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Mittlere Reich (Ägypten): Dynastien, Pharaonen, Ereignisse, Untergang


Als Mittleres Reich bzw. Feudalzeit wird die Epoche zwischen 2137 v.Chr. bis 1781 v.Chr, in der Geschichte des Alten Ägyptens bezeichnet. Während der Zeit des Mittleren Reiches kam es zur zweiten Reichseinigung in Ägypten. Die Pharaonen der 11. und 12. Dynastie errichteten eine Reihe an Denkmälern und anderen Bauwerken. Außerdem erweiterten viele durch Feldzüge ihr Reich.

Mittleres Reich: Zeiteinteilung und Abgrenzung

Epoche Zeitspanne
Vorgeschichte vor 4000 v.Chr.
Prädynastische Epoche ca. 4000 v.Chr. bis 2950 v.Chr. oder bis 3032 v.Chr.
Frühdynastische Zeit
  • ca. 2950 v.Chr. bis 2575 v.Chr.
  • ca. 3032 v.Chr. bis 2707 v.Chr.
Altes Reich
  • ca. 2575 v.Chr. bis 2125 v.Chr.
  • ca. 2707 v.Chr. – 2216 v.Chr.
Erste Zwischenzeit
  • ca. 2125 v.Chr. bis 2010 v.Chr.
  • ca. 2216 v.Chr. bis 2137 v.Chr.
Mittleres Reich
  • ca. 2010 v.Chr. bis 1630 v.Chr.
  • ca. 2137 v.Chr. bis 1781 v.Chr.
Zweite Zwischenzeit
  • ca. 1630 v.Chr. bis 1539 v.Chr.
  • ca. 1648 v. Chr. bis 1550 v.Chr.
Neues Reich
  • ca. 1539 v.Chr. bis 1069 v.Chr.
  • ca. 1550 v.Chr. bis 1070 v.Chr.
Dritte Zwischenzeit
  • ca. 1069 v.Chr. bis 664 v.Chr.
  • ca. 1070 v.Chr. bis 664 v.Chr.
Spätzeit ca. 664 v.Chr. bis 332 v.Chr.
Griechisch römische Zeit 332 v.Chr. bis 395 n.Chr.

Das Mittlere Reich bezeichnet das Alte Ägypten in der Zeit von etwa 2137 bis 1781 v. Chr. Es umfasst die 11. und 12. Dynastie, wobei der Beginn des Mittleren Reichs eigentlich erst unter Mentuhotep II. stattfand. Je nach Chronologie ergeben sich unterschiedliche Epochenanfänge und -enden.

Diese ägyptische Epoche wird auch feudale Epoche bezeichnet. Feudal bedeutet in diesem Zusammenhang sowas wie „luxuriös“. Während der 11. und 12. Dynastie errichteten die Pharaonen eine Reihe an Denkmälern. Auch in kaum bewohnten oder weit entfernten Gebieten des Landes verewigten sie sich auf diese Weise.

Während der Ersten Zwischenzeit war das Reich zerfallen. Mehrere Kleinkönige beherrschten Ägypten. Gegen Ende der 10. Dynastie kristallisierte sich eine Vormachtstellung derer in Neni-nesu heraus. Neni-nesu war eine altägyptische Stadt, die etwa 15 Kilometer westlich von Beni Suef lag. Mehrere Könige der 9. und 10. Dynastie regierten von dort aus, bis Mentuhotep II. die Stadt eroberte.

Neben der Unterteilung in die 11. und 12. Dynastie lässt sich das Mittlere Reich noch in zwei weitere Abschnitte teilen. Diese werden frühes und spätes Mittleres Reich genannt.

Das frühe Mittlere Reich reicht bis Senwosret II., dem vierten Pharao der 12. Dynastie. Bis zu ihm führten die Ägypter noch weitesgehend die Traditionen der Ersten Zwischenzeit fort. Wie sie ihre Pyramiden errichteten erinnert außerdem an das Alte Reich.

Das späte Mittlere Reich beginnt mit Senwosret III, dem fünften Pharao der 12. Dynastie. Ab diesem König waren deutliche Änderungen spürbar. Der Pharao wurde nicht länger als junger, perfekter Mann dargestellt, sondern sollte einen älteren und damit weisen Mann verkörpern. Darüber hinaus schritt die Zentralisierung des Landes fort.

