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Warum kommen Babys hilflos zur Welt?


Der Mensch als hilfloser Nestflüchter, welcher – direkt nach der Geburt – nichts bewerkstelligt bekommt und auf die Fürsorge seiner Angehörigen angewiesen ist, stellt eine schöne Metapher dar. Doch es hat einen evolutionären Grund, weshalb Menschenbabys hilflos auf die Welt kommen. Dieser Vorteil, welcher als Nachteil verpackt ist, ergibt sich in den ersten Lebensmonaten des Babys.

Menschenbabys und Tierbabys und deren Unterschied

Tierbabys sind erstaunlich. Haie fressen sich schon im Mutterleib gegenseitig und sind nach der Geburt sofort in der Lage, allein zu überleben. Wasserschildkröten müssen sich nicht nur allein aus ihrem Ei befreien, sondern sich dann auch noch aus der Erde graben und den Weg zum Ozean finden, während Möwen über ihnen kreisen. Und Koalabären krabbeln bei ihrer Geburt ganz allein aus dem Geburtskanal und legen den Weg bis zum Beutel der Mutter zurück, während sie weniger als ein Gramm wiegen.

Was machen Menschenbabys in der Zeit?
Die Krone der Evolution liegt die ersten Lebensmonate herum, unfähig, sich von einer Seite auf die andere zu drehen, und ist vollkommen darauf angewiesen, dass seine Eltern sie niedlich genug finden, um sich um sie zu kümmern.

Warum ist das so? Warum gibt es in der Tierwelt so viele Arten, bei denen der Nachwuchs sofort allein überlebensfähig ist, während der Mensch eine so intensive Betreuung über Jahre benötigt? Die Antwort auf diese Frage, erfährst du, wenn du weiterliest.

Überlebensbeispiele aus der Tierwelt

Siehst du dir ein paar Tierbabys an, wirst du feststellen, dass viele direkt nach der Geburt viel mehr können, als ein menschliches Baby.

Fluchttiere wie Pferde, Antilopen und Rehe stehen binnen Minuten auf den eigenen Beinen und laufen hinter ihrer Mutter her. Das müssen sie auch können, schließlich bedeutet jede Sekunde in der Bewegungsunfähigkeit, dass sie eine leichte Beute für ihre Fressfeinde darstellen. Daher müssen diese Tiere so schnell wie möglich nicht nur stehen, sondern rennen können, um nicht sofort als Mahlzeit zu enden.

Entenküken kommen schon vollständig befiedert zur Welt. Sie picken sich ihren Weg aus dem Ei frei und können direkt mit ihren Eltern das Nest verlassen und selbstständig schwimmen und fressen. Die Eltern bewachen sie dabei lediglich und zeigen ihnen die Futterplätze.

Tüpfelhyänenwelpen fechten häufig direkt nach der Geburt die ersten Rangkämpfe aus. Besonders Schwestern sind dabei sehr brutal zueinander, sodass es nicht nur zu Verletzungen, sondern auch zu Tötungen im Bau kommen kann. Die Tiere kommen bereits mit einem Milchzahngebiss und geöffneten Augen zur Welt, was diese Kämpfe begünstigt.

Auch Schimpansen, die uns am nächsten verwandte Tierart, kommen mit beeindruckenden Fähigkeiten zur Welt: Sie klammern sich am Bauch ihrer Mutter fest und halten dabei problemlos stundenlang ihr eigenes Körpergewicht.
Und was machen menschliche Babys direkt nach der Geburt?

Was kann ein Baby direkt nach der Geburt?

Vorab: Dass ein menschliches Baby gar nichts kann, stimmt natürlich nicht. Seine Fähigkeiten, sind aber tatsächlich deutlich weniger ausgebildet und fallen daher weniger ins Auge.

Anders als häufig behauptet wird, sind Babys sehr wohl in der Lage, direkt nach der Geburt ihren eigenen Kopf zu heben. Sie können ihn noch nicht sicher halten und er würde ihnen, wenn man ein Baby aufrecht hält und nicht stützt, in den Nacken fallen. Liegt das Kind aber auf dem Bauch, kann es seinen Kopf für kurze Zeit von der Unterlage heben.

Außerdem können Babys sich direkt nach der Geburt fortbewegen. Sie kriechen und schieben sich unter enormer Anstrengung vorwärts. Dabei hilft ihnen ein Reflex, der aktiviert wird, wenn etwas ihre Fußsohle berührt. Auf diese Weise, wenn man der Natur ihren Lauf lassen würde, würde ein Baby, das nach der Geburt auf dem Bauch seiner Mutter liegt, langsam aber sicher bis zur Brust kriechen, um dort instinktiv anzudocken.

