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Altes Ägypten: Frühdynastische Zeit & die Thiniten-Dynastien


Die Frühdynastische Zeit bzw. Frühdynastische Periode Ägyptens wird auch als Frühdynastik, Frühzeit, Thinitenzeit oder Archaische Zeit bezeichnet. Diese Epoche umfasst die 1. und 2. Dynastie im Alten Ägypten. Sie reicht von um 3100 bis um 2700 v. Chr. In diese Zeit fällt der Beginn der Pharaonen-Ära, die sich als von den Göttern abstammend ansahen. Diese Annahme schaffte es weit über das Ende der Frühzeit hinaus.

Thinitenzeit: Namensherkunft und Bedeutung

Die Annalen der Frühdynastischen Periode Ägypten umfassen einen Zeitraum von etwa 400 Jahren und zwei Dynastien. Hauptstadt des Reiches war die Stadt Thinis, welche sich im Landesinneren befindet (Heutiges Stadtgebiet: Girga). Erst ab 2950 v.Chr. wurde das nördlich gelegene Memphis (nahe Kairo) die Hauptstadt von Unterägypten. Im Zeitalter des sogenannten Alten Reiches, welches sich an die Frühdynastik anschließt, wurde Memphis zum Regierungssitz von ganz Ägypten.

Da die Herrscher zwischen 3100 v.Chr. und 2700 v.Chr. aus Thinis stammten bzw. dort regierten, wird die Zeit auch als Thinitenzeit bezeichnet. In dieser Zeit kam es zur Einigung, Spaltung und erneuten Einigung Ägyptens.

Frühdynastische Epoche: Zeitliche Abgrenzung und Einteilung

Die Einteilung der ägyptischen Hochkultur in Epochen ist lediglich eine Konvention moderner Forschungen. Das geeignete System der Abgrenzung sind die Dynastien. Je nach Chronologie unterscheiden sich die Zeiträume daher.

Epoche Zeitspanne
Vorgeschichte vor 4000 v.Chr.
Prädynastische Epoche ca. 4000 v.Chr. bis 2950 v.Chr. oder bis 3032 v.Chr.
Frühdynastische Zeit
  • ca. 2950 v.Chr. bis 2575 v.Chr.
  • ca. 3032 v.Chr. bis 2707 v.Chr.
Altes Reich
  • ca. 2575 v.Chr. bis 2125 v.Chr.
  • ca. 2707 v.Chr. – 2216 v.Chr.
Erste Zwischenzeit
  • ca. 2125 v.Chr. bis 2010 v.Chr.
  • ca. 2216 v.Chr. bis 2137 v.Chr.
Mittleres Reich
  • ca. 2010 v.Chr. bis 1630 v.Chr.
  • ca. 2137 v.Chr. bis 1781 v.Chr.
Zweite Zwischenzeit
  • ca. 1630 v.Chr. bis 1539 v.Chr.
  • ca. 1648 v. Chr. bis 1550 v.Chr.
Neues Reich
  • ca. 1539 v.Chr. bis 1069 v.Chr.
  • ca. 1550 v.Chr. bis 1070 v.Chr.
Dritte Zwischenzeit
  • ca. 1069 v.Chr. bis 664 v.Chr.
  • ca. 1070 v.Chr. bis 664 v.Chr.
Spätzeit ca. 664 v.Chr. bis 332 v.Chr.
Griechisch römische Zeit 332 v.Chr. bis 395 n.Chr.

Frühdynastischen Zeit: Auslöser und Beginn

Am Beginn der Frühdynastischen Zeit steht die Reichseinigung Ägyptens. Das Land, das die Ägypter selbst „Kemet“ nannten, war zuvor in Ober- und Unterägypten geteilt. Die Reichseinigung vollzog sich sehr wahrscheinlich ohne größere militärische Auseinandersetzungen. Zwar kam es gelegentlich zu kriegerischen Handlungen, aber insgesamt lief die Einigung friedlich ab.

Hinweise, dass das geeinte Reich in der Zeit um 3100 v. Chr. wuchs, finden sich in Volkszählungen. Der Pharao Narmer ließ diese durchführen und versah Bewohner neu gewonnener Regionen mit dem Zusatz „Rebellen“. Gleichzeitig änderte sich das Verhältnis zwischen diesen Rebellen und den gezählten Viehbeständen. Dieser Umstand deutet ebenfalls auf eine Eingliederung der Region ins Reich hin. Es könnte auch mit einer geänderten Lebensweise (Sesshaftwerdung) zusammenhängen.

