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Subjektive Wahrnehmung und individuelle Realität


Jeder Mensch hat im Normalfall die gleichen Sinnesorgane. Zwei Augen, zwei Ohren, eine Nase und so weiter. Sie sind unsere Verbindung zur Außenwelt und nur über sie gelangen Informationen über die Umwelt in unser Gehirn. Unser Hirn selbst hat demnach nur einen indirekten Kontakt zur Welt über unsere Sinnesorgane.

Umweltreize wie Licht, Geräusche, Druck oder Kälte werden von den Sinnesrezeptoren aufgenommen und über Nervenbahnen an das Gehirn weitergeleitet. Dennoch nehmen wir nicht zwingend alle Dasselbe wahr.

Das kann zum einen physiologische Ursachen haben. Von Schwerhörigkeit oder Rot-Grün-Blindheit betroffene Menschen nehmen demnach allein schon aus körperlichen Gründen die Welt ein wenig anders wahr. Doch was ist mit den Personen, deren Ohren, Augen und anderen Sinnesorgane gleich gut funktionieren? Müssten diese nicht die Welt auf eine identische Art und Weise wahrnehmen?

Die Antwort ist „ja“ und gleichzeitig „nein“. Denn selbst unter den gleichen Voraussetzungen ist die Wahrnehmung nicht exakt dieselbe bei allen Menschen. Um tiefer ins Detail zu gehen, müssen wir im Folgenden jedoch zunächst einmal die objektive von der subjektiven Wahrnehmung unterscheiden. Denn zum anderen wird unsere Interpretation des Wahrgenommenen durch verschiedene subjektive Faktoren beeinflusst.

Gibt es eine objektive Wahrnehmung?

Die objektive Wahrnehmung ist bei Menschen mit denselben Voraussetzungen gegeben.
Wenn mehrere Menschen ein und denselben Reiz beobachten, nehmen sie auch Dasselbe wahr. Vorausgesetzt ist dabei, dass alle beteiligten Personen exakt die gleichen Voraussetzungen in Bezug auf ihre Sinneswahrnehmung aufweisen.

Nehmen wir als Beispiel eine Ampel. Leuchtet diese rot auf, sehen Menschen mit einem uneingeschränkten Sehvermögen ein rotes Licht. Das ist beispielsweise nicht der Fall bei der bereits erwähnten Rot-Grün-Schwäche. Betroffene leiden hierbei an einer (meist erblich bedingten) Farbfehlsichtigkeit, aufgrund welcher sie die Farben Rot und Grün schlechter unterscheiden können als Menschen ohne diese Sehschwäche.

Nehmen Menschen unter denselben Voraussetzung einen Reiz identisch wahr, so handelt es sich um eine objektive Wahrnehmung. Mit der Wahrnehmung geht allerdings auch die Interpretation des wahrgenommenen Reizes einher. Ab diesem Punkt kommt dann die Subjektivität ins Spiel.

Was versteht man unter subjektiver Wahrnehmung?

Bei der Bewertung von Reizen wird es persönlich.
Denn wie wir Reize verarbeiten und bewerten, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Welche dazu zählen, darauf gehen wir weiter unten noch einmal ausführlicher ein.

Abhängig von unserer individuellen Bewertung und Interpretation eines Reizes, fällt auch unsere Reaktion aus. Das erklärt, warum unterschiedliche Person in derselben Situation auf verschiedene Arten reagieren. So können manche Reize von der einen Person als sehr angenehm empfunden werden, von einer anderen jedoch ganz und gar nicht.

In deinem Alltagsleben finden sich hierzu vermutlich etliche Beispiele. Nehmen wir an, zwei Personen hören sehr laute Musik. Die eine Person findet es vielleicht toll und kommt direkt in Feierlaune, die andere Person interpretiert die Musik vielleicht eher als störenden Lärm und ist genervt.

Wichtig ist…
Die objektive Wahrnehmung ist die gleiche: Beide Personen hören dieselbe laute Musik. Doch die individuelle Interpretation beziehungsweise Wahrnehmung fällt vollkommen unterschiedlich aus.

