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Sprache und Kultur im Byzantinischen Reich


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Bilder vom letzten Abendmahl unterscheiden sich in der orthodoxen Darstellung, welche ihren Ursprung im byzantinischen Reich hatte, von der römisch-katholisch geprägten Kultur.


Die byzantinische Kultur begann griechisch-hellenistisch, war über Jahrhunderte hinweg vom Römischen Reich geprägt und entwickelte sich schließlich zu einem ganz eigenen Stil.

Kulturelle und staatliche Einflüsse in Byzanz

Das Byzantinische Reich bestand mehr als tausend Jahre. Es ging aus dem Römischen beziehungsweise Oströmischen Reich hervor.
Obwohl die Stadt Byzanz lange unter römischer Herrschaft stand, bestand in der antiken Metropole am Bosporus von Beginn an eine ganz eigene Vermischung der Kulturen.

Gegründet wurde die Stadt um 660 v. Chr. von griechischen, makedonischen und thrakischen Völkern. Später kamen die Römer. Im Laufe der Geschichte wurde Byzanz zur Hauptstadt eines Reiches mit Provinzen in Südosteuropa, Kleinasien und Nordafrika.

330 n. Chr. verlegte der erste römische Kaiser, Konstantin der Große, die Residenz des Reiches nach Byzanz. Konstantins Vorfahren stammten aus Regionen auf dem Balkan.

Nach der Trennung des Reiches in West– und Ostrom (395 n. Chr.) entwickelte der östliche Teil zunehmend eine eigene Kultur und entwickelte sich schließlich zum bis heute legendären Byzantinischen Reich.

Byzantinische Kultur

Das Reich Byzanz war von Beginn an eine Mischung aus römischer-christlicher Kultur, griechisch-hellenistischen sowie später auch zunehmend orientalischen Einflüssen.

Während der Zugehörigkeit zu Gesamt-Rom waren die römischen Einflüsse selbstverständlich größer. Ab dem 7. Jahrhundert nahmen der griechische Einfluss in Byzanz wieder zu. Das römische Erbe blieb zwar bestehen, dennoch entwickelte sich im Osten eine ganz eigene Kultur.

Sprache

Selbst während der römischen Regentschaft sprachen viele normale Bürger von Byzanz Griechisch. Die Oberschicht, Politiker, Kaiser und Soldaten sprachen Latein oder beide Sprachen.

Auch nach der Reichstrennung blieben das römische Staatssystem und die lateinische Sprache noch lange erhalten. Die Kontakte zwischen Ost- und Westreich verloren sich erst durch den Untergang Westroms im 5. Jhd. n. Chr.

Im 6. Jhd. war Kaiser Justinian schließlich der letzte Regent von Byzanz, der Latein sprach. Danach setze sich Griechisch wieder durch und war bis zum Ende von Byzanz (1453 n. Chr.) Amts- und Umgangssprache in Byzanz.

Religion

Bevor Kaiser Konstantin der Große nach Byzanz kam, wurden in der Stadt diverse griechisch-hellenistische und römische Gottheiten verehrt.
Konstantin war der erste Kaiser Roms, der das Christentum im Reich aktiv förderte. Er selbst soll den Grundstock für die Hagia Sophia, eine der bekanntesten Kirchen der Welt gelegt haben, indem er einen heidnischen Tempel mit einer ersten Kirche überbauen ließ.

Schon 393 n. Chr. wurde das Christentum die römische Staatsreligion. In Byzanz blieb das Christentum auch nach der Trennung die einzige Reichsreligion. Ab 1054 n. Chr. entwickelte sich in Byzanz die orthodoxe Kirche aus dem römisch-katholischen Christentum.

Während der ganzen Zeit seines Bestehens blieben Kunst, Kultur, Kirche und Staat im Byzantinischen Reich stets eng verbunden. Dabei spielten christliche Werte wie Bescheidenheit und Einfachheit oft eine größere Rolle als im Westen. Gut möglich, dass diese Einstellung dazu betrug, dass Byzanz das einst pompöse Römische Reich um fast 1000 Jahre überlebte.

Der byzantinische Architekturstil

Vom alten Byzanz sind leider kaum alltägliche Gebäude erhalten geblieben. Wie die Unter- und Mittelschicht des Reiches wohnte und lebte, ist kaum überliefert. Berühmt wurde der byzantinische Architekturstil vor allem durch beeindruckende Kuppelbauten, die als Kirchen dienten.

Die Hagia Sophia ist bis heute das bekannteste und am besten erhaltene byzantinische Bauwerk. Ganz anders als westliche Kirchen und Kathedralen wurde die raffinierte Konstruktion aus Kuppeln, Halbkuppeln auf einem fast quadratischen Grundriss konstruiert. Legendär ist die Kirche für ihre scheinbar schwebende Galerie und einem Dach, das sich ins Unendliche fortzusetzen scheint.

Weitere byzantinische Bauwerke, die bis heute erhalten sind, die Klemenskirche in Ankara, die Apostelkirche in Istanbul und die Johanneskirche in Ephesos.

Malerei

Die byzantinische Malerei wird heute überwiegend mit der Ikonenmalerei verbunden. Diese zumeist auf Holz gemalten, kleinen bis großen Heiligenbilder zeigen Darstellungen von Christus, Maria, Bibelszenen oder Heilige der byzantinischen Kultur.

Byzantinischen Ikonen waren üppig mit Gold verziert und zeigen schmale Gesichter mit dünnen Gliedmaßen und einem kreisrunden Heiligenschein. Besonders beliebt war in Byzanz die Hodegetria, eine Darstellung der Mutter Gottes mit dem Christuskind auf dem linken Arm.

Im 8. Jhd. gab es einen heftigen Streit unter byzantinischen Klerikern. Einige sahen das Gottesgebot, „Du sollst dir kein Bild von mir machen“, durch den Ikonenkult unterlaufen. Während des sogenannten Bilderstreits (726-843) wurden viele Bildnisse zerstört oder mussten auf Anweisung des Kaisers abgenommen werden.

Neben der Ikonenmalerei sind byzantinische Buchmalereien, einige Wandmalereien, die Mosaikkunst und Fresken erhalten. Genauso wie einige wenige Funde von Skulpturen und Schnitzereien zeigen die Kunstwerke fast ausschließlich christliche Motive. (siehe Hauptartikel: byzantinische Kunst)

Byzantinische Literatur

Die Kaiser und Oberschicht von Byzanz war ähnlich literarisch interessiert und gebildet wie die des antiken Rom. Neben christlicher Literatur wussten die Herrscher und Wichtigen des Reiches durchaus auch heidnische, ausländische und orientalische Texte zu schätzen.


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