Darüber hinaus verfügen Neugeborene noch über weitere Reflexe, welche ihnen bei der Geburt helfen. Berührt etwas ihren Nacken, strecken sie sich. Fährt man mit einem Finger links oder rechts ihrer Wirbelsäule entlang, krümmen sie ihren Körper in die entsprechende Richtung. Auch einen Greifreflex besitzen menschliche Babys schon. Dieser ist aber weniger ausgeprägt und sie sind körperlich noch nicht in der Lage, ihr eigenes Gewicht zu halten.

Mit dieser Hilflosigkeit sind wir auf der Erde aber nicht allein. Neben den erstaunlichen Nestflüchtern, die sofort nach der Geburt rennen, schwimmen und selbstständig Futter suchen, gibt es auch solche Exemplare, die uns in Sachen Abhängigkeit doch sehr ähnlich sind.

Mäuse kommen beispielsweise nackt und blind zur Welt. Sie sind vollkommen darauf angewiesen, dass die Mutter sich um sie kümmert und sie umsorgt, bis sie alt genug sind. Im Falle einer Flucht, wären sie dem Feind schutzlos ausgeliefert, könnten weder fliehen, noch sich verteidigen.

Ähnlich sieht es bei verschiedenen Singvögeln aus, die ebenfalls ohne Gefieder schlüpfen und gerade so dazu in der Lage sind, den großen, nackten Kopf mit weit geöffnetem Schnabel emporzustrecken, wenn ein Elterntier mit Nahrung ins Nest kommt.

Menschliche Hilflosigkeit: Intelligenz als Problem

Beim Menschen hat sich eine Theorie etabliert, durch welche erklärbar ist, warum wir noch Monate nach unserer Geburt so hilflos sind. Schließlich stehen wir ansonsten an der Spitze der Nahrungskette, da mag es nicht so recht ins Bild passen, dass wir die ersten Monate, gar Jahre unseres Lebens, vollkommen auf unsere Eltern angewiesen sind.
Das entscheidende Problem ist unsere Intelligenz und das damit verbundene große Gehirn.

In der Tierwelt ist es so, dass ein Jungtier zur Welt kommt, wenn es fertig entwickelt ist. Dies funktioniert beim Menschen nicht. Nehmen wir nochmals den Schimpansen als Beispiel, so müsste eine menschliche Schwangerschaft fast doppelt so lange, etwa 16 Monate, dauern, bis beide, Schimpanse und Mensch, bei ihrer Geburt ähnliche Fähigkeiten vorzeigen können. Das bedeutet, dass eigentlich jedes Menschenbaby ein Frühchen ist.

Dies stellt den weiblichen Körper vor ein Problem: Ein Baby 16 Monate im Bauch reifen zu lassen, sollte in der Theorie funktionieren. Das Baby würde zwar etwas mehr Energie benötigen, um sich weiterhin gut entwickeln zu können, aber immerhin sind Frauen auch nach der Geburt in der Lage, ihr Kind allein durch Muttermilch zu ernähren.

Das Problem wäre die Geburt. Um ein Kind, das in Größe und Gewicht einem sieben Monate alten Baby entspricht, auf die Welt zu bringen, müsste das Becken einer Frau viel breiter sein. Zum Vergleich, der durchschnittliche Kopfumfang eines reif geborenen Babys beträgt 35 cm. In einem Alter von sieben Monaten sind es bereits 43 cm. Hinzu kommt, dass dieser Umfang nur dadurch erreicht wird, dass die Schädelplatten bei der Geburt noch nicht miteinander verwachsen sind. Sie schieben sich übereinander, während das Kind den Geburtskanal passiert, wodurch der Kopf etwas kleiner wird und die Geburt erleichtert wird.

Im weiblichen Körper findet sich ein Kompromiss: Das Becken ist breit genug, um ein Baby nach neun Monaten Schwangerschaft auf die Welt bringen zu können. Breiter kann es dabei nicht sein, denn ansonsten würde es der Frau den aufrechten Gang unmöglich machen.

Laut Erkenntnissen israelischer Gynäkologinnen steigt das Risiko von Komplikationen bei der Geburt deutlich an, sobald der Kopfumfang des Kindes über 36 cm beträgt. Bereits heute kommt etwa jedes dritte Kind per Kaiserschnitt zur Welt, Tendenz steigend. Natürlich ist nicht immer ein zu großer Kopf die Ursache, doch sollte die Tatsache, dass der Kopf eines Babys bei der Geburt heute größer ist als vor einigen hundert Jahren, nicht außer Acht gelassen werden.

Damals war eine Geburt aus anderen Gründen ein Risiko. Blutungen, Stillstand im Geburtsvorgang oder Infektionen führten häufig zum Tod der Mutter und/oder des Kindes. Die Köpfe der Babys waren allerdings etwas kleiner als heute. So kann man davon ausgehen, dass es seltener zu Dammrissen und anderen Komplikationen kam, welche mit einem großen Kopfumfang in Verbindung gebracht werden.

