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Zweite Zwischenzeit Ägyptens und die Hyksos Besetzung


Die Zweite Zwischenzeit in Ägypten bezeichnet die Zeit zwischen Mittlerem und Neuem Reich. Es ist eine Zeit des Zerfalls in die lokalen Königtümer der 13. bis 17. Dynastie.

Schon während der 12. Dynastie nahmen andere Völker den Reichtum des mittleren Reichs war und wanderten aus Vorderasien aus ein. In der 14. Dynastie kam es zu politischen Zersplitterungen, was die Einwanderer bemerkten. Die 15. Dynastie, der westasiatischen Hyksos, eroberte von Auaris aus ganz Ägypten und ersetzte die anderen Dynastien, bis die 17. Dynastie sie aus Ägypten vertrieb.

Zweite Zwischenzeit: Zeiteinteilung und Abgrenzung

Die Einteilung der ägyptischen Geschichte in 31 Dynastien ist schon beim ägyptischen Historiker Manetho (vermutlich 3. Jh. v. Chr.) zu finden. Die ägyptische Dynastie ist dabei weniger durch Verwandtschaft als durch Wahl derselben Hauptstadt und eine gemeinsame Kultur bestimmt.

  • Thinis war Hauptstadt der 1. und 2. Dynastie
  • Memphis war Hauptstadt bis zur 8. Dynastie
  • Herakleopolis Magna war Hauptstadt der 9. und 10. Dynastie
  • Theben war Hauptstadt der 11. und 12. Dynastie
  • Itj-Taui (heutiges Dorf El-Lischt) war Hauptstadt der 12. und 13. Dynastie, weshalb einige Ägyptologen beide Dynastien nicht klar bzw. unterschiedlich trennen.
  • Auaris wurde zur Hauptstadt der einfallenden Hyksos, welche Ägypten -während der Zweiten Zwischenzeit (Zeit der 13. Dynastie) – 108 Jahre lang besetzten und fremdbeherrschten. Die 14. und 15. Dynastie, welche aus den Eroberern hervorging, herrschte in Auaris.
  • Theben wurde zur zweiten Hauptstadt (für den Süden) während der 13. Dynastie, ab Aja I. (auch bekannt unter Merneferre Ay)

Dynastien, deren Herrschaftszeiten von großer Stabilität und Kontinuität gekennzeichnet waren, werden zu einem Reich zusammengefasst. Die Phasen des Umbruchs, in denen Ägypten kein zusammenhängendes Reich war, werden als Zwischenzeit bezeichnet. Auf diese Reiche führen die Prädynastik (Vordynastik) und die Frühdynastik hin. Die Zeit der Herrschaft ausländischer Dynasten und später des römischen Reiches über Ägypten wird als Spätzeit bezeichnet.

Je nach chronologischen Ansatz ergeben sich für die Epochen bzw. Reiche bestimmte Daten des Anfangs und Endes. Daraus ergibt sich folgende Gliederung der ägyptischen Geschichte:

Epoche Zeitspanne
Vorgeschichte vor 4000 v.Chr.
Prädynastische Epoche ca. 4000 v.Chr. bis 2950 v.Chr. oder bis 3032 v.Chr.
Frühdynastische Zeit
  • ca. 2950 v.Chr. bis 2575 v.Chr.
  • ca. 3032 v.Chr. bis 2707 v.Chr.
Altes Reich
  • ca. 2575 v.Chr. bis 2125 v.Chr.
  • ca. 2707 v.Chr. – 2216 v.Chr.
Erste Zwischenzeit
  • ca. 2125 v.Chr. bis 2010 v.Chr.
  • ca. 2216 v.Chr. bis 2137 v.Chr.
Mittleres Reich
  • ca. 2010 v.Chr. bis 1630 v.Chr.
  • ca. 2137 v.Chr. bis 1781 v.Chr.
Zweite Zwischenzeit
  • ca. 1630 v.Chr. bis 1539 v.Chr.
  • ca. 1648 v. Chr. bis 1550 v.Chr.
Neues Reich
  • ca. 1539 v.Chr. bis 1069 v.Chr.
  • ca. 1550 v.Chr. bis 1070 v.Chr.
Dritte Zwischenzeit
  • ca. 1069 v.Chr. bis 664 v.Chr.
  • ca. 1070 v.Chr. bis 664 v.Chr.
Spätzeit ca. 664 v.Chr. bis 332 v.Chr.
Griechisch römische Zeit 332 v.Chr. bis 395 n.Chr.