1. Dynastie der frühdynastischen Periode Ägyptens

Die 1. Dynastie begann mit der Vereinigung Ober- und Unterägyptens unter dem Pharao Menes. Der 1. Dynastie ordnen Ägyptologen acht Pharaonen zu. Sie alle wurden in Abydos bestattet, einer Stätte, die bereits vor der Frühzeit als Friedhof für hohe Persönlichkeiten genutzt wurde. Die Lokalgottheit Chontamenti bewachte diese Friedhöfe. Zu erkennen ist das an Statuen von schlafenden Hunden und Schakalen. Später verschmolz Chontamenti mit den Gottheiten Anubis und Osiris.

Gemeinsam mit den Pharaonen fanden auch ihre hochrangigen Bediensteten sowie die engere Verwandtschaft des Königs dort ihre letzte Ruhe. Brauch war es, dass diese dem Pharao in den Tod folgten. Ihre Gräber legten die Ägypten anschließend rund um das Grab des Pharaos an.
Sehr wahrscheinlich sahen die Bediensteten und Verwandten diesen Brauch als ihr Privileg an. Im Zuge der Bestattung des Königs fanden daher mitunter Hunderte rituelle Tötungen statt, um alle Personen gleichzeitig beerdigen zu können.

Dafür spricht die ursprüngliche Überdachung der Gräber. Das Dach bestand aus Flechtwerk, welches heute kaum noch erhalten ist. Die Überreste zeigen jedoch, dass alle Gräber zur gleichen Zeit überdacht worden sein müssen. Daher müssen auch alle Gräber gleichzeitig belegt worden sein.
Mit der 1. Dynastie endete dieser Brauch sehr abrupt.

Könige der 1. Dynastie und deren Regierungszeiten

Name Regierungszeit nach Thomas Schneider
Menes um 3000 v. Chr.
Aha um 3000/2980 v. Chr.
Narmer um 3000 v.Chr.
Teti I. um 2980 v.Chr.
Djer um 2980v.Chr. bis 2960 v.Chr.
Wadji um 2960v.Chr. bis 2930 v.Chr.
Den um 2930 v.Chr. bis 2910 v.Chr.
Anedjib 2910 v.Chr. bis 2890 v.Chr.
Semerchet um 2890 v.Chr. bis 2870 v.Chr.
Quaa um 2890 v.Chr. bis 2850 v.Chr.

Menes, Aha, Narmer

Menes war der erste Pharao der Frühdynastischen Periode und regierte um 3000 v.Chr. ganz Ägypten. Ihn deshalb als „Reichseiniger“ zu bezeichnen, ist nicht ganz korrekt. Schon vorher bezeichneten sich ägyptische Könige als Herrscher von Ober- und Unterägypten. Außerdem ist nicht sicher bewiesen, dass Menes überhaupt existierte.

Erwähnt wird Menes erst etwa 1200 Jahre nach seiner Regierungszeit während der 18. Dynastie. Später, zur Zeit des Neuen Reichs und der Spätzeit Ägyptens, gilt Menes als „der erste König“, obwohl frühere Pharaonen eindeutig belegt sind.

Möglicherweise handelt es sich bei Menes daher um eine mythische Figur, die eine Heldenrolle einnimmt. Durch ihn sollte der Beginn des geeinten Ägyptens greifbarer werden. Dass Menes und der Pharao Aha eine Person sind, kommt ebenfalls infrage. Auch mit Narmer wird Menes in einigen Fällen gleichgesetzt.

Die Horusnamen der Pharaonen tragen zu dieser Uneindeutigkeit bei. Der Horusname ist ein Titel, den der Pharao erst bei seiner Krönung erhielt. Er repräsentiert die Verbindung zwischen Pharao und dem Himmelsgott Horus und stimmt nicht mit seinem Geburtsnamen überein. Diese sind aus der Frühzeit kaum überliefert, sodass es leicht zu Verwechslungen kommen kann.

