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Mein lieber Herr Gesangsverein: Ursprung, Herkunft und Bedeutung


Bei dem Sprichwort „Mein lieber Herr Gesangsverein“ handelt es sich um einen überraschten Ausruf, meist im positiven Zusammenhang. Es entwickelte sich vermutlich, um blasphemische Verwendungen des Namen Gottes zu vermeiden. Sein genauer Ursprung ist jedoch nicht bekannt. Demnach existieren nur einige Vermutungen und Theorien.

Was bedeutet „Mein lieber Herr Gesangsverein“: Bedeutung und Gebrauch

„Mein lieber Herr Gesangsverein“ ist ein überraschter Ausruf. Die Redewendung wird in positiven und negativen Zusammenhängen benutzt, wobei die positive Überraschung überwiegt. Negative Situationen, in die der Ausruf passt, sind größtenteils nicht so schlimm.
Das Sprichwort hat eine ähnliche Bedeutung wie „Mein lieber Schwan“ oder „Alter Schwede“. Es drückt Bewunderung, Verwunderung, Erstaunen und/oder leichten Ärger aus.

Vor oder nach dem Sprichwort steht in den meisten Fällen ein erklärender Satz. Ein Beispiel könnte „Mein lieber Herr Gesangsverein, das war knapp!“ lauten.

Ursprung des Sprichworts

Der genaue Ursprung des Sprichworts ist nicht geklärt. Es existiert ein schlüssiger Ansatz, aber woher der „Gesangsverein“ stammt, wird dadurch auch nicht klarer. Sicher ist hingegen, dass „Mein lieber Herr Gesangsverein“ seit dem 19. Jahrhundert verwendet wird.

Die Bibel

Im zweiten Gebot heißt es „Du sollst den Namen des Herren, deines Gottes, nicht missbrauchen.“ Um dieses Gebot nicht ständig zu brechen, gewöhnten sich die Menschen an, statt „Mein Gott!“ lieber alternative Ausrufe zu verwenden. „Meine Güte“ ist ein Beispiel dafür.

So entwickelte sich wohl ein Sprichwort, das zunächst nur aus „Mein lieber Herr“ bestand, wobei „Herr“ den christlichen Gott meinte. Da auch das nicht mit dem zweiten Gebot vereinbar war, musste der „Herr“ näher definiert werden. An diese Stelle trat der „Gesangsverein“. Wie es dazu kam, ist nicht bekannt. Es existieren lediglich verschiedene Erklärungsversuche, wobei keiner wissenschaftlich belegt werden kann.

Verdeckung von Verschwörungen

Während des 19. Jahrhunderts kam es vermehrt zu Bewegungen in der Bevölkerung. Diese wurden zum Teil äußerst kritisch beäugt und mussten sich daher bedeckt halten. In einigen der Bewegungen war die Verwendung von auffälligen Begriffen wie „Genosse“ üblich. Um sich damit nicht zu verraten, könnten die Menschen auf einer Alternative, in diesem Fall „Herr Gesangsverein“, umgestiegen sein. Beweise gibt es für diese Theorie jedoch nicht.

Kaiser Wilhelm I.

Eine weitere Theorie zur Entstehung von „Mein lieber Herr Gesangsverein“ findet sich im Jahr 1872. Auf einem Fest hielt Kaiser Wilhelm I. eine Rede, in der er seiner Dienerschaft dankte. Unter ihnen soll sich ein Karl-Heinz Gesangsverein befunden haben. Diesem dankte der Kaiser zuletzt. Dadurch sagte er am Ende seiner Rede die Worte „Ich danke Ihnen, mein lieber Herr Gesangsverein“.

Weil der Kaiser viel von diesem Diener gehalten und sich auch entsprechend in seiner Rede geäußert haben soll, entwickelte sich anschließend aus seinen letzten Worten ein Sprichwort. „Mein lieber Herr Gesangsverein“ stand nun für sich allein für Anerkennung.
Dabei handelt es sich allerdings höchstwahrscheinlich nur um einen Internetmythos. Beweise für diese Geschichte oder für einen Mann mit Nachnamen Gesangsverein, gibt es nicht.

Gesangsvereine

Gesangsvereine gibt es in Deutschland seit dem 19. Jahrhundert. Ob das Sprichwort jedoch in einem solchen entstanden ist, weiß niemand. Es könnte sein, dass die Teilnehmer der Vereine ihre Ansprachen mit „Meine lieben Herren vom Gesangsverein“ begannen. Auch aus Spott heraus könnte sich die Redewendung entwickelt haben. Jemand, der nicht viel von den Vereinen hielt, reduzierte die Teilnehmer möglicherweise auf ihre Mitgliedschaft in einem solchen.

Viel wahrscheinlicher ist aber, dass jemand das Sprichwort zufällig erfunden hat und es sich anschließend verbreitete. Dabei half ihm seine merkwürdige Kombination von Worten, die auch auf den zweiten Blick kaum einen Sinn ergeben.


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