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Was wird im Nildelta angebaut: Landwirtschaft und weitere Nutzung


Das Nildelta ist eine rund 24.000 Quadratkilometer umfassende Fläche im Norden Ägyptens. Sie wird von zahlreichen Wasserläufen durchzogen und ist daher besonders fruchtbar. Anders als in den umliegenden Wüstengebieten gedeihen hier Pflanzen, die als Nahrungsmittel, Viehfutter und Textilrohstoff dienen. Damit wird in dieser Gegend eine jahrtausendealte Tradition fortgeführt.

Landwirtschaft im Nildelta ist historisch geprägt

Die landwirtschaftliche Nutzung der Region lässt sich weit zurückverfolgen. Schon vor über 2.500 Jahren berichteten Geschichtsschreiber über Ackerbau und Viehzucht im Nildelta. Die Bezeichnung selbst entstand jedoch erst später. Sie spielte auf die Form des Gebietes an, die einem kopfstehenden Dreieck ähnelte. In seiner Spitze gabelte sich der breite Nil in zahlreiche schmalere Flüsse, die fächerartig ins Mittelmeer mündeten.

In unmittelbarer Nähe dieser Wasserläufe war der Boden besonders fruchtbar. Zum einen, weil er durch den Nil feucht gehalten wurde; zum anderen, weil der Fluss ihn auf natürliche Weise düngte. Wenn das Wasser bei Regen über die Ufer trat, brachte es Schlamm mit – der sich auf den Wiesen absetzte und sie mit Nährstoffen versorgte.

Das erkannten die Menschen, die hier lebten und nutzten die Uferflächen zum Anbau von Getreide, Weinstöcken oder Zwiebeln – den Hauptnahrungsmitteln der alten Ägypter. Zudem bildeten die Wiesen am Flussufer Weideland für das typische Nutzvieh des Landes: Ziegen, Büffel und Schafe sowie Esel. Sie dienten als Lieferanten für Milch und Wolle bzw. als Reit- und Lasttiere.

Was wird heute im Nildelta angebaut

Bis heute ist das Nildelta überwiegend landwirtschaftlich geprägt. Von ursprünglich sieben Flussarmen gibt es jedoch nur noch zwei; die anderen wurden durch künstlich angelegte Kanäle ersetzt. An ihren Ufern grasen und gedeihen die gleichen Tier- und Pflanzenarten wie einst. Außerdem bauen die Ägypter neu hinzugekommene Feldfrüchte an. Mehrmals pro Jahr ernten sie im Nildelta

  • Gerste,
  • Hirse,
  • Kartoffeln,
  • Mais,
  • Reis,
  • Weizen und
  • Zwiebeln

sowie

  • Datteln,
  • Feigen,
  • Mango,
  • Wassermelonen,
  • Weintrauben und
  • Zitrusfrüchte

Der Ertrag ist jedoch zu gering, um alle Einwohner und ihre Tiere zu versorgen – denn das Nildelta nimmt nur 3,5 Prozent der gesamten Landfläche ein. Darum wurden entlang des Hauptflusses zahlreiche Bewässerungs-Systeme installiert. Sie sollen auch andere Regionen Ägyptens urbar machen; d.h. Ackerbau und Viehhaltung ermöglichen. Auf diese Weise gelang es dem Staat, das Anbaugebiet im Nildelta um etwa 9.000 Hektar zu erweitern.

Zudem wurde bereits im vorigen Jahrhundert ein Staudamm errichtet. Er reguliert den Wasserstand des Nils und verhindert, dass die Äcker und Weiden in Flussnähe überschwemmt werden. Das hat Vor- und Nachteile – denn einerseits ermöglicht der Staudamm, die Flächen ganzjährig zu nutzen; andererseits verhindert er die Ablagerung des fruchtbaren Schlamms.

Weil der natürliche Dünger fehlt, setzen die Landwirte vermehrt synthetische Mittel ein. Sie gelangen mit dem Regen- und Grundwasser in den Fluss und beeinträchtigen seine Wasserqualität. Das wiederum hat Auswirkungen auf den Fischbestand, der ebenfalls eine wichtige Versorgungsquelle der Ägypter ist.

So wird das Nildelta zusätzlich genutzt

Um der Unterversorgung seiner Bevölkerung entgegenzuwirken, setzt das Land seit einiger Zeit auf Export-Güter; d.h. auf Produkte, die in Ägypten hergestellt werden, um sie an andere Staaten zu verkaufen. Das dadurch eingenommene Geld dient zum Kauf von Lebensmitteln und anderen notwendigen Dingen. Dieser scheinbar kluge Plan verstärkt die Not jedoch noch, denn das hauptsächliche Handelsgut Ägyptens ist Baumwolle.

Sie benötigt zum Wachsen die gleiche Fläche und noch mehr Wasser als herkömmliche Feldfrüchte. Daher entstehen im Nildelta zunehmend mehr Betriebe, die der Pflanze weitere Export-Artikel abgewinnen können. Ölmühlen entziehen den Baumwoll-Samen Seifen-Rohstoff, Spinnereien verarbeiten die flauschigen Pflanzen-Fasern zu Garn und Webereien produzieren daraus Tuch.

Auch an Gästen aus fremden Ländern verdient der ägyptische Staat Geld. Aber gerade im Nildelta fehlen die Voraussetzungen dafür, weil diese schöne Region andere Aufgaben für ihr Land erfüllen muss.


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