Menes soll je nach Quelle zwischen 30 und 62 Jahren regiert haben. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot und der ägyptische Priester Manetho schreiben ihm die Gründung von Memphis zu. Dafür ließ er den Nil spalten und auf diese Weise eine Insel erschaffen. Seinen Tod soll Menes laut Manetho durch ein Flusspferd gefunden haben. Diese beiden Historien wurden jedoch zweieinhalb Jahrtausende nach der Regierungszeit von Menes verfasst. Ob und wie Menes gelebt hat, bleibt daher fraglich.

Teti I.

Teti I. war vermutlich der zweite Pharao der Frühzeit. Auch seine Existenz ist nicht sicher bewiesen, da sein Name erst auf späteren Königslisten auftaucht. Die moderne Forschung setzt daher auch Teti manchmal mit Aha oder Menes gleich.
Nach heutigem Stand regierte Teti in der Zeit um 2980 v. Chr.

Djer

Der Pharao Djer gilt als gesichert. Er regierte ein halbes Jahrhundert und war möglicherweise mit zwei Frauen verheiratet, die Herneith und Penebui hießen. Die Vielehe war zu dieser Zeit nichts ungewöhnliches.

Während seiner Regierungszeit führte Djer die Tradition des Horusgeleits ein. Dabei unternahm der amtierende Pharao alle zwei Jahre eine Fahrt durch das Land, während der er Recht sprach und Steuern eintrieb. Der Pharao sollte durch das Geleit mehr wie eine Inkarnation des Gottes Horus angesehen werden. Außerdem unternahm er Expeditionen, die durch seine Grabbeigaben und einer Inschrift auf der Sinai-Halbinsel belegt sind.
Begraben wurde Djer in Abydos. In den Tod folgten ihm, anhand der Anzahl der Nebengräber gemessen, 318 Gefolgsleute.

Wadji

Der Pharao Wadji regierte etwa zehn Jahre und zwei Monate in der Zeit um 2930 v. Chr. Verheiratet war er mit Meritneith, der Tochter von Djer. Diese war vermutlich zunächst nur eine Nebenfrau. Kurz vor seinem Tod stieg sie zur „Königlichen Gemahlin“, also der Hauptgemahlin des Pharaos, auf. Nach seinem Tod bestieg sie selbst den Thron und leitete die Geschäfte.

Den

Den war der Sohn von Meritneith. Er war zum Todeszeitpunkt seines Vaters noch zu jung, sodass er die ersten Jahre gemeinsam mit seiner Mutter regierte. Als Den alt genug war, löste er sie ab. Insgesamt war er für 42 Jahre Pharao. In dieser Zeit führte er Jahreszählungen mit Zahlen-Hieroglyphen ein. Diese erweiterten die bisher üblichen Aufzeichnungen der wichtigsten Ereignisse Ägyptens.

Außerdem ließ er den Pharaonen einen weiteren Namen geben: den Thronnamen (Nisut-Biti). Dieser stand in Verbindung mit der ebenfalls von ihm eingeführten Doppelkrone (Pschent). Diese Krone trägt die Farben rot und weiß und soll damit Ober- und Unterägypten symbolisieren.
Obwohl es während seiner Regentschaft zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit Nomaden von der Sinai-Halbinsel kam, gilt er als friedensstiftender Pharao.

Anedjib

Auf Den folgte Anedjib auf den Thron. Vermutlich waren die beiden Vater und Sohn. Wie lange Anedjib regierte, ist nicht überliefert. Im Turiner Königspapyrus spricht man von 74 Jahren. In anderen Schriften heißt es, er habe 20 oder 26 Jahre auf dem Thron verbracht. Vermutlich sind all diese Zahlen Übertreibungen.

Anedjib führte die von seinem Vater eingeführte Tradition des Thronnamens weiter. Er ergänzte die Namen zusätzlich um den Epitheton „die beiden Herren“. Unter einem Epitheton versteht man einen Namenszusatz bei Herrschern, wie beispielsweise „der Große“.
Außerdem führte er neue Feste ein und ließ mehrere Paläste und Residenzen errichten. Auch sein Grab befindet sich in Abydos. Um dieses Grab liegen 64 Nebengräber.

Semerchet

Semerchet regierte um 2890/70, bzw. von 2861 bis 2853 v. Chr. Seine Herkunft ist nicht genau geklärt. Möglich wäre, dass es sich bei ihm um einen Usurpator handelt und nicht um einen legitimen Nachkommen Anedjibs.

