Skip to main content

Die 3 Epochen der Altsteinzeit, ihre Merkmale und Bedeutung


epochen der altsteinzeit

Die Altsteinzeit ist die früheste Periode der Steinzeit und der Urgeschichte. Sie umfasst beinahe den gesamten Zeitraum der letzten 2,5 Millionen Jahre. Das bekannteste Werkzeug der Altsteinzeitmenschen war der Faustkeil.

Was ist die Altsteinzeit?

Die Altsteinzeit in die längste Periode der Steinzeit und auch der gesamten Urgeschichte. Ihr Beginn wird durch geschlagene Steinwerkzeuge definiert. Deshalb fängt die Altsteinzeit je nach Erdregion zu unterschiedlichen Zeitpunkten an.

So wird der Beginn der Altsteinzeit in Afrika auf vor etwa 2,5 Millionen Jahren datiert. In Westasien begann sie erst vor 1,8 Millionen Jahren. Die ältesten Steinwerkzeuge aus dem Nahen Osten sind etwa 1,6 Millionen Jahre alt.

In Europa beginnt die Altsteinzeit vor 1,2 Millionen Jahren in den südlichen Teilen. Für Mitteleuropa nimmt man weniger als eine Million Jahre an.

Die Altsteinzeit endete erst vor rund 11.700 Jahren. Sie wird auch Paläolithikum genannt. Der Begriff setzt sich aus den griechischen Wörtern „palaios“ für „alt“ und „lithos“ für „Stein“ zusammen. Geprägt wurde die Bezeichnung durch den Anthropologen Sir John Lubbock, der sie 1865 in seinem Buch „Prehistoric Times“ benutzte.

Die Epochen der Altsteinzeit

epochen altsteinzeit zeitstrahl

Die Altsteinzeit wird in drei Epochen unterteilt: Altpaläolithikum, Mittelpaläolithikum und Jungpaläolithikum. Diese Epochen beginnen, wie die eigentliche Altsteinzeit und damit das Altpaläolithikum, zu unterschiedlichen Zeitpunkten auf der Welt.

So startete das Mittelpaläolithikum vor etwa 300.000 bis 200.000 Jahren. Das Jungpaläolithikum begann vor ungefähr 45.000 Jahren.
Nicht zu verwechseln sind diese Begriffe mit der Mittel- und Jungsteinzeit. Diese bezeichnen Epochen der Steinzeit, die nach der Altsteinzeit stattfanden.

Altpaläolithikum

Das Altpaläolithikum unterteilt sich in das Altpaläolithikum in Afrika und das in Europa. Es beginnt, wenn geschlagene Steinwerkzeuge von frühen Menschen auftreten. Sein Ende wird mit dem Übergang zur Levallois-Technik, einer Steinbearbeitungstechnik, definiert.

Altpaläolithikum in Afrika

Das Altpaläolithikum in Afrika wird auch „Early Stone Age“ genannt. Es beginnt vor 2,5 Millionen Jahren und endet vor etwa 130.000 Jahren. In dieser Zeit gab es zwei verschiedene Kulturen in Afrika: Oldowan und Acheuléen.

Das Oldowan hat seinen Namen von einer Fundstelle in der Olduvai-Schlucht. Die meisten Funde, die in das frühe Altpaläolithikum in Afrika gehören, stammen aus Ostafrika.

Während des Oldowan veränderten sich die Steinwerkzeuge bereits geringfügig. Die Menschen begannen mit Geröllgeräten, von denen sie eine Kante abschlugen. So entstand eine scharfe Arbeitskante. Erst etwas später begannen die Menschen, beide Seiten eines Steinwerkzeugs zu bearbeiten.

Das Oldowan endet mit frühen Formen der Faustkeile. Dabei bearbeiteten die Menschen die Abschläge weiter und verfeinerten die Arbeitskanten. Vorher hatte sehr wahrscheinlich das Geröll als Werkzeug gedient.

Diese Werkzeuge wurden von Homo rudolfensis, Homo habilis und Homo erectus hergestellt.

Das Acheuléen beginnt vor ca. 1,7 Millionen Jahren mit den ersten Faustkeilen. Typisch für diese Epoche sind außerdem große Hackmesser, sogenannte Cleaver, und kleine, grobe Spitzen, die wohl zum Schaben dienten. Die Werkzeuge werden weiterhin Homo erectus zugeschrieben. Später kamen noch Homo erectus heidelbergensis und Homo steinheimensis hinzu.

Die Menschen lebten wohl hauptsächlich unter freiem Himmel. Erst gegen Ende des Altpaläolithikum in Afrika zogen sie sich vermehrt in Höhlen zurück. Feuer nutzten die Menschen während des Acheuléens ebenfalls.

Große Wildtiere wie Waldnashorn und Waldelefant jagte Homo erectus erfolgreich und wohl recht regelmäßig. Dafür sprechen zumindest die häufigen Funde von Knochen dieser Tiere in Lagern des frühen Menschen.