Als weiteres Beispiel kann eine Familienfeier dienen. Während die einen diese Situation als angespannt und ermüdend empfinden, weil sie etwa zu den meisten der Anwesenden keinen guten Draht haben, sind andere voll und ganz ihn ihrem Element. Tobende Kinder, angeregte Gespräche, ein reich gedeckter Tisch – kurzum: Sie genießen den Trubel und das Zusammensein. Personen vom anderen Schlag hätten den Nachmittag vielleicht lieber allein mit einem Buch verbracht.

Oder denke einmal an heiße Sommertage: Manche Menschen genießen die Hitze und den Sonnenschein, während andere sich lieber ins (meistens nicht mehr so kühle) Haus verkriechen und auf einen baldigen Herbst hoffen. Wann jemand Hitze als angenehmen oder als unangenehmen Reiz interpretiert, hängt auch von der jeweiligen Person ab.

Welche Faktoren wirken auf die subjektive Wahrnehmung?

Das Spektrum an Einflüssen ist breit.
Während die objektive Wahrnehmung (mehr oder weniger ausschließlich) von den gleichen Voraussetzungen hinsichtlich der Funktionalität der Sinnesorgane abhängt, kommen bei der subjektiven Wahrnehmung etliche Aspekte zusammen. Unsere Emotionen, Einstellungen und Erfahrungen können sich auf die Interpretation von wahrgenommenen Reizen auswirken.

Allerdings spielen auch die aktuell vorherrschenden Motive und Bedürfnisse eine Rolle, ebenso wie das körperliche Empfinden, Stresslevel, Hormone oder das soziale Umfeld.

Bestimmte Emotionen sorgen dafür, dass unsere Wahrnehmung sich verengt. Wir nehmen also weniger Informationen auf und interpretieren sie beispielsweise unter dem Einfluss von Angst als bedrohlicher. Freude hingegen führt zu einer vollkommen anderen Wahrnehmung. Die Welt erscheint und positiver und voller Möglichkeiten.

Vor allem die soziale Wahrnehmung ist von Subjektivität geprägt. Hierzu gehören beispielsweise Einflüsse durch Vorurteile, jedoch auch die Art und Weise, wie wir mit anderen kommunizieren. Selbst andere Personen haben einen Einfluss auf unsere Wahrnehmung. Emotionen und Einstellungen anderer färben sozusagen auf uns ab, wenn wir diesen Personen nahestehen. Auf diese Weise können auch zwischenmenschliche Beziehungen einen Einfluss auf unsere Wahrnehmung haben.

Wahrnehmung im sozialen Kontext

Wie wir Situation im sozialen Zusammenhang bewerten, ist ein Forschungsaspekt der Sozialpsychologie.
So zeigte sich, dass Menschen in vermeintlichen Notsituationen in der Regel zunächst einmal die Reaktion der anderen Anwesenden beobachten, bevor sie selbst reagieren.

Die Angst, etwas falsch zu machen und von der Norm abzuweichen, führt sogar soweit, dass wir unseren eigenen Sinnen misstrauen. Das zeigte die klassische Studie von Solomon Asch, in welcher er Probanden in einem Experiment Linien ihrer Länge nach zuordnen ließ.

Innerhalb der Probandengruppe gab es allerdings immer nur einen „richtigen“ Versuchsteilnehmer – die anderen waren in den Versuch eingeweiht und hatten die Anweisung erhalten, absichtlich die falsche Antwort zu geben. So wurde im Experiment zum Beispiel eine Tafel mit einer Linie gezeigt. Daraufhin sollten die Probanden aus drei anderen Linien (A, B, C) diejenige auswählen, die dieselbe Länge wie die Referenzlinie hat.

War nun C die richtige Lösung, nannten erstaunlich viele der „richtigen“ Probanden ebenfalls A als Lösung, sofern die falschen Teilnehmer diese als korrekte Lösung identifizierten. Selbst dann, wenn Linie A offensichtlich ein gutes Stück kürzer war.

