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Kann ein Mensch von einem Wal verschluckt werden


Schon in der Bibelgeschichte wurde Jona vom Wal verschluckt. 1891 ging es James Bartley ganz ähnlich, als er durch einen Pottwal bei lebendigem Leib gefressen, als Ganzes verschluckt wurde und nach 15 Stunden von seiner Mannschaft befreit wurde.

Damals hieß es, dass Wale gefährlich für Menschen sind, sie ganze Boote mit einem Mal verschlucken können. Aber bei Walen muss man unterscheiden zwischen Barten – und Zahnwalen.

Ein Bartenwal, wie ein Buckelwal oder auch der Blauwal, ernähren sich von Plankton und Krill. Diese greifen niemals Menschen an und können einen Menschen auch nicht verschlucken. Die Größe ihres Schlundes reicht dafür gar nicht aus. (gleich mehr) Ein Zahnwal, wie der Pottwal kann einen Menschen verschlucken, würde dies aber niemals tun.

Die Vorstellung vom menschenschluckenden Wal ist dennoch historisch begründet und wird heute noch gern vertrieben.

Buckelwale und Blauwale können keine Menschen schlucken

Sie ernähren sich von Krill und Plankton. Dazu sperren sie ihr riesiges Maul auf und schwimmen mit weitgeöffnetem Maul durch den Ozean. Dabei nehmen Blauwale, welche die größten lebenden Tiere sind, bis zu 3 Tonnen diese Krills zu sich.

Krille sind kleine Krebstierchen, welche gerade so durch den Schlund des Blauwals passen. Denn anders als sein Maul kann die Schlund-öffnung eines Blauwals nur ein paar Zentimeter geöffnet werden. Der Durchmesser dieser Öffnung beträgt circa 15 cm. Somit würde eine Orange hindurchpassen, aber kein Mensch.

Das Wort Bartenwal stammt von ihren Hornplatten, welche sich im Kiefer befinden. Anders als Zahnwale besitzen sie nämlich keine Zähne, zermalmen ihre Nahrung nicht und schlucken somit ihre Fressen komplett.

Jeder Bartenwal durchkämmt mit geöffnetem Maul die Krill-Schwärme, welche zum Teil 100.000 Tonnen wiegen können. Den Krill schließt der Wal dann in seinem Maul ein und schluckt ihn nach und nach herunter. Wie schon beschrieben, kann er diese Massen nicht auf einmal schlucken – da sein Schlund viel zu klein ist.

Pottwale könnten einen Menschen verschlucken, tun es aber nicht

Pottwale sind Zahnwale. Dazu zählen auch Orcas oder Delfine. Diese besitzen Zähne und sind somit auch Räuber. Der größte Räuber ist der Pottwal, welcher eine Länge von 20 Metern erreichen kann. Damit ist er zwar kleiner als manche Bartenwale (Blauwal 32 Meter, Finnwal 20 Meter, Buckelwal 15 Meter), aber immerhin größer als manches andere Meerestier.

Pottwale ernähren sich hauptsächlich von Riesenkalmare, welche man umgangssprachlich auch als Riesenkraken bezeichnet. Diese Tiere werden bis zu 8 Meter groß und liefern sich Tiefsee-Kämpfe mit dem Wal. Einen Menschen würde der Pottwal nicht fressen bzw. jagen, da dies nicht auf seinem Speiseplan steht. Neben Kraken fressen sie auch mittelgroße Fische, wie kleine Haie oder Thunfische. Der Mensch gilt als einziger Feind des Pottwals.

Das Maul und auch der Schlund eines Pottwals wäre so groß, dass er einen Menschen verschlingen könnte. Denn es ist auch bekannt, dass sie kleinere Riesenkalmare als Ganzes verschlingen. Allerdings könnte der Mensch dies nicht überleben, da die Magensäure des Wals den Menschen sofort zerfressen würde.

Geschichtlicher Hintergrund zum Wal frisst Mensch Mythos

Ihren schlechten Ruf als Menschenfresser bzw. Bestie verdanken die Pottwale lediglich der Schauergeschichte „Moby Dick“. In dieser beschreibt der Autor Herman Melville die Jagd nach einem weißen Wal. Es handelte sich dabei um einen weißen Pottwal, welchen Captain Ahab (Protagonist im Buch) als Moby Dick bezeichnet. Der Captain war vom Wal besessen, verfolgte diesen und wollte Moby Dick mit einer Harpune erlegen. Der Wal wehrte sich, zerstörte das Schiff des Captains und der Großteil der Mannschaft ertrank.

Durch Melvilles Roman entstand eine Angst vor Walen, welche übertrieben ist. Zur damaligen Zeit (1851) war Walfang eine lukrative Industrie. Denn aus Walöl wurden Kosmetik, Kerzen oder Schmiermittel hergestellt. Diesem Treiben fielen tausende Wale zum Opfer.