Die Besetzung durch die Hyksos im Alten Ägypten während der Zweiten Zwischenzeit

Die Hyksos waren ein semitisches Mischvolk, mit hurritischen Wurzeln. Hurritisch ist eine ausgestorbene Sprache, welche 1200 v.Chr. im Gebiet der heutigen Osttürkei und des Nordiraks gesprochen wurde. Man nimmt heute an, dass es sich bei der Hyksos um ein ursprüngliches Nomadenvolk aus verschiedenen Teilen Vorderasien (Euphrat, Assyrien) handelte.

Hyksos (altägyptisch Heka-chaset) bedeutet „Herrscher der Fremdländer“. Demnach war es eine Bezeichnung, welche die Ägypter für die ausländische Könige verwendeten, welche Ägypten für 108 Jahre besetzten. Anfangs war dies lediglich der Titel für den Nomadenführer, später wurde dies der anerkannte Königstitel. Während der Zeit Ägyptens regierten demnach 108 Jahre lang keine Pharaonen im nördlichen Teil, sondern Hyksos.

Ausgangspunkt der Eroberung war eine legitime Migration. Denn dadurch, dass die Stadt Auaris ein wichtiger Handelspunkt war, siedelten sich verschiedensten Bevölkerungsgruppen aus Asien dort an. Am Ende der 13. Dynastie kam es zu einer großen Migrationswelle aus Vorderasien. Funde belegen, dass die ursprünglich einheimische Bevölkerung der Stadt Auaris durch die Zuwanderer unterdrückt und versklavt wurde. Dies zeigen einige Brandschichten, welche Forscher im Ostdelta fanden.

Archäologische Funde um Auaris zeigen, dass eine zweite Migrationswelle – noch während der 13. Dynastie – einsetzte. Die Hyksos erhielten von der bereits ansässigen asiatischen Bevölkerung ihre Unterstützung und regierten von Auaris aus den ägyptische Norden.

Zweite Zwischenzeit: Instabile Kleinkönigtümer und asiatischer Einfluss

Der Zeit zwischen Mittlerem Reich und Neuem Reich werden bis zu sechs Dynastien zugeordnet: Die 13. Dynastie, die 14. Dynastie, die 15. Dynastie und die 16. Dynastie. Die Existenz der sog. Abydos Dynastie ist umstritten.

Die Zweite Zwischenzeit war eine Zeit des Zerfalls. Von entscheidender Wirkung waren Thronstreitigkeiten der 12. Dynastie, das Eindringen der sog. Hyksos sowie möglicherweise Hungersnöte und Epidemien.

Eine Konzentration der Macht in den Händen einer Dynastie war unter solchen Umständen nicht möglich. Die Einheit des Reiches zerbrach in mehrere Machtzentren, die jeweils von einer der fünf Dynastien beherrscht wurden. 105 Könige sind für diesen Zeitraum von ca. 1000 Jahren überliefert. Die rasche Folge vieler Könige innerhalb der Dynastien und die vergleichsweise dürftige Zahl archäologischer Zeugnisse lässt erkennen, wie schwierig die Zeiten waren.

Gleiches gilt für die Chronologie. Die 13. Dynastie ging unmittelbar aus der 12. Dynastie hervor und hatte wie diese ihren Sitz in Theben und später Itj-taui. Parallel zur 13. Dynastie entstand die 14. Dynastie in Xois oder Auaris (auch Avaris). Letzteres machten die westasiatischen Hyksos zu ihrem Herrschaftssitz. Diese 15. Dynastie expandierte über Memphis nach Theben auf Kosten der 14., 13. und 16. Dynastie. Nicht fähig, ihren Einfluss so fern des Kerngebietes zu festigen, wurden sie schließlich von der in Theben ansässigen 17. Dynastie aus Ägypten vertrieben.