Ein etwas alltagsnäheres Beispiel zeigt, wie stark auch Erwartungen die Wahrnehmungen beeinflussen können. Stell dir vor, du hast von deinem Partner das Bild „Immer lässt er alles hinter sich liegen, so dass ich ständig hinter ihm herräumen muss“.

Was passiert dann?
Deine Wahrnehmung passt sich dieser Einstellung entsprechend an und du bemerkst jede Kleinigkeit, die deine Erwartung bestätigt. So entdeckst du mit präziser Genauigkeit jede Socke, die neben dem Wäschekorb gelandet ist. Doch auf der anderen Seite nimmst du nicht wahr, dass er bereits den Abfall rausgebracht und die Spülmaschine eingeräumt hat.

Kann man die individuelle Realität objektiv wahrnehmen oder subjektiv gestalten?

Wirkliche Objektivität liefert lediglich die Mathematik und das auch nur begrenzt. Denn letztlich ist die Mathematik auch keine Wissenschaft, welche auf Naturgesetzen beruht.

Stattdessen wurde die Mathematik von Menschen erfunden, deren Rechenregeln ebenfalls von Menschen gemacht wurden – um damit, die Naturgesetze erklären zu können. Somit ist Mathematik auch keine Naturwissenschaft, nicht einmal eine echte Wissenschaft, sondern eine Hilfswissenschaft – um die Phänomene der Naturwissenschaften erklären bzw. objektiv betrachten zu können.

Und deshalb wird Alles, was in Naturwissenschaften untersucht wird, mathematisch aufbereitet bzw. statistisch analysiert und erklärt. Selbst in der Psychologie erklärt man Phänomene nur dadurch, dass Versuche und Experimente stattfinden – um Daten zu sammeln, welche anschließend statistisch ausgewertet werden.

Ohne diese Statistiken wäre die Psychologie nicht wissenschaftlich und nur subjektiv. Auch die Medizin und Pharmazie beruhen auf statistischen Methoden, indem Medikamente – an eine Versuchsgruppe ausgegeben werden. Eine andere Kontrollgruppe erhält keine Medikamente. Nach ausreichender Einnahme der einen Gruppe untersucht man die Veränderung in beiden Gruppen und kann dadurch eine Wirkung der Arznei ableiten oder nicht.

Das Gedankenkonstrukt eines Menschen, welches bei seiner objektiven Wahrnehmung beginnt und in seiner subjektiven Interpretation dieser Wahrnehmung endet, ist hoch komplex und durch extrem viele Einzelprozesse gekennzeichnet.

Diese Zwischenschritte bei der Interpretation der Wirklichkeit fallen bei einem Menschen an, beim nächsten wiederum nicht. Deshalb kann man auch keine standardisierte Versuchsreihe aufbauen, um die Entstehung einer individuellen Wirklichkeit statistisch so aufzubereiten, dass diese universelle Gültigkeit hat. Stattdessen muss sich die Forschung mit einzelnen Phänomenen befassen, diese statistisch untersuchen und diese Puzzlestücke zu einem großen Gesamtbild zusammenzufügen.

Wichtig ist nur…
Jeder Wissenschaftler dieser Welt ist auf der Suche nach Wahrheit, weiß aber – dass es diese nicht gibt. Denn nur durch die Mathematik lässt sich Objektivität in einem bestimmten Maß erreichen. Und dadurch, dass die Komplexität einer jeden Sache so enorm ist, lässt sich Objektivität auch nur an einem bestimmten Teilstück dieser Sache erreichen.

Hat man verschiedene Teilaspekte einer Sache weitestgehend objektiv dargestellt, müssen diese Teilstücke zu einem großen Ganzen zusammengefügt werden. Und diese Zusammenführung ist wiederum subjektiv, da die Zusammensetzung ebenfalls nur auf Annahmen beruht – weshalb wirkliche Objektivität niemals erreicht werden kann.

Subjektive Wahrnehmung und individuelle Realität als Folge eines effizienten Gehirns

Es gibt aber so etwas wie die kleinste gemeinsame Wirklichkeit, auf der man sich einigt und auf welche Annahmen aufgebaut werden. So weiß man, dass das Gehirn bestimmte Wahrnehmungsinhalte ausblendet und wiederum andere Inhalte durch zusätzliche Bruchstücke ergänzt werden. Denn dein Gehirn ist wie jedes andere Organ im Organismus auf Effizienz getrimmt. Die Effizienz ist das oberste Gebot in jedem System und ein Naturgesetzt, wenn man es so bezeichnen will.