Dieser Trend setzt sich bis in die 13. Dynastie, also über das eigentliche Ende des Mittleren Reiches hinaus, fort.

11. Dynastie

Laut dem Königspapyrus Turin besteht die 11. Dynastie aus sieben Königen, die insgesamt 143 Jahre lang regierten. Wolfgang Helck, ein deutscher Ägyptologe des 20. Jahrhunderts, datierte das Ende der 11. Dynastie auf 1994 v. Chr. Auf diese Weise entstand der Beginn des Mittleren Reichs im Jahr 2137 v. Chr.

Vor Mentuhotep II. regierten entweder drei oder vier thebanische Könige. Damit ist nicht das Theben in Griechenland, sondern eine altägyptische Stadt am Nil in Oberägypten gemeint. Sie wurde auch Waset, Niut oder Niut-reset genannt. Zu erforschen, in welcher Reihenfolge sie regierten, erweist sich durch widersprüchliche Angaben als schwierig. Laut der Königsliste von Karnak ist Mentuhotep I. ein Vorfahre von Anjotef I. Für Mentuhotep II. beginnt die Herrscherfolge jedoch erst mit Anjotef I.

Zu Beginn der 11. Dynastie steigerten die amtieren Könige die Bedeutung des ägyptischen Südens. Mit dem Norden, noch unter Königen der 9. und 10. Dynastie, entstanden immer wieder kriegerische Auseinandersetzungen. Diese setzten sich bis zur Reichseinigung durch Mentuhotep II. fort. Die Reichseinigung fand vermutlich 2061 v. Chr. statt. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Mentuhotep II. etwa in seinem 39. Regierungsjahr. Genauere Angaben sind bisher nicht möglich.

Üblich für die frühe 11. Dynastie waren sogenannte Saff-Gräber. Diese Gräber besaßen Pfeilerfassaden und einen vorgelagerten Hof. Da sie nebeneinander angelegt wurden, tragen sie auch den Namen „Reihengrab“. Saff-Gräber waren vor allen im at-Tarif und Inerty (heute Gebelein) üblich.

Dieser Grabtyp war nur lokal bekannt und schaffte es nicht über die 11. Dynastie hinaus. An den Rändern wurden teilweise Beamte des Hofes beerdigt. Je höher ihr Rang, desto mittiger befand sich ihr Grab.

Pharaonen der 11. Dynastie

Name (Pharao) Regierungszeit nach Thomas Schneider
Mentuhotep I. 2137 v.Chr. bis 2133 v.Chr.
Antef I. 2133 v.Chr. bis 2121 v.Chr.
Antef II. 2121 v.Chr. bis 2072 v.Chr.
Antef III. 2072 v.Chr. bis 2064 v.Chr.
Mentuhotep II. 2061 v.Chr. bis 2010 v.Chr.
Mentuhotep III. 2010 v.Chr. bis 2001 v.Chr.
Mentuhotep IV. 2001 v.Chr. bis um 1994 v.Chr.

Mentuhotep I.

Bei dem Namen Mentuhotep I. handelt es sich um einen Eigennamen. Sein Horusname lautet Hor-tepia. Übersetzt bedeutet dieser „Vorfahr“, weswegen er ihm höchstwahrscheinlich erst nach seinem Tod verliehen wurde. Sein Thronname ist unbekannt.

Mentuhotep I. regierte von etwa 2137 bis 2133 in Oberägypten. Möglicherweise war er auch nur ein thebanischer Fürst, der ein deutlich kleineres Gebiet beherrschte. Er taucht erst in späteren Königslisten auf, sodass es sich möglicherweise auch um eine fiktive Persönlichkeit handelt.
Laut einer Inschrift auf einer Statue auf Elephantine ist er der Vater von Anjotef I. und Anjotef II. Er selbst ist vermutlich der Sohn des Antef, einem thebanischen Königs, welcher als Stammvater der 11. Dynastie gilt. Gesichert sind diese Annahmen jedoch nicht.

Anjotef I.

