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Genozid, Völkermord


Der Völkermord bzw. auch als Genozid (griechisch: genos = Volk, lateinisch: caedere = töten) bezeichnet – ist ein Verbrechen gegen das Völkerrecht und gilt seit 1948 als Straftatbestand im Völkerstrafrecht. Erstmals völkervertraglich definiert wurde der Begriff in der Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes von 1948, welche von der Generalversammlung der Vereinten Nationen beschlossen wurde.

Genozide sind Verbrechen an der Menschheit, welche aus nationalistischen, rassistischen, ethnischen oder religiösen Gründen begangen werden. Somit ist der Holocaust, welcher als gezielte Vernichtung der Juden im Dritten Reich betrieben wurde, ein Völkermord gewesen. Die Verbrechen, welche die Nazis am eigenen Volk (Oppositionelle, Andersdenkende) begingen, werden im Völkerstrafrecht als Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnet.

Die UN-Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes

Die Übereinkunft über das Verhindern und das Bestrafen von Genoziden wurde am 09. Dezember 1948 auf der Generalversammlung der Vereinten Nationen beschlossen. Am 12. Januar 1951 trat diese in Kraft und wurde seitdem von 147 Staaten ratifiziert. In dieser Konvention wurde der Begriff des Völkermordes erstmalig definiert. Zu dieser Definition bekannten sich die Vertragsstaaten. Durch die definierten Merkmale des Völkermordes kann seitdem festgestellt werden, wann ein Genozid vorliegt und wann nicht.

Geprägt wurde diese Definition durch den Holocaust (1941 – 1945) und der Vernichtung der Armenier (1915 – 1916) während des Ersten Weltkrieges durch das Osmanische Reich. Somit dienten diese beiden Genozide als Vorlage für die abschließende Definition, um die Merkmale des Völkermordes herauszuarbeiten.

Was bedeutet Völkermord laut UN-Konvention

In Artikel II der UN-Konvention von 1948 wird Völkermord folgendermaßen definiert: Am Völkermord macht sich schuldig, wer in der Absicht, eine nationale, rassische, religiöse oder ethnische Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören, versucht. Weiterhin macht sich jeder schuldig, welcher:

  1. ein Mitglied der Gruppe tötet,
  2. einem Mitglied der Gruppe schwere körperliche oder seelische Schäden zufügt,
  3. die Gruppe unter Lebensbedingungen stellt, die geeignet sind, ihre körperliche Zerstörung ganz oder teilweise herbeizuführen,
  4. Maßregeln verhängt, die Geburten innerhalb der Gruppe verhindern sollen,
  5. ein Kind der Gruppe gewaltsam in eine andere Gruppe überführt,

In den Tribunalen zum Jugoslawienkrieg (1993 – 2017) und dem Völkermord in Ruanda (1994) wurde diese Definition angewandt und so konnte der jeweilige Völkermord verurteilt werden. Die zuständigen Gerichtshöfe waren allerdings Ad-hoc-Gerichte, welche lediglich für diese besonderen Ereignisse zuständig waren. Der heutige Internationale Strafgerichtshof mit Sitz in Den Haag, welcher im Jahr 2002 aus diesen Ad-hoc-Gerichten hervorging und alle Straftatbestände gegen das Völkerrecht verurteilt, wendet die gleiche Definition an.

Merkmale des Völkermordes

Um sich am Völkermord schuldig zu machen, muss lediglich die Absicht vorliegen, einen Genozid ausüben zu wollen. Somit können potentielle Massenmörder bereits bei der Planung verhaftet und verurteilt werden.

Die Vernichtungsabsicht bereits zu bestrafen, ist eine Lehre aus dem Holocaust, da die Judenvernichtung ebenfalls lang geplant und bereits in den Nürnberger Rassegesetzen von 1935 zementiert wurde. Der eigentliche Holocaust, welcher die Rassegesetze systematisch umsetzte, begann erst 1941. Dieser war durch die Gesetzeslage im Dritten Reich bereits absehbar gewesen. Und deshalb soll die UN-Konvention von 1948 zwar den Völkermord bestrafen, aber vor allem zukünftige Völkermorde verhindern.

Um festzustellen, ob ein Völkermord bzw. eine Völkermordabsicht vorliegt – müssen die Motive der Mörder bzw. Vernichtungsplaner herangezogen werden. Der Völkermord hat seine Motivation immer im Rassismus, in der Ethnie, Religion oder im Nationalismus. Liegen diese Motive bei der Vernichtung vor – ist es egal, ob ein Mitglied der Gruppe umgebracht wurde oder das ganze Volk. In diesem Fall handelt es sich immer um Völkermord.

Liegen diese Motive allerdings nicht vor und die selben Mitglieder der Gruppe werden wegen anderen Motiven – wie z.B. politischen oder wirtschaftlichen – getötet, handelt es sich laut Völkerstrafrecht nicht um Völkermord. Stattdessen werden andere Verbrechen gegen das Völkerrecht herangezogen, wie Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Welche Strafen gibt es für Völkermord

Da das Völkerstrafrecht lediglich Personen und keine Staaten verurteilt, werden Soldaten, Politiker, Fanatiker oder Staatsfunktionäre als Völkermörder herangezogen und bei oben festgestellten Vergehen mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft. In minder schweren Fällen der Nr. 2 bis 5 ist die Strafe eine Freiheitsstrafe, welche nicht unter fünf Jahren ausfällt.

Nach Artikel III der Konvention sind zudem folgende Handlungen zu bestrafen:

  • bereits begangene Völkermord
  • Verschwörung zur Begehung eines Völkermordes
  • unmittelbare Reizung und Anreizung zum Völkermord
  • Versuch, einen Völkermord zu begehen
  • Teilnahme am Völkermord

Wie wird der Völkermord verfolgt

Alle Verbrechen gegen das Völkerrecht werden durch die Nationalstaaten, welche die UN-Konvention unterzeichnet haben national verfolgt, verurteilt und bestraft. Es gilt das Weltrechtsprinzip, wonach Straftaten – welche nicht im Inland anfallen und zu denen auch kein Bezug im Inland besteht, dennoch durch die nationalen Gerichte verurteilt werden können. Somit ist der Völkermord in § 6 des deutschen Völkerstrafgesetzbuches (VStGB) geregelt.

