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Wer war Ötzi, wie alt war er und wie ist er gestorben


Ötzi ist der erste Steinzeitmensch, der jemals den Weg in die Neuzeit gefunden hat. Er ist ein einzigartiges Exemplar in der Geschichte der Wissenschaft. Seit seiner Entdeckung haben sich unzählige Forscherteams aus aller Welt mit ihm beschäftigt. Sie gewinnen immer neue Erkenntnisse, über Ötzis Gene, seine Gesundheit, seine Lebens- und Ernährungsweise.

Wer war Ötzi?

Ötzi war ein Mann aus der Jungsteinzeit, der vor 5.300 Jahren in den Bergen starb. Sein Körper wurde nahezu perfekt erhalten. Er ist eine der bedeutendsten Entdeckungen des 20 Jahrhunderts und der älteste jemals ausgegrabene Leichnam.

Wie sah Ötzi aus?

Ötzi war zwischen 40 und 50 Jahre alt, 1,60 m groß, 50 kg schwer und trug Schuhgröße 38. Er hatte braune Augen und über 50 Tätowierungen am Körper. Bereits vor 5.000 Jahren gab es in der Gegend um Meran – daher stammt Ötzi – Tätowierer.

Sogar Ötzis Gesicht wurde rekonstruiert. Ein Computerprogramm berechnet, wie die Haut über den Schädelknochen liegen könnte. Der Kopf wird so vom Computer rekonstruiert. Anschließend wird das Gesicht mit einer Technik der Polizei vervollständigt: Haare, Augen und Mund.

Was macht den Fund so sensationell?

Durch die natürliche Konservation ist er die perfekte Mumie. Wissenschaftler untersuchen sie seit Jahrzehnten gewinnen immer wieder ganz neue Erkenntnisse. Er ist ein anthropologisch (menschenkundlich) und archäologisches Unikat von unschätzbarem Wert für die Menschheit.

Woher stammte Ötzi?

Ötzi kam aus Südtirol. Woher wir das wissen? Weil er eben so perfekt erhalten ist. Forscher fanden in seinem Magen große Mengen an Pollen von Hopfenbuche und Zirbelkiefer. Die Zirbelkiefer ist eine Bergkiefernart, die nur im Frühling blüht. Die Hopfenbuche wächst in der südlichen Alpenregion in Hülle und Fülle. In dieser Gegend ist Ötzi also kurz vor seinem Tod aufgebrochen – im Juni, wenn die Hopfenbuche und die Zirbelkiefer blühen.

Man kann sogar mit Bestimmtheit sagen, dass er innerhalb der letzten 12 Stunden seines Lebens durch das Tal wanderte. Wieso? Weil der Blütenpollen mit einer Geschwindigkeit von einem Meter pro Stunde wandert – vom Mund in den Körper. Der in Ötzis Darm gefundene Blütenstaub ist 9 m weit gewandert. Er muss also sechs bis zwölf Stunden vor seinem Tod einer Region durchquert haben, in der die Hopfenbuche gerade geblüht hat.

Weitere Details beweisen, dass Ötzi aus Italien kam: Pfeil und Bogen des Gletschermann wurden aus Hartriegel (einem Strauch aus Südtirol) gefertigt, der Messergriff aus Esche (ebenfalls ein heimischer Baum).

Warum ist Ötzi so gut erhalten?

Weil nach seinem Tod mehrere – für die Wissenschaft außerordentlich glückliche Umstände – zusammenkamen. Während der Schnee seinen Leichnam zudeckte, brachten die kalten Bergwinde einen Trocknungsprozess in Gang. Innerhalb weniger Wochen verlor sein Körper mehr als 90% Wasser. Der Körper ist in einem fantastischen Konservierungsstadium. Trotz des Wasserentzugs blieben seine Zellen unversehrt.

Ötzis Zustand ist vergleichbar mit dem eines Menschen, der vor ein oder zwei Wochen gestorben ist. Eismumien sind äußerst selten. Weniger als ein Dutzend wurden in den entlegensten Regionen der Welt entdeckt.

Wo ist Ötzi heute?

Ötzi liegt heute im Archäologischen Museum in Bozen in einer Kühlzelle. Hier herrschen dieselbe Temperatur und Luftfeuchtigkeit wie in dem Gletscher. Temperatur: minus 6 Grad, relative Luftfeuchtigkeit: fast 100%.

