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Warum haben Stutenkerle Pfeifen: Symbolik und Tradition


Viele kennen die kleinen Leckerbissen in den Auslagen der Bäckereien: Die Rede ist von den Stutenkerlen, die insbesondere in der winterlichen Vorweihnachtszeit in den Bäckereien zum Verkauf stehen. Auffallend ist, dass die Stutenkerle in der Regel mit einer Pfeife ausgestattet sind, die aus einem porzellanartigen Material gefertigt sind.

Doch warum haben die Stutenkerle Pfeifen und auf welche Tradition geht dieses Ausstattungsmerkmal der von Groß- und Klein geliebten Backwaren zurück? Tatsächlich hat die Pfeife im weitesten Sinne etwas mit einer christlichen Tradition und Überlieferung zutun. Der Stutenkerl steht nämlich in Verbindung mit dem heiligen Martin bzw. dem heiligen Nikolaus.

Der Stutenkerl als heilige Brotgabe

Die älteste Überlieferung, die sich mit dem Brauchtum des Stutenkerls in Verbindung bringen lässt, geht auf den heiligen Nikolaus zurück, der seinen Namenstag alljährlich am 6. Dezember feiert. So erklärt es sich auch, dass der Stutenkerl in vielen katholischen Gemeinden noch immer am Nikolaus verschenkt und gereicht oder auch in die vor die Tür gestellten Stiefel der Kinder gesteckt wird.

Stuten ist eine andere Bezeichnung für Brot. Vor einiger Zeit war es in den katholischen Gemeinden üblich, dass diejenigen Gemeindemitglieder, die am heiligen Nikolaustag zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen nicht in die Messe gehen konnten, ein Stück gesegnetes Brot bekamen. Diese Brotgabe wurde den kranken Gemeindemitgliedern am Nikolaustag an die Tür gebracht. Es handelte sich gewissermaßen um den Vorreiter des heute üblichen Stutenkerls.

Der Stutenkerl der heutigen Zeit ist eine Fortsetzung dieses Brauchs, mit dem Unterschied, dass der moderne Stutenkerl nicht mehr an die heilige Messe gebunden ist und ihn jedermann in den örtlichen Bäckereien kaufen kann. Vor allem die Kinder freuen sich über den Stutenkerl, der heute nicht mehr aus klassischem Brotteig besteht und wohl auch keine Segnung mehr erfährt, so aber aufgrund seines süßen Hefeteigs mit Rosinenzusatz umso schmackhafter ist.

Ursprünglich hatte der Stutenkerl einen Bischofsstab

Die Stutenkerle besaßen in ihrer Anfangszeit vor noch gar nicht allzu vielen Jahren einen Bischofsstab und sollten somit an den heiligen Nikolaus erinnern, der ebenfalls stets mit seinem Bischofsstab als Markenzeichen auftrat.

Im Laufe der Zeit wurde dieser Brauch aber zunehmend verweltlicht: Aus dem ursprünglichen Bischofsstab wurde eine Pfeife, die schon während des Backvorgangs an den Stutenkerl gelegt und somit fest mitverbacken wurde. Doch warum wich der Bischofsstab eigentlich ausgerechnet einer Pfeife?

Warum haben Stutenkerle eine Pfeife?

Legen wir die Formen eines Bischofsstabs und einer Pfeife nebeneinander, fällt dem Beobachter schnell auf, dass die Pfeife hinsichtlich ihrer Form nichts anderes ist als ein umgedrehter Bischofsstab, mit dem Unterschied, dass die Biegung am Pfeifenkopf geringfügig dicker ausfällt.

Diese Ähnlichkeit kommt nicht von ungefähr: Es existieren Überlieferungen, nach denen einst ein Bäckermeister keine Bischofsstäbe mehr besaß und stattdessen kurzerhand auf Pfeifen zurückgriff, um die Stutenkerle dennoch mit einem ähnlichen Accessoire auszustatten.

Die Pfeife erinnerte aufgrund ihrer Form sehr stark an den klassischen Bischofsstab und stellte für den Konsumenten ein wohl ebenso attraktives Accessoire an der Backware dar. Die Pfeife erfreute sich zunehmender Beliebtheit, sodass sich die Pfeife im Laufe der Zeit mehr und mehr durchsetzte und den einstigen Bischofsstab in der Hand des Stutenkerls ablöste.

Die Pfeife des Stutenkerls als Symbol der Brotgabe

Die Pfeife sorgte dafür, dass das ursprünglich religiöse markante Zeichen des Bischofsstabs verschwand und der Stutenkerl auf diese Weise verweltlicht wurde. Auch die protestantische Kirche fand Gefallen an dem Stutenkerl: In vielen Regionen, in denen der protestantische Glaube vorherrschend ist, wird der Stutenkerl mit seiner Pfeife am Martinstag gereicht und verkauft.

Ob nun der heilige Martin oder der Nikolaus: Ein Stück weit ist der Stutenkerl bis heute ein Überbleibsel eines religiösen Brauches, das man entweder zu Nikolaus oder am Tag des heiligen Martins am 11. November verschenkt und teilt.

Letztlich ist es aber auch gar nicht so wichtig: Das Verteilen von Stutenkerlen ist eine nette Geste und eine ebenso schöne Tradition, die in den Bäckereien und Konditoreien mitunter fester Bestandteil des saisonalen Geschäftes ist. Die einfache Backware gibt es vielerorts die gesamte winterliche Vorweihnachtszeit über in den Auslagen der Geschäfte. Na dann, guten Appetit!


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