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Die Siklinge: Aufstieg und Untergang des dänischen Königgeschlechtes


Viele Jahrhunderte hatte das Königsgeschlecht der Skioldinger in Dänemark regiert.
Doch nachdem Hrolf Kraki Helgisson gestorben war, kam ein zweites Königsgeschlecht in Dänemark an die Macht.

Die Siklinge, so hieß das Königsgeschlecht dieser Zeit, lebte am Ende des 6. bis Anfang des 8. Jahrhunderts in Dänemark.
Dieses Herrschergeschlecht, um König Sigar und seinen Kindern, sollte allerdings nur zwei Generationen überdauern.

König Sigar Sik und seine Kinder

König Sigar von Dänemark, der erste König der Siklinge, hatte vier Kinder.
Seine Söhne hießen Sivald, Alf und Alger.
Der Name seiner Tochter war Signy.

Sigars Söhne waren bereits stark und mutig.
Und sie hatten, obwohl sie alle noch sehr jung waren, schon ruhmreiche Schlachten geschlagen und erfolgreiche Wikings vollbracht.
Signe, die Tochter Sigars, war ebenfalls stolz und kühn.
Sie wusste sich zu behaupten und wies sämtliche Freier von sich ab.

Wie Alf, der Prinz von Dänemark – die schöne Alfild von Götland in Schweden eroberte

Zur gleichen Zeit lebte in Schweden ein König, namens Sivard.
Sivard herrschte über das Götland und hatte ebenfalls eine sehr schöne Tochter, namens Alfild.

Um die Tochter vor Freiern zu schützen, stellte er ihr zwei Schlangen zur Seite.
Schon als Kind hatte Alfild, die Schlangen von ihrem Vater bekommen.
Doch im Laufe der Jahre sind die einst possierlichen Tiere, zu richtigen Ungeheuern herangewachsen.
Sie lagen vor der Eingangstür von Alfilds Gemach und hüteten den Zugang.
Niemand konnte in ihre Nähe kommen, ohne Angst zu haben, von den Tieren gefressen zu werden.

Diesen Umstand nutzte Sivard und stellte eine Bedingung auf.
Nur derjenige, welcher die Schlangen bezwingen konnte – durfte um die schöne Prinzessin freien.
Dem Schwedenkönig Sivard schien diese Bedingung als völlig aussichtslos, so dass er gewiss war, dass niemand jemals seine Tochter haben könnte.

Die Geschichte von der schönen Alwild und ihren Schlangen, wurde auch in Dänemark erzählt.
Und die Aussicht auf Ruhm, Ehre und die Hand dieser Schönheit war verlockend groß.
So war es Alf Sigarson, des Dänenkönigs erster Sohn, welcher den Kampf mit den Kreaturen aufnehmen wollte.

Er wusste zwar, dass die Ungeheuer wild und ungezähmt waren.
Jedoch war die verheißungsvolle Aussicht auf riesigen Ruhm und stolzen Ansehen zu groß.

So segelte er nach Götland in Schweden und legte sich dort ein blutiges Fell um.
Dadurch wurden die Schlangen zusätzlich angestachelt und rasant vor Blutgier.
Dann betrat er das Gemach der Schwedenprinzessin Alfild, um sich den Biestern zu stellen.

Die erste Riesenschlange fuhr direkt auf ihn los.
Mit ihrem aufgerissenen Rachen hätte sie ihn, mit einem Biss verschlingen können.
Alf rammte ihr seine Schwertspitze in den Rache und das Untier starb auf der Stelle.

In seiner anderen Hand hielt er den Speer.
Diesen warf er sogleich auf die zweite Bestie und tötete diese mit nur einem Speerwurf.

Nachdem die Tiere tot waren, gab König Siward seine Zustimmung für eine mögliche Hochzeit.
Und auch Alfild war äußerst angetan, von dem Helden aus Dänemark.
Ihre Mutter riet ihr allerdings gehörig von davon ab, einen dänischen Prinzen zu heiraten.

Und so zog Alwild erst einmal auf einen Wikingerraubzug, bevor sie sich Alf hingab.
Mit Schild und Schwert bewaffnet, befahl sie ein Kriegsschiff und unternahm viele weite Fahrten.

Alf hingegen, hatte niemals aufgegeben – die schöne Alfild für sich zu gewinnen.
Und so bereiste er ebenfalls die Meere, auf der Suche nach der Schwedenprinzessin.

