Skip to main content

Was bedeutet Tätowierung und wo kommt es her


Tätowierungen und Tattoos kennt heute jeder. Sie sind schick und in allen Gesellschaftsschichten anzutreffen. Doch kaum ein Mensch weiß, welch eine lange und bunte Geschichte die permanenten Körperbemalungen haben.

Tätowierung: Wortherkunft und Bedeutung

Unser heutiges WortTätowierung“ oder das englische Pendant „Tattoo“ stammen aus dem Polynesischen. Dort bedeutet das Wort „Tatau“ so viel wie hämmern oder klopfen. Denn die traditionellen Tätowierungen der Polynesier wurden mit scharfen Steinen, Klingen und einem Klopfwerkzeug in die Haut eingetrommelt oder geschlagen.

Diese Wortbedeutung findet sich heute auch noch an anderer Stelle. Die britischen Musik-Militärparaden werden häufig als Tattoo bezeichnet (z.B. Edinburgh Tattoo). Das Verb „tattoo“ bedeutet im Englischen zeitgleich auch „trommeln“ beziehungsweise mit Schlägeln auf ein Schlaginstrument zu „klopfen“.

Überliefert und verbreitet wurde die Bezeichnung durch Seeleute. Der berühmte Seefahrer und Entdecker James Cook landete 1769 auf Tahiti im polynesischen Inselreich. Die Europäer waren fasziniert von den Einheimischen, die leicht bekleidet, dafür über und über voll mit Tatau verziert waren.

Dass der Begriff fast weltweit auf eine einheitliche Wurzel zurückgeht, ist aus internationalen Bezeichnungen leicht ersichtlich:

Eine Tradition, die viel älter ist, als ihr Name

Man könnte nun meinen, die Polynesier haben den Körperschmuck erfunden. Doch dem ist sehr wahrscheinlich nicht so. Denn die ältesten Funde tätowierter Menschen sind 5000 bis 8000 Jahre alt. Es handelt sich um Mumien aus Ägypten, Südamerika und auch die berühmte Gletscherleiche „Ötzi“ war tätowiert.

Ötzi trug Strichkombinationen auf bestimmten Körperteilen. Die Anordnung ähnelt dem Heilsystem der sogenannten Körblerzeichen. Es lässt also die Annahme zu, dass die Tätowierungen nicht nur dem reinen Schmuck dienten, sondern heilsame Zwecke haben sollten. Ähnlich sind auch die Traditionen in Polynesien und anderen naturnahen Kulturen. Die Menschen lassen sich nicht aus Jux und Tollerei tätowieren, vielmehr hat der Körperkult eine tiefe spirituelle Bedeutung.

Die Tatau gleichen (oft sehr schmerzhaften und blutigen) Einweihungszeremonien. Ein Mann muss würdig sein, Frauen bekommen den Schmuck ebenfalls nur an bestimmten Schwellen ihres Lebens. Nicht jeder kann sich einfach irgendetwas tätowieren lassen. Die Zeichen und Symbole erzählen eine Geschichte und sollen dem Träger Würde, Schutz, Kraft und Glück verleihen.

Nackt im hohen Norden dank Tattoos?

Als die Römer vor etwa 2000 Jahren die britische Insel einnahmen, trafen sie im hohen Norden (Highlands von Schottland) auf ein Volk, das sie „Pikti“, die Bemalten, nannten. Später wurde daraus das legendäre Reich der Pikten. Dieses kriegerische Volk war über und über mit permanenten Bildern bemalt und trug außer Eisenketten praktisch keine Kleidung.

Im rauen Klima des hohen Nordens scheint das ein Wunder zu sein. Doch ob die zumeist hellblauen Tätowierungen für den Mut, die Kraft und die außergewöhnliche Körperwärme der Menschen verantwortlich war, ist nicht überliefert.

