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Was bedeutet körperliche Leistungsfähigkeit im Sport


Bei körperlicher Leistungsfähigkeit geht es nicht um ein allgemeines Empfinden der möglichen Leistungsfähigkeit, sondern um beweisbare Fakten. Gemeint ist die maximale oder optimale Leistungsfähigkeit – als die Grenze dessen, was jemand zu einer bestimmten Zeit durch intensives Training erreichen und im Wettbewerb abrufen kann.

Die körperliche Leistungsfähigkeit ist allerdings variabel. Ihr erreichbares Maximum hängt von individuellen Gegebenheiten ab. Sie hängt außerdem von verschiedenen inneren und äußeren Einflüssen und Grundbedingungen ab. Der allgemeine Gesundheitszustand oder die Ernährung spielen eine ebenso große Rolle wie das Geschlecht, das Körpergewicht, das Alter oder die Menge und Leistungsfähigkeit der Muskeln.

Was bedeutet körperliche Leistungsfähigkeit?

Körperliche Leistungsfähigkeit wird oft auch als Kondition oder optimales Leistungspotenzial bezeichnet. Dieser Begriff wird häufig in Zusammenhang mit Gesundheitsuntersuchungen bzw. zunehmendem Alter und dadurch verringerter Leistungsfähigkeit auf körperlicher Ebene benutzt. Doch eigentlich entstammt der Begriff der Sportwissenschaft.

Körperliche Leistungsfähigkeit wird demnach definiert als die menschliche Fähigkeit, eine bestimmte (sportliche) Aufgabe mit der maximalen Belastungsstufe ausführen zu können. Das Zusammenspiel von individuellem Leistungsvermögen und psychischer bzw. physischer Leistungsbereitschaft beruht auf der Grundlage der erlernten Fähigkeiten und den mit der Zeit erzielten Trainingsverbesserungen.

Der menschliche Organismus ist anpassungsfähig. Er kann durch gezieltes Training in jedem Alter eine höhere körperliche Leistungsfähigkeit erlangen. Sportwissenschaftler setzen den Begriff „körperliche Leistungsfähigkeit“ in der Regel nicht mit Begriffen wie Ausdauer, Fitnessgrad oder Kondition gleich. In der Bevölkerung werden diese Begriffe aber oft synonym verwendet.

Wovon ist körperliche Leistungsfähigkeit abhängig?

Die körperliche Leistungsfähigkeit beruht auf diversen Faktoren. In qualitativer Hinsicht können Faktoren wie Beweglichkeit, Koordination, Schnelligkeit, Ausdauer und Kraft als relevante Einflussfaktoren genannt werden. In quantitativer Hinsicht sind Häufigkeit, Dauer und Intensität von Trainingseinheiten und muskulärer Beanspruchung relevant.

Die körperliche Leistungsfähigkeit kann durch einflussnehmende Faktoren minimiert werden. Daher ist sie kein statischer Zustand, sondern individuell oder zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich hoch. Die Kondition beruht auf Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit und Schnelligkeit. In den Bereich Technik fallen die koordinativen Fähigkeiten und der Grad der Beweglichkeit.

Bekanntlich spielen auch mentale Stärke und psychische Fähigkeiten eine Rolle, wenn es um körperliche Leistungskraft geht. Taktische Fähigkeiten sind oft ebenfalls nicht unbedeutend, wenn es darum geht, Höchstleistungen abzurufen. Dennoch spielen auch die individuelle Veranlagung, die körperliche Konstitution oder der allgemeine Gesundheitszustand eine wichtige Rolle für die körperliche Leistungskraft. Alter, Geschlecht, Körpergewicht und Ernährungsweise sind ebenfalls relevante Einflussfaktoren.

Last not least müssen auch optimale Trainingsbedingungen, eine ausreichend hohe Motivation, seelische Stabilität, günstige Umweltbedingungen oder ein unterstützendes Umfeld vorhanden sein, wenn die körperliche Leistungskraft optimal genutzt werden soll. Fehlt nur eine der genannten Vorbedingungen, kann die Leistungsbereitschaft schon gemindert werden.

Wie wird körperliche Leistungsfähigkeit ermittelt bzw. bestimmt?

