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Weströmische Reich


Das Weströmische Reich bzw. Westrom oder Westreich genannt – war ein Kaiserreich, welches aus der Teilung des Römischen Reiches (Jahr 395) hervorging. Das Gegenstück zum Westreich war das Oströmische Reich mit Konstantinopel als Hauptstadt. Westrom umfasst zu Beginn seines Bestehens die heutigen Länder: England, Portugal, Spanien, Italien, Niederlande, Luxemburg, Belgien – sowie den Mittelmeerraum Nordafrikas mit Ausnahme Ägyptens, welches an Ostrom fiel.

Das genaue Ende des Weströmischen Reiches ist umstritten, wird allerdings im 5. oder 6. Jahrhundert gesehen, nachdem das Reich von innen heraus zerfiel und durch die anhaltenden Kämpfe mit den Germanen und Hunnen geschwächt wurde.

Was gehörte zum Weströmischen Reich: Gebiete und Kolonien

Zum Zeitpunkt der Reichsteilung um 395 gingen folgende Gebiete an das Weströmische Reich:

Verluste und Zerfall des Weströmischen Reich

Bereits wenige Jahre nach der Reichsteilung war des Weströmische Reich äußerst instabil. Im Jahr 406 brach die Grenze entlang des Rheins zusammen und Vandalen drangen in das Weströmische Reich ein. Sie besetzten einzelne Bereiche in Germanien und drangen regelmäßig weiter nach Süden vor. Auf ihren Plünderungszügen erreichten sie im Jahr 410 sogar die Stadt Rom. Dennoch blieben diese Bereiche stets unter weströmischer Herrschaft.

Ähnlich verhielt es sich in den Jahren 409 bis 415 in Hispanien. Auch hier fielen verschiedene germanische Stämme ein und besetzten einzelne Gebiete, konnten jedoch zurückgeschlagen und in einzelnen Fällen sogar in das Reich eingegliedert werden.

Außerdem kam es in den Provinzen zu ständigen Veränderungen, Aufständen, Kriegen. Ab dem 3. Jahrhundert setze eine massive Völkerwanderung ein. Immer mehr Stämme und Völker drangen ins Reich vor und siedelten auf römischen Boden. Die alte Bevölkerung war teilweise durch Epidemien stark dezimiert worden (Pocken).

Neben strukturellen Problemen sollen auch die Dekadenz der weltlichen und religiösen Führer sollen auch innerrömische soziale Umbrüche für den Zerfall des einstigen Weltreiches verantwortlich gewesen sein.

Obwohl das Weströmische Kaisertum nach der Reichsteilung im Jahr 395 n. Chr. nur noch 81 Jahre bestand, hatte es in dieser Zeit zwölf anerkannte Herrscher. Dazu kamen zahlreiche Versuche von nicht legitimen Herrschaftsanwärtern (Usurpatoren), die Macht im Reich an sich zu bringen. Sie Situation war also alles andere als stabil und bei einem Reich dieser Größe wäre die stabile Verwaltung eine Grundbedingung für den Fortbestand und die wirtschaftliche sowie soziale Blüte gewesen.

In den 420er-Jahren fiel Hispanien und ging an die Sueben, einem weiteren germanischen Volksstamm. Auch in Britannien gingen Gebiete an die rebellierenden Sachsen verloren.

Unter Kaiser Valentinian III kam es zu weitläufigen Kriegen mit den Vandalen unter deren König Geiserich. Im Jahr 439 wurde Karthago von den Vandalen erobert, womit auch die gesamte Provinz Africa verloren ging. Auch in Mitteleuropa gingen zahlreiche Gebiete an die germanischen Stämme verloren. Gegen 450 kontrollierte das Weströmische Reich nur noch die italienische Halbinsel inkl. Sizilien, das angrenzende Norikum (heutiges Österreich) sowie eine kleine Enklave in Nordwest-Gallien.