Anjotef I. regierte etwa von 2133 bis 2121 v. Chr. in Oberägypten. Sein Horusname lautet Seher-taui, einen Thronnamen hatte Anjotef nicht. Dies hängt vermutlich damit zusammen, dass er als thebanischer Fürst begann und sein Reich ausweitete.

Sein Grab wurde bisher nicht gefunden. Es gibt eine Grabstele (ein Pfeiler, der als Grabmal dient) eines Fürsten, der denselben Namen trägt und auf 2115 v. Chr. datiert wurde. Allerdings deuten die Funde darauf hin, dass dieser Anjotef der 9. Dynastie angehört. Er verrichtete nämlich Tribute an die Könige von Neni-nesu.

Anjotef II.

Anjotef II. regierte zwischen 2121 und 2072 v. Chr. Oberägypten. Sein Horusname lautet Wah-anch, sein Thronname ist unbekannt. Er war Sohn von Neferu und Vater von Anjotef III. Seine Verwandtschaft mit Mentuhotep I. und Anjotef I. ist nicht bewiesen.

Während der 50 Jahre andauernden Regentschaft Anjotefs II. herrschte ständig Krieg zwischen Ober- und Unterägypten. Das hängt vermutlich auch damit zusammen, dass er in dieser Zeit sein Reich erweiterte. Am Ende reichte es im Norden bis Qau el-Kebir, was 100 km nördlich von Abydos liegt.

In Karnak ließ Anjotef II. vermutlich als erster Pharao Bauten errichten. Eine Säule, die in einem Tempel gefunden wurde und seinen Namen trägt, deutet darauf hin.
Sein Grab befindet sich in at-Tarif, einem Dorf in der Nähe von Luxor.

Anjotef III.

Dieser Pharao, dessen Horusname Neb-tep-nefer lautet, regierte von etwa 2072 bis 2064 v. Chr. in Oberägypten. Über ihn ist nicht viel bekannt. Er war mit einer Frau namens Jaah verheiratet und hatte mit ihr einen Sohn, Mentuhotep II. Möglicherweise entstammt der Ehe außerdem eine Tochter namens Neferu, mit welcher Mentuhotep II. später verheiratet war. Das ist allerdings nicht bewiesen.
Anjotef III. war vermutlich schon alt, als er den Thron bestieg. Bestattet wurde er in einem Saff-Grab in at-Tarif.

Mentuhotep II.

Mentuhotep II. regierte von etwa 2061 bis 2010 v. Chr. Sein Thronname lautet Neb-hepet-Re. Außerdem sind drei Horusnamen bekannt: Seanch-ib-taui, Netjer-hedjet und Sema-taui. Der Pharao änderte diesen Namen mehrmals, um ihn seiner Art zu herrschen anzupassen.

Er war zunächst nur König von Oberägypten, einte das Land jedoch während seiner Regentschaft. Neben Neferu war Mentuhotep II. außerdem mit einer Frau namens Tem verheiratet. Mit dieser hatte er einen Sohn, Mentuhotep III., der nach ihm Pharao wurde. Fünf weitere Frauen gelten als Nebengemahlinnen.

Zwischen den Jahren 2031 und 2022 v. Chr. wurde Mentuhotep Pharao von Ober- und Unterägypten. Dafür nahm er zuvor die Städte This, Assiut und Neni-nesu ein. Letztere unterwarf er in seinem 14. Regierungsjahr. Als Folge änderte er seinen Horusnamen in die dritte belegte Form. Übersetzt bedeutet Sema-taui „Vereiniger der beiden Länder“. Diese Reichseinigung ist die zweite in der Geschichte des Alten Ägypten.
Während seiner Regentschaft ließ Mentuhotep II. mehrere Tempel errichten oder erneuern. Beispielsweise gab er eine Totenkapelle in Abydos und Deir el-Bahari in Auftrag. In letzterer Stadt errichtete er außerdem seinen Totentempel.

Mentuhotep III.

Mentuhotep III. regierte insgesamt zwölf Jahre. Die ersten davon, von 2013 bis 2010 v. Chr., war er Mitregent an der Seite seines Vaters. Nach dessen Tod blieb er allein auf dem Thron, bis er 2001 v. Chr. starb.