Wieso?
Es geht um Einsparung von Ressourcen. Jedes Organ versucht mit so wenig Energieaufwand wie möglich, seine Funktionalität zu erhalten. Dies bezeichnet man als Input-Prinzip. Der Output, also die Leistung des Organs, bleibt gleich und der Input (Aufwand) wird so gering wie möglich gestaltet. Das Output-Prinzip vollzieht die andere Richtung. Dann versucht das Organ mit gleichem Input (Aufwand), eine bessere Leistung (Output) zu erreichen. Also ein Parameter, Aufwand oder Leistung, ist immer festgelegt und der andere Parameter wird optimiert. Beides zeitgleich zu optimieren, geht nicht, da ansonsten Kontrolle verloren geht, was ineffizient wäre.

Und dies wiederum bedeutet…
Jedes Organ, auch das Gehirn, kann seine Ressourcen nur auf eine Sache bündeln – um effizient zu sein.

Indem das Gehirn bestimmte objektive Wahrnehmungsinhalte ausblendet, ist es effizient. Wenn du bspw. durch einen Park läufst mit dem festen Ziel, jemanden dort zu treffen. Dann wirst du mitunter nicht das Vogelgezwitscher hören. Du wirst auch nicht den Duft der Blumen wahrnehmen. Und du wirst auch nicht das Geplapper der anderen Parkbesucher hören.

Deine Aufmerksamkeit ist beschränkt, weshalb nur ein Teil der Wahrnehmungsinhalte zur Realität werden. Und dabei funktioniert dein Gehirn genauso wie die oben beschriebene Forschung. Denn die ganze Realität wäre zu komplex, um sie zu erfassen. Außerdem muss dein Sinnesapparat für jeden Geruch und für jedes Geräusch eine gewisse Aufmerksamkeit aufbringen, wodurch ein Energieaufwand zustande käme, welcher ineffizient wäre.

Und genauso, wie das Gehirn unnütze Inhalte ausblendet, werden nützliche Dinge angeknüpft – von denen angenommen wird, dass sie die Effizienz des Gesamtorganismus erhöhen.

Kommen wir zurück zu den Vorurteilen…
Du siehst vielleicht einen dicken Menschen. Und nun wäre in einer objektiven Realität es so, dass dein Gehirn – aufgrund der Energiesparmaßnahmen – diesen Menschen ausblenden würde, solange du diese Person nicht kennst.

Aber falls du Vorurteile gegenüber dickeren Menschen hast, wirst du die Körperfülle dieser Person wahrnehmen. Auch davon verspricht sich dein Gehirn eine gewisse Effizienz. Denn durch das Vorurteil, welches du hegst, hält dich dein Gehirn davon ab, selbst so dick zu werden. Es schützt dich davor, was wiederum effizient ist.

Was bedeutet das?
Jede Person, welche Vorurteile gegenüber Dicke hat, trägt die Angst in sich, selbst dick zu werden.

Oder….
Die Person mit Vorurteilen ist bereits dick, vertuscht dies aber vor sich selbst und projiziert ihr eigenes mieses Körpergefühl auf den anderen.

Und so ist es bei Vorurteilen immer. Wer glaubt, dass der Partner, die derzeitige Regierung oder eine andere Person irgendwie betrügt, neigt selbst zum Betrug. Denn das Gehirn desjenigen hat den Betrugsgedanken bereits angelegt, welcher dann abgerufen wird – sobald derjenige ein Anzeichen dafür entdeckt. Und das Gehirn des Dicken hat den Dickgedanken angelegt, welcher abgespult wird – sobald er eine dickere Person trifft.

Wozu führt das?
Eigentlich bedeutet dies, dass jede Unzulänglichkeit – welche wir in anderen Personen oder Sachen erkennen – in uns selbst als Gedanke vorhanden ist. Und dieser Gedanke trägt Macht in sich, indem er das Verhalten, Handeln und Erleben steuert.