Über ihr Sozialleben oder eine mögliche Religion wissen wir bisher nichts. Es sind keine Gräber bekannt. Dadurch kann man nicht einmal sagen, ob Homo erectus in Afrika seine Toten bereits beerdigte.

Was wir jedoch wissen, ist, dass er zur See fuhr. Dafür sprechen jedenfalls Werkzeugfunde an der südwestlichen Küste Kretas, die etwa 700.000 Jahre alt sind. Das bedeutet, dass der Mensch bereits vor mindestens 700.000 Jahren Meere überquerte. Wie regelmäßig das passierte, wissen wir nicht. Auf jeden Fall gelang es ihm aber, längere Strecken übers Wasser zurückzulegen.

Das Altpaläolithikum in Afrika endet mit dem Beginn der letzten Kaltzeit, also vor ungefähr 115.000 Jahren.

Altpaläolithikum in Europa

In Europa beginnt die Altsteinzeit erst vor zwischen 1,7 Millionen Jahren und 1,3 Millionen Jahren. Aus dieser Zeit sind tierische Knochen mit Schnittspuren überliefert, die auf menschliches Eingreifen hindeuten. Die ersten menschlichen Überreste sowie Werkzeuge stammen jedoch aus der Zeit vor 1,2 Millionen Jahren.

In dieser Zeit kam es auch zur Wanderung von Homo erectus von Afrika nach Europa. Zuvor lebten dort keine Menschen. Homo erectus brachte seine Werkzeuge mit.

Die ältesten Faustkeile sind ungefähr 900.000 Jahre alt. Sie wurden im Südosten Spaniens gefunde, allerdings bestehen sie aus Kalkstein. Deswegen sind sich die Forscher nicht einig, ob es sich doch um Fälschungen handeln könnte.

Die nächsten Faustkeile wurden ganz in der Nähe gefunden. Sie bestehen aus Feuerstein und gelten damit als unumstritten. Man geht davon aus, dass sie etwa 760.000 Jahre alt sind.

Je nördlicher man reist, desto jünger sind die ältesten Faustkeilfunde. In Südengland im Boxgrove Quarry wurden bisher mehr als 400 Faustkeile gefunden. Einige von ihnen sind mindestens 500.000 Jahre alt.

Während des Altpaläolithikum war der Mensch offenbar ein begnadeter Jäger. Das belegen zumindest die großen Mengen an Tierknochen, die in seinen Lagern gefunden wurden. Homo steinheimensis erlegte große Landsäuger und begann bereits mit dem Hüttenbau. In seinen Lagern findet man Überreste früher, runder Hütten.

Mittelpaläolithikum

Das Mittelpaläolithikum bezeichnet einen Abschnitt der Altsteinzeit, der nur in Europa stattfand. Er begann vor etwa 300.000 bis 200.000 Jahren und endet vor 45.000 Jahren.

Sein Beginn wird mit dem Einsetzen der Levallois-Technik definiert. Das ist eine Steinbearbeitungstechnik für Feuerstein, die vor allem der Neandertaler benutzte. Dabei schlugen die Menschen zunächst kreisförmig am Rand eines geeigneten Feuersteins Stücke ab. Anschließend lösten sie mit einem gezielten Schlag ein großes Stück aus dem Feuerstein. Dieses Stück hatte ringsum scharfe Kanten. Neandertaler stellten auf diese Weise Klingen, Spitzen und Schaber her.

Neben den Steinwerkzeugen wurden zu dieser Zeit organische Materialien zur Herstellung von Waffen und Werkzeugen beliebt. Man benutzte Holz für Lanzen, wobei die Spitzen aus Stein produziert wurden. Später dienten dafür Geweihstücke. Mit diesen Lanzen erlegte der Neandertaler nicht nur Hasen und anderes Kleinwild, sondern auch Bären, Wisente und Elefanten. Dafür musste er nah an die Tiere heran, denn es handelte sich um Stoßlanzen, keine Wurfspeere.

Eine weitere Neuheit des Mittelpaläolithikum sind Bestattungen. Neandertaler glaubten offenbar bereits an ein Leben nach dem Tod und begruben ihre Toten zumindest manchmal. Die Leichname legten sie in Hockstellung mit Blick nach Osten oder Westen.

Seit mindestens 60.000 Jahren besitzt der Mensch in Europa die Fähigkeit der Sprache. Das konnten Forscher anhand eines Zungenbeins eines Neandertalers aus dieser Zeit bestätigen.

Etwas früher, etwa vor 100.000 Jahren, wanderten erneut Menschen von Afrika nach Europa. Der „Cro-Magnon-Mensch“, benannt nach seinem Fundort in Frankreich, bzw. der Homo sapiens, kam auf diesen Kontinent. Er besiegelte das Ende des Neandertalers sowie des Mittelpaläolithikum.