Über diesen Pharao ist nicht viel bekannt, außer dass er viele Tempel bauen ließ. Ein mögliches Grab fand man 1904 auf einem Berg in Theben-West. Sein Horusname war Seanch-taui, seine Thronnamen lauten Seanch-ka-Re und Senefer-ka-re.

Mentuhotep IV.

Mentuhotep IV. war von 2001 bis 1994 v. Chr. Pharao von Ober- und Unterägypten. Sein Thronname war Neb-taui-Re. In den Königslisten von Abydos und Sakkara wird er jedoch nicht erwähnt. Im Königspapyrus Turin steht an der Stelle, an der sein Name zu finden sein müsste, stattdessen „7 Jahre weggelassen“.

Während seiner Regentschaft hatte er sehr wahrscheinlich mit Unruhen zu kämpfen. Die Reichseinigung war noch jung. Vor allem in Unternubien (Gebiet um den Nil, etwa zwischen den Städten Assuan und Qustul) formten sich Widerstände.
Aus diesen Widerständen gingen möglicherweise drei Gegenkönige hervor.

Das Ende der 11. Dynastie

Wie genau die 11. Dynastie ihr Ende fand, ist noch ungeklärt. Belegt sind drei Gegenkönige, die vermutlich zeitgleich mit Mentuhotep IV. und Amenemhet I., dem ersten Pharao der 12. Dynastie, herrschten. Diese drei Gegenkönige heißen An(jotef), Ijibchentre und Segerseni und sind durch Felsinschriften belegt.

Sicher ist, dass Amenemhet I. Macht erlangte und diese Gegenkönige vertreiben konnte. Die Machtübernahme lief allen Überlieferungen zufolge kriegerisch ab und stieß nicht bei allen Ägyptern auf Zustimmung.

12. Dynastie

Am Beginn der 12. Dynastie steht die Verlegung der ägyptischen Hauptstadt nach Itj-taui. Wo genau sich diese Stadt befand, ist heute nicht mehr bekannt. Die dazu gehörenden Grabmäler wurden jedoch in der Nähe von el-Lischt gefunden, einem Dorf etwa 60 km südlich von Kairo. Itj-taui wird nicht weit entfernt gelegen haben.

Bezeichnend für die 12. Dynastie ist der Beginn der Mitregentschaft. Der amtierende Pharao ernannte von nun an zu Lebzeiten einen Nachfolger, mit dem er anschließend gemeinsam regierte. Außerdem erweiterten die Könige ihr Reich durch zahlreiche Feldzüge nach Unternubien und Asien.
Insgesamt zählt die Forschung neun Pharaonen zur 12. Dynastie dazu.

Pharaonen der 12. Dynastie

Name (Pharao) Regierungszeit nach Thomas Schneider
Amenemhet I. 1994 v.Chr. bis 1965 v.Chr.
Sesostris I. 1965 v.Chr. bis 1930 v.Chr.
Amenemhet II. 1914 v.Chr. bis 1879/76 v.Chr.
Sesostris II. 1882 v.Chr. bis 1872 v.Chr.
Sesostris III. um 1882 v.Chr.
Amenemhet III. 1842 v.Chr. bis 1795 v.Chr.
Amenemhet IV. 1819 v.Chr. bis 1802 v.Chr. oder 1810 v.Chr. bis 1793 v.Chr. (je nach chronologischer Methode)
Nofrusobek 1810 v.Chr. bis 1793 v.Chr. oder 1806 v.Chr. bis 1789 v.Chr.
Seanchibre unbekannt

Am Ende der 12. Dynastien gibt es verschiedene Ansichten, über die Regierungszeiten der Pharaonen. Dies liegt daran, dass unterschiedliche Chroniken zu Grunde liegen. Denn die Amtszeiten ergeben sich durch Rückrechnungen der Chronisten. Und mitunter gibt es unterschiedliche Meinungen darüber, welcher Amtstärger tatsächlich ein Pharao war und welcher nicht. Wird dann ein Amtsträger ausgelassen bzw. auch später hinzugefügt, ergeben sich vor vorherige andere Regierungszeiten, aufgrund der Rückrechung.

