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Warum ist das Alte Ägypten untergegangen


warum ist das alte ägypten untergegangen

Der Felsentempel von Abu Simbel, welcher im 13. Jahrhundert v.Chr. erbaut wurde – war nur eine von vielen Errungenschaften des Alten Ägyptens

Nach den neuesten Einschätzungen von Wissenschaft und Geschichtsschreibung führte eine ungünstige Kombination von Ereignissen zum Untergang Ägyptens. Sowohl die weltpolitische Lage als auch ein besonderes Naturereignis leiteten eine Abwärtsspirale ein, von der sich das angeschlagene Reich nicht erholte.

Das Alte Ägypten war von ca. 3000 v. Chr. bis ca. 400 n. Chr. eines der mächtigsten und reichsten Länder des Altertums. Obwohl fast die gesamte Fläche des Landes von Wüste bedeckt war, konnte es eine einflussreiche Hochkultur ausbilden. Dies hatte das Land einem einzigartigen Fluss zu verdanken: dem Nil.

Der Untergang Ägyptens wurde durch die Abhängigkeit vom Nil begünstigt

Der Nil hatte für die Entwicklung Ägyptens eine herausragende Bedeutung. Er ist der längste Fluss der Welt und bildet dort, wo er ins Mittelmeer fließt, das sogenannte Nildelta. Diese Region ist besonders grün und fruchtbar. Schon zu Beginn des ägyptischen Reiches siedelten sich hier Menschen an, um Getreide anzubauen. Eine regelmäßig wiederkehrende Nilschwemme sorgte für eine optimale Bewässerung der Felder und besonders reiche Ernten. So wurden die Menschen wohlhabend und ihre Königinnen und Könige, die Pharaonen, mächtig.

Dieser Wohlstand war allerdings im hohen Maß vom Wasserstand des Nils abhängig. Fehlte die Nilschwemme so wurden die Ernten sehr schlecht und es brachen Hungersnöte aus. Führte der Nil zu viel Wasser, wurden Bebauungen und Dämme zerstört, sodass die Menschen ihre Häuser und ihre Lebensgrundlage verloren.

Kleopatra und Ägypten als römischen Provinz

Von ca. 300 v. Chr. an regierte die Herrscherfamilie der Ptolemäer. Sie galten als besonders skrupellos und machtbesessen. Zu ihnen gehörten Kleopatra und ihr Bruder Ptolemaios, die sich ab ca. 50 v. Chr. die Macht als Könige teilten. Da sie sich aber gegenseitig misstrauten, kam es zum Zerwürfnis der beiden Geschwister. Kleopatra strebte die alleinige Macht im Reich an und verbündete sich mit der damals aufsteigenden Weltmacht Rom. Sie wurde die Geliebte von Julius Cäsar, der zu der Zeit der Alleinherrscher des Römischen Reichs war.

Die Römer hatten bereits fast alle Mittelmeerländer erobert, nur Ägypten (noch) nicht. Auch Cäsar verfolgte mit dem Verhältnis zu Kleopatra eigene Interessen. Er versuchte, sich einen guten Anteil an der ägyptischen Getreideproduktion zu sichern, da die Bevölkerung seines Reichs immer weiter anwuchs. Doch leider ging die Rechnung für Kleopatra nicht gut aus: Im Jahr 44 v. Chr. wurde Cäsar ermordet und Kleopatra verlor nicht nur ihren Liebhaber, sondern auch ihren Beschützer im Spiel um die Macht. Das ägyptische Reich drohte auseinanderzufallen.

Der Vulkanausbruch als weitere Ursache für den Untergang Ägyptens

Die Geschichtsschreibung und neueste wissenschaftliche Erkenntnisse versuchen inzwischen gemeinsam den Untergang Ägyptens zu erklären. Durch Eisproben, die dem tiefen Polareis entnommen werden, können Wissenschaftler einen Blick in die Vergangenheit werfen. Das Eis wird analysiert und über die enthaltenen Chemikalien können frühere Naturkatastrophen ermittelt werden. So hat man herausgefunden, dass es kurz nach Cäsars Tod einen Vulkanausbruch gegeben haben muss.