Der Internationale Strafgerichthof in Den Haag (Niederlande) verurteilt allerdings auch einige Verbrechen gegen das Völkerrecht. Und zwar dann, wenn die Nationalstaaten den Völkermord selbst nicht verurteilen können oder wollen. Somit haben die nationalen Gerichte immer ein Vorzugsrecht bzw. die Vorzugspflicht, den Völkermord zu verurteilen. Erst beim Ausbleiben greift der Internationale Strafgerichthof ein.

Genozidforschung

Genozid- oder Völkermordforschung ist eine Wissenschaft, welche den geplanten Massenmord an Menschen untersucht, um festzustellen – ob es sich dabei um Völkermordabsichten handelt oder nicht. Außerdem soll ein Vergleich von historischen Völkermorden zu einem Erkenntnisgewinn führen, um Tendenzen geplanter Genozide früher zu erkennen. Deshalb spricht man auch von einer vergleichenden oder komparativen Völkermordforschung.

Begründer der Völkermordforschung ist ein jüdisch-polnischer Jurist, namens Raphael Lemkin (1900 – 1959), gewesen. Dieser arbeitete 1947 einen Gesetzesentwurf für die UNO aus, um den Völkermord unter Strafe stellen zu können.

Bereits 1933 wurde Lemkin vom Völkermord an den Armeniern (1915 – 1916) veranlasst, gegen diese Verbrechen vorzugehen. In Madrid fand 1933 eine Tagung des Völkerbundes statt, um die juristischen Konsequenzen für das Osmanische Reich zu diskutieren, welche den Völkermord an den Armeniern begangen haben. Allerdings wurde bei der Madrider Konferenz noch keine Konvention verabschiedet, welche den Völkermord bestrafen bzw. diese verhindern könnte. Und erst nach Ende des Zweiten Weltkrieges kam es zur endgültigen UN-Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes.

Lemkin floh, während der Zeit des Nationalsozialismus, nach Amerika. Im Exil schrieb er das Buch: „Axis Rule in Occupied Europe“, welches 1944 erschien. Dort definierte er den Begriff genocid als „Zerstörung einer Nation oder einer ethnischen Gruppe“. Bereits in diesem Buch erwähnt Lemkin, dass die Vernichtung der Juden lediglich einer von vielen Genoziden der Menschheitsgeschichte war und dass dieses Massentöten auch in früheren Geschichtsepochen bereits mehrfach stattgefunden hat.

Dieser Vergleich zwischen verschiedenen Völkermorden wird von den Opfern abgelehnt, da diese sich in ihrem Leid entweder nicht genug gewürdigt fühlen, ein bestimmter Völkermord zu stark relativiert wird und Täter sich in ihren Absichten, aus der Geschichte heraus, bestätigt fühlen könnten. Deshalb betont man in der Völkermordforschung, dass jeder Genozid einzeln betrachtet werden müsse. Der Erkenntnisgewinn, um zukünftige Völkermorde zu verhindern, ist durch den Vergleich dennoch gegeben.

Genozid, Demozid und Ethnozid

Der Genozid ist die Vernichtung einer Bevölkerung aufgrund der oben genannten Motive (z.B. Rassismus). Allerdings werden auch Bevölkerungsgruppen vernichtet, ohne dass diese Motive vorliegen. Laut dem US-amerikanischen Politikwissenschaftler Rudolph Joseph Rummel ist der Genozid nur eine besondere Form des Demozids.

Jeder Demozid ist eine gezielte Vernichtung bestimmter Bevölkerungsgruppen durch die Regierung bzw. durch staatliche Institutionen. Die Motive können dabei eine andere Kultur, Sprache oder politische Anschauung sein. So wurden während des Nationalsozialismus im Dritten Reich, neben Juden und dem Volk der Sinti und Roma, auch Kommunisten getötet. Der Mord an ersteren ist ein Völkermord. Die gezielte Vernichtung von Kommunisten ist allerdings ein Demozid.

Der Ethnozid ist die Vernichtung einer Kultur oder Sprache, ohne dass dessen Mitglieder getötet werden. Diese kulturelle Zerstörung wird erreicht, indem Verbote ausgesprochen oder bestimmte Bräuche unter Strafe gestellt werden. Innerhalb der Religion werden Zwangskonvertierungen betrieben, wodurch die Mitglieder ihren alten Glauben abschwören und einen neuen Glauben annehmen müssen.

Völkermorde in der Geschichte

Mit den Völkermorden der Geschichte befasst sich die Genozidforschung, welche davon ausgeht – dass es diese Verbrechen bereits in der Frühgeschichte gab. Frühere Formen von Massenmorden lassen sich nicht auf rassistische, religiöse oder ethnische Motive zurückführen, da erst mit dem Aufkommen von Ackerbau und Viehzucht eine Sesshaftigkeit des Menschen einsetzte. Diese Sesshaftigkeit bewirkte, dass sich Zivilisationen entwickelten, welche wiederum in Konkurrenz zu anderen Kulturen standen.

Und erst durch die Ausprägung eines Zusammengehörigkeitsgefühls, wie es in einer Nation, Zivilisation oder Gruppe vorkommt, bewirkt – dass sich rassistische, religiöse oder andere Tendenzen ergeben, welche den Völkermord ermöglichen. Somit geht die Genozidforschung davon aus, dass Völkermord seit der Antike existiert, allerdings erstmals während der Kolonialzeit (ab 15. Jahrhundert) belegt wurde.