13. Dynastie (ca. 1803 bis 1649 v. Chr.)

Name (Pharao) Regierungszeit
Wegaf 1794 v.Chr. bis 1757 v.Chr.
Amenemhet Senebef unbekannt
Sechemrechuitaui um 1752 v.Chr. bis 1746 v.Chr.
Sehetepibre 1743 v.Chr. bis 1742 v.Chr.
Efni unbekannt
Amenemhet VI. um 1740 v.Chr.
Nebennu um 1739 v.Chr.
Hotep-ib-Re unbekannt
Sewadjkare um 1737 v.Chr.
Nedjemibre um 1736 v.Chr.
Chaanchre Sobekhotep um 1735 v.Chr.
Amenemhet Renseneb um 1735 v.Chr.
Hor I. um 1732 v.Chr.
Amenemhet VII. 1731 v.Chr. bis 1724 v.Chr.
Sekhemre Khutawy Sobekhotep 1724 v.Chr. bis 1718 v.Chr.
Sekhemre Khutawy Sobekhotep 1724 v.Chr. bis 1718 v.Chr.
Chendjer 1718 v.Chr. bis 1712 v.Chr.
Emramescha um 1711 v.Chr.
Anjotef IV. um 1710 v.Chr.
Seth I. um 1709 v.Chr.
Sobekhotep III. 1708 v.Chr. bis 1705 v.Chr.
Neferhotep I. 1705 v.Chr. bis 1694 v.Chr.
Sahathor um 1694 v.Chr.
Sobekhotep IV. 1694 v.Chr. bis 1685 v.Chr.
Sobekhotep V. 1685 v.Chr. bis 1680 v.Chr.
Jaib 1680 v.Chr. bis 1670 v.Chr.
Aja I. 1669 v.Chr. bis 1656 v.Chr.
Seheqenre Sankhptahi ungewiss (vermutlich zwischen 1663 und 1649 v.Chr.)
Sobekhotep VI. 1656 v.Chr. bis 1654 v.Chr.
Seanchenre Sewadjtu 1654 v.Chr. bis 1651 v.Chr.
Neferhotep II. 1651 v.Chr. bis 1648 v.Chr.
Hori ungefähr 1647 v.Chr.
Merkaure Sobekhotep (VII.) 1646 bis 1644 v. Chr.

Die Herrschaft der 13. Dynastie währte ca. 154 Jahre. Die Mehrheit der Forscher sieht als Gründer Sekhemre Khutawy Sobekhotep, Sohn des letzten Königs der 12. Dynastie, Amenemhat IV. Die 13. Dynastie trat das Erbe der 12. Dynastie an und regierte über ein Gebiet von Memphis über Mittel- und Oberägypten bis zum zweiten Katarakt im Süden.

Ein Teil der Forschung rechnet die 13. Dynastie daher dem Mittleren Reich zu. Jedoch sieht der dänische Ägyptologe Kim Ryholt im Aufkommen der von Itj-taui unabhängigen 14. Dynastie im Ostdelta, vermutlich unter Sobekneferu bzw. Nofrusobek (12. Dynastie), ein so einschneidendes Phänomen, dass er damit die 12. Dynastie enden und die 13. Dynastie beginnen lässt.

Andere Forscher schlagen die Zeit bis zur Herrschaft des Königs Merneferre Ay (Aja I.) noch der 12. Dynastie zu und lassen die 13. Dynastie mit seinen nur in Oberägypten belegten Nachfolgern beginnen. Allerdings herrschte Seheqenre Sankhptahi am Ende der 13. Dynastie noch über das unterägyptische Memphis.

Mit einem Machtverlust der 13. Dynastie traten neue Kräfte auf den Plan. Die südlichen Grenzposten wurden vom nubischen Staat Kusch übernommen. Gegen Ende der 13. Dynastie etablierte vermutlich in Auaris (Stadt am Nildelta) oder aber in Xois (nördlicheres Nildelta) die 14. Dynastie eine unabhängige Herrschaft. Die semitischen und in zwei Fällen nubischen Namen der Könige bzw. einer Königin dieser Dynastie lassen die fremden Wurzeln erkennen.

