eine selbstgefällige Haltung basiert außerdem auf Unbelehrbarkeit, Entwicklungsresistenz und Sturheit. Der selbstgefällige Kollege ist von nichts zu überzeugen, was seinen Ansichten zuwiderläuft. Er diskutiert, lamentiert und argumentiert endlos, bis er glaubt, einen argumentativen Punktsieg errungen zu haben. Durch seine Verbohrtheit und die Vermessenheit seiner Ansichten verprellt er andere Menschen.

Selbstgefällige Menschen sind vollkommen von sich überzeugt. Das führt oft zu anmaßendem Verhalten und Arroganz. In einem Unternehmen werden solche Haltungen nicht einmal von Vorgesetzten toleriert, die keine besonderen Führungsqualitäten zeigen. Der selbstgefällig auftretende Mitarbeiter ist blind für seine eigenen Defizite. Er verprellt alle und sieht keinerlei Bedarf zur Anpassung. Diese auf sich selbst und andere bezogene Blindheit führt oft zu Konflikten – und nicht selten zur Kündigung wegen Renitenz oder Störung des Betriebsfriedens.

Welche Stufen und Arten von Selbstgefälligkeiten werden unterschieden?

Zu unterscheiden sind verschiedene Abstufungen, mit der selbstgefällige Haltungen ausgelebt werden. Die mildeste Stufe sind gelegentliche Selbstüberschätzung und Selbstgerechtigkeit, die sich in Eigenlob ausdrücken.

Lebt sich eine selbstgefällige Haltung nur in Gedanken aus, bleibt sie meist weniger konfliktbeladen. Sie ist weitgehend nach innen gewandt. Die starre Sichtweise führt zwar zu Unzufriedenheit, aber der Betroffene passt sich meistens an. Dennoch ist aus mancher Äußerung ein Hang zum Snobismus heraushörbar.

Der nach außen hin selbstgefällige Mensch tritt selbstbewusst und lautstark auf. Er macht seine Selbstsicht ständig zum Thema. Mit seinen selbstbewusst vorgetragenen Äußerungen und seinen starren Überzeugungen eckt er bei allen anderen an. Er wirkt überheblich, arrogant, herablassend und jenseits aller Bescheidenheit. Wann immer möglich, produziert sich ein extrovertiert selbstgefälliger Mensch. Er setzt andere dabei herab. Selbstzweifel werden ausgeblendet, treten aber gelegentlich auf. Sie werden dann kompensiert – beispielsweise mit den vier Strategien, die weiter oben skizziert wurden.

Die stärkste Form der Selbstgefälligkeit ist vermutlich der Narzissmus. Der Narzisst ist selbstverliebt. Er ist dermaßen von sich selbst überzeugt, dass er unfähig zu sein scheint, irgendeine andere Überzeugung stehen zu lassen. Er hält sich für die Krone der Schöpfung. Sein Auftreten ist selbstbewusst und provokativ. Narzissten sind auch äußerlich eitel und selbstverliebt. Sie finden sich unwiderstehlich attraktiv und streben gerne nach Machtpositionen. Selbstzweifel kennen sie nicht. Jedwede Kritik perlt an ihnen ab.


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