In einer Bucht erkannte Alf die Kriegsflotte seiner Angebeteten.
Nach einem zähen Kampf, gelang es Börk – Alfs besten Freund – die Wikingerprinzessin unversehrt gefangen zu nehmen.
Jetzt weigerte sich Alfild nicht länger und schloss sich Alf, als seine Gemahlin, an.
Beide fuhren daraufhin nach Dänemark an König Sigars Hof.

Dort lebten sie zusammen als Mann und Frau.
Sie bekamen ein Kind, namens Gudrid.
Diese wird später die Mutter, des berühmten Harald Kampfzahn, sein.

Die Liebe zwischen Hagbard Hamundson und Signy von Siklingen

Signe bzw. Signy war die einzige Tochter des Dänenkönigs Sigars.
Sie war kühn, schön und nur einen ruhmreichen Helden hätte sie zum Mann gewollt.

Hagbard war ein so ruhmreicher Held.
Er und seine Brüder Helvin, Hamund und Haki haben viele Schlachten geschlagen und ihr Ansehen war in ganz Dänemark bekannt.
Auch ihre Herkunft war nicht unrühmlich.
So waren Hagbard und seine Brüder, alles Söhne des Unterkönigs Hamund.

Als Hagbard und Signy aufeinander trafen, war die dänische Prinzessin – diesem stattlichen Krieger sofort verfallen.
Seine ruhmreichen Schlachten und sein schönes Ansehen reichten vollkommen aus, um Signys Herz zu erobern.
Heimlich verlobten sich beide und hätten glücklich werden können.

Doch Signy hatte noch andere Verehrer.
Hildigisl war ebenfalls ein junger und gutaussehender Mann, welcher Signe besitzen wollte.
Und als er erfuhr, dass sich Signe für Hagbard entschieden hatte – wollte er sich rächen.

Hildigisl tückischer Plan führte zum Tod der ersten Siklinge

Der verschmähte Freier Hildigisl wusste, dass er dem stolzen Hagbard – im Zweikampf – deutlich unterlegen war.
Und so beschloss er einen heimtückischen Plan, um sich dennoch an seinen Nebenbuhler zu rächen.

König Sigar hatte zwei Brüder, welche ihm als Berater dienten.
Der ergebene Bilvis beschwichtigte stets den König.
So riet Bilvis seinem Bruder stets zu gewaltlosen und diplomatischen Handlungen.

Ganz anders war der blinde Bölvis, ebenfalls Berater und Bruder des Königs.
Er riet dem dänischen König stets und ständig zu Krieg und verderblichen Handeln.

An den letzteren der beiden Brüder wandte sich Hildigisl.
Dieser war ganz angetan von der Geschichte des verschmähten Freiers.
Und so beschlossen beide, den König einige Unwahrheiten – über Hagbard und seine Brüder zu erzählen.
Mit ihren Lügen schafften sie es, dass Sigar und seine Söhne Alf und Alger – einen Verrat bei Hagbard witterten.

Angetrieben von der Vorstellung, dass Hagbard ihnen schaden möchte – entstand eine tiefe Abneigung gegen den Schwager und Schwiegersohn.

Eines Tages trafen die Königssöhne Alf und Ager auf die Brüder des Hagbards.
Die Situation eskalierte und die dänischen Prinzen erschlugen Helvin und Hamund.

Als Hagbard von dem Tod seiner Brüder erfuhr, blieb ihm keine andere Wahl, als Rache zu nehmen.
Ob er es wollte oder nicht, spielte dabei keine Rolle.
Die Rache war ein Gesetz und ein Brauch bei den Wikingern.
Dieser Pflicht konnte man sich nicht entziehen.

Und so kam es zu einer weiteren verheerenden Schlacht.
Gegenüber standen sich Hagbard, sowie Alf, Alger und auch Hildigisl.
In einem tödlichen Kampf tötete Hagbard beide dänischen Prinzen, Alf und Alger.
Hildigisl lief allerdings feige davon und Hagbard fügte ihm, auf der Flucht noch, eine schmachvolle Wunde zu.

Hagbards und Signys Tod

Hagbard hatte zwar seine Brüder gerächt.
Aber der Preis für die Rache war hoch.
Nun war er auf der Flucht vor König Sigar und musste sich verstecken.

Seine Liebe zur Tochter des Königs war allerdings ungebrochen.
Und auch Signy verspürte weiterhin große Zuneigung zu ihrem Verlobten, obwohl dieser der Mörder ihrer Brüder war.
Verkleidet als eine Schildmaid schlich sich Hagbard eines Nachts zu seiner Angebeteten.