Das Vordringen der Hyksos von Auaris nach Memphis beendete die 13. Dynastie. Manetho zeichnet ein Bild der Gewalt mit niedergebrannten Städten und zerstörten Tempeln. Archäologische Funde weisen eher in Richtung einer allmählichen Ausdehnung der Macht der Hyksos in das zerfallende Reich der 13. Dynastie.

In späteren Darstellungen wird die Zeit der 13. Dynastie als eine Zeit des Chaos beschrieben. Richtig ist, dass die Macht der 13. Dynastie zunehmend schwand und das Reich in Teile zerfiel, die z. T. unter Herrschaft fremden Ursprungs (Hyksos) fielen. Der Machtzerfall spiegelt sich in einer langen Reihe von Königen mit meist kurzen Regierungszeiten, von denen viele nicht derselben Familie entstammten und manche sogar nicht adliger Herkunft waren.

Dennoch scheinen sich diese Zerfallsprozesse und das Etablieren neuer Mächte relativ friedlich abgespielt zu haben. Es gibt Hinweise auf eine Hungersnot und möglicherweise den Ausbruch einer Epidemie gegen Ende der 13. Dynastie, von denen auch die 14. Dynastie betroffen war. Das Vordringen der Hyksos mag dadurch begünstigt worden sein.

14. Dynastie (ca. 1725 bis 1650 v. Chr. bzw. 1805 bis 1650 v. Chr.)

Name (Pharao) Regierungszeit
Scheschi (umstritten) 17. Jahrhundert v.Chr.
Nehesy 17. Jhd. v.Chr.
Chatitre 17. Jhd. v.Chr.
Nebfaure 17. Jhd. v.Chr.
Sehabre 17. Jhd. v.Chr.

Der Liste folgen 30 weitere Kleinkönige, welche lediglich Provinzmacht innehatten.

Die 14. Dynastie war nach Ausweis der Königsnamen vermutlich semitischen sowie nubischen Ursprungs und bestand gleichzeitig mit der 13. Dynastie, von der sie sich unabhängig machte. Da es für die 14. Dynastie nur wenige archäologische Belege gibt, gestaltet sich die Festlegung des Herrschaftszeitraums und der Abfolge der Könige äußerst schwierig.

Die 14. Dynastie wird von manchen Forschern wie die 13. Dynastie dem Mittleren Reich zugerechnet. Die Gegenrichtung nimmt gerade die Etablierung der 14. Dynastie zum Anlass, mit der 13. Dynastie die Zweite Zwischenzeit beginnen zu lassen.

Ryholt sieht die Anfänge der 14. Dynastie bereits gegen Ende der 12. Dynastie. Andere Forscher gehen davon aus, dass sich die 14. Dynastie frühestens nach Sobekhotep IV., also nach ca. 1720 v.Chr. bzw. 1685 v.Chr. (je nach Chronik) etablierte, was in die Mitte der 13. Dynastie führt.

Die Forscher stützen sich dabei auf Funde von Siegeln der 14. Dynastie, die sich in der gleichen Schicht wie Siegel aus dem letzten Jahrhundert der Herrschaft der 13. Dynastie befanden. Zudem datierte der Ägyptologe Manfred Bietak Inschriften und Monumente aus der Zeit des Königs Nehesy (auch Nehesi) in die gleiche Zeit. Da man davon ausgeht, dass Nehesy möglicherweise der zweite König der 14. Dynastie war, kann deren Beginn nicht viel früher angesetzt werden.

Auch über die Zahl der Könige der 14. Dynastie herrscht Unklarheit. Nach Manetho sollen 76 Könige in Xois regiert haben. Der Turiner Königsliste hingegen lassen sich nur 56 Könige dieser Zeit entnehmen. Der Platz auf der Liste scheint auch nicht für über 70 Könige zu reichen. Dank des Turiner Königspapyrus besteht immerhin Klarheit über die Reihenfolge der aufgeführten 56 Könige. Uneinigkeit besteht hinsichtlich der ersten fünf Könige. Diese sind nicht aufgeführt, vermutlich aufgrund von Lücken im Original, von dem die Abschrift erfolgte.

