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Guthrum: Wikinger und König über Danelag


Guthrum war in den Jahren zwischen 870 und 890 ein Heerführer dänischer Wikinger in England und später König über den Danelag. Durch den Friedensvertrag von Westmore (878) ließ sich Guthrum auf den Namen Aethelstan taufen und wurde zum Adoptivsohn Alfred des Großen.

Historische Fakten zu Guthrums

Jahr Beschreibung
866: Beginn der großen Däneninvasion vermutlich durch die Söhne Ragnar Lodbroks
870: Besetzung von Reading
871: Das Jahr der 5 Schlachten zwischen Wikingern und Wessex
23. April 871: Tod König Aethelreds, Krönung König Alfreds
871: Frieden von Wilton zwischen den Dänen und König Alfred
871 – 874: Eroberung und Fall des Königreiches Mercias
875: Eroberung von Wareham (in Wessex)
876 / 877: Eroberung von Exeter (in Wessex)
877: Friedensvertrag mit König Alfred
877: Friedensvertrag wird durch Guthrum gebrochen
Winter 877 / 878: Sieg über Wessex, Flucht von König Alfred ins Exil
878: Schlacht bei Edington, Sieg Alfreds und Rückeroberung von Wessex
878:

Vertrag von Westmore, Taufe Guthrums zu Athelstan
879: Rückzug nach East Anglia, Gründung des Königreiches „Guthrum“
880: Abzug aus England, Plünderung im Frankenreich
884: Rückkehr nach Kent
884 – 886: Erneute Übergriffe auf Wessex
886: Erneuerung des Vertrages von Alfred und Guthrum
890: Tod Guthrums

Vorgeschichte und Machtergreifung Guthrums

Im Jahr 865/66 fielen dänische Wikinger in England ein und brachten das Königreich Northumbria (866/67) unter ihre Kontrolle. Diese große Invasion ging unter den Namen: „Die große heidnische Armee“ in die Geschichte ein.

Angeführt wurde diese durch die Brüder Ivar Ragnarsson, Halfdan Ragnarsson, Sigurd Ragnarsson und Ubbe Ragnarsson. Laut einer nordischen Sage sollen die Brüder alles Söhne eines legendären Wikingers, namens Ragnar Lodbrok, gewesen sein, welcher im Jahr 845 die Stadt Paris geplündert haben soll. Der Sage nach fielen die Wikinger in England ein, um den Tod ihres Vaters zu rächen, welcher im Jahr 865 durch König Aella von Northumbia hingerichtet wurde.

Die Stadt Eoferwic, heutiges York, fällt in die Hände der Dänen und wird zur Basis weiterer Angriffe auf die anderen Königreiche. Die damaligen Könige Osbert und Aella versuchen die Stadt zurückzuerobern, scheitern allerdings am 21. März 867.

Im Jahr 869 fiel das Königreich East Anglia in die Hände der Wikinger. Der damalige König Edmund wird hingerichtet. In dieser Zeit muss sich Guthrum zu einem Anführer über andere dänische Fürsten im besetzten England aufgeschwungen haben. Geschichtlich ist dieser Aufschwung nicht eindeutig erklärt, da es keine Geschichtsschreibung seitens der Dänen gab.

Einige historische Quellen belegen, dass sich das Heer bzw. die Brüder trennten. So existieren Quellen, dass Ivar Ragnarsson nach dem Einfall in Northumbria das Heer verlassen habe und sich Irland zuwandte. Belegt ist weiterhin, dass Halfdan Ragnarsson in der Schlacht von Merton (871) fiel. Dessen Bruder Ubbe bzw. Ubba fiel in der Schlacht von Cynwit (878). Deshalb ist anzunehmen, dass Guthrum das Machtvakuum nutzte und sich später selbst zum König ausrief.

Guthrum und die Belagerung von Reading

In den Jahren 869 eroberte das dänische Heer, noch unter Führung Ubba Ragnarsson, das englische Königreich East Anglia. In der Stadt Readingum, heutiges Reading, verschanzten sich die Nordmänner und schlugen ihr Winterquartier auf.

Reading liegt direkt an der Themse, welche weit ins damalige Wessex reichte. Somit hatte Guthrum einen strategisch wichtigen Punkt, um tief ins Landesinnere zu segeln und mögliche Konflikte an Land zu überfahren. In den Jahren 870 bis 871 wendete er sich deshalb vornehmlich Wessex zu.

Guthrum, das Jahr der 5 Schlachten und der Frieden von Wilton

Im Jahr 871 kam es zu insgesamt 5 Schlachten, bei denen die Wikinger 3-mal erfolgreich waren.