Was noch?
Wer viel Ungerechtigkeit empfindet, äußert dies meistens dadurch, indem man andere für seine eigene Belange vorschiebt. So wird bspw. gesagt, dass es ungerecht ist – dass andere Menschen mehr verdienen als Polizisten, Krankenschwestern, Kindergärtner usw. Durch das Vorschieben der anderen Personen, um die eigens empfundene Ungerechtigkeit auszudrücken, wird entweder der eigene Neid, die eigene Angst oder das eigene Minderwertigkeitsgefühl so kaschiert, dass es nicht auffällt.

Was noch?
Wer glaubt, dass der Reichtum in Deutschland ungerecht verteilt ist, trägt ein Armutsgefühl oder Mangel an Geld-Gefühl in sich, versteckt dies aber – indem man den eigenen Mangel universell macht.

Wieso macht das Gehirn das?
Mit all diesen Gedanken schützt dich dein Gehirn, beschneidet allerdings die Wahrnehmung. Nun wirst du dich sicher fragen, warum dein Gehirn dich vor Gerechtigkeit oder zu viel Geld beschützt. Es beschützt dich nicht davor, sondern vor deinem eigenen Selbstbild.

Dieses innere Bild von sich selbst, will niemand angreifen, weil es Ressourcen kostet – sich damit auseinander zu setzen. Und indem man sich eingesteht, dass man zu wenig Geld, zu wenig Liebe oder zu wenig Glück hat – muss man sich auch eingestehen, wer daran Schuld hat.

Und wer hat Schuld?
Nein… Es ist nicht der Partner, es sind nicht die Kinder und auch nicht der Arbeitgeber. Man ist es immer selbst. Aber das Selbstbild – welches man mühselig aufbaut und in welchem man immer der Gute ist, lässt nicht zu, dass man selbst an seiner Misslage eine eigene Schuld trägt.

Und dies ist die wahre Täuschung. Denn das Gehirn nimmt sämtliche Realitäten wahr, gleicht diese mit dem eigenen Selbstbild ab. Alles, was das Selbstbild gefährden könnte, wird ausgeblendet, überschattet oder umgestaltet – so dass sich die Wirklichkeit stets am Selbstbild ausrichtet.

Neue Erfahrungen werden um das Selbstbild herum gemauert, so dass es immer stabiler wird. Das Einstürzen dieser eigens erbauten Wirklichkeit wäre fatal, da zu viele Erfahrungen, Erwartungen oder sonstige gedanklichen Konstrukte damit verknüpft sind. Dieser Einsturz wäre eine Ohnmacht und gerade für ältere Menschen, welche ein Leben lang am Selbstbild gemauert haben, kommt es einem gedanklichen Selbstmord gleich.

Aber….
Wer sein Selbstbild einreißen will, muss erst einmal damit anfangen, bei sich die Schuld und die Ursachen seiner Realität zu suchen. Erst wenn die Schuldfrage geklärt ist, kann man in Verantwortung für seine eigene Realität treten. Zuvor gibt man jegliche Verantwortung lediglich an den Partner, an Ärzte oder andere Mitmenschen ab, welche scheinbar dafür verantwortlich sind, in welcher Wirklichkeit man sich befindet.

Wer Verantwortung für sein Leben übernimmt, ist in der Lage – es umzugestalten. Wer dies nicht kann, wird niemals seine Realität erfahren können. Stattdessen glauben diese Personen daran, dass andere Menschen ihre Realität gestalten.

Wieso?
Man glaubt, dass andere Menschen die Macht hätten, für das eigene Glück oder für die eigene Gesundheit verantwortlich zu sein. Dann sagt man Dinge, wie mein Partner macht mich unglücklich, weil…..

Oder…
Durch die Kinder, welche ich zu früh bekam, wurde ich ins Unglück gestürzt. Ich finde keinen anständigen Partner, weil …

Oder…
Ich bin unglücklich, weil…

Oder…
Ich habe kein Geld, weil…..

