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Warum gibt es Waldsterben im Harz: Ursachen und Gründe


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Die Fichtenbestände im Nationalpark Harz sind derzeit durch mehrere Faktoren stark belastet. Insbesondere der menschengemachte Klimawandel führt dazu, dass immer mehr kahle, ausgestorbene Flächen entstehen. Damit der Wald sich regenerieren kann, könnte es sein, dass es notwendig wird, ihn vollkommen sich selbst zu überlassen.

Wie äußert sich das Waldsterben?

Vor ein paar Jahren sah der Wald im Harz zumindest äußerlich noch gesund aus. Doch mehrere Dürresommer in Folge zollen ihren Tribut: Die Bäume beginnen, von den Baumkronen aus zu verdorren. Ein Baum, der gesund ist, zieht das Wasser aus dem Boden und kann es problemlos bis in die Spitzen transportieren. Ist der Boden jedoch zu trocken, reicht die Flüssigkeit nicht mehr aus, um den gesamten Organismus zu versorgen. Dadurch fallen nach und nach die Blätter ab – die Baumkronen werden immer kahler.

Hinzu kommt eine dramatische Borkenkäfer-Plage, die bereits geschwächten Bäumen endgültig absterben lässt. Auch Stürme und Unwetter führen dazu, dass morsche Bäume umknicken und entwurzelt werden. Heute ist es so, dass im Harz nur noch einer von vier Bäumen gesund ist. Vor allem die Fichten sind betroffen. Zwar gab es in der Geschichte der deutschen Wälder immer schon Phasen, in denen vermehrt Bäume abgestorben sind – so viele wie heutzutage waren es jedoch noch nie.

Und nicht nur der Harz ist betroffen. Mittlerweile gibt es in Deutschland Kahlflächen, die rund 300.000 Hektar umfassen. Das ist eine Fläche, die größer ist als das Saarland. Nicht nur der Harz, auch der Frankenwald, der Thüringer Wald und das Sauerland sind massiv vom Waldsterben betroffen.

Warum stirbt der Wald im Harz?

Das Waldsterben im Harz hat mehrere Ursachen, die ineinandergreifen. Hauptsächlich sind diese allerdings vom Menschen gemacht. So verursachte die Klimaerwärmung in den letzten Jahren vermehrt Dürren, die dazu führten, dass der Boden austrocknete. Sämtliche Bäume im Harz sind aus diesem Grund trockener und instabiler geworden. Dies initiierte eine Art ökologischen Teufelskreis, da die großen Waldflächen für das Klima besonders wichtig sind.

Der Wald filtert und speichert insgesamt über 2.000.000.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid. Sind also weniger Bäume vorhanden, wird weniger CO2 gebunden – der Klimawandel schreitet noch schneller voran. Mit dem Sterben der Bäume haben es außerdem auch andere Organismen wie Insekten, Pilzarten, Waldtiere und Pflanzen schwerer, langfristig zu überleben. Auch für uns Menschen spielt der Wald als Erholungsgebiet eine wichtige wirtschaftliche Rolle. Außerdem hat es nicht zu unterschätzende gesundheitliche Vorteile, sich in der Natur aufzuhalten. Vor allem die mentale Gesundheit profitiert ungemein. Aus all diesen Gründen ist das Waldsterben keine Lappalie, sondern als eine dramatische biologische Veränderung eines überlebenswichtigen Ökosystems zu verstehen.

Reine Fichtenwälder, wie sie im Harz oft vorzufinden sind, nicht widerstandsfähig genug, um Klimaveränderungen auszuhalten. Auch an dieser Stelle ist die Verantwortlichkeit der Menschen zu betonen. Seit Jahrhunderten werden im Harz Fichtenforste in Monokulturen angebaut. Das liegt vor allem daran, dass diese Baumart schnell wächst und eine gute Holzqualität aufweist. Der natürliche Lebensraum der Fichten sind jedoch hohe Gebirgslagen, in denen es kaum Laubbäume schaffen, zu überleben.