Diese Kühlzelle gleicht einem Hochsicherheitstrakt. Ötzi liegt auf einer elektronischen Präzisionswaage, um jeden Gewichtsverlust sofort zu entdecken (Mikroorganismen, Bakterien). Sein Körper wird durch eine 7 cm dicken Fensterscheibe vor der Wärme der Besucher geschützt.

Falls die erste Kühlzelle ausfällt, ist eine zweite, identische daneben gebaut, Sogar bei einem Erdbeben besteht die Möglichkeit, die Mumie ins Krankenhaus Bozen zu bringen. Dort gibt es eine dritte Kühlzelle.

Wer fand Ötzi?

Ötzi wurde am 19. September 1991 durch das Ehepaar Johann und Erika Simon aus Nürnberg auf dem Südtiroler Tisenjoch gefunden. Im Sommer 1991 war es sehr warm. Die Gletscher waren ungewöhnlich weit geschmolzen.

Das Ehepaar meldete den Fund dem Hüttenwirt. Eine Gruppe Einheimischer legte mit Skistöcken und Eispickeln den Leichnam frei. Da die Leiche nicht in den Sarg hineinpasste, wurde ihm kurzerhand der abstehende Arm gebrochen. Er wurde eilig zur der, für diese Region zuständige, Gendarmerie transportiert.

Die Carabinieri sagten (verständlicherweise): “Uns geht keiner ab”. Der örtliche Gerichtsmediziner, der Ötzi als erster begutachtete, fand keine Ausweispapiere. Er bat im örtlichen Fernsehen alle Wanderer, doch immer einen Reisepass mitzunehmen. Erst später stellte sich heraus, dass es sich hier um keinen gewöhnlichen Leichnam handelt

Reinhold Messner, der zufällig in der Nähe war, erkannte als einer der ersten, dass diese Mumie ein wahrhaft historischer Fund sein könnte. Er sah die herumliegenden Gerätschaften und vermutete einen Mann aus dem Übergang Steinzeit zur Eisenzeit. An diese Sensation wagte er nicht zu glauben.

Wo wurde Ötzi gefunden?

Auf dem Südtiroler Tisenjoch. Zuerst dachte man, der Fundort läge auf österreichischem Gebiet. Erst sieben Jahre später wurde der Grenzverlauf nachgemessen.

Ötzi lag 90 Meter von der österreichischen Grenze entfernt auf italienischem Boden. Der Gletschermann wurde 1998, unter militärischen Begleitschutz, von Innsbruck in seine Heimat Südtirol nach Bozen überführt.

Was war Ötzi von Beruf? Ein Schäfer, ein Jäger, ein Dorfoberhaupt?

Ötzis Kleidung könnte die Theorie stützen, er sei ein Schäfer gewesen. Ein Schäfer, der die Herden über die schmalen Gebirgspferde der Alpen führte. Schäfer benutzen seit Jahrhunderten (bis heute) im Frühsommer den Weg, auf dem Ötzi entdeckt wurde.

Allerdings: die Röntgenbilder von Ötzi zeigen nur geringe Verschleißerscheinungen an den Gelenken. Das spricht gegen die Theorie von Schäfer oder Jäger.

Andere Forscher halten Ötzi für das Oberhaupt einer Dorfgemeinschaft. Er hatte ein Beil mit Kupferklinge bei sich. Ein vollendetes Werkzeug und gleichzeitig eine Waffe. So etwas besaßen die wenigsten – es war ein Statussymbol für mächtige Männer.

War Ötzi ein Menschenopfer?

Das ist eine weitere Theorie. Es gibt die Vermutung, seine Tätowierungen seien in der Jungsteinzeit den Schamanen vorbehalten gewesen, also religiösen Führern.

Für die Theorie des Menschenopfers spricht der Ort, hoch oben im Gebirge. Bergkulte waren in der Bronzezeit und in der Kupferzeit weit verbreitet. Die Berge wurden wie Götter verehrt. Wurden die Werkzeuge (ein kleines Messer, ein Kupferbeil, Pfeil und Bogen) als Zeichen der Hochachtung vor dem Heiligen Wesen eines Oberhauptes oder Schamanen zurückgelassen?

Wurde Ötzi ermordet?

Ja, heute gehen die meisten Forscher davon aus, dass Ötzi ermordet wurde. Warum? Weil in seinem Rücken auf der linken Seite die Spitze eines Pfeils aus Feuerstein steckte. Sogar die (unvernarbte) Wunde am Rücken fand man.