Völkermord an den Indianern Nordamerikas

Der größte Genozid während der Kolonialzeit wurde an den Indianern Nordamerikas und den Ureinwohnern Südamerikas verübt. Bei den sogenannten Indianerkriegen in Nordamerika, welche nach dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1775 – 1783) einsetzten, wurden die Indianer systematisch verfolgt, gejagt und ermordet. Der Grund dafür war, dass die Einwohner der neu gegründeten USA einen Gebietsanspruch auf das Territorium der Indianer erhoben. Somit entstand ein Konkurrenzkampf um Territorien und Ressourcen, aber auch um Kultur und Sprache.

Allein beim Massaker von Wounded Knee im Jahr 1890 wurden circa 300 wehrlose Indianer vom Stamm der Sioux durch das 7. US-Kavallerie ermordet. Während der Kriege wurden Indianer zu Rothäuten erklärt, was Ausdruck einer rassistischen Weltanschauung ist. Die Europäer, welche ab dem 16. Jahrhundert in den Norden Amerikas einwanderten, betrachteten die Indianer als „Wilde“, „Barbaren“ oder „Minderwertige“. Demnach wollten sie diese Völker unterwerfen, umerziehen und systematische Assimilationsprozesse (Kulturwandel) setzten ein. Auf die Assimilation folgte eine militärische Unterwerfung und eine Verschleppung von Indianerkindern in Umerziehungsinternate. Ganze Indianerstämme wurden um ihr Land beraubt, unter Zwang umgesiedelt und in Reservate verbracht.

Die Rekonstruktion der genauen Opferzahlen, welche während der Besiedlung Nordamerikas durch die Europäer und den Indianerkriegen beklagt wurden, ist ungewiss und erfolgt lediglich durch Hochrechnungen. Man nimmt allerdings an, dass die Populationen der Indianer um rund 90 Prozent sank. Der Rückgang der indianischen Bevölkerung ist allerdings hauptsächlich auf Infektionskrankheiten zurückzuführen, welche die Europäer in Nordamerika einschleppten. Denn die indianische Bevölkerung kam niemals zuvor in Kontakt mit diesen Krankheitserregern, weshalb ihr Immunsystem nicht geeignet reagieren konnte und sie in der Folge verstarben.

Völkermord an den indigenen Völkern in Südamerika im 16. Jahrhundert

Lateinamerika wurde durch spanische und portugiesische Konquistadoren innerhalb weniger Jahrzehnte vollständig unterworfen. Der spanische Eroberer Hernando Cortés eroberte im Jahr 1519 Tenochtitlán, die Hauptstadt des Aztekenreiches. Ab 1535 wurde auf den Überresten Tenochtitláns der neue Verwaltungssitz des Vizekönigreichs Neuspanien gegründet, welches heute noch Hauptstadt von Mexiko ist. Während den Jahren 1519 und 1567 reduzierte sich die Anzahl der indigenen Bevölkerung in Mittelamerika von 25 Millionen Menschen auf 2,5 Millionen Einwohner.

Ähnlich erging es den Inkas, welche bis 1532 in Peru als eine dominante Kulturgemeinschaft Südamerikas lebten. Der Spanier Francisco Pizarro traf sich mit Atahualpa, dem letzten Herrscher des Inkareiches, in dessen Residenzsitz Cajamarca. Bei diesem Treffen tauschten sich beide Völker freundschaftlich aus. Doch die Spanier planten bereits die Eroberung Cajamarcas, kundschafteten das Stadtgebiet für einen möglichen Hinterhalt aus.

Beim nächsten Treffen ließen die Inkas die Spanier ungehindert in Cajamarca einwandern, als plötzlich die Spanier aus dem Hinterhalt angriffen. Bei der sogenannten Schlacht von Cajamarca wurden tausende Inkas niedergemetzelt, Atahualpa gefangen genommen und anschließend hingerichtet. Mit dessen Tod zerbrach das Inkareich und wurde zur spanischen Kolonie.

Völkermord auf den Karibikinseln durch europäische Siedler 1626

Beim Kalinago-Genozid von 1626 starben über 2000 Kariben am Ufer des Bloody River. Zuvor wollten die einheimischen Kariben die wachsende Zahl an französischen und englischen Siedlern stoppen, indem sie selbst einen Plan zum Massenmord schmiedeten. Doch die Siedler erfuhren vom Plan. Deshalb lockten die Siedler die Kariben in ihre Siedlung und gaben vor, ein Fest mit ihnen zu feiern.

Die Kariben wurden betrunken gemacht und 120 von ihnen wurden im Schlaf ermordet. Am nächsten Tag wurden 2000 weitere am Flussufer des Bloody River zusammengetrieben und massakriert. Ob es sich beim Kalinago-Genozid um einen Völkermord laut UN-Definition handelt, ist umstritten – da hier die religiösen, rassistischen oder ethnischen Motive fehlen.

Massenmord bei der Besiedlung Australiens ab 1788

Die Besiedlung Australiens ist geprägt durch Imperialismus, Ausbeutung und Vertreibung der Aborigines und Tasmanier durch die Europäer. Die historische Aufarbeitung dieser Zeit wird unter den Aborigines als Black-Armband-Zeit (Trauerbinde) bezeichnet. Denn die Besiedlung führte zu einer Verdrängung der Ureinwohner, die sich im Massenmord, Enteignung und Vergewaltigung äußerte und welche einem Genozid gleicht. Dennoch fehlen auch in dieser Debatte, die religiösen, rassistischen oder ethnischen Motive der europäischen Siedler, weshalb der Genozid an den Aborigines umstritten ist.

Zwangsarbeit und Sklaverei im Kongo zwischen 1888 und 1908

Zwischen den Jahren 1888 und 1908 kam es im Kongo zu einer systematischen Ausbeutung und Versklavung der Bevölkerung durch das belgische Königreich. Die Europäer beanspruchten den Kautschuk in Afrika, beutete die Arbeitskraft der Bevölkerung aus, indem sie Geiseln nahmen, diese als Sklaven handelten oder ermordeten.

