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Altes Ägypten: Neues Reich und seine Dynastien: Daten, Ereignisse und Pharaonen


Das Neue Reich im Alten Ägypten fasst eine Blütezeit zusammen, an deren Anfang die Vertreibung der westasiatischen Hyksos stehen. Dadurch kommt es zu einer Reichseinigung, welche circa 500 Jahre andauern sollte.

Die Annalen des Neuen Reichs berichten aber auch von Eroberungsfeldzügen, Grenzverteidigungen und Machtkämpfen im Inneren. Diese bedeutende Epoche der Geschichte sah den Aufstieg und Fall der ersten monotheistischen Religion und brachte den ersten Friedensvertrag der Geschichte hervor. Es ist die Zeit, die das Beste und das Schlechteste des alten Ägyptens hervorbrachte.

Neues Reich: Zeiteinteilung, Abgrenzung und Bedeutung

Der Begriff „Neues Reich“ ist lediglich ein Konvention, um eine Zeitraum des Hochs und der Einigung von anderen Zeiträumen abzutrennen bzw. herauszuheben. Der Historiker Manetho, welcher im 3 Jhd. v.Chr. lebte, teilte die Epochen in Dynastien ein. Diese Methode ist die eigentlich geeignetere. Und das „Neue Reich“ umfasst die 18. bis 20. Dynastien. Und je nach chronologischer Methode ergeben sich verschiedene Jahreszahlen.

Epoche Zeitspanne
Vorgeschichte vor 4000 v.Chr.
Prädynastische Epoche ca. 4000 v.Chr. bis 2950 v.Chr. oder bis 3032 v.Chr.
Frühdynastische Zeit
  • ca. 2950 v.Chr. bis 2575 v.Chr.
  • ca. 3032 v.Chr. bis 2707 v.Chr.
Altes Reich
  • ca. 2575 v.Chr. bis 2125 v.Chr.
  • ca. 2707 v.Chr. – 2216 v.Chr.
Erste Zwischenzeit
  • ca. 2125 v.Chr. bis 2010 v.Chr.
  • ca. 2216 v.Chr. bis 2137 v.Chr.
Mittleres Reich
  • ca. 2010 v.Chr. bis 1630 v.Chr.
  • ca. 2137 v.Chr. bis 1781 v.Chr.
Zweite Zwischenzeit
  • ca. 1630 v.Chr. bis 1539 v.Chr.
  • ca. 1648 v. Chr. bis 1550 v.Chr.
Neues Reich
  • neueste: ca. 1539 v.Chr. bis 1069 v.Chr.
  • gängigste: ca. 1550 v.Chr. bis 1070 v.Chr.
Dritte Zwischenzeit
  • ca. 1069 v.Chr. bis 664 v.Chr.
  • ca. 1070 v.Chr. bis 664 v.Chr.
Spätzeit ca. 664 v.Chr. bis 332 v.Chr.
Griechisch römische Zeit 332 v.Chr. bis 395 n.Chr.

Der erste Herrscher der 18. Dynastie war Ahmose I., welcher 20 Jahre lang, Herrscher der 17. Dynastie war und dann die 18. begründete. Die Dynastien ergeben sich durch kulturelle Wendepunkte oder Wahl der Hauptstadt. Die Gründung der 18. Dynastie ist gleichbedeutend mit der Vertreibung der Hyksos, welche 108 Jahre lang Ägypten mitregierten. Außerdem wurde, unter der 18 Dynastie, Armarna (Acheton) zur neuen Hauptstadt des Reiches.

Das Neue Reich (1550 bis 1070 v. Chr.) markiert in vielerlei Hinsicht nicht nur einen Wendepunkt in der Geschichte Ägyptens, sondern der ganzen Welt. Bekannt ist diese etwa 500 Jahre umfassende Periode gewiss für seine beeindruckenden Bauten wie den von Ramses II. (1303 – 1213) erbauten Tempel von Abu Simbel, aber auch das Tal der Könige. Wobei die Mumien der meisten Herrscher des Neuen Reiches allerdings 1871 in der Cachette von Deir el-Bahari gefunden wurden, die wohl in der 22. Dynastie als Depot für die Mumien zum Schutz vor Grabräubern errichtet worden war.

Die Herrschaften berühmter Pharaonen wie Tutanchamun (1342 – 1323) und Ramses II., auch Ramses der Große genannt, fallen in diese Zeit. Es ist aber auch die Epoche Echnatons (ca. 1375 – 1334), eines Pharaos, der vielleicht weniger Bekanntheit erlangt haben mag als manch andere, der aber die Welt nachhaltiger verändert haben dürfte als irgendein anderer Herrscher der Geschichte.