In alten Kulturen galt der Wal als gottähnlich. Wikinger glaubten, dass ihre gefallenen Krieger als Wal wiederkehren würden. Der weitaus spätere Kult um Walhall, der Ruhmeshalle der Helden, geht auf den selben Wortstamm zurück. Und schon ein paar Jahrhunderte später machten die Menschen dann Jagd auf den Wal. Allerdings behielt der Wal – auch zu dieser Zeit – immer seine mythologischen Wurzeln bei.

Somit begegnete der Mensch dem Wal, aufgrund seiner kulturellen Wurzeln, weiterhin mit Ehrfurcht – aber auch mit der Dominanz, welche ihm die technischen Errungenschaften einbrachten. Es ist wahrscheinlich, dass sich ein innerer Konflikt im Menschen abzeichnete, welchen Melvilles Werk geschickt bediente.

Schließlich wurde daraus ein Bestseller der Weltliteratur. In Comics, Verfilmungen und Büchern in allen Sprachen wird Moby Dick als Ungetüm beschrieben, welches Schiffe versenken kann. Somit blieb die Angst vor dem Wal haften und wird weiterhin kulturell vererbt.

Die Geschichte von Jona und dem Wal

In der Bibelgeschichte sollte Jona zur Stadt Ninive aufbrechen, in der boshafte Menschen lebten, um dort das Wort Gottes zu sprechen und den Bewohnern mit Strafe zu drohen. Jona reiste allerdings in die andere Richtung, worauf Gott einen riesigen Sturm auf See entfachte. Aus Angst vor Gottes Strafe warf die Besatzung Jona über Bord.

Im Meer wurde Jona von einem riesigen Walfisch verschluckt, in dessen Bauch er weiterlebte. Drei Tage und Nächte verbrachte Jona im Bauch des Fisches. Dann spie ihn das Tier in Ninive, seinem gottgewollten Bestimmungsort, wieder aus.

Die Verschlingungsepisode hat auf die Nachwelt einen großen Einfluss, obwohl diese Szene lediglich eine Durchgangsszene war. Die Bibelgeschichte sollte eigentlich Jonas Weg zeigen, seine Verfehlungen und späteren Läuterung. Der Wal in der Geschichte war lediglich ein kurzer Begleitabschnitt. Aber wenn jemand heutzutage von Jona spricht, meint er Jona und den Wal.

Wieso?
Verschiedene Deutungsansätze zur Geschichte sehen den Wal als göttliches Mittel, welches Jona vor dem Ertrinken rettete. Dies kam den mythologischen Wurzeln eines gottähnlichen Tieres gleich. Auch Melville griff mit Moby Dick diesen Bibelmythos auf, da er wahrscheinlich die Aufmerksamkeit am Thema erkannte.

Denn psychologisch gesehen, kann Aufmerksamkeit nur durch einen inneren Konflikt erzielt werden. Solange Melvilles Geschichte vom Wal keinen inneren Konflikt beim Menschen anspricht, würde diese nicht beachtet werden. Die Geschichten können dabei entweder das innere Thema der Psyche direkt ansprechen oder ein Symbol für ein unbewusstes Thema sein. Der Wal als gottähnliches Wesen, welches ehrfürchtig und als Herrscher der Meere gilt – ist wahrscheinlich ein Symbol dafür, dass der Mensch sich demgegenüber klein und wehrlos fühlt.
Keine Macht über sein Schicksal zu haben, ausgeliefert oder der Willkür eines übergroßen Gegners ausgesetzt sein – sind Grundkonflikte, welche die gesamte Menschheit teilt. Demnach existieren Melvilles Erzählung, auch in abgewandelter Form (weißer Hai, Wölfe), immer weiter und sprechen eine breite Masse an.

James Bartley: Der Mann, welcher vom Wal verschluckt wurde

1891 behauptete James Bartley, dass er von einem riesigen Pottwal geschluckt und nach 15 Stunden befreit wurde. Diese Geschichte war ein Aufhänger für die Medien, verbreitete sich zuerst in Amerika und später auch in England.

James Bartley war Besatzungsmitglied eines Walfisch-Bootes bei den Falklandinseln. Beim Angriff des Wales soll Bartley vom Boot gefallen sein und dann verschluckt worden sein. Er soll 15 Stunden im Magen des Tieres gelebt haben, bevor ihn seine Kollegen herausschnitzten. Durch die Magensäure war Bartleys Haut gebleicht worden. 18 Jahre später starb James Bartley. Auf seinem Grabstein in Gloucester steht „James Bartley – ein moderne Jona“.

Spätere Untersuchungen ergaben, dass auf dem Schiff des Walfängers kein James Bartley gemeldet war. Auch die Frau des Kapitäns schrieb später darüber, dass dies lediglich eine Geschichte war – welche man als Seemannsgarn bezeichnen würde.

Über den Autor:

Mein Name ist Mathias Mücke und ich bin Autor und Inhaber von ScioDoo.

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LG Mathias Mücke


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