In dieser Zeit starben zwischen circa 10 Millionen Kongolesen. In der Genozidforschung ist man sich allerdings uneinig, ob es sich dabei um einen Völkermord handelt, da die Menschen als Folge der Ausbeutung und nicht aus rassistischen, ethnischen oder religiösen Gründen starben.

Völkermord des Deutschen Reiches an den Herero in Namibia von 1904 bis 1908

Das heutige Namibia war zwischen 1884 und 1915 eine deutsche Kolonie mit dem Namen: Deutsch-Südwestafrika. Zwischen 1904 und 1908 kam es in der Kolonie zu Aufständen gegen die deutsche Kolonialmacht. Die Aufständischen gehörten zur afrikanischen Ethnie der Hereros und Namas, welche sich gegenüber den deutschen Siedlern um ihr Land beraubt sahen und sich rassistisch diskriminiert fühlten.

Zu diesem Zeitpunkt war im Deutschen Reich bereits ein Rassismus allgegenwertig und die Siedler der Kolonie betrachteten sich gegenüber den Hereros und Namas als moralisch und kulturell überlegen. In deutschen Ämtern wurden die indigenen Völker als Eingeborene betrachtet, welche dem Weißen gegenüber zu gehorchen haben, da dieser dem Ureinwohner geistig überlegen ist. Und so versuchte man die Prügelstrafe, welche die Deutschen gegen die Ethnie anwandten – aber noch für zu milde ansahen, durch härtere Strafen zu ersetzen. Enteignungen, Kulturelle Raubzüge und Vergewaltigungen waren Teil der deutschen Siedlungspolitik in Südwestafrika.

Unter Führung von Samuel Maharero begannen die Herero ab 1904 damit, deutsche Fabriken, Farmen und andere Einrichtungen anzugreifen. Die Schutzgruppe der Kolonie war dem Hereroaufstand nicht gewachsen und so kam eine 15.000 Mann-starke Unterstützung aus dem Deutschen Reich ins Überseegebiet. Diese wurde von Lothar von Trotha angeführt, der fortan einen Vernichtungskrieg gegen die Hereros führte, welcher auch als erster Völkermord im 20. Jahrhundert bezeichnet wird.

Die Deutschen bezeichneten diesen Krieg als Rassenkampf, welcher nur gewonnen werden könnte, indem man das Volk der Hereros vollständig vernichten würde. Laut Lothar von Trotha würden die Hereros keine deutschen Untertanen mehr sein können, da das Vertrauen für immer gebrochen war – wodurch jeder Mann, jede Frau und jedes Kind dieses Volkes erschossen werden sollte, um eine anhaltende Ordnung in der Kolonie wieder herstellen zu können.

Nach dem Krieg (1907) errichteten die Deutschen einige Konzentrationslager in der Kolonie, wo nach Angaben von Dominik J. Schaller – jeder zweite Insasse starb. Bis 1911 wurde die Bevölkerungszahl der Herero von 80.000 auf 20.000 reduziert, was darauf schließen lässt, dass durch Krieg und Konzentrationslager circa 60.000 Menschen starben. Erst seit dem 10. Juli 2015 wird der Mord an den Hereros von deutscher Seite offiziell als Völkermord bezeichnet.

Völkermord des Deutschen Reiches an den Namas in Namibia von 1904 bis 1908

Die Namas, welche auch als Hottentotten bezeichnet wurden, waren ebenfalls eine afrikanische Ethnie in Namibia, die von den deutschen Siedlern unterdrückt wurden. Außerdem standen die Namas und Hereros ebenfalls im Konflikt. Noch vor der Herero-Revolte sicherten die Namas, unter Führung von Hendrik Witbooi, den Deutschen ihren Schutz zu.

Nach der Niederschlagung des ersten Herero-Aufstandes im Jahr 1904, stiegen die Namas in den Krieg gegen die Deutschen ein und wollten die Kolonialmacht aus Südwestafrika verdrängen. Dazu erklärte Hendrik Witbooi am 3. Oktober 1904 den Krieg gegen die Deutschen. Zentrum des Narmakrieges war das Dorf Gibeon, wo heute noch der Heroes’ Day gefeiert wird. Während des Namakrieges (1904 bis 1908) starben circa 10.000 Namas.

Völkermord an den Armeniern durch das Osmanische Reich zwischen 1915 und 1916

Im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts existierte keine Republik Armenien bzw. ein armenischer Nationalstaat. Stattdessen waren die Armenier eine Bevölkerungsgruppe im Osmanischen Reich (heute Türkei), strebten allerdings ihre Unabhängigkeit an. Von der kurdischen Bevölkerung wurden die Armenier unterdrückt.

Noch im 18. Jahrhundert lebten die Armenier als anerkannter Bevölkerungsteil im Vielvölkerstaat der Osmanen. Sie genossen Rechte, konnte ihren Kultur und Religion ausleben, genossen zwar nicht die gleichen Privilegien wie die muslimischen Osmanen – wurden allerdings nicht verfolgt.

Der Drehpunkt des Osmanischen Reiches war Istanbul bzw. Konstantinopel gewesen, welches am Bosporus liegt und Europa mit Asien verbindet. Die Größe des Vielvölkerreiches machte die Kontrolle, die Einheitlichkeit und somit die Verwaltung für den Sultan (Herrscher) schwierig, da asiatische und europäische Einflüsse gleichermaßen einströmten. Dies sorgte für einen zunehmenden Zerfall des Omanischen Reiches.