18. Dynastie: Pharaonen und Regierungszeiten

Name Regierungszeit je nach Chronisten
Ahmose I. 1539 v.Chr. bis 1514 v.Chr.
Amenhotep I. 1525 bis etwa 1504 v. Chr.
Thutmosis I. 1504 bis um 1492 v.Chr.
Thutmosis II. 1482 bis 1479 v.Chr.
Hatschepsut 1479 bis 1458 v.Chr.
Thutmosis III. 1458 v.Chr. bis 1425 v.Chr.
Amenophis II. 1428 bis 1397 v. Chr.
Thutmosis IV. 1397 bis 1388 v. Chr.
Amenophis III. 1388 bis um 1351 v.Chr.
Amenophis IV. (Echnaton) 1351 bis 1334 v.Chr.
Semenchkare 1336 bis 1333 v.Chr.
Tutanchamun 1332 bis 1323 v.Chr.
Eje II. 1323 bis 1319 v.Chr.
Haremhab 1319 bis 1292 v.Chr.

Zum Ende der Zweiten Zwischenzeit und der 17. Dynastie, die dem Neuen Reich unmittelbar vorausging, war Ägypten gespalten. Denn der Norden stand unter der Fremdherrschaft der sogenannten Hyksos, ausländischer Pharaonen. Gegen Ende der 17. Dynastie, um 1550 v. Chr., herrschte der Pharao Ahmose, über den auch nicht viel mehr bekannt ist als sein Thronname Senacht-en-Re.

Er gilt als Begründer des Herrschergeschlechts der Ahmosiden, welche später mit Ahmose I. den ersten Herrscher der 18. Dynastie und des Neuen Reiches stellen sollten. Der letzte Pharao der Zweiten Zwischenzeit war Kamose (†1550), der militärische Erfolge gegen die Hyksos erzielen konnte. Als wirkliche „Vereinerin Ägyptens“ gilt aber Ahhotep I. (1575 – 1530), Gemahlin von Kamoses Vorgänger Taaa oder auch Seqen-en-Re (†1545).

Ahmose I.: Vereinigung Ägyptens

Ahhotep I. herrschte nach Kamoses Tod (17. Dynastie) stellvertretend für ihren minderjährigen Sohn Ahmose I. und erzielte wichtige Erfolge gegen die Hyksos, was ihr den Beinamen „Vereinerin Ägyptens, die die Hyksos vertrieb“ einbrachte. Es war jedoch ihr Sohn Ahmose I. selbst, der die Hyksos wirklich final aus dem Nildelta vertreiben und die thebanische Herrschaft durch die Einung Ägyptens wiederherstellen konnte.

So leitete er die 18. Dynastie und das Neue Reich ein. Auch bekräftigte Ahmose I. Ägyptens Machtansprüche über die ehemals unterworfenen Gebiete Kanaan und Nubien. Ganz allgemein hatte die Fremdherrschaft durch die Hyksos das Verhältnis Ägyptens zur Außenwelt verändert, und so trat es einerseits in regen Austausch mit ihr und geriet andererseits vermehrt in Auseinandersetzungen mit ihr.

Amenophis I. bis Thutmosis IV.: Feldzüge

Ahmoses I. Sohn und Nachfolger Amenophis I. (†1504) festigte Ägypten innenpolitisch, trieb aber außenpolitisch auch die Expansion voran. Vor allem im Süden eroberte er weite Teile Nubiens von den Hyksos zurück. Amenophis I. ist aber auch ein wichtiger Bauherr, der zahlreiche Denkmäler errichten ließ. Sein angeheirateter Nachfolger Thutmosis I. (†1492) führte nicht nur die Feldzüge gegen Nubien weiter, sondern stieß auch in Syrien bis zum Euphrat vor, was als Gegenschlag gegen die Hyksos gesehen werden kann.

Auf die relativ kurze Herrschaft Thutmosis‘ II. (†1479) folgte eine Zeit des Friedens, denn seine Halbschwester und Ehefrau Hatschepsut (†1458) regierte zunächst noch anstelle ihres minderjährigen Stiefsohnes Thutmosis III. (1486 – 1425), ehe sie als Alleinherrscherin auftrat. Hervorgegangen war Thutmosis III. aus der Beziehung Thutmosis‘ II. mit seiner Zweitfrau Isis.

