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Merkmale des altägyptischen Kalenders


Als die Menschen sich etwa 5000 v. Chr. im Niltal niederließen, mussten sie sich dem Rhythmus des Flusses anpassen. Sie beobachteten den Fluss, die Natur und ihre Abläufe. Sie lernten diese Beobachtungen in Beziehung zueinander zu setzen und gaben diese Informationen an die folgenden Generationen weiter, lange bevor die Schrift erfunden wurde. So entstand schon sehr früh ein mündlich tradierter Bauernkalender, wie es sie überall auf der Welt heute noch gibt, auch bei uns in Deutschland. Wir sprechen beispielsweise vom Altweibersommer oder von der Schafskälte.

Diese Bezeichnungen und die mit ihnen verbundenen Wettervorhersagen stammen aus unserem Bauernkalender und dienten auch bei uns zur Planung etwa der Aussaat, der Ernte und des Ernteausgangs.

Der bürgerliche und der liturgische Kalender

Im alten Ägypten entwickelte sich neben dem Bauernkalender auch ein offizieller Kalender, der sogenannte bürgerliche Kalender. Die Erfindung der Schrift und die Datenerfassung mithilfe eines Kalenders erfolgten zeitgleich während der Reichseinigungszeit (um 3000 v. Chr.). Beide Erfindungen hatten organisatorisch-verwaltungstechnische Gründe. Steuern in Form von Ernteabgaben mussten berechnet und registriert werden. Für die Verwaltung des riesigen Landes genügte der Bauernkalender nicht mehr.

Der bürgerliche Kalender richtete sich nach dem Sonnenjahr und teilte es in Tage, Wochen, Monate und Jahreszeiten. Er diente einzig der Verwaltung des Landes. Es war ein Zivilkalender für Datumsangaben profaner, also weltlicher Ereignisse. Dieser Kalender entspricht in der Funktion unserem modernen bürgerlichen Kalender.

Die Ägypter hatten auch einen Mondkalender, der ein Ritual- und Festkalender war. Er richtete sich nach den Mondphasen und diente zur Berechnung und Festlegung der Daten sakraler, also heiliger Ereignisse. Die Datumsangaben des Mondkalenders sind religiöser Art und regeln den kultisch-rituellen Jahreslauf.

Auch in Deutschland leben wir nach einem Kalender vergleichbarer Art. Es ist der liturgische Kalender, der das christliche Kirchenjahr mit den großen Festkreisen um Ostern und Weihnachten regelt. Außerdem gibt es bei uns auch heute noch den Heiligenkalender der römisch-katholischen Kirche. Im Volksglauben vermischte sich der Heiligenkalender mit dem Bauernkalender. Daraus ergaben sich die sogenannten Lostage, an denen Bauernregeln einem bestimmten Heiligen zugeordnet wurden, beispielsweise die Eisheiligen oder der Siebenschläfertag.

Im mündlich überlieferten Volksglauben der Ägypter war es vermutlich nicht anders. Denn neben den großen, in den Tempeln des ganzen Landes verehrten Göttern, gab es auch zahllose, für das Königtum unbedeutende, persönlich oder lokal verehrte Schutz- und Ortsgötter.

Die Astronomie und die verschiedenen Kalender

Der Bauernkalender beruhte auf Naturbeobachtungen. Seine Vorhersagen waren für die Menschen, die nach dem Bauernkalender lebten, ausreichend genau. Für die Verwaltung einer komplexen Gesellschaft brauchte es aber exakte Daten. Nur so konnten wichtige staatliche Projekte geplant und durchgeführt werden: angefangen bei der Instandhaltung des überlebenswichtigen Bewässerungssystems entlang des Nils über die Organisation landesweiter Feierlichkeiten bis hin zum Bau der Pyramiden oder anderer Großprojekte. Aber auch die Götterwelt musste verwaltet werden. Sie war nicht minder komplex organisiert. Die Welt der Götter und die der Menschen mussten aus kultischen Gründen synchronisiert werden. Dazu waren die Kalender von immenser Bedeutung.

Es waren die Priester, die die Kalender „wissenschaftlich“ erarbeiteten. Dazu waren astronomische Kenntnisse notwendig. Sonne, Mond und Sterne wurden genau beobachtet, ihre Auf- und Untergänge schriftlich aufgezeichnet und mit denen vergangener Jahre verglichen. Diese Daten wurden wiederum mit den Rhythmen der Natur in Verbindung gebracht. Auf diese Weise konnte sehr genau der Beginn der jährlichen Überschwemmung festgelegt werden.

Die Priester beobachteten, dass der Stern Sirius, der von der Göttin Sothis verkörpert wurde, an einem bestimmten Tag morgens kurz vor der Sonne aufging. Dieser sogenannte heliakische Aufgang des Sirius erfolgte zufällig kurze Zeit vor der Nilschwelle. Der Frühaufgang der Sothis kündigte also die bevorstehende Nilflut an und markierte damit den Jahresbeginn des bürgerlichen Kalenders. Das Sothis-Fest war deswegen zugleich das Neujahrsfest.