Herrschaftssitz der 14. Dynastie war nach Manetho Xois, altägyptisch Chasut. Die Statue eines hochrangigen Beamten in Überlebensgröße und mit ausländischen Attributen aus einer Palastanlage aus der Zweiten Zwischenzeit in Auaris führte Forscher jedoch zu der Annahme, dass Auaris der Herrschaftssitz der 14. Dynastie war.

Noch weniger lassen sich die genauen Grenzen des Herrschaftsgebiets bestimmen. Die Menge an Funden aus der 14. Dynastie reicht dazu nicht aus. Ryholt sieht als Kerngebiet der 14. Dynastie das Nildelta, mit Athribis als Grenze im Westen und Bubastis als Grenze im Osten.

Über den Handel erschloss sich die 14. Dynastie jedoch Bereiche weit außerhalb ihres Herrschaftsgebiets. Siegel dieser Dynastie fanden sich in Mittelägypten, Oberägypten, dem Gebiet der 13. Dynastie und südlich bis Dongola hinter dem dritten Katarakt. Die Funde reichen nach Norden bis in die südliche Levante, die Mittelmeerküste und das heutige Israel.

Nach Nehesy gibt es Anzeichen für eine lange Hungersnot und vielleicht Epidemie, von der auch die zeitgleiche 13. Dynastie betroffen war. Vielleicht ist hierin der Grund zu suchen, warum die von Norden vordringenden Hyksos zunächst die 14., dann die 13. Dynastie so leicht ersetzen konnten.

15. Dynastie (ca. 1650 bis 1550 v.Chr.)

Name (Hyksos) Regierungszeit
Salitis (Hyksos) 1648 v.Chr. bis um 1633 v.Chr.
Beon (Hyksos) 1633 v.Chr. bis um 1619 v.Chr.
Apachnas (Hyksos) 1619 v.Chr. bis um 1610 v.Chr.
Chajan (Hyksos)
Apopi I. 1590 v.Chr. bis 1549 v.Chr.
Chamudi 1549 v.Chr. bis 1535 v.Chr.

Schon das Mittlere Reich unterhielt rege Handelsbeziehungen zu den westsemitischen Stämmen der Levante. Das Siedlungsgebiet dieser Stämme erstreckte sich über das heutige Israel, Palästina, Libanon und Syrien. Die Herrscher dieser Stämme hießen altägyptisch heqaw chasut. Dies bedeutet soviel wie Herren der Fremdländer oder Hirten des Wüstenlandes, denn das Wort für Herr und Hirte ist dasselbe. So war z. B. der König der gute Hirte über die Menschen als Vieh Gottes. Im Griechischen wurde daraus das Wort Hyksos.

Hyksos bezeichnet demnach einen Herrscher und meint keine Volksgruppe. Auf diese bezogen sich die Ägypter mit dem Wort Aamu, mit dem sie generell die Einwohner Syriens und der Levante oder die Feinde Ramses II. in der Schlacht von Kadesch bezeichneten. Gemeint sind Westasiaten.

Schon zur Zeit der 12. Dynastie lässt sich die Einwanderung von Semiten aus diesem westasiatischen Raum nachweisen, etwa in Auaris. Von hier aus unterhielten sie Handel mit Städten der Levante wie Sidon, Byblos und Ugarit, aber auch mit den Minoern der ägäischen Inseln. Aber nicht nur Händler, offenbar auch Bauern, Hirten und Handwerker fanden den Weg nach Ägypten.

Hinzu kamen Kriegsgefangene, wie die 1554 Gefangenen, die Amenemhet II. von seiner Flottenexpedition aus dem Libanon nach Ägypten brachte. Auf eine erste Phase, in der die Einwanderer ihr Siedlungsgebiet in Ägypten vergrößerten und vermutlich in einer Gesellschaft ohne große soziale Unterschiede lebten, folgte die Gründung der 15. Dynastie.