Der Frieden währte aber nicht lange. Thutmosis III., der Hatschepsut auf den ägyptischen Thron folgte, gilt noch heute als „Napoleon der Pharaonen“, denn in zahlreichen Eroberungsfeldzügen führte er Ägypten zu neuer Größe. Unter seiner Herrschaft erreichte Ägypten seine größte Ausdehnung. So eroberte Thutmosis III. etwa Syrien und Palästina bis zur Ebene von Karkemisch. Die mit der Expansion einhergehende Konfrontation mit den Kulturen Vorderasiens führte zu gewissen Veränderungen. Die Milizen, die bislang das Heer gestellt hatten, wurden durch Berufssoldaten ersetzt. So wuchs auch der Einfluss des Heeres gegenüber dem Beamtentum.

Der Sohn von Thutmosis III., Amenophis II. (†1397), regierte zwei Jahre lang mit seinem Vater zusammen und nach dessen Tod alleine. Auch er war ein eher kriegerischer Herrscher, der viele Feldzüge unternahm – etwa gegen das am oberen Euphrat gelegene syrische Großreich Mittani.

All dies änderte sich mit der Herrschaft von Thutmosis IV. (†1388). Dieser schloss Frieden mit den verfeindeten Ländern und hielt ihn mittels einer ausgeklügelten Heiratspolitik aufrecht. So erreichte er eine kulturelle Blütezeit für Ägypten, in der unter anderem der Große Sphinx von Gizeh wieder freigelegt wurde.

Amenophis III.: Ringen mit der Priesterschaft

Die Regierungszeit von Amenophis III. (1403 – 1351) war von einem Machtkampf gegen die Amun-Priesterschaft in der Hauptstadt Theben geprägt, die mittlerweile fast so viel Macht und Reichtum erlangt hatte wie der Pharao selbst. Amenophis III. verlegte den Hauptregierungssitz wieder nach Memphis und setzte wieder einen stärkeren Fokus auf die Verehrung anderer Gottheiten.

Die Göttinnen Hathor, die Gemahlin des Sonnengottes Re und Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit, und Mut, die in Theben Amaunet als Gemahlin Amuns verdrängt hatte und als Mutter des Pharaos galt, sollten wieder stärker verehrt werden, aber etwa auch der Krokodilsgott Sobek. Besonderen Fokus legte Amenophis III. auf die Verehrung des Atons, der Sonnenscheibe. Der Sonnengott Re galt in der Gestalt Atums in der ägyptischen Mythologie als Schöpfer der Welt und Vater anderer Götter. Die Sonne wurde also stets als Haupt- und Schöpfergott verehrt.

Hinzukamen die engen Kontakte zum Hethiterreich und dem Königreich Mitanni, durch die sich Amenophis‘ III. Herrschaft auszeichnete. In beiden Ländern wurde die Sonne als Hauptgottheit verehrt.

Zu Mitanni unterhielt Amenophis III. zwar enge diplomatische Beziehungen, doch gegen Nubien führte er Krieg. Ein weiteres Merkmal seiner Herrschaft war die ausgeprägte Bautätigkeit. So ließ Amenophis III. etwa den Hauptteil des Luxor-Tempels und seine Totentempel in Theben-West errichten. Von Letzterem sind heute nur noch die stark in Mitleidenschaft gezogenen Memnonkolosse übrig.

Echnaton: „Der Ketzerpharao“

1353 v. Chr. bestieg entgegen aller Wahrscheinlichkeit Amenophis IV. (†1336) den Thron, der bis dahin vermutlich aufgrund durch Akromegalie, einer hormonellen Wachstumsstörung, bedingter körperlicher Fehlbildungen nicht Teil des öffentlichen Lebens gewesen sein dürfte. Bereits in seinem 5. Regierungsjahr stellte Amenophis IV. dann die Welt auf den Kopf. Denn der Pharao benannte sich in Echnaton („Der Aton dient“) um, entmachtete sämtliche Priester und erklärte Aton quasi zum alleinigen Gott. Dieser stand anfangs nur klar über den anderen Göttern, sollte diese aber, mit der Zeit, praktisch komplett verdrängen.

Aus dem zum Henotheismus tendierenden Polytheismus der alten Ägypter wurde der erste Monotheismus. Man spricht vom Atonismus bei der Religion und von der Amarna-Zeit bei der Epoche. In seinem 6. Regierungsjahr verlegte Echnaton den Regierungssitz in die zu Ehren Atons neu errichtete Stadt Achetaton (Armana), von wo aus er mit seiner Hauptfrau Nofretete (weder Geburts- noch Todesjahr bekannt) relativ isoliert vom Rest Ägyptens regierte.