In jedem Fall gibt man die Verantwortung für sein Leben an Dritte oder an Zufälle ab. Im gleichen Atemzug hält man es für unmöglich, alles Gewünschte erreichen zu können. Man überträgt bspw. eine Riesenverantwortung für das eigene Glück auf den Lebenspartner, aber hält es für unmöglich – dass man selbst zum eigenen Glück beitragen könne. Ist verrückt, oder?

Doch so sieht es aus. Alles, was positiv im eigenen Leben ist – hat man selbst verantwortet. Und alles negative – waren die anderen.

Von einer veränderten Sprache zu einer veränderten Realität

Wenn du dir deine subjektive Realität so anschaust, äußert sich diese im Erleben dieser Wirklichkeit. Das Handeln und Verhalten sind lediglich Ausdruck des Erlebten. Wer seine Erlebnisse ändern will, muss sein Verhalten und sein Handeln ändern.

Um sein Verhalten oder Handeln zu ändern, müssen sich die Gefühle – welche daran geknüpft sind ändern. Und da Gefühle von Gedanken hervorgerufen werden und letztlich nur als Verstärker dieser Gedanken dienen, muss sich die Gedankenwelt ändern.

Wie kann man Gedanken ändern?
Durch die Veränderung der Sprache, ändern sich die Gedanken. Der Zusammenhang zwischen Sprache und dem Denken wird beim Gendern deutlich. Nun kann man zur Gendersprache stehen, wie man will. Aber indem, bei der Sprachwahl alle sozialen Geschlechter einbezogen werden, wird Diversität gefördert und alle Geschlechter werden auf eine Stufe gestellt. Und letztlich geht es beim Gendern nur darum, dass alle Geschlechter den gleichen Status erhalten.

Was heißt das für dich?
In deiner Sprachwelt kannst du Verantwortung übernehmen. Dies ist die kleinste gemeinsame Wirklichkeit, welche weiter oben schon beschrieben wurde. Eine liebevolle Sprachwelt führt zu einer liebevollen Gedankenwelt, was liebevolle Gefühle zulässt, wodurch sich eine liebevolle Realität ergibt.

Eine auf Wohlstand beruhende Sprachwelt, führt zu einer Gedankenwelt ohne Geldmangel, wodurch sich ein Wohlstandsgefühl einstellt – was wiederum zu anderem Erlebniseindrücken führt, wodurch sich Teile der eigenen Realität ändern und irgendwann in einer Gesamtrealität niederschlagen.

Bedenke…
Die reichste Person ist diejenige, welche nichts braucht. Auch Milliardäre fühlen sich arm, wenn sie sich mit reicheren Milliardären vergleichen. Nur die Person, welche keinen Mangel verspürt, ist wirklich reich.

Wie kommen wir dahin?
Wer immer vom Müssen, anstatt vom Wollen redet – wird niemals Verantwortung tragen. Denn schließlich wird diese Person irgendwie und von irgendwem gezwungen, etwas zu tun. Aber die Menschen neigen dazu, ein Wollen in ein Müssen zu verwandeln.

So sagt man: Ich muss zu meinen Eltern oder ich muss zur Arbeit fahren – obwohl hinter beiden Tatsachen ein Wollen steckt.

Wieso?
Angenommen du musst zur Arbeit. Dann ist es doch eigentlich so, dass du zur Arbeit fährst, um Geld zu verdienen. Du willst Geld verdienen und nur das ist der Grund dafür, dass du Arbeiten gehst, oder?

Aus dem Geld-Verdienen-Wollen wird durch deine subjektive Realitätsentfremdung ein Müssen gemacht. Und dieses Müssen führt dazu, dass du keine Verantwortung mehr trägst und stattdessen ein Spielball äußerer Umstände bleibst. Indem du aber sagst: Ich will zur Arbeit gehen, bist du wieder näher an der Wirklichkeit, hast deine Realität nicht entfremdet und vor allem behältst du die Verantwortung.