In Höhenlagen ab 800 Metern ist die Fichte optimal angepasst. Der Borkenkäfer, der die Harzer Fichten so stark beeinträchtigt, ist in diesen Höhenlagen wiederum kaum anzutreffen. Es gibt Waldökologen, die davon ausgehen, dass die Fichtenbestände in tieferen Gebirgslagen, wie sie vielerorts in Mitteleuropa vorhanden sind, keinerlei Zukunft haben. Man kann damit rechnen, dass sich ihr Absterben in den nächsten Jahren weiterhin unaufhaltsam fortsetzen wird.

Doch auch wenn die Fichte in tieferen Lagen anfällig für Krankheiten, Schädlinge und Schäden ist, wächst sie dort noch schneller als an ihren natürlichen Standorten. Aus diesem Grund wurde sie so lange zu Zwecken der Holzgewinnung auch über den natürlichen Lebensraum hinweg angesiedelt. Im Harz ist es mittlerweile so, dass mehr als die Hälfte des Waldes von Fichten besiedelt ist. Anders war es kaum möglich, den Holzbedarf von Bergwerken und anderen industriellen Zweigen zu decken. Als damals weitläufige Fichtenwälder entstanden, war an einen globalen Austausch noch nicht zu denken. Aus diesem Grund kam es dazu, dass die ursprünglichen Laubmischwälder weitgehend von der Bildfläche verschwunden sind.

Der Borkenkäfer, der den geschwächten Fichten besonders zusetzt, verursacht meist das Absterben in deren letzter Lebensphase. Dabei ist es so, dass dieser Schädling bereits seit jeher in diesen Breitengraden seinen Lebensraum hat. Der Käfer, den man auch Buchdrucker nennt, befällt eigentlich nur alte und schwache Bäume. Starken und gesunden Individuen hingegen kann er nicht viel anhaben. Erst wenn es zu einer regelrechten Massenvermehrung kommt, können ihm auch vitale und junge Bäume zum Opfer fallen. Das Risiko hierfür ist in Wäldern, die künstlich angelegt wurden und hauptsächlich aus einer Baumart bestehen, deutlich höher. Schädlinge haben es viel leichter, sich in Monokultur-Gebieten zu vermehren.

Borkenkäferplagen gab es seit jeher. Zwischen 1770 und 1800 beispielsweise fielen der sogenannten „Großen Wurmtrocknis“ große Waldgebiete zum Opfer. Damals begann man damit, die befallenen Bäume abzuholzen, um zumindest den Rohstoff zu retten. Andernfalls war es nicht möglich, die Ausbreitung der Schädlinge zu stoppen. So gab es immer wieder Phasen, in denen Schädlingsplagen außer Kontrolle gerieten. Allerdings war es damals so, dass es meist kleinere Gebiete gab, von denen aus die Plage sich ausbreitete.

Heutzutage ist das anders. Da das gesamte Gebiet durch den Klimawandel belastet ist, gibt es sehr viele Befallsherde, die kaum noch kontrollierbar sind. Nässe und Kälte kann die Fichte trotzen. Trockenheit jedoch hält sie nur schwer aus. Gleichzeitig sorgt das trocken-warme Klima dafür, dass der Borkenkäfer sich zunehmend ausbreitet. Für ihn sind diese Lebensbedingungen ideal.

Eigentlich ist es so, dass Wälder die faszinierende Fähigkeit haben, sich an sämtliche Umweltbedingungen und Veränderungen anzupassen. Sie machen das, indem sich das Ökosystem stets so verändert, dass jene Organismen überwiegen, die am besten an den jeweiligen Lebensraum angepasst sind. Der Klimawandel jedoch bewirkt eine zu schnelle Veränderung, die zu einem regelrechten Kollaps führt. Bis neue Baumarten heranwachsen und Wälder sich von innen heraus umstrukturiert haben, vergeht viel Zeit – Zeit, die der Harz schlichtweg nicht hatte.

Was wird gegen das Waldsterben unternommen?