Die körperliche Leistungsfähigkeit kann nicht mit einem einzelnen Messverfahren oder einem zusammenfassenden Messwert ermittelt werden. Man könnte dadurch lediglich eine allgemeine Einschätzung der körperlichen Leistungsfähigkeit zur Grundlage machen. Diese ruht jedoch vorwiegend auf Annahmen, Beobachtungen und Selbsteinschätzungen. Um genaue Daten zu erhalten, ist festzustellen, in welcher Disziplin der Sport betrieben wird und welche Bewegungsabläufe dort relevant sind.

Beim Ausdauersport wird die körperliche Leistungsfähigkeit zum Beispiel gemäß einzelner Messdaten ermittelt. Dazu gehören erst einmal innere Faktoren wie die Lungenventilation und die Diffusionskapazität der Lunge. Das Blutvolumen, das unter Belastung pro Minute durch das Herz strömt, wird als Herzminutenvolumen bezeichnet. Wichtig sind außerdem die Transportkapazität des Blutes für Sauerstoff sowie die Sauerstoffverwertung. Diese Eerte sind genauso zu analysieren wie die Zusammensetzung der Muskelfasern.

Außerdem spielen externe Faktoren wie klimatische Bedingungen, eingenommene Körperposition, Belastungsmodus, Umfang und Menge der eingesetzten Muskelmasse oder der sogenannte Sauerstoffpartialdruck eine Rolle. Letzterer wird mittels der Blutgas-Analyse erhoben. Er dient dazu, Auschluss über die Menge des gelösten Sauerstoffs im arteriellen Blut, Ausfschluss zu geben. Diese Kennzahl sagt auch etwas über die Lungenfunktion und die dadurch geleistete Sauerstoff-Anreicherung aus.

Um die körperliche Leistungskraft zu ermitteln, stehen also verschiedene Untersuchungs- und Analysemethoden zur Wahl. Die relevantesten sind

  • Pulsmessung inklusive Schwellenpuls
  • Blutdruckmessung
  • Laktatanalyse
  • Blutgasanalyse
  • ergometrische Daten, z. B. Belastungs-EKG
  • Borg-Skala zum Messen der empfundenen Anstrengung
  • und gegebenenfalls ein Lungenfunktionstest.

Spezielle Messwerte ergeben sich durch weitere Tests, die allerdings nur in bestimmten Leistungssportarten verwendet werden. Sie werden daher hier nicht angeführt.

Zu den einfachen Messwerten, mit denen die körperliche Leistungsfähigkeit ermittelt werden kann, gehören die Puls und Blutdruckmessung sowie der Laktattest. Diese Messungen dienen der Ermittlung der Ausdauer sowie der maximalen Belastbarkeit des Herz-Kreislauf-Systems.

Unter körperlicher Belastung steigt der Sauerstoffbedarf der Muskeln. Die Blutgefäße weiten sich, die Atemfrequenz und das Herzschlagvolumen erhöhen sich ebenso wie der Puls. Die geweiteten Blutgefäße transportieren Stoffwechselschlacken ab, beispielsweise Milchsäure (Laktat). Der Schwellenpuls ermöglicht optimale Belastungen beim Ausdauertraining. Er wird auch als „aerob-anaerober Schwellenpuls“ (ANS) oder als „steady state“ bezeichnet.

Bei diesem speziellen Puls haben sich Pulswerte und Laktatwert in einem Gleichgewichtszustand einpendelt. Den Muskeln stehen in diesem ausgeglichenen Zustand noch ausreichende Sauerstoffreserven zur Energiegewinnung zur Verfügung. Bezogen werden diese aus Kohlenhydraten und Nahrungsfetten bzw. Körperfetten. Bei steigender Belastung würde sich der Laktatwert jedoch so erhöhen, dass die schwer arbeitende Muskulatur nicht mehr ausreichend Sauerstoff zur Verfügung hätte. Die körperliche Leistungsfähigkeit würde daraufhin einbrechen.

Der Schwellenpuls sowie die möglichen Leistungen sind individuell unterschiedlich. Allgemeinzustand, Ruhepuls und Lebensalter, Trainingshäufigkeit, Tagesform und Sportart bestimmen mit darüber. Selbst das Klima beeinflusst diese Werte – und dadurch auch die jeweils mögliche körperliche Leistungsfähigkeit. Als ideal für die optimale Leistungsfähigkeit werden ein hoher Schwellenpuls, ein niedriger Ruhepuls und eine schnelle Rückkehr zum Normalpuls nach Belastungsphasen angesehen.