Nun kann man sagen: Ich will zur Arbeit, aber nur, weil ich Geld verdienen muss. Also steckt wieder ein Müssen dahinter, oder? Nein. Denn du willst Geld verdienen, weil du dir etwas kaufen willst, dich ernähren willst oder in einer Wohnung leben willst. Es steckt überall ein Wollen dahinter, obwohl die meisten Menschen „müssen“ sagen.

Was noch?
Ich muss meine Eltern besuchen, heißt eigentlich: Ich will meine Eltern besuchen, weil ich will – dass diese zufrieden mit mir sind oder weil ich ihren Erwartungen entsprechen will. Falls du sagst, dass du die Hausaufgaben mit deinen Kindern machen muss, bedeutet dies auch nur: Dass du die Hausaufgaben machen willst, weil du willst – dass deine Kinder gute Schulnoten bekommen.

Immer wo ein Müssen steht, solltest du also ein Wollen einfügen. So bist du näher an der Wirklichkeit und behältst die Verantwortung für dein Leben. Außerdem kommst du der dahinterstehenden Wahrheit näher, also dem Grund – warum du die Dinge tust.

Ein zweiter Punkt ist, dass viele Menschen behaupten, sie hätten keine Zeit.

Du kennst das…
Man will heute noch Sport treiben, hat aber keine Zeit. Auch das ist eine Täuschung, um das innere Selbstbild nicht zu beschädigen. Denn eigentlich hat man Zeit, will aber diese nicht dafür nutzen. Stattdessen will man lieber Fernsehgucken, Arbeiten, den Haushalt machen usw.

Und wie du eben schon erfahren hast, sind das alles Tätigkeiten – welche man machen will und niemals muss. Und wenn man keine Zeit für Sport hat, liegt das daran, dass man seine Zeit für andere Dinge opfert, welche man unbedingt machen will – wie Geld verdienen, Haushalt machen usw. Aber dann sollte man dies auch so benennen und nicht sich selbst belügen. So kommt man der Wirklichkeit näher,

Du siehst, dass das eigene Selbstbild – welches wir mühselig aufbauen – maßgeblich dazu beiträgt – die Wirklichkeit subjektiv zu gestalten. Umso mehr man das eigene Selbstbild angreift, umso näher kommt man der Wirklichkeit und umso mehr Kontrolle gewinnt man über sein Leben zurück.

Zusammenfassung

  • Subjektive Wahrnehmung entsteht durch die individuelle Interpretation und Bewertung von wahrgenommenen Reizen.
  • Die Aufnahme dieser Reize geschieht zunächst objektiv. Das heißt, Menschen nehmen denselben Reiz auch zunächst auf dieselbe Art und Weise wahr.
  • Allerdings wird hierbei vorausgesetzt, dass diese Menschen über identische Voraussetzungen verfügen. Sie müssen einen Reiz gleich gut sehen, hören oder riechen können, um ihn objektiv auf identische Art und Weise wahrzunehmen.
  • Mit der Wahrnehmung von Reizen ist auch deren Bewertung verbunden. Diese ist wiederum subjektiv. Wie wir die Welt daher letztendlich wahrnehmen, ist aufgrund verschiedener Faktoren sehr individuell.
  • Innere und äußere Aspekte können die Wahrnehmung beeinflussen. Zu den inneren Faktoren gehören etwa vorherrschende Bedürfnisse, Interessen, Wertvorstellungen oder Emotionen. Äußere hingegen beziehen sich auf den sozialen Kontext. Denn gerade die Menschen in unserem Umfeld haben einen Einfluss auf unsere Wahrnehmung.
  • Gleichzeitig sind es allerdings auch unsere eigenen Vorurteile und Erwartungen, die wir an unsere Mitmenschen stellen.
  • Unsere Wahrnehmung passt sich verschiedenen Einflüssen an und unterliegt daher auch Fehleinschätzungen.
  • Die subjektive Wahrnehmung ist schließlich nur eine Interpretation von wahrgenommenen Reizen anhand einer Vielzahl von Faktoren. Und Interpretationen sind sowohl subjektiv als auch fehleranfällig.
  • Aufgrund der individuellen Wahrnehmung, welche subjektiv interpretiert wird, ist auch die Realität eines jeden Einzelnen verschieden.

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