Und deshalb wurde im 19. Jahrhundert das Großreich als Kranker Mann vom Bosporus bezeichnet, welcher wirtschaftlich und militärisch gegenüber den Rivalen in Europa zurückfiel. Laut dem russischen Zaren Nikolaus I. hätte die orientalische Frage – also das Fortbestehen der Osmanen geklärt werden können – falls sich Russland und Großbritannien einig werden würden.

Dieser Konkurrenzdruck von außen entlud sich nach innen, wo Reformen angestoßen wurden, welche nur unzureichend funktionierten. Die Armenier, welche hauptsächlich im Westen des Reiches lebten, Christen waren und sich zu Europa hingezogen fühlten, bildeten einen Kontrast zu ärmeren Bevölkerungsschichten im Osten. Es entstand Neid und Missgunst durch Muslime und Kurden, welcher auch staatlich gefördert wurde.

Ab 1875 kam es zur Balkankrise, bei der sich die christlichen Balkanvölker von der Osmanischen Vorherrschaft trennen und stattdessen unabhängige Nationalstaaten sein wollten. Die Armenier, welche damals den westlichen Teil am Bosporus besetzten, sahen sich ebenfalls als eigenständige Volk und drängten auf Unabhängigkeit. Auf dem Höhepunkt der Balkankrise kam es zum Russisch-Osmanischen Krieg (1877 bis 1887), da Russland sich als Schutzmacht über die Balkanstaaten verstand.

Der Berliner Kongress vom 13. Juni 1878 beendete die Balkankrise, den Russisch-Osmanischen Krieg, welchen Russland für sich entschied und sollte zu einer neuen Friedensordnung in Südosteuropa führen. Die Fürstentümer Bulgarien, Montenegro, Rumänien und Serbien wurden eigenständig. Da Russland während des Krieges große Teile am Kaukasus einnahm, flohen die dort ansässigen Muslime nach Ostanatolien und versuchten die einheimischen Armenier zu verdrängen.

In Artikel 61 des Berliner Vertrages musste sich das Osmanische Reich dazu verpflichten, die Armenier vor kurdischen oder muslimischen Angriffen zu schützen. Der damalige Sultan Abdülhamid II. löste diese Rechte allerdings niemals ein und so kam es zu weiteren Autonomiebestrebungen der Armenier.

In den Folgejahren entstanden verschiedene armenische Parteien, welche Forderungen nach Unabhängigkeit verkündeten. Zudem sorgten armenische Terrormilizen für die Verschleppung und Ermordung osmanischer Beamter, welche ihre Autonomierechte einschränkten.

Um sich vor den zunehmenden Übergriffen durch die Kurden zu schützen, formierten sich die Armenier als Selbstschutzverbände zusammen. Der Sultan wiederum erschuf seine eigene Kavallerietruppe, welche als Hamidiye bezeichnet wurde und nach dem Vorbild der Kosaken als Begleitarmee fungierte. Die Soldaten kamen aus Reihen der Kurden, Turkmenen und ostanatolischen Turkvölkern. Diese dienten als Schutzgruppe gegen armenische Aufständische.

Zwischen 1894–1896 kam es zu Hamidischen Massakern, bei denen über 300.000 Armenier getötet wurden. Wahrscheinlich geschahen diese Massaker auf Anweisung des Sultans Abdülhamid II.

Ziel dieser Massaker war es, den Islam als dominante Religion im Osmanischen Reich wieder einzuführen. Christliche Armenier wurden deshalb gezwungen, zum Islam zu konvertieren. Andere wurden verschleppt oder getötet. Unter den Muslimen, allen voran Sultan Abdülhamid II., bestand die Vorstellung, dass man die anhaltende Schwächung des Osmanischen Reiches durch eine rein-türkisch-islamische Bastion verhindern bzw. aufhalten könnte.

Diese Massaker stellen aus völkerrechtlicher Sicht keinen Völkermord dar, da die Armenier lediglich für den Terror und fehlender Loyalität während der Balkankrise bestraft werden sollten. Von einer gezielten Ausrottung der armenischen Bevölkerung wird zu diesem Zeitpunkt nicht ausgegangen.

Am 21. Juli 1905 verübten die Daschnaken, welche eine politische Partei für ein unabhängiges Armenien waren, einen Anschlag auf Sultan Abdülhamid II. aus. Der Sultan blieb unverletzt, allerdings starben 28 Menschen beim Anschlag. In der osmanischen Bevölkerung glaubte man nun weitestgehend daran, dass von den Armeniern eine Bedrohung ausgeht.

Im Zuge der Revolution von 1908 kam eine politische Bewegung, namens die Jungtürken, im Osmanischen Reich an die Macht und stürzten den Sultan. Anfangs versuchten die Jungtürken auch den nichtmuslimischen Bevölkerungsteilen einige Mitbestimmungs- und Autonomierechte zu gewähren. Allerdings waren die Jungtürken ein Zusammenschluss von vielen, zum Teil widersprüchlichen Fraktionen – welche lediglich die Abneigung gegen den Sultan einte. Und sehr schnell stiegen die Nationalisten bei den Jungtürken auf, welche einen antiarmenischen Kurs einlegten.

Am 14. November 1914 trat das Osmanischen Reich in den Ersten Weltkrieg ein. Die Osmanen waren Teil der Mittelmächte, zu denen auch das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn zählten. Eine groß angelegte Offensive im Kaukasus sollte die verloren gegangenen Gebiete aus dem Russisch-Osmanischen-Krieg zurückholen. Einige Armenier unterstützten die russische Armee, was die Jungtürken als Verrat ansahen.

Mittels Propaganda wurde verbreitet, dass die Armenier das Osmanische Reich stürzen wollen und Sabotageakte planen. Und obwohl die Mehrheit der armenischen Bevölkerung weiterhin loyal gegenüber des Osmanischen Staates blieb, wurde das ganze armenische Volk als Verräter beschuldigt und sollte vernichtet werden.