Der Mondkalender diente zur Festlegung religiöser Feierlichkeiten. Er war in zwölf Mondmonate unterteilt, die nach den großen Götterfesten benannt waren, die in ihnen gefeiert wurden. Das Mondjahr war mit 354 Tagen deutlich kürzer als das Sonnenjahr mit seinen 365 Tagen. Das hatte zur Folge, dass die Götterfeste des Mondjahres durch das Jahr des bürgerlichen Kalenders „wanderten“. Um die beiden Kalender in Übereinstimmung zu halten, wurde immer wieder ein zusätzlicher Monat zum Mondkalender hinzugefügt, ein 13. Schaltmonat.

Ein weiteres Problem war die Tatsache, dass ein Sonnenjahr keine 365, sondern knapp 365,25 Tage lang ist. Dies führte dazu, dass der bürgerliche Kalender alle vier Jahre um einen ganzen Tag zu kurz war und die kalendarisch festgelegten Jahreszeiten irgendwann nicht mehr mit dem Sonnenjahr übereinstimmten.

Dennoch hielten die Ägypter die ganzen 3000 Jahre ihrer weiteren Geschichte an diesen Kalendersystemen fest. König Ptolemaios III. führte im 3. Jahrhundert v. Chr. endlich einen vierjährig in den bürgerlichen Verwaltungskalender einzufügenden Schalttag ein. Nach seinem Tod gingen die Ägypter aber wieder zurück zu ihrem alten Kalendersystem.

Die Zeiteinteilung und die Jahreszeiten

Ein Tag hatte 24 Stunden, 12 für den Tag und 12 für die Nacht. Eine Woche hatte zehn Tage. Ein Monat hatte drei Wochen, also 30 Tage. Einer Jahreszeit wurden vier Monate zugewiesen. Ein Jahr wurde in drei Jahreszeiten eingeteilt und hatte 360 Tage. Dass das Sonnenjahr 365 Tage hatte, war den Ägyptern schon früh bekannt. Sie fügten nach der dritten Jahreszeit einfach fünf Tage hinzu, die sogenannten Epagomenen, die „Nachfolgenden“. Die Jahreszeiten waren:

  • Achet – Die Zeit der Überschwemmung: Mit dieser Jahreszeit begann im Juni das Jahr. Der Frühaufgang des Sirius kennzeichnete den Jahresbeginn. Bis zum Bau des Assuan-Staudamms trat der Nil alljährlich über seine Ufer und überschwemmte das gesamte Land. Diese sogenannte Nilschwelle war die Folge der tropischen Regenfälle in Zentralafrika und über der äthiopischen Hochebene. Die Wassermassen sammeln sich im Nil, der anschwoll und alles überflutet. Vom Eintreffen der Flutwelle im Süden Ägyptens bei Elephantine bis zur Überschwemmung des Nildeltas im Norden vergingen etwa zwei Wochen.
  • Peret – Die Zeit der Aussaat: Wenn das Wasser abgeflossen war, begann die Aussaat. Das Land war bis in die Tiefe ausreichend feucht und zudem frisch gedüngt durch den nähr- und mineralstoffreichen, abgelagerten Nilschlamm.
  • Schemu – Die Zeit der Ernte: Für jedes Dorf wurden die Steuerabgaben berechnet. Nach der Ernte wurden die abzugebenden Anteile an die Tempel geliefert, wo sie genau registriert, gelagert und später an den König weitergegeben wurden.

Der altägyptische Ursprung unseres Kalendersystems

Heutzutage ist das weltweit verbreitetste bürgerliche Kalendersystem das gregorianische. Es wurde 1582 von Papst Gregor XIII. verordnet. Bis dahin war der von Julius Caesar im Römischen Reich eingeführte julianische Kalender in Benutzung. Der gregorianische Kalender stellte eine deutliche Verbesserung der Schaltjahresregelung dar. Damit gelang eine bessere Übereinstimmung des Kalenders mit dem Sonnenjahr.

Das Schaltjahr im julianischen Kalender geht auf die Kalenderreform von König Ptolemaios III. zurück. Seine Einführung sollte das ägyptische Kalendersystem verbessern, das zu diesem Zeitpunkt schon 3000 Jahre in Benutzung war. In Ägypten konnte sich die Reform nicht durchsetzen. Aber etwa 200 Jahre später wurde diese Idee von Julius Caesar 45 v. Chr. aufgegriffen. Er führte das Schaltjahr im Römischen Reich ein und schuf damit die Grundlage für den nach ihm benannten julianischen Kalender.

Nach der Eroberung Ägyptens durch den späteren römischen Kaiser Augustus 30 v. Chr. wurden die Ägypter dann aber doch noch gezwungen, die Kalenderreform Ptolemaios III. zu akzeptieren. Denn die Römer führten den julianischen Kalender in das nun von ihnen als Provinz verwaltete Ägypten ein.


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