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So ist das Nildelta entstanden: Entstehung und Geschichte


quellflüsse des nil

Das Nildelta entstand durch Sedimentationsprozesse. Im Laufe von vielen Millionen Jahren wurden Sedimente angeschwemmt, die sich im Mündungsdelta des Nils ablagerten. Heute teilt sich der Nil kurz nach Kairo in zwei Mündungsarme, durchfließt das Delta und mündet im Mittelmeer. Noch in der Antike waren es sieben Flussarme, die das Nildelta bis zur Mittelmeerküste durchzogen.

Von seiner Quelle bis zum Mittelmeer legt der Nil 6671 km zurück. Der Nil ist damit der längste Fluss der Erde. Auf seinem Weg flussabwärts Richtung Norden werden riesige Mengen an Schwemmpartikeln mitgeführt, die sich im Flussbett und überall da absetzen, wo das Nilwasser hinkommt. Auf diese Weise verlandete im Laufe der Jahrmillionen die Flächen zwischen den Mündungsarmen. Die vom Nil mitgeführten Sedimente schufen in dieser langen Zeit das heute etwa 24000 km2 große Delta.

Die Quellflüsse des Nils

Die Hauptquellflüsse des Nils entspringen in der Hochebene Äthiopiens (der Blaue Nil und der Atbara) und in den Berghängen der immerfeuchten Tropen Burundis, südlich des Victoriasees (der Weiße Nil). Als eigentlicher Quellfluss gilt der Luvironza in Burundi. Es ist die am weitesten im Süden gelegene Quelle des Nils.

Während der sommerlichen Monsun-Monate zwischen Mai und August fließen die Wassermassen aus dem äthiopischen Hochland in Zuflüssen zum Blauen Nil und zum Atbara. Dabei werden riesige Mengen an nährstoff– und mineralstoffreicher Erde mitgerissen. Auch der Weiße Nil führt tonnenweise Sediment mit sich. Über das ganze Jahr sind es Millionen von Tonnen an Schwemmpartikeln, die der Nil aus dem Inneren Afrikas bis zum Mittelmeer transportiert.

Wenn das Gefälle und damit auch die Strömung nachlässt, sinken die mitgeführten Lockermaterialien im Wasser langsam nach unten und setzen sich im Flussbett ab. Vor dem Bau der regulierenden Staudämme stieg während der Nilflut das Wasser über die Uferböschungen und breitete sich langsam aus. Das Fruchtland war Schwemmland. Die Nilflut kam nicht in Form einer einzigen Flutwelle. Der Nil schwoll allmählich an und das Hochwasser benötigte mehrere Wochen, bis es im Delta ankam. Floss das Wasser allmählich ab, hatten sich die großen und schweren Schwemmpartikel auf den Feldern abgesetzt.

Dieser Schlamm mit seinen organischen und mineralischen Stoffen war ein natürlicher Dünger. Nachdem das Wasser abgeflossen war, war die Erde so durchfeuchtet, dass die Aussaat beginnen konnte. Je höher die Flut, desto mehr Land wurde überschwemmt und desto mehr Ernteerträge konnten eingefahren werden. Die jährliche Nilschwemme war die Grundlage der altägyptischen Hochkultur.

Der Nil fließt über 1000 km durch Ägypten, von Assuan bis zur Mittelmeerküste. Nördlich von Kairo teilt sich der Fluss heute in zwei Mündungsarme: in den westlichen Rosetta-Arm und den östlichen Damietta-Arm. Die Nilarme werden nach den Hauptorten bezeichnet, die sich an ihren Ufern befinden. Schon zu Beginn der altägyptischen Hochkultur vor 5000 Jahren befand sich an der Stelle der heutigen Hauptstadt Ägyptens die königliche Residenz Memphis. Von hier aus sind es noch ca. 160 km bis zur Küste.

Der Nil teilte sich damals in insgesamt sieben Arme, von denen heute fünf verlandet sind. Sie brachten all das Material dahin, wo es sich ablagern und ganz langsam das Mündungsdelta bilden konnte. Es ist entlang der Mittelmeerküste etwa 250 km breit. Westlich des Nildeltas breitet sich die Libysche und östlich die Arabische Wüste aus. Das Nildelta ist eine Oase mit einem der fruchtbarsten Böden der Erde.

Sedimentation und „turtle-backs“

Die Schwemmpartikel, die der Nil mit sich führt, setzen sich nach und nach ab. Sie sinken auf den Boden. Zuerst sind es die großen und schweren Partikel, später die kleinen und leichten. Das Gefälle wird nach Norden hin geringer und ebenso die Fließgeschwindigkeit. Je langsamer ein Fluss fließt, desto mehr mitgeführtes Material lagert sich unterwegs ab.