Dafür spricht, dass Semerchet keine hohen Beamten und Priester gehabt zu haben scheint. Außerdem ließ er offenbar Steingefäße, die mit dem Namen seines Vorgängers beschrieben waren, in seine Grabkammer bringen und überschreiben. Unter seinen Nachfolgern gibt es jedoch keine Hinweise darauf, dass Semerchet die Königswürde unrechtmäßig erlangt haben könnte.

Qaa

Qaa war der achte Pharao der 1. Dynastie und regierte um 2870/50 v. Chr. für etwa 33 Jahre. Er ist entweder der Sohn von Semerchet oder Anedjib.
Qaa gilt als der letzte Pharao der 1. Dynastie. Mit ihm wurden nur noch 26 Gefolgsleute beerdigt. Außerdem kam es nach seinem Tod vermutlich zu gewaltsamen Kämpfen um den Thron.

Das Ende der 1. Dynastie

Nach dem von Tod von Qaa kam es zu Unklarheiten, wer den Thron besteigen sollte. Aus dieser Zeit sind drei Namen von möglichen Pharaonen überliefert, die um ihn kämpften. Diese sind Sneferka, „Vogel“ und Sechet. Über diese Männer (und Frauen, da Sneferka eine Königin gewesen sein könnte) ist nur sehr wenig bekannt. Es könnte auch sein, dass es sich bei einem von ihnen um einen anderen Namen von Qaa handelt.

Die Streitigkeiten führten zu Grabplünderungen vorheriger Pharaonen, bei denen auch das Grab von Qaa geöffnet und ausgeraubt wurde. Vermutlich auch um dies zu beenden, mischte sich Hetepsechemui ein. Er besiegte alle Thronräuber und wurde selbst erster Pharao der 2. Dynastie. Das Grab Qaas stellte er wieder her.

Insgesamt kam es während der ersten Dynastie und ihren acht Herrschern neben dem bereits genannten zur Einführung verschiedener, neuer Ämter (Hatia, Adj-mer, Iripat). Außerdem trieb das Land Tauschhandel mit seinen Nachbarn Syrien, Nubien und der Levante, wohingegen Libyen militärisch begegnet wurde.

Die 2. Dynastie der Frühdynastik Ägyptens

Während der 2. Dynastie kam es vermutlich wieder zu Thronwirren, die in einer Spaltung des Landes endeten. Dafür spricht, dass es zeitweise zwei Herrscher gab. Außerdem deuten Darstellungen und Schreibweisen der Horusnamen darauf hin.

Als mögliche Ursachen für die Spaltung kommen religiöse Konflikte infrage. Es könnte aber auch sein, dass Ägypten schlicht zu groß wurde, um von einem Herrscher verwaltet zu werden. Um dadurch entstehende Missstände zu vermeiden, könnten die Pharaonen sich für eine formelle Reichsteilung entschieden haben.

Ob ein Pharao Ober- oder Unterägypten regierte, können Forscher über Erwähnungen ihres Namens feststellen. Sakkara war die Ruhestätte für Unterägypten. In Abydos wurden weiterhin Herrscher Oberägyptens beigesetzt. Fehlt ein Name an einem dieser Orte, spricht das dafür, dass man ihm dort nicht wohlgesonnen war.

Erst der letzte Regent der 2. Dynastie einte das Land wieder und regierte allein.

Könige der 2. Dynastie

Da das Reich geteilt war, gibt es mitunter Regierungszeiten, welche sich überlagern. Außerdem gab es viele verschiedene ephemere (kurzfristige, kurzzeitige) Könige, welche regierten. Die Regierungszeiten chronologisch zu ordnen und einzuordnen ist dehalb umso schwerer für die heutige Forschung.

Name Regierungszeit nach Thomas Schneider
Hetepsechemui ca. 2855 v.Chr.
Nebre ca. 2830 v.Chr.
Ninetjer 2785 v.Chr. bis 2742 v. Chr.
Nubnefer unbekannt
Weneg wohlmöglich im 28. Jhdt. v.Chr.
Wadjenes unbekannt
Sened unbekannt
Sechemib unbekannt
Neferkare I wohlmöglich 2749 v.Chr.
Neferkasokar vermutlich 2744 v.Chr. bis um 2736 v.Chr.
Hudjefa I. vermutlich 2711 v.Chr. bis um 2709 v.Chr.
Chasechemui etwa 2740 v.Chr.