Die Stoffwechselsituation kann am Laktatwert bzw. der Blutkonzentration der Milchsäure abgelesen werden. Laktatwerte und Pulsmessungen werden unter verschiedenen Belastungssituationen und Bedingungen ermittelt. Aus dem daraus erstellten Diagramm mit der Laktatleistungskurve können Spezialisten ermitteln, wie es um die körperliche Leistungsfähigkeit steht.

Der Belastungs-EKG ist eine direkte Funktionsmessung im Rahmen der Ergometrie. Unter körperlicher Belastung werden auf dem Laufband, einem Fahrrad oder dem Stepper verschiedene Daten erhoben. Die anfänglich leichte Belastung wird zunehmend gesteigert, bis die sogenannte „Ausbelastung“ erreichet ist. Bei Problemen wie Herzrasen, Erschöpfung oder Muskelproblemen wird dieser Test jedoch abgebrochen.

Die sogenannte „Borg-Skala“ kann das individuelle Empfinden der Belastung messen. Hier muss der Athlet selbst in einer Skala von 1 bis 20 bewerten, wie belastet er sich durch die Anstrengung gefühlt hat. Das subjektive Empfinden des Sportlers sollte sich mit den bereits vorliegenden Daten in etwa decken. Klaffen beide auseinander, ist der Grund dafür zu untersuchen. Werden noch weitere Messdaten erforderlich, um die körperliche Leistungsfähigkeit zu bewerten, können zusätzlich eine Lungenfunktionsmessung oder andere Untersuchungen hinzugezogen werden.

Diese Untersuchungen sind aber sehr speziell. Sie bleiben daher meist besonderen Situationen wie einer Wettbewerbsvorbereitung vorbehalten.

Wie und warum wirkt sich Training auf die Leistungsfähigkeit aus?

Trainingseinheiten und Regenerationsphasen müssen immer in einem stimmigen Verhältnis zueinander stehen. Die Trainingsbelastung muss der Tagesform, dem Allgemeinzustand, dem Körpergewicht oder anderen Parametern wie der psychischen Verfassung angepasst werden. Die körperliche Leistungsfähigkeit kann nur dann verbessert werden, wenn das Training sinnvoll aufgebaut wird. dabei sollten die Belastungssteigerungen in kleinen Schritten vorgenommen werden. Sonst drohen Verletzungen und wochenlange Ausfälle.

Neben Krafttraining sollten immer auch Ausdauertraining oder Cardio-Trainingseinheiten vorgenommen werden. Durch regelmäßiges Training lassen sich die muskuläre Sauerstoffversorgung sowie die Hirndurchblutung signifikant verbessern. Daher profitiert auch die geistige Leistungsfähigkeit oder die Konzentrationsfähigkeit von regelmäßigen Trainingseinheiten. Die Gehirnchemie wird unter Belastungen durch stimmungsverbessernde und schmerzlindernde Hormonausschüttungen stimuliert. Die vermehrte Ausschüttung von Endorphinen, Serotonin und Dopamin sorgt für bessere Laune, seelische Stabilität und langfristige Ausgeglichenheit.

Vorausgesetzt wird aber, dass regelmäßig trainiert wird. Sonst sind diese Ergebnisse schnell wieder verpufft. Auch eine Neigung zur Depressivität kann durch regelmäßiges Training ebenfalls signifikant gemindert werden. Die Stressresistenz wird durch regelmäßiges Training hingegen verbessert. Jedes intensive Training stellt für den Organismus Stress dar. Er lernt somit, damit umzugehen. Dadurch lässt sich auch die psychische Belastbarkeit verbessern. Dem Stress vor Wettbewerben können trainierte Sportler besser widerstehen.

Die körperliche Leistungsfähigkeit kann jedoch durch Übertraining, zu hohe Leistungsansprüche, Übermotiviertheit, falschen Ehrgeiz und Unvernunft auch gemindert werden. Wer den wichtigen Regenerationsphasen nicht genug Zeit gibt oder auf Entspannungsübungen verzichtet, tut sich nichts Gutes. Rückschläge in der Leistungsfähigkeit können auch ohne diese hinderlichen Faktoren vorkommen. Aber wenigstens sollte man die naheliegende Trainingsfehler weitestmöglich vermeiden.

Optimale körperliche Leistungsfähigkeit kann nur unter idealen Trainingsbedingungen erreicht werden. Eine notorische „Couch Potato“, die sich chronischer Bewegungsunlust bedient, kann kaum auf den Erhalt der gewohnten körperlichen Leistungsfähigkeit hoffen.


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