Immer wenn der Nil über sein Ufer trat, hinterließ er eine Sedimentschicht. Im Nildelta waren es ursprünglich sieben, später nur noch zwei Mündungsarme, die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts für Überschwemmungen sorgten. Die Sedimentschicht wurde immer dicker und bildete nach und nach eine ebene Oberfläche. Die mitgeführten organischen und anorganischen Schwemmpartikel waren ungeheuer nährstoff- und mineralstoffreich.

Übertrat der Nil seine Ufer, lagerte sich hier das grobkörnige Material ab. Dadurch entstanden über einen langen Zeitraum die natürlichen Uferdämme. Die dahinterliegenden Talsenken bildeten während der Überschwemmungszeit Seen, in denen sich das Wasser nur langsam ausbreitete und nur sehr langsam abfloss. Hier hatten auch die etwas weniger schweren Sedimente genügend Zeit, sich abzusetzen.

An den Mündungsenden des Nils im Delta bildeten sich Sandinseln, die sogenannte turtle-backs. Bei jeder Überschwemmung wurden sie etwas höher. Irgendwann ragten sie während einer Überschwemmung wie kleine Inseln aus dem überschwemmten Land. Zwischen den Mündungsarmen begann sich auf diese Weise das Land zur Küste hin zu wölben. Das Nildelta spaltete sich wie ein Fächer. Auf den Sandinseln siedelten sich die Menschen an, zusammen mit ihrem Vieh. Wenn Häuser gebaut wurden, dann immer auf den Ruinen vorangegangener Gebäude. Dies führte zu einer kontinuierlichen Erhöhung der turtle-backs und zu mehr Sicherheit vor dem Wasser.

Die Mündungsarme des Nils

Einer der sieben Mündungsarme des Nils war der sogenannte Sebennytische Arm. Er durchquerte das Delta in der Mitte und war somit für die zentrale und damit nördlichste Landzunge der Mittelmeerküste verantwortlich. Der Sebennytische Flussarm ist aber schon vor etwa 1000 Jahren ausgetrocknet. Seitdem erodiert diese Landzunge. Sediment kommt nicht mehr nach, wird aber kontinuierlich durch Wellen, Strömung und Wind vom Mittelmeer abgetragen.

In der Antike gab es noch sieben wasserführende Hauptarme, in die sich der Nil aufteilte und die das Sediment in das Mündungsdelta transportierten. Die Flussarme verteilten die Schwemmpartikel über das gesamte Delta und schufen eine der fruchtbarsten landwirtschaftlich nutzbaren Landflächen der Erde. Durch die Überschwemmungen war das Delta in permanenter Veränderung. Die Mündungsarme änderten im Laufe der Jahrtausende ihre Verläufe. Das Flussbett des Nils änderte seine Lage im Niltal ebenso wie die Nilarme im Delta.

In der griechisch-römischen Antike existierten die folgenden Hauptarme, die das Delta durchzogen. Sie sind alle entweder nach ihren jeweiligen Mündungsstädten benannt oder nach Großstädten an ihren Ufern:

  • der verlandete Kanobische Arm (benannt nach Kanopus)
  • der Saitische Arm bildet heute den Rosetta-Arm (benannt nach Sais, heute nach Rosetta)
  • der zentrale, heute ebenfalls verlandete Sebennytische Arm (benannt nach Sebennytos)
  • der Bukolische Arm wird heute als Damietta-Arm bezeichnet (benannt nach Bucolicum, heute nach Damietta)
  • der verlandete Mendesische Arm (benannt nach Mendes)
  • der verlandete Tanitische Arm (benannt nach Tanis)
  • der verlandete Pelusische Arm (benannt nach Pelusion)

Alle Mündungsarme bildeten Landzungen, indem sie Millionen Tonnen von Schwemmpartikeln von den Quellen des Nils zum Mittelmeer transportierten. Die abgelagerten Flusssedimente sorgten bis zum Bau des ersten Staudamms im Jahr 1898 dafür, dass die Küste des Nildeltas sich immer weiter nach Norden Richtung Mittelmeer ausdehnte. Die Verlandungen der meisten Flussarme führte aber dazu, dass nun schon seit Jahrhunderten mehr Sediment abgetragen als zugeführt wird. Hinzu kommen ein steigender Meeresspiegel und eine Absenkung des Landes aufgrund des Fehlens von Material-Nachschub. Mit dem Bau der Staudämme blieb zudem die Nilschwemme aus.

Ein Großteil der Sedimentfracht verbleibt im Assuan-Staudamm. Außerdem hat der Klimawandel mehr Trockenzeiten im Inneren Afrikas und damit ein Ausbleiben von Regen zur Folge. Es gelangen weniger Schwemmpartikel in den Nil und es ist weniger Wasser vorhanden, das das Material transportieren könnte. Das Delta wird also kleiner. Die Erosion der Küste hatte zwischen den Jahren 1964 und 1982 einen durchschnittlichen Rückgang zwischen 50 und 150 Metern pro Jahr zur Folge.


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