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Welche Bräuche, Sitten und Traditionen gibt es in Ägypten?


Welche Bräuche, Sitten Traditionen gibt es in Ägypten

Wie überall werden auch in Ägypten Sitten und Bräuche verboten oder blühen auf. Traditionen werden vergessen oder wiederentdeckt. Je nachdem, welche Regierung sich gerade an der Macht befindet. Viele Bräuche gibt es entweder nur bei Frauen oder nur bei Männern.

Unterschiedliche Sitten und Bräuche für Frauen und Männer in Ägypten

Der Besuch von Kaffeehäusern ist in Ägypten beispielsweise eine männliche Sitte. Hier wird debattiert, Tee oder Kaffee getrunken, eine Wasserpfeife geraucht und Domino oder Backgammon gespielt. Kaffeehäuser sind auch die Treffpunkte in den Dörfern, um sich vor einem Fernseher zu versammeln und gemeinsam beispielsweise ein Fußballspiel anzusehen. Frauen sind in einem solchen Umfeld nicht erwünscht.

Frauen haben ihre eigenen Bereiche, in denen die Männer nicht stattfinden. Bauchtänzerinnen beispielsweise waren früher angesehene Künstlerinnen. Heute werden sie als nicht tugendhaft angesehen und müssen ihren nackten Bauch verhüllen. Traditionelle Bauchtänze werden aber bei Hochzeiten in den Armenvierteln von Kairo oder in den ländlichen Gebieten noch aufgeführt.

Etwa 10 bis 20 Prozent der heutigen ägyptischen Bevölkerung sind christliche Kopten. Aus diesem Grund sind viele Sitten in Ägypten entweder auf islamische oder christliche Traditionen zurückzuführen, beispielsweise was das Essen von Schweinefleisch oder das Trinken von Alkohol angeht. Beides ist Muslimen verboten, aber den Kopten erlaubt.

Einladungen: Essen und Trinken

In Ägypten wird die Gastfreundschaft großgeschrieben. Einladungen werden schnell ausgesprochen, oftmals aber nur aus Höflichkeit. Deswegen ist Fingerspitzengefühl gefragt. Wer eingeladen wird, sollte mindestens zwei Mal ablehnen. Das gilt als gutes Benehmen. Wenn die Einladung dann immer noch steht, darf sie angenommen werden.

Wer eingeladen wird, sollte aber ein angemessenes Gastgeschenk mitbringen. Ob zu einem Geburtstag oder zu einer anderen Feierlichkeit, Süßspeisen wie Baklava sind als Geschenke gern gesehen. Alkohol hingegen nicht. Gäste sollten sich nicht lumpen lassen, denn auch die Gastgeber bieten an Köstlichkeiten auf, was ihnen möglich ist. Auf eine Einladung hin sollte eine Gegeneinladung erfolgen.

Bevor eine Wohnung betreten wird, werden die Schuhe ausgezogen. Bei privaten Einladungen in Familien ist es durchaus üblich, mit der Hand zu essen. In einem Restaurant ist das Benutzen von europäischem Besteck mittlerweile selbstverständlich. Zudem ist es obligatorisch, in einem Restaurant Trinkgelder zu geben. Wird mit der Hand gegessen, findet gerne auch ein Stück Fladenbrot als Greifhilfe Verwendung. Wichtig ist aber immer, ausschließlich die rechte Hand zu benutzen, denn die linke Hand gilt als unrein. Ein großes Tabu ist es auch, sich am Tisch die Nase zu putzen.

Das Essen auf dem Teller sollte aufgegessen werden. Wer Reste übrig lässt, gilt als unhöflich. Es ist üblich, vom Tisch aufzustehen, wenn man satt ist. Solange ein Gast am Tisch sitzt, wird auch Essen aufgetragen. Wird Essen angeboten, gilt es als höflich, zunächst einmal abzulehnen und nicht sofort zuzugreifen. Als Durstlöscher gelten Wasser oder süße Limonaden. Alkohol ist tabu und das angebotene Glas Tee ist eine Geste der Gastfreundschaft und wird entsprechend langsam und genussvoll getrunken. Eine Tasse Kaffee markiert das Ende des Essens und damit auch das Ende der Einladung.

