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Warum ist Waldsterben in den Kammlagen der Gebirge besonders stark


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Dichte Waldgebiete mit hohen Tannen können in den Kammlagen der Gebirge bald der Vergangenheit angehören. Die Wälder sind geschädigt und große Teile vom Waldsterben bedroht. Intensive Forstwirtschaft und keine Beachtung der Nachhaltigkeit in der Holzwirtschaft haben die Wälder an den Rand ihrer Existenz gebracht. Eine Rettung könnten naturbelassene Wälder mit einer großen Pflanzenvielfalt sein. Der Tannenwald in seiner ursprünglichen Form hat allerdings nur geringe Zukunftschancen.

Was sind Kammlagen

Die Kammlagen beschreiben eine Landschaftsform, die im Gebirge vorkommt. Die Gipfel des Gebirges sind durch einen Grat verbunden. Vergleichbar ist Landschaftsform mit Perlen, die auf eine Schnur gefädelt sind und die alle eine unterschiedliche Größe haben. Die äußeren Konturen der Kette bilden eine kurvige Linie und diese Linie entspricht dem Grat oder Kamm.

Im Gebirge bildet der Kamm die höchsten Punkte der Felsformationen. Der Grat zeigt Höhenunterschiede, sodass der optische Eindruck erscheint, die Berge sind durch Einschnitte voneinander getrennt sind. Die Höhenunterschiede werden als Kammlagen bezeichnet. Die Gebirgsform wird Kammgebirge genannt. Beispiele für Kammgebirge sind die Alpen, der Ural und die Rocky Mountains. In den Mittelgebirgen finden sich Kammlagen im Taunus und im Thüringer Wald.

Ein Wald in einer Kammlage bedeutet, dass der Standort an einem Hang ist. Je nach Steigung ist der Waldboden nicht horizontal ausgerichtet und kann durch ungünstige Wetterlagen abrutschen.

Die Vegetation an den Kammlagen der Gebirge

Welche Pflanzen im Gebirge wachsen, ist von den Höhenstufen abhängig. Höhenstufen werden auch als Vegetationshöhenstufen bezeichnet. Es handelt sich dabei um Zonen im Gebirge, die spezielle klimatische Voraussetzungen haben. Die Höhenstufen beginnen am Fuß der Berge und ziehen sich in quer liegenden Streifen bis zum Gipfel durch.

Innerhalb einer Stufe ist das natürliche Pflanzenvorkommen identisch. Ein wichtiger Faktor für das Pflanzenwachstum ist die Temperatur. Mit zunehmender Höhe nimmt die Temperatur ab. Am Gipfel ist es Kälter als im Tal. Zur besseren Vorstellung können die klimatischen Bereiche in den Bergen mit den Klimazonen der Erde im Verlauf vom Äquator bis zum Nordpol verglichen werden.

Die unterste Höhenstufe ist ein Bereich mit Laubbäumen, die den jahreszeitlichen Wechsel zeigen. Abgelöst werden die Laubwälder von Mischwäldern, die schließlich in reinen Nadelwäldern auslaufen.

Dort, wo das Klima keinen Baumbewuchs mehr zulässt, befindet sich die Baumgrenze, die auch den Beginn der alpinen Hochgebirgsstufe markiert. Mit Erreichen der Baumgrenze wachsen noch kleine Sträucher und Gräser. Weiter in Richtung Gipfel wird die Landschaft von Felsen und Eis bestimmt.

Die Zonen des Gebirges, in denen Wälder vorkommen, ist ein horizontaler Streifen, der im Inneren durch die Waldgrenze begrenzt wird. Die Waldgrenze darf nicht mit der Baumgrenze verwechselt werden. In einem geschlossenen Wald berühren sich die Kronen. In den Randausläufern sind Wälder lichter und bilden fließende Grenzen zwischen den Vegetationszonen.

Wachstumsbedingungen der Bäume in den Wäldern im Gebirge

Zu einem gesunden Baumwachstum gehören Licht, Nährstoffe im Boden und Wasser. Nadel- und Laubbäume haben unterschiedliche Ansprüche an den Boden und an dessen Durchlässigkeit. Entscheidung für einen gesunden Baum ist der Standort. Ein Baum, der an einem Standort wächst, der nicht seinen spezifischen Bedürfnissen entspricht, wird krank und stirbt ab.