Schnell kam es zu Verhaftungen, Deportationen und Mord. Am 4. April 1915 begangen die Razzien in Konstantinopel, wodurch die Armenier aus der Hauptstadt entfernt und nach Ankara verschleppt wurden. Massendeportationen in die syrische Wüste folgten. Die Menschen starben bereits auf den Todesmärschen. Verbliebene Gegenstände und Möbel der armenischen Bevölkerung wurden beschlagnahmt oder geplündert.

Auf den Todeszügen kam es außerdem zu Überfällen durch Kurden und tscherkessischen Muslimen. Auch die osmanische Polizei beteiligte sich, zum Teil eigenmächtig oder auf Befehl, an der Tötung der Zivilisten. Während der Todeszüge und den Massakern starben schätzungsweise zwischen 300.000 und 1,5 Millionen Armenier. Der 24. April gilt offiziell als Gedenktag des Völkermordes an den Armenien.

Völkermord an den Assyrern durch das Osmanische Reich zwischen 1915 und 1917

Assyrer sind eine syrisch sprechende Minderheit im Nahen Osten, welche dem syrischen Christentum angehören. Während des Ersten Weltkrieges begann die Regierung des Osmanischen Reiches damit, die Assyrer zu verfolgen, zu vertreiben und gezielt zu töten.

Nachdem die Armenier im Verdacht standen, der russischen Armee an der Kaukasusfront zu helfen, wurden auch die syrischen Christen beschuldigt. Allerdings ging von der Zentralverwaltung in Konstantinopel der Befehl aus, dass die Assyrer nicht wie die Armenier behandelt werden sollten. Diese Anweisung wurde allerdings missachtet und der Völkermord wurde von den Gouverneuren der Provinzen Van und Diyarbakır provoziert, bewilligt und unterstützt. Die Menschen wurden deportiert und auf den Todesmärschen in die syrische Wüste starben circa 90.000 Assyrer.

Völkermord durch das faschistische Italien in der Region Cyrenaika zwischen 1929 und 1934

Die Cyrenaika ist eine Region in Nordafrika im Staatsgebiet des heutigen Libyens. Der Name der Region ist abgleitet von Kyrene, einem griechischen Stadtstaat (Poleis) – welcher sich dort in der Antike befand. Die Griechen gründeten die Stadt circa 631 v.Chr.

322 v.Chr. ging Kyrene ins Diadochenreich Ophellas, einem Nachfolgereich des makedonischen Weltreichs von Alexander dem Großen, ein – bevor die Stadt im Jahr 96 v.Chr. an das Römische Reich fiel. Während der islamischen Expansion wurde Nordafrika ein Teil der arabischen Welt. Und auch Kyrene wurde im Jahr 643 von arabischen Muslimen erobert, bevor es im 16. Jahrhundert ins Osmanische Reich eingegliedert wurde.

In Folge des italienisch-osmanischen Krieges von 1912 fiel Kyrene den Italienern zu. Während des Ersten Weltkrieges verlor die italienische Regierung zunehmend die Kontrolle über die nordafrikanischen Kolonien, wodurch sich Aufständische und Rebellenarmeen dort etablierten, schließlich die Kontrolle erlangten und 1918 die Republik Tripolitanien ausriefen.

Ab 1922 war Benito Mussolini der Ministerpräsident Italiens und dieser setzte auf die Rückeroberung der Koloniegebiete in Nordafrika. Zwischen 1922 und 1932 kam es deshalb zum Krieg zwischen Tripolitanien (heute Libyen) und Italien, welche in einem Genozid endete. Italien wollte keineswegs auf die fruchtbaren Landschaften in Libyen verzichten, betrieb eine systematische Vertreibung, Deportation und errichtete Konzentrationslager. Bei den Todesmärschen, welche ihren Höhepunkt zwischen 1929 und 1934 hatten, kam es zu Massenhinrichtungen und anderen Gräueltaten an der Zivilbevölkerung.

Das faschistische Italien verfolgte nicht nur die Widerstandskämpfer, sondern die ganze Bevölkerung in Cyrenaika und drohte allen den Tod und Verfolgung an. Beim Völkermord in Cyrenaika starben circa 800.000 Menschen.

Völkermord an der Ukraine durch Russland

Der Holodomor bezeichnet einen Massenmord durch Aushungern, welcher zwischen 1932 und 1933 in der Ukraine stattfand. Nach der Oktoberrevolution (1917) übernahmen die Bolschewisten die Macht in Russland und überführten das einstige Zarenreich in den neuen Staatenbund, welcher als Sowjetunion (1922 – 1990) bezeichnet wird. Mit der Neugründung des Staates kam es zu verschiedenen Umstürzen, unter anderem zu einer Zwangskollektivierung – welche vorsah, dass Bauern, Fabrikanten und Unternehmer enteignet werden und diese Betriebe dem Staat zufallen.

Bereits Lenin sprach sich dafür aus, dass die Bauern etwas mehr Hunger leiden sollten, um so die Industrialisierung des Landes voranzutreiben. Als Joseph Stalin ab 1927 zum Diktator der Sowjetunion wurde, hielt er diesen Kurs bei und Überschüsse aus der Agrarwirtschaft wurden exportiert, um mit diesem Geld – moderne Industriegüter zu kaufen. Private Lagerhaltung wurde verboten, um so der Überschussstrategie entgegenzukommen.

Doch die Bauern in der Ukraine wehrten sich gegen diese Strategie und wurden von ukrainischen Intellektuellen und dem Klerus darin unterstützt. Deshalb begann Stalin damit, radikaler gegen diese Bevölkerung vorzugehen. Im Jahr 1931 wurden circa 50.000 Intellektuelle des Landes nach Sibirien deportiert. Die Bauern, welche sich weiterhin gegen die Umerziehung stellten, sollten ausgehungert werden. Denn die sogenannte Russifizierung sah vor, dass fremde Kulturen, Sprachen und Ansichten im Einzugsgebiet Sowjetrusslands verdrängt, ausgemerzt und untergraben werden – so dass nur noch die russische Kultur übrigbleiben sollte.