Eine mögliche Lösung, um das Waldsterben aufzuhalten, sind anpassungsfähige, naturnahe und nachhaltig bewirtschaftete Mischwälder. Diese mindern das Risiko großflächiger Waldschäden. In Mischwäldern können Schädlinge sich nicht so schnell verbreiten. Sie weisen eine höhere Robustheit gegenüber schwierigen Lebensverhältnissen, Dürre und Sturmböen auf. Um dem Klimawandel zu trotzen, müssen die Bäume besondere Herausforderungen bewältigen.

Je nach Standort sind verschiedene Baumarten dazu in der Lage. Nicht nur heimische Arten sind dazu geeignet – teilweise können auch eingewanderte Baumarten einen Wald stärken, solange die Artenvielfalt erhalten und der Mischwald stabil bleibt. In Bezug auf den Harz bedeutet das, dass der Wald möglicherweise in einigen Jahren ganz anders aussehen würde, als man es gewöhnt ist. Oft geht es beim Thema Naturschutz darum, die Natur so zu bewahren, wie man sie kennt. In Anbetracht der weltweiten Klimaveränderungen ist dies jedoch nicht immer möglich. So ist das Waldsterben ein Fluch und eine Chance zugleich. Es ermöglicht uns, den Wald wieder neu und gesund heranwachsen zu lassen – so, wie es natürlicherweise der Fall ist.

Noch wichtiger ist es natürlich, den Klimawandel weitestgehend aufzuhalten. Hierbei kann das Konsumverhalten eines jeden einzelnen eine wichtige Rolle spielen. Zusätzlich wird eine größere Anzahl an professionellem Forstpersonal benötigt, welches das notwendige Wissen hat, die bestehenden Wälder umzubauen und zu verändern.

Auch im Kampf gegen den Borkenkäfer gibt es mittlerweile eine Strategie. So wird ein 500 Meter breiter Sicherheitsstreifen an der Außengrenze des Harzes angelegt. Dieser soll die Nachbargebiete vor einer Ausbreitung schützen und den Schaden zunächst auf den Nationalpark Harz begrenzt halten. Der Sicherheitsstreifen wird im Übrigen ausschließlich mechanisch eingehalten – Chemikalien und Giftstoffe kommen hier nicht zum Einsatz.

Innerhalb des Nationalparks hat man das Gebiet in eine Naturentwicklungszone und eine Naturdynamikzone unterteilt. In der Entwicklungszone werden Fichtenforste gezielt geschützt. Die Dynamikzone, die 41 Prozent der Fläche des Nationalparks ausmacht, wird jedoch vollkommen sich selbst überlassen. Es gibt keinerlei Eingriffe durch den Menschen – hier entsteht also wieder ein echter Urwald. Nach und nach soll sich diese Zone dann ausdehnen können, sodass irgendwann die gesamte Naturentwicklungszone in die Dynamikzone integriert worden ist.

Zusammenfassung

  • Der Harz ist eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Deutschlands. Aktuell ist er in einem sehr schlechten Zustand.
  • Ein Großteil des Fichtenbestandes ist in den letzten Jahren Dürren, Stürmen und Schädlingen zum Opfer gefallen.
  • Ursprünglich bot es aus forstwirtschaftlicher Sicht viele Vorteile, Fichten in Monokultur anzusiedeln: Diese Baumart wächst schnell und bietet Holz in guter Qualität.
  • Den aktuellen Herausforderungen, die mit dem Klimawandel einhergehen, kann sie jedoch nicht standhalten.
  • Aus diesem Grund entstehen immer mehr kalte Flächen, die die Erderwärmung zusätzlich begünstigen.
  • Gegenmaßnahmen zielen insbesondere darauf ab, dem Wald eine neue Struktur zu geben und den Schädlingsbefall möglichst einzudämmen.
  • Man versucht, die hauptsächlich von Fichten bewachsenen Forste über eine längere Zeitspanne hinweg in einen robusten Mischwald umzugestalten, der möglichst vom Menschen unberührt bleibt.

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