Ein Laubbaum verdunstet über seine Blätter in den Sommermonaten große Mengen an Wasser. Die Wurzeln verlaufen flach über den Boden und bilden ein breites Netz im lockeren Boden. Ein Nadelbaum verdunstet wenig Wasser, da die Nadeln nur eine kleine Oberfläche haben. Dennoch benötigt besonders die Fichte viel Wasser. Fichten können in den warmen Monaten viel Wasser aufnehmen und speichern. In den Kälteperioden des Jahres verbrauchen Nadelbäume den Vorrat.

Laub- und Nadelbäume benötigen für einen intakten Wald einen nährstoffreichen Boden. Im Laubwald sorgt im Herbst das abgeworfenen Laub für eine Humusschicht. Der Boden wird mit Nährstoffen angereichert und vor der Austrocknung geschützt. Im Nadelwald wird der Boden von abgestorbenen Nadeln bedeckt, die eine Ähnliche Funktion, wie das Laub erfüllen. Stehen einem Baum zu wenig Wasser und Nährstoffe zur Verfügung, wird das Wachstum gestört. Bäume erreichen nur eine geringe Wuchshöhe. Ein Wald wächst dort, wo die Standortbedingungen passen, sonst würde sich kein natürlicher Wald entwickeln. Verändern sich die klimatischen Bedingungen, so wird der Wald absterben.

Von den ersten Schäden zum Waldsterben im Gebirge

Die ersten auffälligen Schäden in den Wäldern der Kammlagen wurden in 1970er-Jahren beobachtet und thematisiert. Bezogen auf das damalige Bundesgebiet, waren die Mittelgebirge und die Kammlagen besonders stark betroffen. Zunächst zeigten sich Krankheitserscheinungen an einzelnen Bäumen. Insbesondere Tannen zeigten Schäden an den Nadeln und am Wurzelwerk.

Das kranke Wurzelwerk sorgte dafür, dass die Tannen nicht mehr ausreichend Nährstoffe und Wasser aufnehmen konnten. Die Bäume konnten nicht mehr wachsen. Es dauerte nur zehn Jahre, bis die sichtbaren Schäden sich auf große Flächen ausgedehnt haben und weitere Baumarten betroffen waren. Kiefern, Fichten, Buchen und Eichen zeigten die gleichen Symptome und das Waldsterben dehnte sich bis in die Wälder im Flachland aus. Da die großflächigen Zerstörungen der Wälder in den Kammlagen der Gebirge stattfanden, war das Absterben nur für einen kleinen Teil Bevölkerung sichtbar.

Als Verursacher des Waldsterbens wurden Schadstoffe aus der Industrie ausgemacht. Wissenschaftler befürchteten, durch die in die Böden eingebrachte Schadstoffmenge, würde es zu einem Waldsterben mit außergewöhnlichem Ausmaß kommen. Das Schlagwort der 1980er-Jahre war der saure Regen. Durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe wurde eine große Menge Schwefel in die Luft ausgestoßen. Über den Niederschlag gelangte der Schwefel als Sulfat in den Boden und schädigte die Wälder.

Die Politik steuerte gezielt gegen den Ausstoß und heute verringern Rauchgasentschwefelungsanlagen die hohen Konzentrationen in der Atmosphäre. Die Wälder erholten sich und Nordeuropa hat das Waldsterben zu Beginn der 2000er-Jahren offiziell für beendet erklärt. Zwanzig Jahre später sind die Schäden in den Wäldern zurück und das Sterben der Wälder in Kammlagen hat sich verstärkt.

Einfluss von intensiver Holzwirtschaft auf das Waldsterben

Der Wald ist aus ökonomischer Sicht ein wichtiger Faktor. Holz ist ein wertvolles Material und der Bedarf ist weltweit groß. Ein forstwirtschaftlich genutzter Wald ist aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll und für strukturschwache Regionen notwendig.

Eine nachhaltige Forstwirtschaft nimmt nicht mehr, als die Natur hergibt. Eine intensive Forstwirtschaft nimmt mehr und achtet nicht ausreichend auf die Ressourcen. Die Kammlagen der Gebirge sind ein Gebiet, das intensiv für die Holzwirtschaft genutzt wird.

Die Wälder sind häufig Monokulturen, der Baumbestand besteht nur aus einer Baumart. Aus biologischer Sicht entsprechen Monokulturen nicht einem natürlichen Wald und das ökologische Gleichgewicht ist nicht ausgewogen. Die Interessen der Holzwirtschaft befürworten die Reduzierung auf eine Baumart.