In Folge des Holodomor starben drei bis 7 Millionen Ukrainer an Hunger. Seit 1991 ist die Ukraine ein unabhängiger Staat. Fortan bemüht man sich, dass der Holodomor als Völkermord international anerkannt wird.

Porajmos, der Völkermord an Sinti und Roma im Dritten Reich

Zwischen 1939 und 1949 betrieben die Nazis einen Völkermord am Volk der Sinti und Roma. Dieser Völkermord trägt die Bezeichnung Porajmos, was übersetzt „Verschlingen“ bedeutet. Die Anzahl der Opfer ist nicht dokumentiert. Es wird allerdings von sechsstelligen Opferzahlen ausgegangen.

Schon vor der Zeit des Nationalsozialismus existierten rassistischen Tendenzen, welche dem Volk der Sinti und Roma ein Zigeunertum (ziehende Gauner) unterstellten. Durch Kriminalstatistiken wurde dieses menschenverachtende Rassenbild weiter geschürt, weshalb man alle Sinti und Roma unter Generalverdacht stellen konnte. Die Angehörigen dieses Volkes wurden, ohne Anklage, verhaftet und inhaftiert, später verfolgt und missbraucht.

Ab 1939 setzte dann die gezielte Massenvernichtung aller Sinti und Roma in Europa ein. Da Deutschland sich bereits im Zweiten Weltkrieg befand, wurde auch die Bevölkerung der europäischen Nachbarländer bedroht, verhaftet, deportiert und hingerichtet. Auf den Todesmärschen kam es zu Massenhinrichtungen und in den Konzentrationslagern zur systematisch angelegten Ausrottung.

Holocaust, der Völkermord an Juden im Dritten Reich

Der Völkermord, welche die Nationalsozialisten an den Juden begingen, wird als Holocaust bezeichnet. Der Begriff stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet „vollständig verbrannt“. In der hebräischen Sprache wird zudem das Wort Schoah verwendet, welches übersetzt „das große Unglück“ bedeutet.

Genauso wie bei den Sinti und Roma wurde eine systematische Massenvernichtung betrieben, welche zwischen 1941 und 1945 ihren Höhepunkt fand. Die Nationalsozialisten bezeichneten diese Vernichtung als notwendig, um den Volkskörper zu reinigen.

In der Ideologie wurde die Rassenlehre durch Rassenhygiene bzw. Eugenetik ersetzt, pseudowissenschaftlich begründet und somit ein Gerüst erstellt, um den Völkermord zu rechtfertigen. Bereits zur Zeit der Weimarer Republik war die „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ ein Schlagwort gewesen, welches die Nazis für ihre Rassenhygiene übernahmen.

Die Evolutionslehre von Charles Darwin wurde als Sozialdarwinismus verstanden, wonach nur der Stärkere ein Recht auf den Besitz und die Ressourcen einer Gemeinschaft hat. Schwächere Glieder einer Gesellschaft müssten ausgesondert werden, um so die Überlebensfähigkeit der Gemeinschaft zu gewährleisten. Und da die Nazis die jüdische Bevölkerung als minderwertig ansahen, hielten sie sich das Recht vor, den Sozialdarwinismus zu vollziehen.

Durch die Nürnberger Rassegesetze von 1935 gaben die Nazis ihrem Rassismus und Antisemitismus die rechtliche Grundlage, um das deutsche Blut (Blutschutzgesetz) vor einer Vermischung mit anderen Rassen zu schützen. In der Folge wurden Juden enteignet, verfolgt und verhaftet. Diese wurden in Konzentrationslager gesteckt, um diese dort als Sklaven arbeiten zu lassen. Aus den Zwangsarbeitslagern wurden spätestens ab 1941 Massenvernichtungslager. Durch den Holocaust starben zwischen 5,6 und 6,3 Millionen Juden.

Völkermord der faschistischen Ustascha im heutigen Kroatien

Die Ustascha war ein faschistischer Geheimbund, welcher von den Achsenmächten (Italien, Deutsches Reich) zwischen den beiden Weltkriegen unterstützt wurde. Der Geheimbund versuchte auf dem Staatsgebiet des ehemaligen Jugoslawiens, einen unabhängigen kroatische Staat zu erzwingen. Während des Zweiten Weltkrieges konnten die Achsenmächte große Teile Jugoslawiens erobern, wodurch die Ustascha zwischen 1941 an die Macht kamen. Erst im Jahr 1943 wurde Jugoslawien durch Tito-Partisanen zurückerobert.

In den zwei Jahren der Machtausübung errichteten die Ustascha ein Terrorregime nach Vorbild des Dritten Reichs. In dieser Zeit wurden Serben, Juden, Sinti und Roma, aber auch Oppositionelle verfolgt und hingerichtet. Durch den Völkermord der Ustascha, welcher offiziell am 22. Juni 1941 in Kroatien begann, starben circa 200.000 Menschen.

Völkermorde in Burundi zwischen 1965 und 1972

Das ursprüngliche Königreich Burundi wurde am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer deutschen Kolonie und zusammen mit Ruanda als Deutsch-Ostafrika geführt. Während des Ersten Weltkrieges eroberte Belgien dieses Gebiet und somit war Burundi bis 1962 eine belgische Kolonie.

Die Bevölkerung Ruandas und Burundis setzt sich aus den Tutsi, den Twa und den Hutu zusammen. Den größten Bevölkerungsanteil nehmen dabei die Hutu ein. Doch während der Kolonialzeit wurde die Ethnie der Tutsi in Burundi und im Nachbarland Ruanda von der Kolonialmacht bevorzugt. So bekleideten diese Staatsämter und halfen dabei, Staatsstrukturen zu schaffen. Die Hutu blieben Landwirte und wurden sozial abgehängt.