Nofretete hatte enormen Einfluss und kann schon fast als Mitregentin gesehen werden. Überhaupt stärkte Echnaton wohl die Position der Frau in Ägypten, wobei man festhalten sollte, dass Frauen im Alten Ägypten im Vergleich zu anderen antiken Kulturen bereits einen sehr guten Stand hatten.

In der Kunst ordnete Echnaton einen Hyperrealismus an, der den bislang idealisierten Darstellungen seiner Vorgänger entgegenwirkte. Er selbst wird auf den wenigen erhaltenen Abbildungen mit aufgeblähtem Bauch, langen, dürren Gliedmaßen und einem deformierten Kopf dargestellt, was die Vermutung der Akromalgie-Erkrankung nahelegt.

An seinem Volk und Außenpolitik, die er vermutlich seiner Mutter Teje überließ, hatte Echnaton wenig Interesse. Das Unterlassen von militärischer Hilfe führte zu herben Verlusten bei Ägyptens Verbündeten. Innenpolitisch soll seine Herrschaft nicht nur durch Theokratie und religiöse Verfolgung, sondern auch Enteignungen geprägt gewesen sein. In seiner Rezeption beim ägyptischen Volk stellt Echnaton daher eine wahre Ausnahmeerscheinung dar. Während andere Pharaonen über den Tod hinaus höchstes Ansehen genossen, sah man in Echnaton „den Feind“ und einen „Kriminellen“. Er war so verhasst, dass die Ägypter die meisten Zeugnisse seiner Herrschaft nach seinem Tod vernichteten.

Die Rezeption der Nachwelt ist in jeglicher Hinsicht gespalten. Echnatons Einfluss auf die Entstehung anderer monotheistischer Religionen, sprich des Judentums und infolgedessen des Christentums und des Islams, ist seit über einem Jahrhundert eine heiß diskutierte Streitfrage. Während etwa Sigmund Freud in Echnaton gar den biblischen Moses zu erkennen glaubte, lehnen andere eine Verbindung gänzlich ab.

Auch die Beurteilung von Echnatons Regentschaft fällt sehr unterschiedlich aus. Er wird betitelt als „Ketzer“, „wahnsinnig“ und „fanatisch“. Viele sehen in ihm einen brutalen und ignoranten Autokraten, der ein theokratisches Regime der Unterdrückung und Ausbeutung errichtete. Völlig konträr dazu wird Echnaton aber auch als „Revolutionär“, „größter Idealist der Welt“, „enigmatisch“ und gar „erstes Individuum der Geschichte“ gesehen. Die Beurteilung seiner Person geht also von Heiligem bis hin zur Personifikation des Bösen.

Neferneferuaton bis Haremhab: Restauration

Die direkte Nachfolge Echnatons gibt der Forschung bis heute einige Rätsel auf. Vermutlich folgte ihm um 1330 v. Chr. zunächst eine Herrscherin namens Neferneferuaton auf den Thron, über die im Grunde nichts bekannt ist. Manche Forscher glauben, es könne sich bei Neferneferuaton in Wahrheit um Nofretete handeln, die Echnaton entgegen bisheriger Vermutungen überlebt haben könnte.

Auch Meritaton (genaue Lebensdaten nicht bekannt), die Tochter Echnatons und Nofretetes, könnte sich hinter Neferneferuaton verbergen. Wahrscheinlicher ist aber, dass Meritaton die Gemahlin des nächsten Pharaos auf dem Thron Ägyptens war: Semenchkare. Auch über ihn weiß man im Wesentlichen nichts, nicht einmal, ob er Echnaton vielleicht sogar direkt auf den Thron folgte.

Der erste wirklich nennenswerte Nachfolger Echnatons ist sein Sohn Tutanchaton (1343 – 1323), der sich früh in Tutanchamun umbenannte, was schon einen Hinweis darauf liefert, wie Tutanchamun mit dem religiösen Erbe seines Vaters verfuhr. Zunächst stand der Kindkönig wohl unter dem starken Einfluss seines Wesirs Eje (†1319), der Priesterschaft und hoher Beamter.