Diese Uneinigkeit kann möglicherweise auch ein Indiz dafür sein, dass die Königsmacht am Ende der 12. Dynastie derart geschwächt war, dass mehrere Pharaonen gleichzeitig regierten, was wiederum die Chroniken ebenfalls beeinflussen würde.

Amenemhet I.

Amenemhet I. war der erste Pharao der 12. Dynastie. Sein Thronname lautet Sehotep-ib-Re. Er regierte von etwa 1994 bis 1965 v. Chr. Möglicherweise handelt es sich bei ihm um einen früheren Wesir von Mentuhotep IV. Bewiesen ist das allerdings nicht.
Wie Amenemhet I. an die Macht kam, ist nicht bekannt. Er ließ mit el-Lischt eine neue königliche Nekropole errichten, wo auch seine Pyramide gebaut wurde. Außenpolitisch kam es während seiner Regentschaft zu Feldzügen nach Unternubien, Libyen und Asien.

Im 20. Regierungsjahr kam es möglicherweise zu einer Palastintrige, bei der Amenemhet I. ermordet werden sollte. Er überlebte und ernannte seinen Sohn Senwosret I. zum Mitregenten. Möglich ist jedoch auch, dass er bei dem Attentat getötet wurde. In dem Fall gelangte sein Sohn eventuell ohne vorherige Mitregentschaft auf den Thron.

Durch eine überlieferte Geschichte wissen wir heute das genaue Sterbedatum des Pharaos. Fraglich ist dabei nur, ob er in seinem 20. oder 30. Regierungsjahr verstarb.

Diese Geschichte, die von Forschern den Namen „Geschichte des Sinuhe“ erhielt, erzählt von einem Hofbeamten namens Sinuhe. Dieser floh nach dem Tod des Pharaos nach Palästina. Im Alter bittet Senwosret I. ihn, wieder nach Ägypten zurückzukehren, da er keine Schuld am Tod des Pharaos trägt. Sinuhe folgt dieser Einladung und wird mit allen Ehren empfangen.

Diese Geschichte gilt in der Forschung als im Alten Ägypten sehr bekannte Erzählung, die sogar propagandistische Züge hat. Die Loyalität zum König und die Identität als Ägypter auch in einem fremden Land, werden darin stark betont.

Senwosret I.

Senwosret I. bzw. Sesostris I. regierte von etwa 1975 bis 1930 v. Chr. als Pharao in Ägypten. Er war mit einer Neferu verheiratet, die entweder seine Schwester oder Halbschwester war. Eine Tochter namens Itakayt ist belegt.

Senwosret gilt als der bedeutendste Herrscher der 12. Dynastie. Er nahm Gebiete in Unternubien ein und brachte sie unter dauerhafte ägyptische Kontrolle. Außerdem ließ er mehrere Tempel und Festungen errichten. Bereits existierende Tempel ersetzte er mit solchen aus Stein.
Als sein Vater starb, befand Senwosret sich gerade auf einem Libyenfeldzug. Um seinen Anspruch auf den Thron geltend zu machen, kehrte er nach Ägypten zurück. Ob er zu diesem Zeitpunkt Mitregent war oder nicht, ist nicht geklärt. Die überlieferten Schriften lassen sich dahingehend nicht eindeutig übersetzen.

Seine Pyramide ließ Senwosret I. in el-Lischt errichten. Daneben befinden sich mehrere Nebenpyramiden für seine Familie. Die seiner Frau und Tochter konnte man bereits identifizieren.

Amenemhet II.

Amenemhet II. ist der Sohn von Senwosret I. Er regierte von etwa 1914 bis 1879/76 v. Chr. Sein Thronname lautet Nub-kau-Re. Die ersten beiden Jahre war er Mitregent an der Seite seines Vaters. Es ist daher möglich, dass Senwosret I. länger lebte, bzw. Amenemhet II. früher den Thron bestieg.