Er ahnte bereits, dass sein Leben beendet war.
Es war lediglich eine Frage der Zeit bis ihn König Sigar aufspüren und töten würde.
In dieser letzten gemeinsamen Nacht schworen sich Hagbard und Signy einen Eid.
Falls Hagbard sterben sollte, würde ihm Signy in den Tod folgen.

Natürlich war Hagbards Eindringen nicht unbemerkt geblieben.
Eine Magd der Königstochter erkannte den Krieger wieder und berichtete dem König davon.
Sigars Wachen hatten alle Mühe damit, den Eindringling zu stellen.
Doch nach einem langen Kampf, konnten sie Hagbard gefangen nehmen.
Die Übermacht der Wachen war einfach zu groß gewesen, dass Hagbard ihr lange standhielt.

Gefesselt und geknebelt wurde Hagbard zum König Sigar gebracht.
Dieser berief eine Volksversammlung ein, um über das Leben des Hagbards zu richten.
Bivil, der treue Bruder des Königs, riet dazu – Hagbards Leben zu schonen und somit seine Heldenkraft zu bewahren.
Aber wie so oft, hörte Sigar mehr auf seinen heimtückischen und zwielichtigen Bruder Bölvi.

Bölvi rief laut in die Runde, dass es jeder im Saal verstehen konnte.
Er brachte hervor, dass Hagbard zuerst die Königssöhne erschlagen und sich dann die Tochter des Königs zu Willen gemacht habe.
Diese Anschuldigungen brachten die Menge auf und der König konnte gar nicht anders entscheiden, als Hagbards Tod zu beschließen.

Am nächsten Morgen sollte Hagbard gehängt werden.
Der Galgenhügel befand sich direkt vor Signes Kammer.
Als sie sah, wie ihr Liebster am Galgen hing, ging sie ihrer Vereinbarung nach.
Sie erdrosselte sich selbst und zündete ihre Kammer an.

Aufgrund der schlechten Ratschläge des heimtückischen Bölvi, hat der Dänenkönig nicht nur seine zwei Söhne verloren.
Zum Schluss fand auch seine Tochter den Tod.

Hakis Rache und Sigars Tod

Noch lebte jeweils ein Sohn.
Von Hamunds Söhnen blieb nur Haki, der einst jüngste Sohn am Leben.
Als er vom Tod seines Bruders Hagbard erfuhr, schwor er Rache.

Auf der Gegenseite blieb dem König Sigar Sik ebenfalls sein Sohn Sivard erhalten.
Alle anderen Siklinge waren bereits gefallen oder brachten sich selbst um.

In einer legendären Schlacht trafen Haki und Sigar aufeinander.
Walbrunna so hieß der Ort, an dem diese große Schlacht stattfand.
Übersetzt mit Leichenbrunnen gibt der Name schon – Aufschluss darüber, was sich dort zuzog.
Zahlreiche Krieger ließen ihr Leben.
Und auch König Sigar fiel in dieser verhängnisvollen Schlacht.

Haki, welcher als Sieger der Walbrunna Schlacht hervorging, ließ von seiner Rache nicht ab.
Er durchzog das ganze Land und plünderte sämtliche Höfe und Dörfer.
Das Volk Dänemarks litt enorm unter Hakis Rache.

Der Untergang der Siklinge

Durch die Verwüstung und die Not, welche Haki in ganz Dänemark anrichtete – griff Sivald, der letzte verbliebene Sohn des Königs Sigar Sik, ebenfalls zum Schwert.

Haki Hamundson hingegen, segelte nach Schottland.
Die Leitung der dänischen Raubzüge übertrug er seinem Namensvetter, Haki dem Stolzen.
In Schottland starb auch Haki Hamundson kurze Zeit später und kam nie wieder nach Dänemark zurück.

So blieb Haki der Stolze als führerloser Besetzer Dänemarks zurück.
In der entscheidenden Schlacht traf dann Sivald Sigarson von Dänemark, auf den berüchtigten Anführer Haki den Stolzen.
Und in dieser Schlacht fielen beide.
Die Besatzer wurden durch die dänische Gefolgschaft zurück gedrängt und somit wurde der Sieg dem Hause Sikling zugesprochen.
Allerdings überlebte kein Sikling diese Schlacht, um den Sieg zu feiern.

Der Sippenzwist zwischen dem Hause Sikling und Hamund brachte den Tod beider Häuser ein.
Bis auf Gudrid, die Enkelin des Sigar Sik – wurden alle Nachkommen getötet.
Aber dadurch, dass alle beim Sippenkrieg den Tod fanden – wurde Niemanden das Erbe der Rache auferlegt.


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