Unter Tutanchamuns Herrschaft wurde der Glaube an die alten Götter wieder hergestellt und der Regierungssitz zurück nach Memphis verlegt. Mit Tutanchamun endet also die Amarna-Zeit endgültig, obgleich einige Veränderungen aus Echnatons Regierungszeit zunächst noch beibehalten wurden.

Zeugnisse aus dieser Zeit beschreiben dennoch einen Verfall des Landes unter Aton. Heerführer und Stellvertreter Tutanchamuns war General Haremhab (†1292). Die Kinder Tutanchamuns und seiner Gemahlin Anchesenamun (1348 – 1322), ebenfalls ein Kind Echnatons, waren beides Töchter, erreichten aber nicht einmal das Kleinkindalter – eine war eine Totgeburt, die andere starb als Baby. So hatte Tutanchamun keine direkten Erben.

Tutanchamuns Wesir Eje, der auch den Namen „Gottesvater“ führte und vielleicht Nofretetes Vater war, bestieg 1323 v. Chr. als Eje II. den Thron. Er führte im Wesentlichen Tutanchamuns Politik fort.

Nach Ejes II. Tod konnte sich Tutanchamuns Heerführer Haremhab als neuer Pharao durchsetzen. Haremhab machte mit dem verbleibenden Erbe Echnatons, dem schwere Verstöße gegen die Maat (göttliche Weltordnung) vorgeworfen wurden, kurzen Prozess. Außerdem beseitigte er wirtschaftliche und soziale Missstände aus der Herrschaftszeit seiner Vorgänger. Mit Haremhab endet die 18. Dynastie.

19. Dynastie: Pharaonen und Regierungszeiten

Name Regierungszeit je nach Chronisten
Ramses I. 1291 bis 1290 v. Chr.
Sethos I. 1290 bis 1279 v.Chr.
Ramses II. 1279 bis 1213 v.Chr.
Merenptah 1213 bis 1204 v.Chr.
Amenmesse 1203 bis 1200 v. Chr.
Sethos II. 1200 bis 1198 v.Chr.
Siptah 1198 bis 1193 v.Chr.
Tausret 1193 bis 1190/1188 v.Chr.

Ramses I. und Sethos I.: „Wiedergeburt Ägyptens“

Ramses I. (um 1355 – 1290) war wie sein Vorgänger Haremhab ein General. Er diente unter dem kinderlosen Haremhab später auch als Wesir, was ihn in die Position brachte, dessen Nachfolge anzutreten und die Dynastie der Ramessiden zu begründen.

Ramses I. war bei seiner Thronbesteigung schon weit über 50 und regierte nur etwas über ein Jahr, ehe sein Sohn Sethos I. (1323 – 1279) seine Nachfolge antrat. Laut Sethos I. hätten vor der Thronbesteigung Ramses‘ I. „verwahrloste Umstände in Ägypten“ geherrscht. Auch wenn Sethos I. Echnaton und die Amarna-Zeit nicht einmal mehr beim Namen nannte, sprach er doch von der „Herrschaftsdauer der Sünde“ bzw. des Isfet (Gegenstück zur Maat) und bezeichnete seinen Regierungsantritt als „Wiedergeburt Ägyptens“.

Bereits in seinem ersten Regierungsjahr führte Sethos I. Krieg gegen Retjenu. Er führte in Syrien Krieg gegen die Hethiter und schlug einen Aufstand in Nubien binnen einer Woche nieder. Außerdem ist Sethos I. für seine rege Bautätigkeit bekannt.

Ramses II.: Der Große

Ramses II. regierte Ägypten 67 Jahre lang und kann als der wohl bedeutendste Pharao der ägyptischen Geschichte eingestuft werden. Mit seinen drei Großen königlichen Gemahlinnen zeugte Ramses II. vermutlich über 15 Kinder. Nefertari war die Mutter:

  • des Kronprinzen Amunherchepeschef (vermutlich im 25. Regierungsjahr seines Vaters verstorben),
  • des weiteren Sohnes Paraherwenemef (drittgeborener Sohn, vermutlich vor dem 50. Regierungsjahr seines Vaters verstorben),
  • der Söhne Meriatum und Seti
  • und der Töchter Meritamun (selber eine Große königliche Gemahlin ihres Vaters Ramses‘ II.), Henuttaui, Baketmut und Nefertari.