Seine Frau war vermutlich Senet. Mit ihr hatte er einen Sohn, der nach ihm Pharao wurde. Zwei weitere Frauen, die bei seiner Pyramide bestattet wurden, könnten sowohl Töchter als auch Nebenfrauen sein.
Amenemhet II. unternahm einen Feldzug nach Südpalästina, wo er zwei Städte zerstörte. Außerdem pflegte er Handelsbeziehungen mit Kreta und dem Libanon. Bezeugt ist dies durch einen Annalenstein in Memphis, auf dem die wichtigsten Ereignisse seiner ersten Regierungsjahre geschrieben stehen.
Nach 31 Regierungsjahren ernannte Amenemhet II. seinen Sohn zum Mitregenten. Seine Pyramide befindet sich auf dem Gräberfeld von Dahschur.

Senwosret II.

Senwosret II. bzw. Sesostris II. regierte entweder von etwa 1845/44 bis 1837 oder von 1882 bis 1872 v. Chr. Laut dem Königspapyrus Turin saß er 19 Jahre auf dem Thron. Bekannte Denkmäler sprechen eher für acht bis neun Jahre. Sein Thronname war Cha-cheper-Re.

Senwosret II. war vermutlich der Sohn von Amenemhet II. Er war mit einer bürgerlichen Frau namens Chenmetneferhedjet verheiratet. Das Paar hatte möglicherweise sechs Kinder, darunter vier Töchter und zwei Söhne, von denen einer später den Thron bestieg.

Senwosret II. unternahm keine Feldzüge. Stattdessen konzentrierte er sich darauf, Baumaterialien zu sammeln und die Landwirtschaft zu unterstützen. Dafür leitete er Wasser aus dem Moeris-See um, was das umliegende Fajum-Gebiet zum Aufschwung verhalf. In Auftrag gegebene Bauwerke wurden nie vollendet. Senwosret II. verstarb vorher.

Seine Pyramide befindet sich in der Stadt Al-Lahun, ist allerdings kaum noch enthalten. Schon unter Ramses II. (19. Dynastie) wurde sie geplündert und Kalksteine entfernt.

Senwosret III.

Senwosret III. bzw. Sesostris III. bestieg etwa sieben Monate vor dem Tod seines Vaters den Thron. Laut dem Königspapyrus Turin regierte er zwischen 30 und 39 Jahre. Cha-kau-Re war sein Thronname.

Senwosret III. war mit drei Frauen verheiratet. Fünf Kinder sind bekannt, darunter vier Töchter und ein Sohn. Der Pharao führte die Eroberungen Nubiens fort. Dafür führte er drei oder vier Feldzüge an. Außerdem drang er nach Palästina vor.Grabanlagen ließ er sowohl in Abydos als auch in Dahschur errichten. Letztere sind geplündert. Noch lange nach seinem Tod wurde Senwosret III. als großer Pharao verehrt, dem Eroberungen bis nach Thrakien und dem Roten Meer nachgesagt werden. Es ist möglich, dass diese Taten nicht alle ihm zuzuschreiben sind, sondern dass sie von mehreren Pharaonen stammen. Außerdem handelt es sich zumindest teilweise sicherlich um Legenden.

Amenemhet III.

Amenemhet III. regierte von etwa 1842 bis 1795 v. Chr. Er ist der einzige bekannte Sohn von Senwosret III. Sein Thronname lautet Ni-maat-Re.
Er war mit drei Frauen verheiratet, wobei zwei früh verstarben. Mit Hetepi hatte er einen Sohn, der nach ihm Pharao wurde.

Neuere Erkenntnisse lassen vermuten, dass Amenemhet III. etwa 20 Jahre gemeinsam mit seinem Vater regierte. Vater und Sohn teilten sich in dieser Zeit die Aufgaben. Senwosret III. war außenpolitisch in Form von Feldzügen tätig. Amenemhet III. hielt das Reich zusammen und ließ es aufblühen. Er verfeinerte die Nutzung des Moeris-Sees und vergrößerte damit die landwirtschaftlich nutzbare Fläche. Dies brachte ihm den Beinamen „Moeris“ ein.

Etwa drei Jahre vor seinem Tod ernannte er seinen Sohn zum Mitregenten. Er ließ zwei Pyramiden errichten, wobei die erste bei Dahschur schon während des Baus zerfiel. Sie sank ab und musste von innen gestützt und ausgebessert werden.
Beigesetzt wurde Amenemhet III. in seiner zweiten Pyramide in Hawara.

