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Trugen Wikinger Hörnerhelme


trugen wikinger hörnerhelme

Nachbildung eines Vendelhelmes bzw. Brillenhelmes, welchen die Wikinger trugen


Hörner waren aller Wahrscheinlichkeit nach niemals Teil einer Wikingerrüstung. Es kommen mehrere Ursprünge des bis heute andauernden Irrglaubens infrage.

Wie sahen die Helme der Wikinger aus

Wikinger trugen sogenannte Brillenhelme. Andere Bezeichnungen sind Vendelhelm, da er aus der Vendelzeit zwischen 550 und 800 n. Chr. stammt, und Nordischer Kammhelm. Letzterer Name bezieht sich auf den schmalen, hohen Kamm, der über den Scheitel des Helmes verlief.

Diese Helme bedeckten den Kopf bis zu den Ohren. Ins Gesicht ragte eine Art Brille, daher die erstgenannte Bezeichnung, mit einem angeschlossenen Nasenschutz. Teilweise bestand dieser Gesichtsschutz zusätzlich aus Wangenklappen, einem Nackenschirm aus Metall oder Ketten oder einem Halsschirm. Viele Fundstücke weisen Haken oder andere Befestigungsarten für solche zusätzlichen Schutzmöglichkeiten auf. Es liegt daher nahe, dass diese mit einer Rüstung, etwa einem Kettenhemd, kombiniert wurden.

Die Helme waren meistens reich verziert und dafür mit Bronze verkleidet. Die Brillen konnten beispielsweise mit breiten Augenbrauen hervorgehoben werden. An den äußeren Enden befanden sich Tierfiguren.

Auch der Rest des Helmes konnte mit Blättergeflecht, Tiermotiven oder Mustern dekoriert sein. Der Kamm, der bei dieser Art Helm häufig stark herausstach, konnte beispielsweise einem geflochtenen Zopf nachempfunden sein.

Später, ab etwa 900 n. Chr., wurde der Gjermundbu-Helm geläufiger. Er stammt aus Norwegen und gehört zur Gruppe der Brillenhelme. Von ihm gibt es gleichermaßen Funde, die den älteren Brillenhelmen stark ähneln oder aber völlig von ihnen abweichen. Lediglich die Brille haben alle gemein.
Hörner hat keiner dieser Helme. Tatsächlich wurde bis heute kein einziger Hörnerhelm gefunden, der in die Zeit der Wikinger eingeordnet werden konnte.

Wer ist schuld an dem Irrtum

Obwohl die typischen Wikingerhelme keine Hörner hatten, hält sich der Irrglaube bis heute. Mit Schuld daran sind gewiss Kinderserien wie Wickie und die starken Männer oder auch skandinavische Fußballfans, die mit Hörnerhelmen im Stadion sitzen. Der Ursprung des Hörnerhelms als typische, allerdings falsche, Wikingerkleidung, liegt jedoch (deutlich) früher in der Geschichte.

Ansgar von Bremen

Ansgar von Bremen war ein Benediktinermönch, der von 801 bis 865 lebte. Als Missionar reiste er mehrmals nach Skandinavien und schrieb seine Eindrücke der dort lebenden Heiden auf.

So erlebte er rituelle Opferungen in Hainen, an denen natürlich auch nordische Priester teilnahmen. Diese waren keine Wikinger. Als Wikinger galten nur Personen, die in kriegerischer Absicht zur See fuhren. Wikinger zu sein war demnach ein Beruf.

Diese Priester trugen bei den Opferungen (vermutlich wurden dabei sowohl Tiere als auch Menschen geopfert) laut Ansgar von Bremen Hörnerhelme. Die Rituale müssen für den Missionar angsteinflößend oder zumindest stark befremdlich gewesen sein. Aus diesem Grund könnte er die bedrohlichen Hörnerhelme als allgemeines Erkennungsmerkmal auf die gesamte Völkergruppe übertragen haben. So könnte sich der Irrglaube des Hörnerhelms als gängiges Rüstungsteil von Wikingern entwickelt haben.

Richard Wagner

Richard Wagner war ein deutscher Dichter, Schriftsteller und Komponist. Er lebte von 1813 bis 1883 und schrieb unter anderem die vierteilige Oper „Der Ring des Nibelungen“. Wagner komponierte zusätzlich die Musik und agierte als Regisseur, indem er genaue Anweisungen zu einzelnen Szenen gab.

Zum Beispiel wählte er als Kostüm für die Walküren Helme, welche links und rechts große Flügel oder Hörner aufwiesen. Die so geschmückten Helme sollten das Publikum beeindrucken.

In der Oper spielen nordische Götter eine große Rolle. Sie verknüpft die Sagengestalt Siegfried mit dem Göttervater Wotan, dem germanischen Namen für Odin. Die Walküren entstammen ebenfalls der nordischen Mythologie. Sie sind weibliche Geister, die im Kampf Gefallene auswählen und nach Walhall begleiten. Die Oper wurde 1870 uraufgeführt. Es ist möglich, dass erst zu dieser Zeit die Hörnerhelme fest mit den Wikingern verbunden wurden.

Gab es jemals Hörnerhelme

Ansgar von Bremen gab in seinen Aufzeichnungen an, diese Helmart gesehen zu haben. Tatsächlich gibt es noch weitere Überlieferungen von Hörnerhelmen, die jedoch nichts mit den Wikingern zu tun haben.

Hügelgräber in Nordseeland

Seeland ist die größte Insel Dänemarks. Sie liegt im Osten des Landes. An ihrer Nordküste wurden Hügelgräber gefunden, die aus der Bronzezeit stammen. Dort grub man zwei baugleiche Hörnerhelme aus, die Hörnerhelme von Viksø. Sie sind jedoch etwa 3000 Jahre alt, wurden demnach etwa 1000 v. Chr. gebaut. Sie und die Wikinger trennen damit etwa 1800 Jahre. Ihre geringe Anzahl legt die Vermutung nahe, dass es sich auch bei ihnen um rituelle Gegenstände und keine gängigen Helme handelte.

Die Scherden

Die Scherden waren eine seefahrende Volksgruppe, die von der 18. bis zur Hälfte der 22. Dynastie in Ägypten lebten. Damit existierten sie etwa in der Zeit zwischen 1550 und 750 v. Chr. Ihre erste Erwähnung findet sich in den Briefen der nördlichen Vasallen um 1345 v. Chr. Darin erbat der König von Byblos Hilfe von Echnaton, weil die Scherden die Hafenstadt angriffen. Die Volksgruppe stand den Ägyptern zeitweilig wohl auch als Hilfstruppen zur Seite.

Überliefert sind bildliche Darstellungen der Scherden im großen Tempel von Abu Simbel. Dort werden sie mit Hörnerhelmen dargestellt. Bei den Scherden waren die Hörnerhelme daher wohl ein gängiges Rüstungsteil.


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