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Die Religion im byzantinischen Reich: Konflikte, Ablösung, Neuausrichtung


religion im byzantinischen reich

Die Religion im Byzantinischen Reich ist geprägt vom Bilderstreit in Byzanz und dem Großen Schisma (Jahr 1054), bei dem sich die orthodoxe Kirche von der katholischen Kirche ablöste.

Religion im byzantinischen Reich

Es existiert kein Gründungsdatum für das Byzantinische Reich. Es war aber Kaiser Theodosius I. der im Jahr 395 kurz vor seinem Tod das Römische Reich für seine beiden Söhne Arcadius und Honorius aufteilte. Im Weströmischen Reich war Rom die Hauptstadt, im Oströmischen bzw. byzantinischen Reich war es Konstantinopel. Von da an entwickelten sich beide Reichshälften auseinander. Arcadius war der erste Kaiser des Byzantinischen Reiches.

Es dauerte keine hundert Jahre, bis das Weströmische Reich im Zuge der durch die Völkerwanderung ausgelösten Angriffe unterging. Schon im Jahr 410 wurde Rom von den Westgoten geplündert, während sich das Byzantinische Reich trotz massiver Bedrohung stabilisieren konnte. Im Jahr 476 wurde der letzte weströmische Kaiser Romulus Augustus durch den germanischen Offizier Odoaker abgesetzt. Odoaker unterstelle sich dem Kaiser in Konstantinopel, in dem er die weströmischen Kaiserinsignien nach Ostrom übersandte. Damit war Westrom abgeschafft. Das Byzantinische Reich aber existierte als Römisches Reich noch weitere 1000 Jahre.

Die Staatsreligion im Byzantinischen Reich war das orthodoxe Christentum. Zentrum der orthodoxen Kirche war die Hagia Sophia, die Sophienkirche in Konstantinopel. Nach römisch-katholischer Lehre hat Jesus Christus zwei Naturen, eine göttliche und eine menschliche. Beide Naturen sind streng voneinander getrennt. Im Byzantinischen Reich existierten neben der Mutterkirche auch mächtige monophysitische orthodoxe Kirchen wie die syrische, äthiopische oder koptische. Monophysiten glauben an die eine, göttliche Natur von Jesus Christus. Der Mensch Jesus habe ich in den göttlichen Christus verwandelt. Im Jahr 451 gab es in Chalkedon ein Konzil, auf dem allerdings erfolglos versucht wurde, ein Kompromiss zu finden. Das Konzil führte zur Abspaltung der orientalisch-orthodoxen Kirchen.

Der byzantinische Bilderstreit

Mitte des 8. Jahrhunderts regulierte Kaiser Leon III. die Verehrung religiöser Bilder. Die Folge war eine mehr als einhundert Jahre andauernde Auseinandersetzung zwischen dem byzantinischen Kaiserhaus und der byzantinischen orthodoxen Kirche. Der sogenannte Bilderstreit zeigte dem Kaiser erstmals seine Grenzen auf. Die kaiserliche Macht gegenüber der Kirche war begrenzt. Die Kirche wurde zu einem herrschenden Faktor im byzantinischen Kaiserreich. Sie hatte großen Einfluss auf die mittleren und unteren Schichten, obwohl oder gerade weil sich ihre orthodoxe Prägung stark vom religiösen Völkergemisch früherer Zeiten unterschied.

Als Bollwerk gegen den Islam drängte sie die Kaisermacht immer weiter zurück. Folgerichtig war es die Kirche, die den Sieg im sogenannten Bilderstreit davontrug, der Mitte des 9. Jahrhunderts beendet wurde. Nach über einem Jahrhundert theologischer Debatten zwischen der orthodoxen Kirche und dem Kaiserhaus darüber, wie Ikonen richtig gebraucht und verehrt werden sollten.

Westeuropa und Osteuropa

Im Jahr 800 wurde Karl der Große im Fränkischen Reich vom Papst zum Kaiser erhoben. Damit konnte er die Fortführung des Römischen Reiches beanspruchen. Es kam zu Differenzen mit Byzanz. Später entstand aus einem Teil des Fränkischen Reiches das sogenannte Heilige Römische Reich. Im Jahr 1054 kam es nach vielen theologischen Differenzen zum sogenannten Morgenländischen Schisma und infolgedessen zur Spaltung der römisch-katholischen und der griechisch-orthodoxen Kirche des Byzantinischen Reiches.

Durch geschickte Heiratspolitik des byzantinischen Kaiserhauses erlebte das Oströmische Reich im 10. und 11. Jahrhundert seinen Höhepunkt. Die Heirat der Schwester des Kaisers Basileios II. mit dem Großfürsten von Kiew, Wladimir I., im Jahr 987 war der Ausgangspunkt für die Ausbreitung des orthodoxen christlichen Glaubens in Osteuropa.

Wladimir der Große ließ sich taufen und führte das orthodoxe Christentum als Staatsreligion in der Rus ein. In der russische-orthodoxen und in der ukrainischer-orthodoxen Kirche wird Wladimir noch heute als Heiliger verehrt.

Die Islamisierung des Byzantinischen Reichs

Der Vierte Kreuzzug 1202-1204 war von der Westkirche sanktioniert und wurde eigentlich zur Eroberung Ägyptens ausgerichtet. Stattdessen aber richtete er sich aus wirtschaftlichen Gründen und gegen den Willen des Papstes gegen das christliche Byzanz. Konstantinopel wurde erobert und geplündert und konnte erst im Jahr 1261 zurückerobert werden. Das Byzantinische Reich blieb von da an dauerhaft geschwächt. Dieser Kriegszug vertiefte den Graben zwischen der orthodoxen und der katholischen Kirche.

Anfang des 14. Jahrhunderts entstand im Grenzgebiet des byzantinischen Reiches im nordwestlichen Kleinasien das Osmanische Reich als zunächst regionaler Herrschaftsbereich. Es expandierte auch in das Balkangebiet, in das byzantinische Thrakien, und sorgte für große Gebietsverluste. Byzanz schrumpfte innerhalb eines Jahrhunderts auf die Größe eines Stadtstaates. Das byzantinische Kaiserhaus bat den Papst um militärische Unterstützung und hätte dafür auch einer Kirchenunion zugestimmt. Die byzantinische Bevölkerung lehnte dies aber ab. Nach langer Belagerung wurde Konstantinopel am 29. Mai 1453 von dem osmanischen Sultan Mehmed II. erobert. Das Datum markiert den Untergang von Byzanz.


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