Amenemhet IV.

Amenemhet IV. regierte entweder von etwa 1819 bis 1810 v. Chr. oder von etwa 1802 bis 1793 v. Chr. Er war vermutlich mit seiner Schwester Nofrusobek verheiratet und trug Maa-cheru-Re als Thronnamen.

Während seiner kurzen Regentschaft reiste Amenemhet IV. viermal in den Sinai. Außerdem ließ er begonnene Bauwerke seines Vaters fertigstellen. Seine Pyramide ist nicht bekannt. Vermutet wird, dass es sich der südlichen Pyramide von Masghuna um seine handelt. Diese ähnelt in ihrer Bauweise der seines Vaters.

Nofrusobek

Nofrusobek, die Schwestergemahlin von Amenemhet IV., war für etwa vier Jahre Pharaonin. Sie regierte entweder zwischen 1810 und 1806 oder von 1793 bis 1798 v. Chr. Vermutlich kam sie aus Mangel an einem männlichen Thronerben an die Macht. Bedeutend an ihr ist, dass sie ihr Geschlecht nicht leugnete. Während ihrer Regentschaft war Ägypten gefestigt. Es gab keine Unruhen oder Katastrophen.

Aufgrund ihrer kurzen Zeit als Pharaonin gab sie nur wenige Bauwerke in Auftrag. Sie vollendete beispielweise den Totentempel ihres Vaters in Hawara. Außerdem existieren mehrere Statuen oder Statuenfragmente, die vermutlich sie zeigen.
Nofrusobeks Grab ist nicht eindeutig ermittelt. Möglicherweise gehörte ihr die nördliche der beiden Pyramiden von Masghuna.
Mit dem Tod Nofrusobeks endete die 12. Dynastie.

Seanchibre

Bei Seanchibre handelt es sich um einen nicht genauer bekannten Pharao der 12. Dynastie. Er könnte ein Gegenkönig Amenemhet I., Senwosret I. oder Amenemhet II. gewesen sein. Möglich ist auch, dass es sich bei Seanchibre um einen anderen Thronnamen von einem dieser Pharaonen handelt.

Das Ende des Mittleren Reiches

Nach Nofrusobeks Tod kam es zu Thronstreitigkeiten, da es keinen Nachfolger gab. Während dieser Zeit kamen die Hyksos nach Ägypten. Dabei handelt es sich um ausländische Könige, die in Ägypten die Macht übernahmen. Mit ihnen beginnt die 13. Dynastie. Einige Forscher zählen diese noch zum Mittleren Reich. Politisch gesehen unterscheiden sich die 12. und 13. Dynastie enorm. Kulturell kam es zunächst zu weniger Veränderungen.

Zusammenfassung

  • Das Mittlere Reich umfasst die Zeit von etwa 2137 bis 1781 v. Chr.
  • Zum Mittleren Reich zählen die 11. und 12. Dynastie.
  • Unter Mentuhotep II. (vierter Pharao der 11. Dynastie) kam es zur zweiten Reichseinigung Ägyptens.
  • Wie es zum Ende der 11. Dynastie kam, ist nicht genau bekannt.
  • Mit der 12. Dynastie etablierte sich der Brauch, dass der amtierende Pharao zu Lebzeiten einen Nachfolger und Mitregenten ernannte.
  • Während der 12. Dynastie wurden Teile Unternubiens eingenommen und dauerhaft von Ägypten kontrolliert.
  • Mit Nofrusobek, einer Pharaonin, endet die 12. Dynastie.
  • An die 12. Dynastie schließen Unruhen an, die vermutlich durch das Fehlen eines Thronfolgers ausgelöst wurden.
  • Die Hyksos übernahmen die Macht, begründeten die 13. Dynastie und damit das Ende des Mittleren Reichs.

Literatur

  • Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen, ISBN 3491960533
  • Michael E. Habicht: Das Literarische Ägypten [1. Ed.]: Die Geschichte des Mittleren Reiches, ISBN 3752942584
  • Roberto A. Díaz Hernández: Tradition und Innovation in der offiziellen Sprache des Mittleren Reiches, ISBN 9783447069588

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