Die 15. Dynastie hatte nach Ausweis der Turiner Königsliste sechs Könige. Ihre Namen und Reihenfolge sind nicht gesichert. Die Könige der Dynastie waren vermutlich kanaanäischen Ursprungs. Das legt zumindest Pharao Kamose nahe, wenn er Apophis, einen der Könige der 15. Dynastie, als Häuptling von Retjenu, von Kanaan, bezeichnet.

Begründer der Dynastie war nach Manetho der Söldnerführer Salitis, der archäologisch nicht nachweisbar ist. Unter den ungesicherten Namen sticht Apophis bzw. Apepi I. hervor, der offenbar über 40 Jahre lang regierte. Die 15. Dynastie endete mit dem kaum fassbaren Khamudi.

Während Hyksos zwar einen fremdländischen Herrscher aus Westasien bezeichnet, ist das Wort jedoch nicht Bestandteil königlicher Titulatur. Die ersten vier Herrscher der 15. Dynastie haben sich als Hyksos bezeichnet. Die beiden letzten Herrscher nutzten alleine die ägyptische Königstitulatur.

Mit der Etablierung einer Hyksos Dynastie im Nildelta kam das Ende der 14. Dynastie. Die weitere Expansion bis Memphis bereitete der 13. Dynastie ein Ende. In dem so entstandenen Machtvakuum konnten sich die nicht einwandfrei nachgewiesene Abydos Dynastie und möglicherweise die 16. Dynastie in Theben etablieren, letztere vermutlich von den Hyksos abhängige Vasallenkönige. Doch der Vormarsch der Hyksos nach Süden setzte sich fort, so dass auch diese Dynastien ihnen weichen mussten.

Die Könige der 15. Dynastie waren ihrem Anspruch nach Herrscher über Ober- und Unterägypten. Tatsächlich konzentrierte sich ihre Macht und ihr kultureller Einfluss aber auf die nördlichen Gebiete. Schon in Memphis, dem zweitwichtigsten Zentrum ihrer Herrschaft, finden sich nur geringe Spuren asiatischen Einflusses. Die Südgrenze des Reiches wird wohl bei Cusae gelegen haben.

In Theben trat an die Stelle der 16. Dynastie jedoch die 17. Dynastie. Diese versuchte über 30 Jahre lang, die Hyksos zu vertreiben, was erst Ahmose im 18. oder 22. Jahr seiner Herrschaft gelang.

Die Einwanderer kamen mit ihrer eigenen Kultur. So bestattete man die Toten in Hockstellung und gab ihnen Waffen und Keramik asiatischer Art mit. In Auaris, dem Hauptsitz der 15. Dynastie, führte die Zuwanderung Ende der 12. Dynastie offenbar zu einem Wachstum der Stadt. Syrische Häuser und Siegel, Bestattungen innerhalb der Siedlung und bestattete Esel belegen die Rolle der Einwanderer.

Diese kamen zunächst vorwiegend aus dem Libanon und Syrien, später aus Palästina und Zypern. Mit der Vertreibung der Hyksos, die nach dem Sieg Ahmoses aus Ägypten abzogen, kam die von ihnen hinterlassene Mischkultur in Auaris zu einem abrupten Ende.

Die Hyksos unterhielten einen florierenden Handel zunächst zu Palästina, später zu Zypern. Sie führten Schiffe, Holz, Silber, Lapislazuli, Türkis, Bronze, Öl, Duftstoffe, Fette und Honig nach Ägypten ein. Ebenso Pferde und zweirädrige Streitwagen. Dieser kam also erst unter ihnen nach Ägypten und war nicht etwa- wie manchmal geäußert – die Wunderwaffe, der die Hyksos ihren Vormarsch zu verdanken hatten.