  • 31. Dezember 870: Schlacht bei Englefield, Sieg der Angelsachsen
  • 4. Januar 871: Schlacht bei Reading und Sieg der Dänen
  • 8. Januar 871: Schlacht bei Ashtown und Sieg der Angelsachsen
  • 22. Januar 871: Schlacht bei Basing und Sieg der Dänen
  • 23. April 871: Schlacht bei Merton, Sieg der Dänen, Verwundung und Todesfolge des König Aethelred von Wessex, Krönung Alfred des Großen zum neuen König über die Westsachsen (Wessex)
  • Mai 871: Schlacht von Wilton, Sieg der Sachsen unter König Alfred

Da beide Parteien kriegsmüde wurden, schlossen König Alfred, Guthrum und Ubba Ragnarsson einen Friedensvertrag im Jahr 871. (Frieden von Wilton) In den darauffolgenden Jahren wandten sich die Dänen verstärkt Mercia zu.

Nach drei Jahren war das Königreich Mercia gefallen und König Burgred von Mercia floh nach Rom. Ceolwulf wurde dessen Nachfolger. Dieser war allerdings lediglich ein Vasall und Steuereintreiber der Dänen

874: Guthrums Rückkehr nach Wessex

Da Wessex nun das einzige Königreich der angelsächsischen Heptarchie war, welches noch nicht unter dänischer Herrschaft fiel – wandten sich die Wikinger wieder den Westsachsen zu. So nahmen die Invasoren in den Jahren 875 und 876 Wareham und Exeter ein. Exeter konnte durch Alfred den Großen zurückerobert werden und wurde wieder vollständig aufgebaut.

Bei der Belagerung von Wareham einigten sich die Westsachsen und Guthrum auf kurzweilige Waffenruhe. Diese wurde durch Guthrum im Jahr 877 erneut gebrochen.

878: Guthrum besetzt Wessex, Schlacht bei Edington

Im Jahr 878 schlugen die Wikinger erneut zu und besetzten die Stadt Chippenham. Diese Stadt war gleichzeitig das Winterquartier von Alfred, da er dort ein Jagdschloss besaß. Der König von Wessex wurde bei diesem Angriff selbst fast gefangen genommen, konnte allerdings ins Sumpfland Somerset auf die Insel Athelney fliehen.

Von dort aus hob Alfred eine Armee aus, um das Königreich zurück zu erobern. Zuvor teilte Guthrum ab 877 das Reich Mercia in einen östlichen und westlichen Teil auf. Den östlichen Teil gab der Wikinger zur Besiedlung frei, wodurch Krieger zu Siedlern wurden und die Truppenstärke dezimiert wurde.

Die Grafen im Königreich Wessex entschieden in dieser Zeit, ob sie sich Alfred gegenüber loyal erweisen oder Guthrum als neuen König anerkennen würden. Odda, der Graf von Devon, blieb loyal gegenüber Alfred und besiegte das Heer von Ubba Ragnarsson auf den Cynuit Hills im Jahr 878. Somit blieb Guthrums Heer als einzige Bedrohung Wessex übrig.

In der Schlacht von Edington, in der Nähe von Athelney, kam es dann zu einer weiteren Auseinandersetzung zwischen Guthrum und Alfred. Der Westsachse schlug das Heer des Dänen und der Friedensvertrag von Westmore sollte Guthrums Kapitulation besiegeln.

878: Der Vertrag von Westmore

Im Vertrag wurde festgehalten, dass Guthrum sich aus Wessex zurückzieht. Außerdem wurde der Heide und 30 seiner Krieger getauft. Sein Christenname war fortan Aethelstan und er wurde zum Adoptivsohn Alfreds.

Der Däne behielt die Herrschaft über Danelag, das englische Gebiet – welches durch Dänen regiert wurde. Dieses Gebiet umfasste:

  • seit 867: Northumbria
  • seit 869: East Anglia
  • seit 874: Mercia

Der Vertrag von Westmore machte Guthrum bzw. Aethelstan nun auch vertraglich zum König über diese Gebiete. Die christliche Taufe war ein wichtiger Bestandteil, ohne dessen Vollstreckung er niemals legitimer König hätte sein können. Denn als Heide durfte Guthrum kein König über englisches Gebiet sein.

Der Vertrag zwischen Guthrum und Alfred ist deshalb so bedeutend, weil Alfred einem dänischen Wikinger Landrechte in England – auch vertraglich – zusprach.

884: Erneuter Angriff auf Wessex

Die nächsten Jahre hatte Alfred genug Zeit, seine Festungen zu stabilisieren, ein großes Heer auszuheben und eine Flotte anzulegen. Guthrum plünderte bis 884 im Frankenreich und wandte sich dann erneut Wessex zu. Im Jahr 890 wurde der Vertrag erneuert und die Landesgrenzen zwischen dem Dänenland und dem restlichen England neu gezogen.

Über den Autor:

Mein Name ist Mathias Mücke und ich bin Autor und Inhaber von ScioDoo.

Das Ziel von ScioDoo ist es, dass du hier Informationen findest, welche du für deinen Alltag, Schule, Studium oder eine betriebliche Weiterbildung brauchst.

Seit geraumer Zeit interessiere ich mich für nordische Mythologie.

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LG Mathias Mücke


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