Hetepsechemui

Hetepsechemui gehört zu den gut erforschten Herrschern seiner Zeit. Er regierte um 2855 v. Chr. Sein Geburtsname ist dennoch unbekannt.
Während es unter Qaa noch üblich war, Elfenbein-Täfelchen als Grabbeigaben zu nutzen, gab es dieser unter Hetepsechemui gar nicht mehr. Sie verschwanden ganz plötzlich und ohne heute erkennbaren Grund.

Sein Horusname soll philosophisch für Ober- und Unterägypten stehen. Das spricht für die vor seinem Regierungsantritt stattgefundenen Unruhen. Hätte es diese nicht gegeben, hätte er das Land nicht in seinem Namen einen müssen.
Hetepsechemui regierte für etwa 25 Jahre. Dafür spricht, dass es unter seiner Regentschaft kein Sed-Fest gab. Dieses Fest fand traditionell im 30. Regierungsjahr eines Pharaos statt.

Begraben ist Hetepsechemui vermutlich in Sakkara. Sein genaues Grab ist noch unbekannt.

Nebre

Nebre bestieg nach Hetepsechemui um 2830 v. Chr. den Thron. Er regierte für etwa zehn Jahre.
Auffallend ist sein Name. Zu dieser Zeit gab es in Ägypten zwei wichtige Gottheiten: Horus und Seth. Die Sonne galt als Teil von Horus und nicht als eigenständiger Gott. Dass Nebre die Bezeichnung „Re“ für den Sonnengott im Namen trägt, könnte für ein beginnendes Umdenken sprechen.

Ninetjer

Ninetjer regierte von etwa 2785 bis 2742 v. Chr. und war der dritte Pharao der 2. Dynastie. Von ihm fanden Forscher auffallend viele Steingefäße und Tonsiegel. Ob sie alle zu seinen Lebzeiten angefertigt wurden, ist strittig.

Für seine chronologische Einordnung nutzten Ägyptologen eine Statuette des Priesters Redjit. Auf seinem Rücken fanden sie sowohl Ninetjers als auch die Namen seiner beiden Vorgänger.

Ninetjer ersetzte das Horusgeleit durch eine Zählung. Vermutlich reformierte er dadurch gleichzeitig die Art der Steuereinziehung. Seine Regentschaft dauerte wohl etwa 43 Jahre. Die überlieferten Inschriften, in denen jährliche Ereignisse festgehalten wurden, deuten darauf hin, da sie genau dort enden.

Nach seinem Tod kam es vermutlich zu Unklarheiten, wer der nächste Pharao werden sollte. Es ist auch möglich, dass er das Land aufgrund von Dürren aufteilte und an seine Söhne vergab. Ninetjers Grab befindet sich in Sakkara.

Nubnefer

Ob Nubnefer auf Ninetjer folgte, ist unsicher. Bei dem Namen handelt es sich um einen Geburtsnamen. Sein Horusname ist unbekannt. Daher konnte ihm bisher kein Regierungszeitpunkt zugeordnet werden. Auch seine Beziehungen zu anderen Pharaonen sind unbekannt, da er in keiner Königsliste erwähnt wird. Sicher ist nur, dass er aus der 2. Dynastie stammt.

Einige Forscher verstehen Nebre und Nubnefer als eine Person. Für Nubnefer selbst gibt es nur zwei Schieferfragmente mit seinem Namen als Beleg. Nebre wird allerdings auch mit dem Pharao Weneg in Verbindung gebracht, was seiner Gleichsetzung mit Nubnefer widersprechen würde. Außer, man geht davon aus, dass es sich bei allen um dieselbe Person handelt.

Weneg

Über Weneg ist ebenfalls wenig bekannt. Es ist möglich, dass er gemeinsam mit weiteren Pharaonen regierte. Wann genau das war, ist nicht erforscht. Sein Name ist ebenfalls ungewöhnlich, da er mit einem Zeichen, das eigentlich für eine Gottheit stand, geschrieben wurde.