Ramses zweite Frau Isisnofret gebar

  • die Töchter Bintanat (weitere Große königliche Gemahlin), Nebettaui und Isisnofret
  • und Ramses Sohn Chaemwaset (1281 – 1225: zweitgeborener Sohn, nach Amunherchepeschefs Tod Kronprinz, selbst im 50. Regierungsjahr Ramses‘ II. verstorben)
  • und Merenptah (†1204, Ramses‘ II. Nachfolger, obwohl er erst der 13. Sohn war).

Zur dritten Großen königlichen Gemahlin, mit der Ramses II. keine bekannten Kinder zeugte, später mehr. Insgesamt sind für Ramses II. 40 Töchter und 45 Söhne verbürgt.

Wichtigster Ratgeber Ramses‘ II. war der schon unter Sethos I. tätige Wesir Paser (†1240).

Das wohl größte Problem, das Ramses II. während seiner Herrschaft zu lösen hatte, war der Krieg mit den Hethitern. Die syrischen Vasallenstaaten im Norden begehrten zunehmend gegen die ägyptische Fremdherrschaft auf. Bereits Sethos I. hatte hier dann auch mit dem sich nach Süden ausdehnenden Hethiterreich kämpfen müssen.

1276 v. Chr. zog Ramses II. selbst gegen Syrien. Die Rückeroberung von Amurru, provozierte den offenen Krieg mit den Hethitern. Am 12. Mai 1274 v. Chr. traf das 20.000 Mann starke Heer von Ramses II. bei Kadesch auf die Streitmacht des Hethitherkönigs Muwattallis II. (†1272). Diese bestand aus zwei Divisionen von jeweils fast 19.000 Fußsoldaten und 2500 bis 3500 Streitwagen. Obgleich Ramses II. Kadesch nicht einnehmen konnte, inszenierte er die legendäre Schlacht bei Kadesch daheim als Sieg.

In den folgenden 15 Jahren gelang es den Hethitern bis nach Ägypten vorzudringen. Dann jedoch wendete sich das Blatt: Der Hethiterkönig Ḫattušili III. (†1236) sah sich mit einem neuen Feind, den Assyrern, konfrontiert und bot Ramses II. einen Friedensschluss an. So wurde 1259 v. Chr. der erste bekannte Friedensvertrag der Geschichte geschlossen.

Zum Friedensschluss mit Ḫattušili III. heiratete Ramses II. in seinem 34. Regierungsjahr zudem dessen Tochter Sauškanu, die sich in Maathorneferure umbenannte und Ramses II. dritte Große königliche Gemahlin wurde. Der Frieden mit den Hethitern hatte weit über Ramses‘ II. Tod hinaus Bestand und das Bündnis schloss etwa Getreidelieferungen Merenptahs an die Hethiter während einer Hungersnot ein.

Obwohl Ramses II. auch in Kämpfe gegen die libyschen Stämme im Nordwesten und die Nubier im Süden verstrickt war, bescherte er Ägypten doch die längste Friedenszeit seiner Geschichte.

Ramses II. war aber auch ein bedeutender Bauherr und errichtete unter anderem den Tempel von Abu-Simbel und das Ramesseum. Er baute auch viele bestehende Tempel aus.

Ramses II. hat es aber in vielerlei Form, auch bis heute, zu großer Bekanntheit gebracht. So wird etwa gemeinhin angenommen, dass es sich beim Pharao im Buch Exodus (2. Buch Mose) um Ramses II. handelt. Das Sonett „Ozymandias“ von Percy Bysshe Shelley (Ehemann von Frankenstein-Schöpferin Mary Shelley) greift den gräzisierten Thronnamen Ramses‘ II. im Titel auf und erzählt von einem Wanderer aus einem fernen Land, der von einer zerstörten Kolossstatue Ramses‘ II. berichtet. Zu besonderer Bekanntheit brachte es vor allem dieser Vers:

„My name is Ozymandias, king of kings, Look on my works, ye Mighty, and despair!“

Übersetzt: Mein Name ist Osymandias, aller Kön’ge König: Seht meine Werke, Mächt’ge, und erbebt!)

Des Weiteren benannte sich der von Alan Moore geschaffene Comic-Antiheld Ozymandias („Watchmen“) nach Ramses II.. Das Erbe von Ramses dem Großen ist also bis heute lebendig.

Merenptah bis Tausret: das Ende einer Dynastie

Merenptah hielt zwar den Frieden mit den Hethitern aufrecht, musste jedoch Feldzüge in Syrien und gegen die Libyer in Nubien, die dort Oasen zerstört hatten, führen. Auch wenn der Auszug der Israeliten vermutlich in die Herrschaftszeit Ramses‘ II. fiel, findet sich die erste Erwähnung der Israeliten unter Merenptah.