Je ertragreicher eine Holzart ist, desto häufiger werden die entsprechenden Bäume gepflanzt. Die Standorte sind nicht auf die Bedürfnisse der Bäume ausgerichtet. Es wurden Baumarten in Vegetationszonen gepflanzt, die für den Standort nicht geeignet waren. Die Forste in den Kammlagen haben sich daraus resultierend zu einem instabilen System entwickelt und sind anfällig für klimatische Veränderungen und Schädlinge geworden.

Veränderte Wetterbedingungen verändern das Ökosystem Wald

Die außergewöhnlich trockenen und heißen Sommer der letzten Jahre haben das Ökosystem Wald in den Kammlagen angreifbar gemacht. Die Trockenheit hat für Schäden an den Nadelbäumen gesorgt und das Wachstum verlangsamt. Der Boden im intakten Wald speichert Wasser. Die Bäume können ihren Wasserbedarf über Niederschläge decken. Ohne Regen und Schnee trocknet der Boden aus und das Grundwasser sinkt ab.

Trockener Boden ist anfällig für Erosion durch Wind. Vorschäden haben den Baumbestand lichter gemacht. Damit bieten die Wälder in den Kammlagen eine große Angriffsfläche für Stürme und die oberen Bodenschichten werden vom Wind abgetragen. Die nährstoffreiche obere Schicht steht den Bäumen nicht mehr zur Verfügung.

Schwere Böden aus Lehm werden bei Trockenheit hart und können Regen schlechter aufnehmen. Die Folge daraus sind Niederschläge, die oberflächlich abfließen und über Flüsse und Entwässerungsanlagen aus den Waldgebieten herausgetragen werden. Wissenschaftler sind auf eine hohe Sulfatkonzentration in Flüssen aufmerksam geworden, die einen Zufluss aus Waldgebieten haben. Es besteht die Möglichkeit, dass im Boden gespeichertes Sulfat, das in den 1980er-Jahren eingebracht wurde, wieder freigesetzt wird und nach vielen Jahren an der Schädigung von Wäldern beteiligt ist.

Extreme Wetterbedingungen treffen auf einen Wald, der durch intensive Forstwirtschaft geschwächt ist. In einem gesunden Wald sind die Auswirkungen von Trockenheit, Stürmen und Schädlingen gut regenerierbar. Der Wald kann sich selbstständig erholen. Solange die wichtigen Standortbedingungen vorhanden sind, führen die äußeren Einflüsse nicht zum Waldsterben.

Beobachter des Wetters über die letzten Jahrzehnte konnten eine Temperaturerhöhung im Jahresmittel feststellen. Die Höhenstufen verändern sich durch die Erwärmung. Das bedeutet für die Wälder in Kammlagen eine Verschiebung und langfristig eine Verkleinerung der Vegetationszone. Gleichzeitig wurden die Niederschlagsmengen im Jahresmittel aufgezeichnet. Die Niederschlagsmenge hat sich dabei nicht verringert. Die Niederschläge sind jedoch nicht mehr gleichmäßig über das Jahr verteilt. Der Regen ist im Sommer weniger geworden. In den Wintermonaten fällt im Gegensatz dazu mehr Niederschlag.

Waldtiere können Bäume schädigen

Ein letzter Faktor, der zu einer Erkrankung der Wälder führt, ist eine zu hohe Dichte an Wildtieren in einem Gebiet. Gefährdete Wildtiere wurden zum Erhalt der Art unter Schutz gestellt. In Gebieten mit einer hohen Population führen Fressschäden zu einer Erkrankung der Bäume. Die natürliche Regulierung der Population ist durch den Eingriff des Menschen aus dem Gleichgewicht geraten. Ursprünglich ist die Anzahl an Jungtieren abhängig vom Nahrungsangebot.

In mageren Jahren ist die Fortpflanzung der Tiere eingeschränkt. Auf nahrungsreiche Jahre folgen entsprechend mehr Jungtiere. Aufforstungen in den Kammlagen sorgen für ein dauerhaftes Futterangebot. Die natürliche Geburtenregulierung ist nicht im Gleichgewicht. Zu viele Tiere auf einer kleinen Fläche reduzieren zusätzlich zur Forstwirtschaft das Nachwachsen von gesunden Bäumen.

Experten sehen als Hauptursache für das Waldsterben, dass die natürlichen Schutzbarrieren, die gesunde Wälder haben, zerstört sind. Daher führen Extremwetterlagen, Schädlinge und Klimaveränderungen zu einem großflächigen Waldsterben, das in den Kammlagen beobachtet werden kann.