Warum werden Kinder heute mit größerem Kopf geboren als früher?

Vermutlich ist eine Wechselwirkung schuld daran. Da Menschen nicht so lange im Bauch der Mutter bleiben können, bis sie tatsächlich bereit wären, um auf die Welt zu kommen, braucht das Baby besonders intelligente Eltern, um es in seinem völlig hilflosen Zustand beschützen zu können.

Dies führt im Umkehrschluss dazu, dass auch das Baby möglichst intelligent sein muss, um seinerseits die nächste Generation ausreichend versorgen zu können. So kommt zu einem Selektionsdruck, der dazu führen könnte, dass in der Zukunft die Dauer einer Schwangerschaft abnimmt, um der wachsenden Intelligenz nicht im Wege zu stehen.

Dieser Selektionsdruck könnte aber nur dann existieren, wenn der Mensch nicht mit Kaiserschnitten und anderen Möglichkeiten, ein eigentlich zu großes Kind unbeschadet aus dem Mutterleib zu holen, eingreifen würde. Die Wirklichkeit wird vermutlich so aussehen, dass der Kopfumfang eines Neugeborenen im Durchschnitt höher wird, die Schwangerschaftsdauer jedoch gleich bleibt und nur die Kaiserschnittrate ansteigt.

Erlernte Hilflosigkeit im Zusammenhang mit angeborener Hilflosigkeit

Unter erlernter Hilflosigkeit versteht man einen Zustand bei Babys und Kleinkindern, der folgt, wenn ihre Bedürfnisse nicht gestillt werden. Häufig wird das Schreien lassen dabei erwähnt, eine Methode, bei welcher Eltern ihre Babys und Kleinkinder eine kurze Zeit in einer für sie unangenehmen Situation lassen, ehe sie auf ihr Schreien reagieren und eingreifen.

Die Kinder sollen dadurch mit dem ständigen Schreien aufhören, da sie merken, dass es ihnen nichts bringt.
Das mag stimmen, allerdings geht damit eine schlimme Resignation einher. Die Kinder sind noch zu klein, um sich selbst aus der Situation zu befreien. Ihre einzige Chance ist, die Aufmerksamkeit der Eltern zu erregen.

Gelingt dies nicht, erweckt das bei den Kindern den Eindruck, dass ihre Gefühle und Bedürfnisse nicht wichtig genug sind, um eine Reaktion der Eltern hervorzurufen. Als Folge können schon im Kindesalter Depressionen auftreten, die auch das spätere Leben negativ beeinflussen können. Diese Personen schenken den eigenen Bedürfnissen häufig wenig Beachtung und schämen sich, um Hilfe zu bitten, da sie es gewohnt sind, dass diese Bitte ausgeschlagen wird. Sie sind gleichzeitig jedoch oftmals hoffnungslos überfordert in bestimmten Bereichen ihres Lebens.

Die erlernte Hilflosigkeit folgt daher unweigerlich aus der angeborenen Hilflosigkeit, wenn die Eltern nicht einfühlsam und verlässlich auf die Bedürfnisse ihres Kindes eingehen.

Zusammenfassung

  • Babys sind so hilflos, weil wir es uns leisten können. Sie müssen nicht sofort nach der Geburt vor Fressfeinden fliehen können oder selbstständig nach Futter suchen.
  • Außerdem führt das große Gehirn zu Schwierigkeiten bei der Geburt, weswegen es erst außerhalb des Mutterleibes zu Ende reifen kann. Daher kommen menschliche Babys eigentlich zu früh auf die Welt und müssen vieles, was tierische Babys von Geburt an können, erst nachholen.
  • Die Hilflosigkeit ist demnach der Preis für unsere Intelligenz und unser damit verbundenes, sicheres Leben ohne Fressfeinde, setzt jedoch sehr fürsorgliche Eltern voraus.
  • Um diese Fürsorge zu erhalten, schüttet die Mutter bei der Geburt das Hormon Oxytocin aus. Dieses bewirkt, dass Wehen stattfinden, später Muttermilch produziert wird und sorgt für eine Bindung zwischen Mutter und Kind.

Über den Autor:

Mein Name ist Mathias Mücke und ich bin Autor und Inhaber von ScioDoo.

Das Ziel von ScioDoo ist es, dass du hier Informationen findest, welche du für deinen Alltag, Schule, Studium oder eine betriebliche Weiterbildung brauchst.

Aber nicht nur das...

Gleichzeitig will ich das Wissen recht unterhaltsam servieren, so dass du vielleicht mal wiederkommst.

Ich weiß selbst, dass dieser Ansprung enorm ist.

Aber deshalb arbeite ich auch jeden Tag an mir und an diesem Projekt, so dass du auch jeden Tag neues kostenloses Wissen bekommst.

Nicht schlecht, oder?

Also bis später vielleicht.

LG Mathias Mücke


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