Die Entdeckung von Ötzis Ermordung war spektakulär. Es ist sicher, dass der tödliche Pfeil von oben abgeschossen wurde, er durchbohrte den Rücken mit einer Geschwindigkeit von 144 Stundenkilometern! Ein perfekt angesetzter Schuss, um Herz und Lunge zu treffen.

Der Schütze verfehlte sein Ziel um gerade mal 2 cm. Forscher haben mit aufwändigen Rekonstruktionen nachweisen können, dass die Spitze des Pfeils sehr nahe der Hauptschlagader eindrang, die den linken Arm versorgt. Ötzi verblutete binnen kürzester Zeit.

Warum wurde Ötzi ermordet?

Das weiß natürlich niemand. Könnte seine Verletzung auf eine Auseinandersetzung innerhalb des Dorfes zurückzuführen sein? Vielleicht ein Streit um die Besitzverhältnisse? Oder sogar um die Wahl des Oberhauptes? Ein Raubmord scheidet ziemlich sicher aus. Seine Ausrüstung war vorhanden, insbesondere das wertvolle Kupferbeil.

Den Pfeilschaft nahmen die Täter mit, alles andere lassen sie liegen. Warum wurde der Pfeilschaft entfernt? Pfeilschäfte wurden von jedem Schützen individuell vorbereitet und gefiedert. Daher wiesen sie individuelle Merkmale auf, die auf den Schützen hätten hinweisen können. Möglicherweise zog man Ötzi den Pfeil aus dem Rücken, um Spuren zu verwischen.

Übrigens wissen wir auch, dass Ötzi kurz nach seiner letzten Mahlzeit getötet wurde. Sein Magen war noch voll. Nach einer halben – bis einer – Stunde ist der Mageninhalt bereits in den Darm gewandert.

Was wissen wir noch von Ötzi?

Seine Ausrüstung und Kleider: Beinkleider aus Ziegenleder, ein aus Kräutern gewebter, mantelartiger Überwurf. Er hatte einen Bogen und Pfeile, die ungewöhnlich nachlässig gearbeitet waren dabei, außerdem ein kleines Messer und ein kostbares Kupferbeil.

Wir wissen auch, dass er an einigen Zivilisationskrankheiten litt. Gallensteine machten ihm zu schaffen. Ötzis Zähne waren krank, Karies, Parodontitis. Zudem waren sie stark abgekaut, wahrscheinlich durch den – damals üblichen – Abrieb durch Steinreste im Brot. Ötzi hatte es mit den Bandscheiben, dazu Borreliose und erhöhte Blutfette.

Auch eine beginnende Gefäßverkalkung stellten die Mediziner fest. Vielleicht wäre er an einem Herzschlag gestorben. Dabei führte er ein sehr aktives Leben. Er war viel unterwegs, er hat nicht geraucht, hatte kein Übergewicht.

Seine Zähne verraten, dass er in der Nähe des Fundortes, im heutigen Südtirol, aufgewachsen ist. Seine Lunge war voller Ruß. Er hat wohl oft am Feuer gesessen. Im Magen und Darm finden sich Reste seiner Nahrung: Steinbockfleisch und Einkornbrot.

Warum heißt Ötzi Ötzi?

Ötzi wurde zuerst von einem österreichischen Journalisten so genannt. Karl Wendl schrieb am 26. September 1991 in einer österreichischen Tageszeitung über den Eismann und sucht nach einem griffigen Namen. Ötztal und Yeti wird Ötzi.

Das Ehepaar Simon wurde erst im September 2010 als Finder anerkannt. Sie bekamen 175.000 Euro, 55000 Euro gingen an ihre Anwälte.

Johann Simon verunglückte ein paar Jahre nach dem Fund tödlich in den Bergen.

Über den Autor:

Mein Name ist Mathias Mücke und ich bin Autor und Inhaber von ScioDoo.

Das Ziel von ScioDoo ist es, dass du hier Informationen findest, welche du für deinen Alltag, Schule, Studium oder eine betriebliche Weiterbildung brauchst.

Aber nicht nur das...

Gleichzeitig will ich das Wissen recht unterhaltsam servieren, so dass du vielleicht mal wiederkommst.

Ich weiß selbst, dass dieser Ansprung enorm ist.

Aber deshalb arbeite ich auch jeden Tag an mir und an diesem Projekt, so dass du auch jeden Tag neues kostenloses Wissen bekommst.

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Also bis später vielleicht.

LG Mathias Mücke


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