In den kommenden Jahren versuchte das Weströmische Reich immer wieder, einige der verlorenen Gebiete zurückzuerobern. Jedoch war das Reich äußerlich wie innerlich geschwächt und interner Machtkämpfe verhinderten größere Expansionserfolge. Erst zur Zeit des Oströmischen Kaisers Leo I gelang es durch gemeinsame Bemühungen Ost- und Weströmischer Truppen die Vandalen verstärkt zu bekämpfen. Diese Kämpfe waren jedoch nicht von Erfolg gekrönt. Sowohl in Afrika als auch in Hispanien unterlagen die römischen Truppen.

Fall des Weströmischen Reiches

Romulus Augustus war zwischen 460 und 476 der letzte Kaiser des Weströmischen Reiches, der in Italien herrschte. Sein Nachfolger wurde im Jahr der Heerführer Odoaker, welcher sich bereits im Kampf gegen die Hunnen bewies. Odoaker wurde nicht mehr als Weströmischer Kaiser geführt. Die Linie der weströmischen Kaisertitel endet somit mit Romulus Augustus. Die verbliebenen Herrschaftsbereiche, welche Westrom noch innehatte waren Italien, Sizilien und Norikum. Diese gingen an Odoaker über.

Im Machtvakuum der anderen Gebiete in Mittel- und Westeuropa, entstand zwischen 476 und 480 das Frankenreich, welches von den Franken – einem Zusammenschluss westgermanischer Kriegerverbände, gegründet wurde. Das Frankenreich gilt als bedeutendster Nachfolgestaat des Weströmischen Reiches.

Das Oströmische beziehungsweise Byzantinische Reich überdauerte den Zusammenbruch des weströmischen Kaisertums um viele Jahrhunderte. Doch auch Ostrom/Byzanz schrumpfte bis zum endgültigen Untergang 1453 n Chr. ständig.

Was blieb von Rom bzw. dem Weströmischen Reich

Obwohl den in Westrom herrschenden neuen Machthabern teilweise die Kaiserkrone angeboten wurde, lehnten sie ab. In dieser Zeit der Führungslosigkeit wuchs zumindest in der Stadt Rom die Macht der Kirche. Die Bischöfe von Rom nahmen ab dem 4. Jahrhundert an Bedeutung und Einflussnahme zu. Das Papsttum entwickelte sich.

Rom als Stadt blieb bis heute erhalten. Im Jahr 550 fand auf dem Forum Romanum nachweislich das letzte Wagenrennen statt. Dann zerfielen die alten Monumente langsam. Wäre Rom nicht ein christliches Zentrum gewesen, wäre die Stadt vielleicht ganz verschwunden.

Durch die Entwicklung des Kirchenstaates (Patrimonium Petri) und des Papsttums blieb Rom als kulturelles und religiöses Zentrum erhalten. Im frühen Mittelalter war die Stadt neben Jerusalem und Santiago de Compostela der bedeutendste Wallfahrtsort des Christentums.

Allerdings sahen sich sowohl die kirchlichen Herrscher als auch die verbliebenen Siedler immer wieder Überfällen und Plünderungen ausgesetzt. Im 8. und 9. Jahrhundert fielen dreimal muslimische Araber ein. Es folgten Belagerungen und Angriffe durch Langobarden, Sarazenen und Normannen. Die Bevölkerung von Rom schrumpfte auf 20.000 Einwohner zusammen.

Erst mit dem Einsetzen der Renaissance (zwischen 1400 und 1620) blühte die Stadt Rom wieder auf und wird bis heute als die „ewige Stadt“ gefeiert.

Vom römischen Weltreich sind neben der unauslöschbaren Geschichte zahlreiche Monumente in allen Provinzen geblieben. Zudem gilt die römische Kultur als eine Wegbereiterin für die moderne Verwaltung, den Stadtbau, soziale Strukturen, die Bäderkultur, den Weinbau und das zivilisierte Leben in allen ehemals besetzten Regionen.

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