Die weitere Thronfolge in der 19. Dynastie ist etwas verworren und man weiß auch nur wenig über die betreffenden Herrscher. So ist man sich in der Forschung uneinig, ob Sethos II. (†1198) oder Amenmesse die Nachfolge Merenptahs antrat. Amenmesse könnte auch mit dem sowohl unter Merenptah als auch unter Sethos II. belegten Vizekönig von Kusch, Messui, identisch sein und wäre somit ein Gegenkönig.

Auch die genauen Verwandtschaftsverhältnisse können nur spekuliert werden. Vermutlich ist Sethos II. aber Merenptahs Sohn. Ihm folgte sein noch minderjähriger Bruder Siptah (†1193) auf den Thron und herrschte offiziell über das Reich, während seine Stiefmutter Tausret (†1186), eine Gemahlin Sethos‘ II., die eigentlichen Regierungsgeschäft führte. Nach Siptahs Tod nahm Tausret offiziell den Titel der Pharaonin an und regierte das Land für acht Jahre bis zu ihrem Tod. Mit Tausret klingt dann die 19. Dynastie aus.

Die 20. Dynastie: Pharaonen und Regierungszeiten

Name Regierungszeit je nach Chronisten
Sethnacht 1190 v. Chr. bis 1187 v. Chr.
Ramses III. 1187 bis 1156 v.Chr.
Ramses IV. 1156 bis 1150 v.Chr.
Ramses V. 1150 bis 1145 v.Chr.
Ramses VI. 1145 bis 1137 v.Chr.
Ramses VII. 1137 bis 1130 v.Chr.
Ramses VIII. 1129 bis 1128 v.Chr.
Ramses IX. 1128 bis 1109 v.Chr.
Ramses X. 1109 bis 1105 v.Chr.
Ramses XI. 1105 bis 1070/76 v.Chr.

Sethnacht: der Usurpator

Die Forschung weiß bis heute nicht, was genau sich rund um den Übergang von der 19. in die 20. Dynastie abgespielt hat. Es sollen anomische (gesetzlose) Zustände geherrscht haben. Aus den Wirren nach Tausrets Tod erstarkte Sethnacht (†1188), der Feinde Ägyptens im In- und Ausland bezwungen hatte, als neuer Herrscher und ließ sich als vom Sonnengott Re selbst erwählt zum Pharao krönen.

Das Andenken an Tausret versuchten er und sein Sohn und Erbe Ramses III. (1221 – 1156), so gut es ging, auszulöschen. Sethnacht wurde sogar in dem für Tausret bestimmten Grabmal beigesetzt.

Ramses III.: Der letzte große Pharao Ägyptens

Die Herrschaftszeit Ramses‘ III., der seinem Vater nach dreijähriger Herrschaft auf den Thron folgte, war geprägt von Verteidigungsfeldzügen. In seinem dritten Regierungsjahr fielen die mit den Meschwesch und Seped im Bündnis stehenden Libyer ins westliche Nildelta ein, wo Ramses III. und sein Heer sie vernichtend schlugen.

Um 1177 v. Chr. musste Ägypten sich dann – erneut am Nildelta – räuberischer Volksgruppen aus der Ägäis erwehren. Dieser Seevölkersturm über das östliche Mittelmeer und auf dem Landwege einfallender Gruppen war eine Folge der großen Völkerwanderung aus dem Osten. Die Ägypter schlugen sie an Land wie auf See überaus erfolgreich zurück. Auch eines weiteren darauffolgenden Angriffs der Libyer konnte Ramses III. sich erwehren.

Machtlos war er aber gegen die Feinde im Inneren, genauer gesagt in seinem unmittelbaren Umfeld. 1156 v. Chr. fiel Ramses III. einer Verschwörung zum Opfer, die wohl von seiner Nebenfrau Teje und deren Sohn Pentawer initiiert wurde. Auch andere Mitglieder des Harems und hohe Würdenträger des Hofes, der Armee und der Haremsverwaltung waren an der sogenannten Haremsverschwörung beteiligt, die der Sohn und Nachfolger Ramses‘ III., Ramses IV. (†1150), erfolgreich aufklären konnte. Die Verschwörer wurden zur Strecke gebracht.