Die Wissenschaftler sprechen davon, dass es sich um den stärksten Vulkanausbruch der letzten 2500 Jahre handelt. Dieser Ausbruch fand höchstwahrscheinlich in Lateinamerika statt. Er war aber so gewaltig, dass er auch das Klima am Nil veränderte. Chemikalien, die nach einem Vulkanausbruch in die Atmosphäre gelangen, können zu einer Abkühlung der Luftmassen führen. So wurde das empfindliche Gleichgewicht am Nil gestört. Es kam dort, wo der Regen normalerweise auf die Erde fällt, zu einem deutlichen Rückgang der Temperatur. Die Folge war, dass das Nilhochwasser ausblieb.

Aufstände bedrohen das Reich

Da der Wasserstand des Nils über Wohlstand und Reichtum der Ägypter entschied, kam es für Kleopatra zu einer lebensgefährlichen Situation. Das ägyptische Volk wurde unzufrieden, es entstanden Hungersnöte und Krankheiten. Die Bauern verließen ihre Felder und zogen in die Städte. Auf dem Land starben die Tiere, das Ackerland wurde vernachlässigt und in den Städten drohten Aufstände die verbliebene Ordnung zu zerstören.

Als Pharaonin lief Kleopatra Gefahr, von ihrem Volk zum Sündenbock gemacht zu werden. Sie stand nun vor dem Problem, die noch vorhandenen Getreidevorräte klug aufzuteilen. Durch den Zustrom der Menschen in die Städte breiteten sich außerdem schwere ansteckende Krankheiten wie Typhus, Cholera und Beulenpest aus. So geschwächt konnte sich Ägypten nicht gegen die Machtansprüche der Römer verteidigen.

Markus Antonius als politischer Fehler für Ägypten

Da die Römer auch weiterhin ihren Anteil an der Getreideernte verlangten, brauchte Kleopatra einen neuen Plan. Sie traf die Entscheidung, sich erneut mit ihren Feinden zu verbünden. In Rom war es nach der Ermordung Julius Cäsars zu ungeklärten Machtverhältnissen gekommen. Markus Antonius und Octavian kämpften beide um die Vorherrschaft und die Nachfolge Cäsars.

Octavian war der Neffe Cäsars und betrachtete sich als Alleinerbe. Dagegen war Markus Antonius beim römischen Heer extrem beliebt und politisch gut vernetzt. Kleopatra entschied sich für Markus Antonius und ging mit ihm ein politisches Bündnis und eine leidenschaftliche Liebesbeziehung ein. Leider erwies sich auch diese Entscheidung als großer Fehler.

Der endgültige Untergang Ägyptens

Ab 33 v. Chr. gab es zwischen Markus Antonius und Octavian zahlreiche Kriege, die aber keine Entscheidung herbeiführen konnten. Bis es im Jahr 31 v. Chr. bei Actium, einem griechischen Küstenort, zu einer riesigen und entscheidenden Seeschlacht kam. Kleopatra und ihr Liebhaber unterlagen ihrem Feind, dem Neffen Cäsars. Die Anhänger von Markus Antonius wechselten die Seiten und der römische Bürgerkrieg wurde damit zugunsten Octavians entschieden. Octavian ging als erster römischer Kaiser – Augustus – in die Geschichte ein. Er konnte nun mit Leichtigkeit das ägyptische Reich erobern.

Das einst stolze und mächtige Ägypten war von jetzt an eine römische Kolonie. Das Land stand unter römischer Verwaltung und hatte damit seine Eigenständigkeit verloren. Die Epoche der Pharaonen und der ägyptischen Hochkultur war beendet. In den folgenden Jahrhunderten stand Ägypten erst unter römisch-griechischem Einfluss, wurde dann christlich und schließlich islamisch.

Um den Tod von Markus Antonius und Kleopatra ranken sich zahlreiche Legenden. Manche Geschichtsschreiber gehen von einem Selbstmord des Liebespaares aus. Fest steht nur, dass beide im Jahr 30 v. Chr. getrennt voneinander starben. Kleopatra soll sogar noch versucht haben, sich mit dem siegreichen Octavian zu verbünden. Dieser jedoch durchschaute ihre Absichten und besiegelte damit den Untergang Ägyptens endgültig.


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