Wenegs Name ist nur aus Sakkara bekannt. Dort fand man Gefäße, die seinen Namen trugen, im Grab von König Djoser (3. Dynastie).
Ob es sich bei Weneg um eine wirkliche Person handelt oder dieser Thronname anderen Herrschern zuzuordnen ist, bleibt strittig. Als solche Herrscher infrage kommen Nebre, Sechemib, Wadjenes, Peribsen und Sanacht (3. Dynastie).

Wadjenes

Bei Wadjenes handelt es sich um einen gräzisierten, also an die griechische Sprache angepassten, Namen eines Pharaos der 2. Dynastie. Sein Horusname ist unbekannt, weswegen Forscher ihn kaum chronologisch einordnen können. Ob er überhaupt existierte, ist ebenfalls fraglich.

Sened

Der Pharao Sened ist in die 2. Dynastie einzuordnen. Wann genau er regiert hat, ist jedoch unbekannt, da es sich bei seinem Namen nicht um seinen Horusnamen handelt. Womöglich waren er und Peribsen eine Person. Andere Forscher vermuten sein noch unentdecktes Grab in Sakkara.
Sened war vermutlich Pharao von Oberägypten. Dafür spricht eine Statuette, die ihn nur mit einer weißen Krone zeigt.

Sechemib/Peribsen

Wann genau Sechemib regierte, ist nicht bekannt. Andere Versionen seines Horusnamen deuten darauf hin, dass er und der Pharao Peribsen eine Person sind. Die Forschung ist sich dabei jedoch nicht einig.

Unter Sechemib kam es zu neuen Bezeichnungen für Beamte, die die Spaltung des Landes deutlich machen. So gab es „Verwalter von Oberägypten“ oder „Siegler von Oberägypten“. Außerdem verlegte er die Verwaltungs- und Versorgungszentrale nach Elephantine. Dabei handelt es sich um eine Flussinsel im Nil in unmittelbarer Nähe zur heutigen Stadt Assuan in Ägypten.

Außerdem kam es womöglich zu einer staatlichen Glaubenskrise, die Sechemib auslöste, indem er sich von Horus abwandte. Stattdessen verehrte er den Gott Seth, was er auch in seiner vermuteten Umbenennung zu „Seth-Peribsen“ zum Ausdruck brachte.
Diese Umbenennung könnte auch so zu verstehen sein, dass Sechemib sich als König von Ober- und Unterägypten betrachtete. Durch die Namensänderung wollte er vielleicht beide Gebiete ansprechen.

Sein Grab ist bisher nicht entdeckt. Das von Peribsen ist jedoch bekannt. In ihm wurden auch Gefäße mit Sechemibs Namen gefunden.

Neferkare I./Seneferka

Neferkare I. regierte vermutlich um 2749 v. Chr. Wie lange er den Thron innehatte, ist nicht überliefert. Er wird nur in der Königsliste von Sakkara im Grab des Tjuneroy (Vorlesepriester der 19. Dynastie) erwähnt. Auch sein Horusname ist nicht bekannt.

Es gibt Hinweise darauf, dass Neferkare mit Seneferka identisch ist. Seinem Namen könnte die Silbe „Re“ von späteren Geschichtsschreibern angehängt worden sein. Vielleicht wollten sie auf diese Weise ihre eigene Verehrung des Gottes Re in die Vergangenheit übertragen.
Unter Neferkare soll Wohlstand geherrscht haben. Er gilt als möglicher Gegenspieler von Sechemib, bzw. Peribsen und regierte selbst den Norden Ägyptens.

Neferkasokar

Neferkasokar regierte vermutlich von um 2744 bis um 2736 v. Chr. Er könnte direkter Nachfolger von Neferkare und Vorgänger von Hudjefa sein. Allerdings sprechen dafür nur wenige Quellen. Darüber hinaus ist nur wenig über diesen Pharao bekannt, der erst nach seinem Tod in der Geschichtsschreibung zu finden ist.

Sein Name taucht nur in Unterägypten auf, was ihn zum Gegenspieler von Nubnefer, Sechemib und Peribsen macht.
Laut Tjuneroy gilt Neferkasokar als siebter Herrscher der 2. Dynastie. Auch im Königspapyrus Turin steht er an dieser Stelle. Nach dieser Quelle regierte er acht Jahre und drei Monate.