Besondere Beziehungen unterhielten sie zu Nubien und dessen Hauptstadt Kerma, woher das Gold stammte. Exportiert wurden v.a. Statuen und anderes Gut, das aus ägyptischen Tempeln und Gräbern geplündert wurde, und zwar nach Palästina, in die alte Heimat. Berichte aus der 18. Dynastie kommentieren, dass die Hyksos nicht an Re glaubten. Dies mag die Plünderungen und die Zerstörung der Pyramiden erklären, von der Ahmose berichtet. Der asiatische Wettergott Seth fand über die 15. Dynastie Eingang in den ägyptischen Kult.

16. Dynastie (ca. 1649 bis 1582 v. Chr.)

Die 16. Dynastie herrschte in Theben. In der Tradition Manethos werden die Könige der 16. Dynastie von der Mehrheit der Forscher als Vasallen der Hyksos betrachtet, daher auch der Name Kleine Hyksos-Dynastie. Ryholt hingegen möchte mit Bezug auf den spätantiken Historiker Eusebius von Caesarea die Herrscher am Ende von Kolumne 10 und 11 (bis Zeile 15) des Turiner Königspapyrus zur 16. Dynastie zusammenfassen. In jedem Fall endete ihre Dynastie mit dem Vordringen der Hyksos in ihr Herrschaftsgebiet.

Die Chronologie der Könige für diese Zeit lässt sich nicht mit Sicherheit rekonstruieren. So kommen Forscher schon für die Annahme, dass es sich bei der 16. Dynastie um Vasallen der Hyksos handelte, zu abweichenden Königslisten. Ryholt selbst ordnet der von ihm vermuteten eigenständigen 16. Dynastie 15 Könige zu. Andere folgen seiner These, rechnen aber einige der Könige der 17. Dynastie zu.

Die Herrschaft der 16. Dynastie erstreckte sich auf das Gebiet von Theben, die nördliche Grenze könnte bei Hu, die südliche Grenze bei Edfu verlaufen sein. Herrschaftssitz war Theben, aber es gibt auch Hinweise auf lokale Herrscher in wichtigen unterägyptischen Städten wie Abydos, Edfu und El Kab.

Je nachdem, welcher Forschungsrichtung man folgen will, handelte es sich bei der 16. Dynastie um Vasallen der Hyksos mit relativer Eigenständigkeit. Einige der Königsnamen sind semitischen Ursprungs und könnten diese These stützen. Eine Hungersnot scheint auch diese Dynastie zusätzlich geschwächt zu haben. Jedenfalls beendete das Vordringen der Hyksos nach Theben die 16. Dynastie.

Abydos Dynastie (ca. 1650 bis 1600 v. Chr.)

Die Existenz der sog. Abydos Dynastie ist in der Forschung stark umstritten. 16 Königsnamen am Ende der 16. Dynastie im Turiner Königspapyrus sowie zwei Königsnamen, die eine Verbindung zu Abydos aufweisen, brachten die These von der Existenz einer solchen Dynastie ins Spiel. Im Süden von Abydos wurden 9 Königsgräber gefunden, die sich in die Zweite Zwischenzeit datieren lassen und sich im Stil ähneln.

Andererseits hatten auch Könige aus dem Mittleren Reich ihre Gräber in Abydos errichten lassen. Und nach Ausweis einiger Stelen aus einer Werkstatt in Abydos hätte diese sowohl für die Abydos Dynastie als auch für die 17. Dynastie gearbeitet. Falls beide Dynastien parallel zueinander existierten, was nicht gesichert ist, wäre dies ebenfalls ein Argument gegen die Existenz einer Abydos Dynastie. Denn dass konkurrierende Dynastien von der gleichen Werkstatt produzieren ließen, darf als ausgeschlossen gelten.

17. Dynastie (ca. 1580 bis 1550 v. Chr.)

Die Hyksos hatten zwar die 16. Dynastie in Theben beendet. Allerdings konnten sie so weit weg von ihrem Hauptsitz in Auaris die Kontrolle über Theben nicht halten. Theben wurde in der Folge zum Sitz der 17. Dynastie. Die ersten Herrscher waren den Hyksos noch zu Abgaben verpflichtet. Doch die Dynastie wurde stärker und gelangte zu Eigenständigkeit.

