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4 Unterschiede zwischen Regenwald und dem Wald in Mitteleuropa


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Wald findet sich in den unterschiedlichsten Klimazonen der Erde: In den Tropen, den Subtropen, mediterranen und gemäßigten Klimaten, ebenso in der Taiga bzw. in der kaltgemäßigten Zone des Nordens. Lediglich Regionen, die zu kalt, zu nass, zu trocken oder zu sandig ist, erlauben keinen durchgehenden Baumbestand. Doch die konkreten Eigenschaften sind von Wald zu Wald durchaus verschieden. Besonders gut lassen sich diese Unterschiede im Vergleich zwischen tropischem Regenwald und den Wäldern des gemäßigten Mitteleuropas aufzeigen.

Artenvielfalt im tropischen Regenwald und im mitteleuropäischen Wald

Die Wälder in Mitteleuropa haben eine große Artenvielfalt. Das gilt insbesondere für Laubmischwälder, in geringerem Maße aber auch für Nadelwälder oder von einer Art dominierte Wälder wie Eichen-, Buchen– oder Kiefernwälder. Die Vegetationsvielfalt in mitteleuropäischen Wäldern besteht aus 90 heimischen Baum- und Straucharten, etwa 4.300 weiteren Pflanzen– und 6.200 Pilzarten.

Hinzu kommen bis zu 6.700 Tierarten, angefangen bei mikroskopisch kleinen Einzellern bis hin zu Elchen, Wisenten und Braunbären. Die Verteilung ist allerdings sehr unterschiedlich: In reinen Fichtenwäldern kommen oft nur wenige Dutzend Arten vor, in Mischwäldern, vor allem deren Randgebieten, sind es viele hundert.

Nichtsdestotrotz ist die Artenvielfalt tropischer Regenwälder weitaus beeindruckender. In der Gesamtheit aller Regenwälder kommen wahrscheinlich mehr als 1,2 Millionen Tier-, Pflanzen- und Pilzarten vor – mehr als zwei Drittel aller Arten weltweit. Bei Untersuchungen kam es vor, dass allein auf einem einzelnen großen Baum hunderte verschiedener Arten entdeckt wurden.

Dabei führt ausgerechnet der Mangel an Nährstoffen in Zusammenspiel mit dem günstigen tropischen Klima zur Ausbildung dieser großen Zahl. Sie müssen sich deshalb einerseits besonders gut anpassen, andererseits sind sie einander kaum überlegen und können daher parallel existieren. In einigen Fällen führt das zu sehr großen Revieren oder Abständen: Es ist beispielsweise möglich, dass nur einzelne Exemplare einer Baumart und diese mehrere Kilometer voneinander entfernt aufgefunden werden.

Klima und Wetter im tropischen Regenwald und im mitteleuropäischen Wald

In mitteleuropäischen Breiten herrscht ein Jahreszeitenklima, bei dem sich kalte, nasse oder schneereiche Phasen mit warmen, eher trockenen Phasen abwechseln. Das bringt für tierische und pflanzliche Arten einige Anforderungen mit sich, zu denen Kälteresistenz, eine winterliche Ruhephase und bis zu einem gewissen Grad auch Trockenresistenz gehören. In tropischen Wäldern hingegen bestehen Temperaturunterschiede eher zwischen Tag und Nacht, über das Jahr hinweg sind die Schwankungen weitaus geringer.

Je nach Breitengrad kann es jedoch Phasen mit starkem Regenfall, sogenanntem Monsun, geben. Frost hingegen entsteht nie, mit Ausnahme von Höhenlagen. Daraus ergeben sich auch Unterschiede in den Vegetationsphasen: Blüte und Fruchtbildung von Pflanzen erfolgen nicht ungefähr gleichzeitig, sondern über das ganze Jahr verteilt oder auch in Rhythmen von einigen Monaten oder wenigen Jahren – von Art zu Art unterschiedlich. Das bedingt auch ein breiteres und über das Jahr homogeneres Nahrungsangebot für viele Tierarten.