Weltweite Tattoo-Kulte

Überall auf der Welt gab und gibt es seit tausenden von Jahren Völkern und Traditionen, die sich tätowierten. Die Kulte sind vermutlich völlig unabhängig voneinander entstanden. Wieso Menschen auf die Idee kamen, sich mit permanenter Körperbemalung zu schmücken, bleibt ein Geheimnis der Menschheitsgeschichte.

Fakt ist, dass dieser Kult bis heute vielerorts fast unverändert überlebt hat. Auch bei uns sind Tattoos nicht mehr wegzudenken und alles andere als eine Erscheinung der Neuzeit. Die Seefahrer machten es vor. Zur Nazi-Zeit und im Nachkriegsdeutschland waren Tätowierungen verpönt. Nur Angehörige der SS, Sträflinge und KZ-Häftlinge wurden mit Tätowierungen versehen.

Im prüden Nachkriegsdeutschland hing den Körperbildern etwas Verbotenes an. Man könnte also meinen, dass der Körperschmuck bei uns erst durch Punks oder die Jugendlichen der später 1980er und 1990er Jahre etabliert wurde.

Doch auch dem ist nicht so. Tatsächlich waren Tätowierungen im 18. und 19. Jahrhundert zeitweise in allen Bevölkerungsschichten schick – und das galt für ganz Europa. In Europa wurden sie durch Seeleute verbreitet. Auch wenn die Bildchen anfangs als verrucht oder exotisch und wild galten, so fanden der Körperkult bald feine Anhänger. Der schwedische Adelige Fürst Berndadotte soll sich vor einer Schlacht gegen Napoleon mit Symbolen und internationalen Schriftzeichen geschmückt haben. Der Trend schwappte daraufhin in alle europäischen Adelshäuser.

Königin Viktoria von England soll einen Tiger und einen Python im Kampf getragen haben. Und Kaiserin „Sissi“ von Österreich trug nachweisbar einen Anker auf die Schulter. Zur selben Zeit standen in Berlin selbst feine Damen reihenweise bei verruchten Tätowierern an, um sich eines der Bildchen stechen zu lassen.

Die Motive waren wie heute gut platzierte neckische, erotische oder sehr persönliche Symbole, Namen, Kraft- und Glückszeichen sowie Daten. Bei den Tattoo-Geschmäckern hat sich bezüglich der Motivation und Vorlieben im Grunde nicht so viel geändert. Menschen drücken wie die Polynesier und andere Kulturen, mit den Bildchen Dinge aus, die mit ihrem Leben zu tun haben oder die sie betonen möchten.

Wie werden Tattoos permanent?

Früher nutzen die Menschen überwiegend Asche, Rus, pflanzliche Farben (die Schotten beispielsweise nutzen „Woad“, die Färberwatte Pflanze), Pflanzenöl oder bunte gemahlene Steinpulver, um die „Tatau“ in den Körper zu meiseln. Die Prozeduren waren oft langwierig, erforderten anatomisches Wissen, künstlerisches Geschick und konnten mintunter auch lebensgefährlich sein.

Mit den alten Traditionen wurde die Haut teilweise sehr weit geöffnet, um die Farbe in die Hautschichten zu bringen, wo sie nicht mehr abgebaut werden konnte. Dazu muss der Tätowierer bis in die Lederhaut vordringen. Dringen Farben oder andere Fremdstoffe in diesen Bereich vor, kommt die Abwehrpolizei: die Fresszellen der weißen Blutkörperchen (Makrophagen) erkennen Fremdkörper, schließen sie ein und kapseln sie ab. Die Farbe wird eingeschlossen und bleibt ein Leben lang an Ort und Stelle.

Dennoch hellen frisch gestochene Tattoos immer etwas auf. Einmal in den Wochen direkt nach dem Stechen und dann im Laufe eines Lebens. Es gibt auch Tattoo-Methoden, bei denen die Farbe nicht ganz so tief in die Haut eingebracht wird. Solche Techniken finden zum Beispiel beim Permanent Make-up Anwendung. Die Farbe, welche in die obere Hautschicht eingebracht wird, verflüchtigt sich binnen sechs Monaten und einem Jahr.


Ähnliche Beiträge