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Sigmund Freuds Nachkommen: Kinder und Enkel


Martha und Sigmund Freud hatten 6 Kinder, welche im Zeitraum zwischen 1887 und 1895 geboren wurde. Alle Kinder genossen eine Erziehung, welche auf Disziplin, Fleiß und Bildung setzte, was man deutlich an den Lebensläufen von Kindern und Enkeln erkennen kann.
 

Mathilde Freud (1887 – 1978)

Das älteste Kind der Familie Freud machte ihren Eltern oft Sorgen. Denn Mathilde Freud war allzu oft kränklich, überlebte nur knapp eine Bakterieninfektion und eine Blinddarmentzündung. Später war sie mit dem Textilhändler Robert Hollitscher verheiratet, hatte aber nie Kinder. 1938 floh sie nach London, wo sie 1978 starb.
 

Jean Martin Freud (1889 – 1967)

Jean Martin Freud, welcher lediglich Martin gerufen wurde – war das schwarze Schaf der Familie. Sigmund Freud erwähnte gegenüber seinem Schüler Carl Gustav Jung, dass er und seine Frau Martha in dem Jungen seinen Schwager Elias gesehen haben. Diesen hat Sigmund Freud einmal unterstellt, dass er das Familienerbe vor Martha zurückgehalten habe, wodurch ein Familienstreit entfacht war.
 
Martin Freud studierte Jura, war Soldat im ersten Weltkrieg und wurde zum letzten Leiter des „Internationalen Psychoanalytischen Verlages“, bevor die Nazis diesen übernahmen. Die Leitung geschah auf Anraten seines Vaters, da der Verlag kurz vor dem Bankrott stand.
 
Während des zweiten Weltkrieges floh Martin nach England, heirate dort und starb 1978 in Hove, einem Ort in Sussex (England). Seine Tochter aus erster Ehe, namens Sophie, floh mit ihrer Mutter in die USA, studierte Psychologie und Pädagogik und wurde zu einer bekannten Sigmund Freud-Kritikerin.
 

Oliver Freud (1891 – 1969)

Oliver Freud war drittes Kind von Martha und Sigmund Freud. Er diente, genauso wie sein älterer Bruder Martin, im ersten Weltkrieg. Vater Sigmund Freud erkannte früh das Potential des Jungen, welcher einen ausgeprägten analytischen Verstand besaß. Allerdings litt Oliver an Zwangsneurosen und einem Drang zum Perfektionismus.
 
Nach seinem Studium ließ er sich in Berlin nieder, bevor er nach Frankreich auswanderte. Am Ende des 2. Weltkrieges floh Oliver mit seiner Frau Henny in die Vereinigten Staaten. Ihre gemeinsame Tochter Eva Freud blieb in Frankreich zurück und starb 1944.
 

Ernst Freud (1892 – 1966)

Ernst Freud war der Künstler in der Freud Familie. Er studierte Architektur in München, lebte danach in Berlin und ging 1933 als Emigrant nach London. Dort fasste er schnell Fuß, entwarf dort Wohnanlagen, das Restaurant „Wartime Meals Centre“ und 1955 die Synagoge Stepney Green in London.
 
Als 1938 seine Eltern als Emigranten nach London flüchteten, entwarf er die Inneneinrichtung. Mit Ehefrau Lucie hatte er drei Kinder: Stephan, Lucian und Clemens. Stephan wurde Verleger. Sein Bruder Clemens, welcher sich später Clement nannte, wurde geadelt, ein berühmter Kinderbuchautor und Politiker. Die größte Karriere machte allerdings der mittlere Sohn, namens Luciens. Durch seine Porträtmalerei wurde er zu einem der berühmtesten Künstler des 20. Jahrhunderts, malte ein umstrittenes Porträt der Queen Elizabeth Ⅱ. und gilt als radikaler Aktmaler.
 

Sophie Freud (1893 – 1920)

Sophie Freud wuchs ebenfalls in Wien auf und verlobte sich 1913 heimlich mit dem Hamburger Max Halberstadt. Sie heiraten kurz darauf und 1914 bekam Sophie ihren ersten Sohn Ernst. Der zweite Sohn Heinz Rudolph folgte vier Jahre später.
 