Gegen Ende agierten die Herrscher der 17. Dynastie verstärkt gegen die Hyksos. Nach 30 Jahren kriegerischer Auseinandersetzungen gelang es schließlich Ahmose, die Hyksos aus Auaris und Ägypten zu vertreiben und das Land unter seiner Herrschaft zu einen. Dies war die Geburtsstunde des Neuen Reiches.

Die Abfolge der Könige ist für die 17. Dynastie insgesamt unsicher. Die bedeutendste Rolle spielten die Ahmosiden Ahmose (Senachtenre), Taaa (SeqenenRe), Kamose (Wadjcheperre). Ahmose I. wurde mit dem endgültigen Sieg über die Hyksos zum Begründer der 18. Dynastie.

Von kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Hyksos wird erstmals unter Taaa gesprochen. Seine Mumie weist Verletzungen auf, die auf einen Kampf schließen lassen. Sein Nachfolger Kamose stellte nach dem Zeugnis zweier Siegesstelen eine Flotte zusammen, eroberte die Städte der Vasallenkönige und plünderte Auaris. Er konnte die Stadt jedoch nicht erobern. Dies gelang erst Ahmose gegen Ende seiner 25 Jahre langen Herrschaft.

Von entscheidender Bedeutung war die Kontrolle der Grenze zu Nubien. Nachdem Ahmose einen Boten der Hyksos mit einem Gesuch um Hilfe an das nubische Kerma abgefangen hatte, schnitt er durch verstärkte Kontrollen die Hyksos von jeder Verstärkung ab. Die Hyksos wurden aus Ägypten vertrieben. Danach wurde das nubische Kerma zerstört. Unternubien wurde zurückerobert, die Grenze zu Lybien gefestigt, die Festung Buhen erweitert und das Amt des Vizekönigs von Kusch eingeführt. Neue Hauptstadt des somit geeinten Reiches wurde Theben.

Ahmose betrieb in den letzten fünf Jahren seiner Herrschaft ein großangelegtes Bauprogramm. In Auaris wurden Paläste und Verteidigungsanlagen der Hyksos zerstört und durch neue ersetzt. Daneben konzentrierte sich seine Bautätigkeit auf die Grenzfeste Buhen sowie Memphis, Karnak, Heliopolis und v. a. Abydos.

Zusammenfassung

  • Die Zweite Zwischenzeit bezeichnet den Zeitraum zwischen dem Mittleren und dem Neuen Reich, ca. 1648 bis 1550 v. Chr.
  • Zur Zweiten Zwischenzeit werden gemeinhin die 13., 14., 15., 16. und 17. Dynastie gezählt, möglicherweise auch eine sog. Abydos-Dynastie.
  • In der Zweiten Zwischenzeit entstanden im ehemals geeinten Ägypten lokale Königtümer, die von diesen Dynastien beherrscht wurden.
  • Kennzeichnend ist ein teilweises Nebeneinander der verschiedenen Dynastien.
  • Bestimmend war die 15. Dynastie, die sog. Hyksos Dynastie semitisch-kanaanäischen Ursprungs.
  • In dem von Machtzersplitterung, Hungernöten und möglicherweise Epidemien heimgesuchten Ägypten konnten die westasiatischen Herrscher ihr Herrschaftsgebiet von Auaris bis nach Theben erweitern, wobei sie die 13., 14., 15. und 16. Dynastie ersetzten.
  • In Theben jedoch formierte sich mit der 17. Dynastie Widerstand gegen die Übermacht der Hyksos.
  • Unter den Ahmosiden wurden die Hyksos bekämpft und schließlich von Ahmose I. aus ihrer Hauptstadt Auaris und Ägypten vertrieben.
  • Mit der durch Ahmose I. hergestellten Reichseinheit begann das Neue Reich unter der Herrschaft der 18. Dynastie in Theben.

Literatur

  • Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen. Albatros, Düsseldorf 2002, ISBN 3-491-96053-3
  • Detlef Franke: Personendaten aus dem Mittleren Reich (20.-16. Jahrhundert v. Chr.), ISBN 3447024844
  • Christian E. Schulz: Die Vorderasiatische Besiedlung des Ostdeltas, E-Book

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