Ramses IV. – Ramses XI.: Kampf um den Thron

Ramses IV. mochte es noch einmal gelungen sein, den Thron gegen die Verschwörer aus den eigenen Reihen für sich zu behaupten, doch nach seinem Tod brachen bürgerkriegsähnliche Zustände aus, in denen Nachkommen Ramses‘ III. und Ramses‘ IV. um die Macht stritten. Dies schwächte das Ansehen des Pharaos beim Volk und stärkte im Umkehrschluss die Macht der Priester. Aus der Herrschaftszeit Ramses V. (†1145) sind überdies einige Rechtstexte überliefert.

Unter Ramses VI. (†1137) fielen die Libyer erneut in Ägypten ein. Als wäre dies nicht alles dramatisch genug gewesen, setzte unter Ramses VII. (†1129) eine große Wirtschaftskrise ein, die noch lange Bestand haben und am Ende gar zum Zusammenbruch des Neuen Reiches unter Ramses XI. (†1070) führen sollte.

Über Ramses VIII., der noch in seinem ersten Regierungsjahr (1128) verstarb, weiß man im Grunde nichts. Ramses IX. (†1109) und Ramses X. (†1105) konnten wieder eine gewisse Stabilität im Land herstellen, doch den Zusammenbruch der alten Pharaonendynastien nicht mehr aufhalten. Es war nicht nur die Wirtschaftskrise, die das Reich unter Ramses XI. in einen Bürgerkrieg stürzen ließ. Die Amun-Priester in Theben hatten während des Ringens um den Thron so große Macht gewonnen, dass sie sich mit dem König auf eine Stufe stellen konnten und so die Macht der Pharaonen zum Erliegen brachten.

Zusammenfassung

  • Ende der 17. Dynastie hat das neue Herrschergeschlecht der Ahmosiden die ausländischen Hyksos weitestgehend aus Ägypten vertrieben.
  • Ahmose I. kann die Hyksos final vertreiben und auch andernorts ägyptische Machtansprüche durchsetzen.
  • Die nachfolgenden Herrscher sind fast alle in Feldzüge verstrickt, bei denen Territorium verteidigt oder dazugewonnen wird.
  • Um die Macht der Priester zu schwächen, will Amenophis III. einen stärkeren Fokus auf die Verehrung des Atons legen. Eine Politik, die sein Nachfolger Echnaton weiterverfolgen wird.
  • Echnaton errichtet einen autokratischen, monotheistischen Gottesstaat.
  • Echnatons Sohn und indirekter Nachfolger Tutanchamun leitet eine Restaurationsphase ein und kehrt zu den alten Göttern zurück.
  • Spätestens unter Haremhab werden die meisten Zeugnisse von Echnatons Herrschaft vernichtet.
  • Ramses I. begründet eine neue Herrscherdynastie, stirbt aber bald danach.
  • Nach Sethos I. besteigt der größte Pharao der ägyptischen Geschichte den Thron: Ramses II..
  • Obgleich Ramses II. immer wieder zu Feldzügen zur Grenzverteidigung gezwungen wird, handelt er den ersten Friedensvertrag der Geschichte aus.
  • Aus den Wirren um den Thron nach dem Tod von Ramses‘ II. Erben Merenptahs kann sich am Ende Tausret als neue Pharaonin herauskristallisieren.
  • Nach Tausrets Tod herrschen anomische Zustände in Ägypten, aus denen der Usurpator Sethnacht als neuer Pharao hervorgeht.
  • Sethnachts Sohn Ramses III. muss Ägypten immer wieder gegen Feinde von außen verteidigen und fällt dann einer Verschwörung in seinem innersten Kreis zum Opfer.
  • Ramses IV. kann die Verschwörer erfolgreich zur Strecke bringen und den Thron noch einmal festigen.
  • Kämpfe der Erben Ramses‘ III. und Ramses‘ IV. um den Thron und eine lang anhaltende Wirtschaftskrise schwächen das Ansehen des Pharaos zunehmend.
  • Die Amun-Priesterschaft in Theben gewinnt in den bürgerkriegsähnlichen Zuständen an Einfluss.
  • Das Neue Reich bricht zusammen und die Dritte Zwischenzeit beginnt.

Literatur

  • Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen. Albatros, Düsseldorf 2002, ISBN 3-491-96053-3
  • Susanne Martinssen-von Falck: Die großen Pharaonen: Vom Neuen Reich bis zur Spätzeit, ISBN 3737410577
  • Michael E. Habicht: Das Imperiale Ägypten: Die Geschichte des Neuen Reiches und der dritten Zwischenzeit, ISBN 3737540128

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LG Mathias Mücke


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