Überformung des tropischen Regenwaldes im Vergleich zum Wald Mitteleuropas

Viele tropische Regenwälder werden zunehmend überformt, also durch den Menschen unterschiedlich stark, aber langfristig bis unumkehrbar verändert. Wurden Wälder einmal für Bautätigkeiten, Rohstoffgewinn oder Plantagen gerodet, können sie danach nur bedingt wieder aufgeforstet werden. Statt einem ursprünglichen Regenwald entsteht ein Sekundär- oder Tertiärwald mit anderen Artenzusammensetzungen und Eigenschaften.

Einen Regenwald tatsächlich vollständig zu regenerieren dauert hunderte, wahrscheinlich sogar tausende Jahre. Allerdings sind europäische Wälder überwiegend in noch deutlich naturfernerem Zustand. Durch die dichte Besiedlung und dadurch bedingte lange und intensive Bewirtschaftung gibt es beispielsweise in Deutschland keinen echten Urwald im Sinne eines unveränderten sogenannten Primärwalds mehr. Etwa 0,3 Prozent der Gesamtfläche sind naturbelassene Wälder, die diesem Zustand zumindest nahe kommen. In anderen, dünner besiedelten Ländern, beispielsweise in Skandinavien oder Osteuropa, sind die Zahlen etwas besser.

Die Empfindlichkeit eines Ökosystems hängt eng mit seiner Artenvielfalt zusammen: Eine große Artenvielfalt sorgt für ein stabileres Gefüge, da beim Aussterben einzelner Arten deren Funktionen von anderen Spezies übernommen werden können. So werden sie weniger vulnerabel, also verletzlich, gegen einzelne Schadfaktoren, seien es invasive Tiere oder Pflanzen, Klimaveränderungen, Naturkatastrophen oder menschliche Eingriffe. Andererseits sind gerade weit versprengte Arten empfindlich gegen Störungen und spezialisiertere Arten leiden schneller unter auch geringsten Veränderungen ihrer Umweltfaktoren. Da in Regenwäldern weniger Generalisten, also Arten mit breiten Umwelttoleranzen, und mehr Spezialisten vorkommen, sind diese Ökosysteme besonders gefährdet.

Boden im Regenwald der Tropen und im Wald Mitteleuropas

Mitteleuropäische Wälder verfügen über dicke Humusschichten, die im Fall von Nadelwäldern besonders mächtig, wenn auch eher sauer sind. Eine große Menge des in diesen Wäldern gespeicherten Kohlenstoffs ist in diesen Böden festgelegt. Die Wurzelgeflechte insbesondere alter Bäume können die Größe ihrer Kronen erreichen und dringen viele Meter tief in die Erde ein, wobei sie symbiotische Beziehungen mit Pilzen eingehen. Im Gegensatz dazu dominieren in den meisten tropischen Wäldern flache Böden, bei denen lediglich eine dünne Humusschicht auf einer lehmigen, steinigen Schicht zu finden ist.

Der Humus bildet nur wenig Ernährungsgrundlage und wird bei Regenfällen weggespült, sodass magere, nährstoffarme Böden verbleiben, die kaum Kohlenstoff speichern. Da der harte Untergrund kaum Möglichkeiten zur Ausbildung von Wurzeln zulässt, werden stattdessen mächtige, überirdische Brettwurzeln gebildet. Diese reichen viele Meter weit seitlich vom Stamm herab, sodass ein sternförmiger Querschnitt entsteht und dem Baum Standfestigkeit bietet. Während Bäume im Mischwald zumeist zwischen 40 und 60 Meter hoch sind, messen sie im tropischen Regenwald etwa 70 Meter. Ihre Kronen sind ausladend und von Moosen, Flechten sowie zahllosen weiteren Pflanzen, sogenannten Aufsitzern, bedeckt – hier verbergen sich gewaltige Mengen Biomasse, die als Kohlenstoffspeicher dient.

Fazit

Auch wenn die Vielfalt verschieden groß ist – Wälder sind häufig die artenreichsten Biome in ihren jeweiligen Klimazonen. Das und ihr Vermögen, enorme Mengen Kohlenstoff zu binden, macht sie zu einem der wichtigsten und schützenswertesten Ökosysteme überhaupt. Gleichzeitig sind sie durch ihre Gebundenheit an das Klima und die bereits erfolgten gewaltigen menschlichen Eingriffe besonders gefährdet. Beim Schutz ist die Kenntnis der Unterschiede zwischen den Waldtypen sehr wichtig.


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