Mit der Unabhängigkeit Burundis entflammte der Konflikt zwischen Hutu und Tutsi. Die Hutu, welche circa 83 % der Gesamtbevölkerung stellten, versuchten gewaltsam an die Macht im Land zu kommen. Da aber die Tutsi alle Ämter im Militär besetzten, gelang dies nicht. Im Nachbarland Ruanda entstand der gleiche Konflikt, den die Tutsi allerdings verloren. Um der eigenen Niederlage vorzubeugen und um den Widerstand der Hutu-Mehrheit zu brechen, begannen die Tutsi einen Völkermord an den Hutu – bei dem zwischen 100.000 und 300.000 Menschen starben.

Völkermord in Ruanda im Jahr 1994

Ruanda war bis 1962 eine belgische Kolonie. Mit dem Verkünden der Unabhängigkeit und durch das Verschwinden der Kolonialmacht entstand ein Konflikt zwischen den ethnischen Gruppen der Tutsi und der Hutu. Genauso, wie in Burundi, bildeten die Hutu die Mehrheit der Bevölkerung, welche allerdings während der Kolonialzeit gegenüber den Tutsi sozial zurückgefallen waren.

Mit der Unabhängigkeit begann der Konflikt zwischen der Hutu-Mehrheit und der Tutsi-Minderheit. Anders als in Burundi, wo die Tutsi an der Macht blieben, begannen die Hutu damit die Tutsi-Minderheit zu verfolgen, zu massakrieren und zu vertreiben. Diese flohen in die Nachbarländer (Burundi, Uganda, Tansania und den Kongo).

1985 bildete sich die Ruandische Patriotische Front (RPF) aus Vertretern der Tutsi-Flüchtlinge. Diese ist eine Partei in Ruanda, welche heute noch vertreten ist. Am 1. Oktober 1990 griffen die Vertreter der RPF das Staatsgebiet Ruandas an und konnten Teile des Landes besetzen. Ein Waffenstillstand im Juli 1992 beendete vorerst den Krieg zwischen den Exil-Tutsi und den Hutu. Beide Volksgruppen lebten nun zusammen in Ruanda. Die Hutu, welche immer noch die Mehrheit im Land bildeten, blieben an der Macht.

Am 6. April 1994 wurde das Flugzeug des Präsidenten Juvénal Habyarimana beim Landeanflug auf die Hauptstadt abgeschossen. Die Hutu machten die Tutsi verantwortlich. Schon am 7. April 1994 begann dann der Völkermord an den Tutsi durch die Hutu. In 100 Tagen wurden zwischen 800.000 bis 1 Million Menschen getötet

Völkermord an den Igbo in Nigeria im Jahr 1967

Das heutige Nigeria war bis in die 1960-er Jahre eine britische Kolonie. Im sogenannten Afrikanischen Jahr (1960) erlangten 18 Kolonien in Afrika ihre Unabhängigkeit zurück und lösten sich von ihrer Kolonialmacht ab. Auch Nigeria wurde in Folge dieser Dekolonisation am 1. Oktober 1960 in die Unabhängigkeit entlassen. Dies sorgte allerdings für ein Machtvakuum und wachsenden Unruhen im Land.

Im Jahr 1967 gründeten die Igbo, eine afrikanische Ethnie, die Republik Biafra im Staatsgebiet Nigerias. Dies sorgte für einen Krieg im Land, welcher rund 30 Monate andauerte und damit endete, dass im Januar 1970 die Republik Biafras kapitulierte. Während des Biafra-Krieges starben mindestens 1 Million, wohlmöglich, aber weit über 2 Millionen Menschen. Ein Grund dafür war, dass die nigerianische Regierung eine Hungerblockade über die Republik Biafra verhängte. Außerdem kam es zu Massakern und zu Übergriffen auf Igbo-Zivilisten seitens der nigerianischen Armee, welche teilweise als Völkermord angesehen werden.

Völkermord in Bangladesch zwischen 1971 und 1972

Zwischen 1971 und 1972 wurden im damaligen Ostpakistan (heute Bangladesch) circa 3 Millionen Menschen getötet. Auch dieser Völkermord ist die Folge einer Dekolonisation. Denn am 14. und 15. August 1947 wurde die Kolonie British-Indien aufgeteilt, wodurch zwei unabhängige Staaten (Indien und Pakistan) entstanden.

Das heutige Bangladesch (damals Ostpakistan) wurde Pakistan zugesprochen, obwohl beide Völker sich in Kultur und Sprache unterschieden. Außerdem liegt Bangladesch östlich von Indien und Pakistan, westlich davon. Es existieren somit nicht einmal Landgrenzen zwischen beiden Regionen, was eine gemeinsame Verwaltung außerdem erschweren sollte.

Als es dann zu Staatswahlen in Ost- und Westpakistan kommen sollte, befürchtete die Zentralregierung in Westpakistan, dass die Awami-Liga im Osten zu stark sein könnte. Um die Vorherrschaft in Westpakistan zu erhalten, beging man mit ethnischen Säuberungen im Osten durch das Militär. Besonders die Hindus, welche als religiöse Minderheit im islamischen Pakistan lebten, wurden verfolgt und ermordet. Neben den 3 Millionen Toten wurden auch zahlreiche Bengalen verschleppt, vergewaltigt, versklavt und in die Prostitution gezwungen.

Völkermord von Srebrenica im Jahr 1995

Srebrenica ist eine Stadt im Osten von Bosnien-Herzegowina und befindet sich an der Grenze zum heutigen Serbien. Während des Bosnienkrieges (1992 bis 1995), bei dem sich Bosnien aus dem Vielvölkerstaat Jugoslawien lösen wollte, kam es zu einem Massaker an 8000 Bosniaken – welches vom Internationen Strafgerichtshof als Völkermord bewertet wurde.

Literatur zum Völkermord

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