Heiraten und Hochzeiten

In den ländlichen Gebieten Ägyptens ist noch immer üblich, dass Cousinen und Cousins heiraten. Die Paare werden von den Familien ausgesucht. Es sind zumeist keine Liebesheiraten. Die Mitgift erfolgt vom Vater der Braut. Wertsachen oder Geld werden an die Familie des zukünftigen Ehemannes überreicht. Umgekehrt ist es die Familie des Bräutigams, die sich um die Ausrichtung der Hochzeit kümmert. In den Dörfern gibt es bei einer Hochzeit eine Art Hochzeitsmarsch. Musiker und Tänzer bringen die Braut bei traditioneller Musik zum Haus des Bräutigams.

Heutzutage ist die Polygamie, die Vielehe, nicht mehr ausgeprägt. Dennoch ist es im islamischen Ägypten einem Mann erlaubt, bis zu vier Frauen zu heiraten. Ein Mann, der eine zweite Frau heiraten möchte, muss aber in der Lage sein, beide Frauen zu versorgen. Fehlen ihm die Mittel, kommt eine Zweitfrau nicht infrage.

Sitten und Bräuche zwischen Männern und Frauen

In Ägypten wird bei der Begrüßung die rechte Hand geschüttelt. Es ist möglich, dass sich Männer zu Begrüßung nicht nur die Hand geben, sondern sich auch umarmen und auf die Wange küssen. Küssen zwischen den Geschlechtern ist in der Öffentlichkeit allerdings tabu. Frauen begrüßen Männer durch ein Nicken oder ein dezentes Lächeln. Berührungen sind tabu.

Wangenküsschen unter Männern ist nichts anstößig, denn es ist in Ägypten wie auch in anderen arabischen Ländern normal, dass zwei Männer, die gut befreundet sind, händchenhaltend auf der Straße unterwegs sind. Dies darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass Homosexualität ein absolutes Tabu ist und schwer bestraft wird.

Eine Frau darf ohne die Erlaubnis ihres Ehemanns nicht ins Ausland reisen, aber sie hat im Vergleich zu Frauen in anderen arabischen Ländern deutlich mehr Freiheiten. Eine Frau darf allein auf die Straße gehen, sie darf Auto oder im Bus fahren und sie darf arbeiten gehen. Auf dem Land leben die Menschen zum Großteil von der Landwirtschaft und die Frauen sind stark ans Haus gebunden. Sie erledigen hauswirtschaftliche Arbeiten und kümmern sich um die Kindererziehung.

Volksglaube und religiöse Symbole

Wer in Ägypten mit dem Taxi fährt, wird der „Hand Fatimas“ begegnen. Fatima ist die Tochter Mohammeds und die Hand ist ein Glücksbringer, der in keinem Auto fehlen darf. Ähnlich wie in Deutschland der Heilige Christophorus als Schutzpatron der Kraftfahrer Unglück und Gefahren abweist, erledigt dies in Ägypten Fatimas Hand. Das Symbol ist eine geöffnete Handfläche. Es ist eine Distanzgeste, die als magisches Abwehrmittel Böses abhält und gleichzeitig Segen spendet.
Bei den Kopten ist es Sitte, sich auf die Unterseite des rechten Handgelenks ein Kreuz tätowieren zu lassen. Das koptische Kreuz ist ein Erkennungsmerkmal der ägyptischen Christen. Es ist eindeutig und lässt kein Missverständnis zu. Alternativ befindet sich die Tätowierung eines kleinen Kreuzes auch auf der rechten Handoberfläche zwischen Daumen und Zeigefinger. Die Kopten verstehen das Kreuz als Segen und als Bekenntnis zu ihrem christlichen Glauben. Es dient als Schutzsymbol und ist zugleich Teil ihrer christlichen Identität.

Kleidung

Es gibt bei der Kleidung einen Unterschied zwischen Dorf und Stadt. Auf dem Land geht es traditionell konservativer zu als in der Stadt. Ellbogen und Knie müssen bedeckt sein, bei Männern ebenso wie bei Frauen. Frauen müssen zudem ihre Haare bedeckt halten. An diese Regeln sollten sich auch Touristen halten. Grundsätzlich ist es sinnvoll, so wenig nackte Haut wie möglich zu zeigen. Das betrifft auch die Männer, Shorts in den Dörfern und Städten sind unerwünscht. Ein nackter Oberkörper und „oben ohne“ sind tabu. FKK ist verboten und wird hart bestraft.

Ansonsten gilt: Die Kleidung sollte dem Anlass entsprechend angemessen sein. Wer eine Moschee oder eine koptische Kirche betritt, sollte vorher die Schuhe ausziehen. Frauen sollten ihre Haare bedecken. Nackte Haut ist in allen Gotteshäusern unangemessen und wird nicht gerne gesehen.


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