Im Januar 1920 erkrankte Sophie an der spanischen Grippe, welche ab 1918 kursierte und an der Schätzungen zufolge zwischen 20 und 50 Millionen Menschen starben. Auch Sophie starb kurze Zeit nach der Infektion. Aufgrund der Nachkriegsfolgen und der Pandemie waren zu ihrer Einäscherung lediglich ihre Brüder Martin und Ernst zugegen.
 
Ihr Sohn Ernst Halberstadt nahm später den Mädchennamen seiner Mutter an und wurde unter Ernst Freud ein bekannter Psychoanalytiker. Ihr zweiter Sohn Heinz Rudolph, genannt Heinerle, sollte bei seiner Tante Mathilde Freud aufwachsen. Das Kind starb allerdings ebenfalls früh an einer Tuberkulose.
 

Anna Freud (1895 – 1982)

Anna Freud war kein Wunschkind. Zurückblickend schrieb sie als Erwachsene, dass sie sich im elterlichen Haus anfangs wie eine Fremde, wie ein ungebetener Gast vorkam. Weiterhin litt sie unter ihren großen Schwestern Mathilde und Sophie, welcher schöner und charmanter wirkten.
 
Als sie dann noch strickte, erkannte Sigmund Freud eine Ersatzbefriedigung darin. Er glaubte, dass Stricken und Weben dazu dient, einen schamhaarähnlichen Vorhang zu erschaffen, welche die Penislosigkeit überdecken sollte. Sie ging bei ihm in die Lehre und wurde zwischen 1918 bis 1920 und zwischen 1922 bis 1924 von ihm lehrbehandelt.
 
Damals war sie bereits 23 Jahre und ausgebildete Lehrerin. Einige Freud-Kritiker, allen voran Sophie Freud (Martins Tochter), beschrieben die Behandlung Annas als emotionalen Inzest. Anna war entrüstet und konzentrierte sich auf ihr eigenes Ziel: Die Kinderpsychoanalyse.
 
Die Kinderanalyse wurde bereits durch Melanie Klein, einer Schülerin Abrahams (Berliner Schule der Psychoanalyse), vorangetrieben. Klein war der Auffassung, dass Kinder ohne Eltern behandelt werden müssten, da die Privatsphäre der Kinder bewahrt werden und Kinder zur Eigenständigkeit herangeführt werden müssen.
 
Anna Freud vertrat eine andere Auffassung, da sie glaubte – dass kindliche Neurosen ihren Ursprung im elterlichen Konflikt haben, müssten die Eltern bei der Behandlung zugegen sein, mit behandelt werden und kooperieren.
 
Ab 1925 rief Anna das Kinderseminar ins Leben. Genauso wie ihr Vater zuvor, die Mittwoch-Gesellschaft gegründet hat, um die Psychoanalyse voranzubringen, begann Anna nun im Kinderseminar zu wirken.
 
Dem Kinderseminar wohnten Marianne und Ernst Kris, Anni Katan, Robert Wälder, Wilhelm Reich und Jeanne Lampl-de-Groot bei. Ihre Aufgabe war es sich auszutauschen, Theorien und Praktiken zu entwickeln, um die Kinderanalyse voranzutreiben.
 
Anna lebte seit 1925 mit Dorothy Burlingham zusammen. Beide wiesen allerdings eine homosexuelle Beziehung von sich. Dorothy war Millionenerbin und hatte bereits Kinder. Diese wurden zu Annas Familie. Zusammen errichteten sie nach Kriegsende die Hampstead Nurseries, ein Heim für Kriegswaisen.
 
Nach dem Tod ihres Vaters (1939) trat sie dessen Erbe an, wurde zum Aushängeschild der Psychoanalyse und verbrachte viel Zeit auf Kongressen, Lehrveranstaltungen und Seminaren. Zusammen mit ihren Eltern, Dorothy Burlingham und ihrer Familie emigrierte Anna (1938) nach London. Dort lebte seit 1926 bereits Melanie Klein, weshalb es in England zu hitzigen Debatten bezüglich der Kinderanalyse kam. Die Kontroverse mit Melanie Klein hatte zur Folge, dass sich die psychoanalytische Vereinigung Großbritanniens in verschiedene Lager spalteten.

familiäre Hintergründe bei Sigmund Freud

Durch das 1958 erschiene Buch „Glory Reflected“ wurden einige Familienangelegenheiten der Freuds aufgedeckt und öffentlich gemacht. Martin Freud veröffentlichte das Erinnerungsbuch seines Vaters anlässlich seines 100-jährigen Geburtstages. In diesem Buch werden familiäre Beziehungen, Urlaubserinnerungen und Hintergründe zu gemeinschaftlichen Aktivitäten gezeigt.
 