Der Borkenkäfer

Der Borkenkäfer zählt aktuell zu den größten Schädlingen im Forstwald, die große Baumflächen absterben lassen können. Bäume bilden zwischen Borke und Holz eine Schicht aus, die als Bast bezeichnet wird. Im Bast verlaufen Versorgungsbahnen, die den Baum bis in jeden Ast mit Wasser und Nährstoffen versorgen. Der Lebensraum der Borkenkäfer befindet sich in der Borke und hier legen die weiblichen Tiere ihre Eier ab. Nach dem Schlüpfen beginnen die Larven das Bast der Bäume zu fressen. Die Versorgungsbahnen werden zerstört und der Baum stirbt.

Borkenkäfer suchen sich ihre Wirtsbäume nach Kriterien aus, die bisher nicht in außerordentlichem Umfang erforscht wurden. Befallen sind immer Nadelbäume und in den Monokulturen finden Borkenkäfer eine große Anzahl an Bäumen, die als Wirt in Frage kommen.

Nach heutigem Erkenntnisstand strömen verletzte und erkrankte Bäume Pheromone aus. Diese Duftstoffe locken bestimmte Arten von Borkenkäfern an. Wälder in Höhenlagen und durch Sturm geschädigte Gebiete zählen ebenfalls zu den bevorzugten Brutplätzen der Borkenkäfer. Untersuchungen zeigen, dass von fünf Bäumen in den Gebirgswäldern vier Krankheitszeichen aufzeigen. Die Borkenkäferpopulation hat sich in den Jahren 2018 und 2019 vervielfacht. Die extreme Wetterlage in den letzten Jahren hat für einen starken Anstieg der Käferzahl geführt. In den Wäldern der Kammlage hat dies zu einem intensiven Absterben von Nadelbäumen geführt.

Können Wälder geschützt werden

Umwelt– und Naturschützer haben schon verschiedene Ansätze zu Erhalt der Wälder kommuniziert. Der Weg soll wegführen von der intensiven wirtschaftlichen Nutzung. Für die Wälder in Gebirgslagen bedeutet dies eine Umwandlung vom reinen Nadelwald in einen Laubmischwald. Das Ziel sind naturbelassenen Wälder in Mischformen mit so wenigen Eingriffen von außen wie möglich.

Laubmischwälder bilden mit ihren Kronen ein dichtes Blätterdach. In den Sommermonaten ist es im Wald kühler als in der Umgebung. Das schützt die Bodenstruktur und der Wald kann Wasser speichern. Der Grundwasserspiegel in den Kammlagen ist vom Niederschlag abhängig. In den Höhenlagen sind das Regen und Schnee. Der Niederschlag ist in einem gesunden System ausreichend für die Versorgung der Vegetation. Wasserentnahme durch Industrie und Landwirtschaft haben für ein Absinken des Grundwasserspiegels gesorgt. Strengere Entnahmeregelungen und der Rückbau von Entwässerungsleitungen führen zu einem Anstieg der Grundwassers.

Zusammenfassung

  • Die Wälder in Kammlagen befinden sich in spezifischen Höhenlagen eines Gebirges.
  • Mit zunehmender Höhe wandelt sich der Laubwald zum Mischwald und schließt mit einem Nadelwald ab.
  • Jede Waldform hat individuelle Ansprüche an die Temperaturen, den Nähstoffbedarf und die Wasserversorgung.
  • Viele Wälder in den Kammlagen sind für Nutzung der Holzwirtschaft aufgeforstet worden.
  • Biologische und naturnahe Faktoren wurden in der Forstwirtschaft nicht in den Vordergrund gestellt.
  • Falsche Standortentscheidungen und intensive Forstnutzung haben den Wald geschwächt. Aus einzelnen kranken Bäumen hat sich ein flächenmäßiges Absterben entwickelt.
  • Der geschwächte Wald ist anfällig für äußere Einflüsse. Der Widerstand gegen Schädlinge und Wetterextrem ist gering. Besonders in den Kammlagen haben Sturm und Regen große Angriffsflächen.
  • Ein Wald aus einer einzigen Art von Nadelbäumen ist ein bevorzugter Lebensraum von Borkenkäfern. Mit den schwächer werdenden Wäldern und den Wetterveränderungen haben sich die Lebensbedingungen für Borkenkäfer verbessert.
  • Lösungsansätze zur Rettung der Wälder sehen den Rückzug des Menschen und eine sich selbst überlassende Waldform vor. Mit Hinblick auf die steigenden Temperaturen der Erde wird daraus vermutlich eine Mischform entstehen.

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