Während dieser Zeit kam es, einer Erzählung nach, zu einer Hungersnot in Ägypten. Dabei verfielen auch die Tempel. Neferkasokar erhielt daraufhin im Traum den Auftrag, diese wieder herstellen zu lassen. Nachdem er das getan hatte, endete auch die Hungersnot. Diese Erfahrung hielt Neferkasokar in einem Dekret fest, das Djedefhor (4. Dynastie) wiederfand.

Hudjefa I.

Hudjefa ist ein Pseudonym eines Pharaos der 2. Dynastie. Sein Name ist nur über Königslisten überliefert. Auf diesen war er allerdings nicht mehr lesbar, weswegen Schreiber der 19. Dynastie in die freie Stelle das Wort „zerstört“ eintrugen. Spätere Schreiber hielten dies für den tatsächlichen Namen des Königs. Vermutlich regierte Hudjefa für etwa zwei Jahre Unterägypten.

Chasechemui

Chasechemui war der letzte Pharao der 2. Dynastie. Er regierte bis etwa 2740 v. Chr. Bei diesem Namen handelt es sich um seinen Horusnamen. Er war vermutlich mit Sechemib und Peribsen verwandt. Seine Frau war Nimaat-Hapi, mit der er den Thronfolger Djoser zeugte. Weitere Söhne sind wahrscheinlich, aber nicht belegt.

Chasechemui wurde älter als 40 und regierte davon mindestens 20 Jahre als Pharao. Sein Grab befindet sich in Abydos, direkt neben dem von Peribsen.

Das Ende der 2. Dynastie

Chasechemui einte das geteilte Ägypten. Dafür musste er in Unterägypten militärisch vorgehen, da dieses Gebiet seine gewonnene Unabhängigkeit nicht kampflos aufgeben wollte.

Chasechemui triumphierte jedoch. Während der Kämpfe soll er 47.209 Rebellen getötet haben. Seine Frau stammte aus Unterägypten und wurde vermutlich zur Heirat gezwungen. Das Jahr der Einigung Ägyptens nannte Chasechemui „Jahr des Kampfes und das Schlagend Unterägyptens“ und feierte das Vereinigungsfest.

Dieses Fest war schon seit der Prädynastik bekannt und wurde normalerweise mit der Thronbesteigung gefeiert. So wollte man die Verbundenheit von Ober- und Unterägypten zeigen. Chasechemui feierte dieses Fest erst, als er Unterägypten besiegt und eingenommen hatte.

Zusammenfassung

  • Die Frühdynastische Periode Ägyptens, auch Frühzeit, Thinitenzeit oder Archaische Zeit genannt, reicht von 3100 bis um 2700 v. Chr.
  • Die 1. Dynastie umfasst acht Herrscher, die alle in Abydos begraben wurden.
  • Die 1. Dynastie begann mit dem Pharao Menes und endete mit Qaa.
  • Durch nicht eindeutig geklärte Umstände kam es nach dem Tod von Qaa zu Spannungen, welche Hetepsechemui zerschlug und gleichzeitig die 2. Dynastie begründete.
  • Nach den ersten drei Pharaonen der 2. Dynastie kam es erneut zu Spannungen, die in einer Teilung in Ober- und Unterägypten endeten.
  • Erst Chasechemui, letzter Pharao der 2. Dynastie, einte das Land wieder, indem er Unterägypten unterwarf.
  • Die besondere Namensgebung der ägyptischen Pharaonen erschwert die Arbeit der Forscher; womöglich existierten einige Pharaonen nie oder sind identisch mit anderen.
  • Der Brauch, dass enge Verwandte und hohe Beamte dem verstorbenen Pharao in den Tod folgten, endete plötzlich mit dem Ende der 1. Dynastie.
  • Das Frühdynastische Ägypten betrieb Tauschhandel mit seinen Nachbarländern, unternahm Expeditionen und ging militärisch gegen Libyen vor.

Literatur und Quellen

  • Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen, ISBN 3491960533
  • Peter A. Clayton: Die Pharaonen. Herrscher und Dynastien im alten Ägypten, ISBN 3828906613
  • Joyce Tyldesley: Die Pharaonen: Ägyptens bedeutendste Herrscher in 30 Dynastien, ISBN 3866901143

Weitere Bücher zur Geschichte Ägyptens findest du im Literaturarchiv.

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