Einige Dinge werden im Buch oder in Briefen Freuds deutlich. Die Töchter wurden anders erzogen als die Söhne. Sigmund Freud, welcher in seiner beruflichen Praxis hauptsächlich Frauen therapierte und somit einen Anteil an der Frauenbewegung des 19. und 20. Jahrhunderts hatte, erzog seine Töchter streng konventionell. Sie sollten die Hausarbeit von ihrer Mutter lernen und späteres Glück als Ehefrau und Mutter finden.
 
Dass das Nesthäkchen Anna sein geistiges Erbe antreten sollte, war sicherlich nicht geplant. Denn ursprünglich war sein Schüler Carl Gustav Jung vorgesehen, welcher später als Abweichler verschrien wurde. Somit war Anna wahrscheinlich die letzte bleibende Chance, seine Lehre – wie er sie verstand und verbreitet wissen wollte – weiterzugeben.
 
Sophie Freud, Tochter von Martin Freud, kritisierte ihren Großvater später öffentlich für diesen Entschluss. So beschreibt sie die Lehranalyse bei Tochter Anna als emotionalen Inzest. Sigmunds zweiter Sohn Oliver wollte sich einer Lehranalyse durch den Vater ebenfalls unterziehen, jedoch stand dieser Umstand für Vater Freud nicht zur Debatte.
 
Sophie Freud unterstellte ihrem Großvater daraufhin, dass er Skrupel gegenüber einem „ödipalen“ Sohn gehabt hätte, da dieser ihn und sein Erbe vernichten könnte. Die Tochter, welche dem ödipalen Trieb nicht folgt, kann im Schatten ihres Vaters bleiben, was der Sohn nicht vollbracht hätte.
 
Aus dem Familienbuch der Freuds wird aber dennoch deutlich, dass Sigmund ein begeisterter Vater war. Er galt als unangefochten, war dabei allerdings nicht streng. Seine Kinder benannte er nach seinen Vorbildern, Mentoren oder Freunden.
 
Die Kinder wurden zu Anstand, Fleiß und Verantwortung erzogen, was ihre einzelnen Biografien und das Geleistete auch deutlich belegen. Dennoch drehte sich fast alles um das Werk, welches Freud hinterlassen wollte. Familienurlaube, Freizeit und Abendessen waren terminiert und mussten zeitlich eingehalten werden. Abweichungen gab es bei ihm nicht, da dies seine Arbeitszeit gefährden würde.
 
Dadurch, dass Praxis und Wohnung in der Berggasse 19, die selbe Adresse waren, sparte er jede Menge Zeit, konnte nach dem Abendessen nochmal arbeiten oder die Arbeit zu bestimmten Anlässen unterbrechen.
 
Planer und Gestalter hinter Sigmund Freud war seine Ehefrau Martha, welche dafür sorgte, dass die zeitlichen Termine eingehalten wurden. Sie stellte ihr eigenes Leben und ihre Liebe zur Schriftstellerei zurück, um im Schatten ihres bedeutenden Mannes zu leben.
 
Weiterhin verzichtete Martha auf jegliche jüdischen Gebräuche, es wurde nicht nach alter Sitte („koscher“) gekocht. Selbst die jüdischen Feiertage wurden im Hause Freuds nicht gefeiert. Die Jungen wurden nicht beschnitten oder einem anderen religiösen Ritual unterzogen.
 
Das Thema Psychoanalyse war allerdings im privaten Verkehr tabu. Martha setzte sich mit der Theorie ihres Mannes nicht auseinander und für die sittenbehaftete Frau hatte die Überzeugung ihres Mannes etwas Anrüchiges. Feldstudien und Experimente mit den Kindern waren deshalb ausgeschlossen. Für Freud blieben somit lediglich stille Beobachtungen seiner Familie, welchen er dann in seinem Arbeitszimmer nachging.


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