Es dauerte vermutlich noch mehrere Zehntausend Jahre, bis sich die beiden Rassen begegneten. Heute wissen wir zudem, dass sich Homo sapiens und Neandertaler in Europa miteinander mischten. So konnte vor einigen Jahren nachgewiesen werden, dass sowohl Europäer als auch Afrikaner Gene des Neandertalers tragen.

Warum genau der Neandertaler verschwand, ist nicht geklärt. Größere, kriegerische Auseinandersetzungen sind sehr unwahrscheinlich. Denkbar ist, dass Homo sapiens besser mit dem sich verändernden Klima in Europa zurechtkam. Während der Neandertaler nicht auf die langsam verschwindenden Herden von Großwild verzichten konnte, erschloss der Homo sapiens neue Nahrungsquellen. Dafür spricht auch, dass die jüngsten Neandertalerfunde (etwa 39.000 Jahre alt) in Russland gefunden wurden.

Jungpaläolithikum

Das Jungpaläolithikum beginnt vor ungefähr 45.000 Jahren und endet mit der letzten Kaltzeit vor etwa 11.700 Jahren. Sein Anfang fällt mit den ersten gesicherten Funden des Homo sapiens in Europa zusammen.

Die Überreste fand man in Bulgarien und Italien. Später kam noch England hinzu.
Die Steinwerkzeuge des Jungpaläolithikum wurden nicht mehr mit der Levallois-Technik erzeugt, sondern benötigten einen senkrecht laufenden Dorsal-Grat. Daran entlang wurde der Stein bearbeitet, sodass lange, schmale Klingen entstanden.

Neben diesen feinen Werkzeugen mehrten sich nun solche sowie Waffen aus Knochen, Geweih und Elfenbein.
Eine Erfindung dieser Epoche ist der Stichel. Dieser diente erstmals zum Gravieren und Verzieren anderer Materialien. Kunst wie Höhlenmalerei, Musikinstrumente, Elfenbeinfiguren und Schmuck brachte vermutlich der Homo sapiens aus Afrika mit.

Das Auftreten dieser Stücke deutet nicht nur auf Kreativität und einen Sinn für Schönheit. Musikinstrumente bedeuten außerdem, dass die Menschen des Jungpaläolithikum regelmäßig zusammenkamen und gemütliche Zeit miteinander verbrachten. Auch Feste oder Kulte könnten mit Musik untermalt worden sein.

Zudem brauchten die Menschen Zeit, um diese Gegenstände zu entwickeln und immer wieder herzustellen. Das heißt, dass sie effektiver in der Nahrungsbeschaffung wurden, sodass sich einige von ihnen mit anderen Dingen beschäftigen konnten.

Wichtige Erfindungen und Errungenschaften der Altsteinzeit

Werkzeuge

Das bekannteste Werkzeug der Altsteinzeit ist der Faustkeil. Er hielt sich über viele Jahrzehntausende in Afrika und Europa. Während den späteren Epochen der Altsteinzeit kamen feinere Werkzeuge wie Stichel und zweiseitige Klingen hinzu.

Gebäude

In der Altsteinzeit kam es erstmals zum Bau einfacher Hütten. Dafür nutzten die Menschen Äste, Elfenbein, Felle und was sich sonst dazu eignete. Diese Hütten bauten sie teilweise in oder an Höhlen, in denen sie ebenfalls lebten.

Waffen

Der Neandertaler ist für seine Lanze mit Steinspitze bekannt. Diese wurde später durch solche aus Knochen oder Geweih abgelöst.

Schmuck und Kunst

Der Homo sapiens brachte künstlerische Tätigkeiten von Afrika nach Europa. Die ersten bewiesenen Musikinstrumente waren Knochenflöten. Seinen Schmuck stellte er aus Steinen, Muscheln und Knochen her, die er teilweise zusätzlich verzierte.

Kultur

Gräber von Neandertalern beweisen, dass die Menschen des Mittelpaläolithikum an ein Leben nach dem Tod glaubten. Sie begruben ihre Toten nicht immer, aber zumindest hin und wieder. Gerade Kindergräber finden sich oft in dieser Zeit.
Den Toten gaben sie Grabbeigaben in Form von Werkzeugen oder Schmuck mit.

Schifffahrt

Es ist kein Schiff oder Floß überliefert aus der Altsteinzeit überliefert. Aber die Tatsache, dass auf Inseln in Europa menschliche Überreste gefunden wurden, die zu dieser Zeit gehören, beweist, dass die Menschen bereits zur See fuhren. Wie genau das ausgesehen hat, ist fraglich.

Wie veränderte sich das Klima?

Das Klima der Altsteinzeit war wechselhaft, wobei Kaltzeiten dominierten. Wie rau genau das Klima war, lässt sich daran erkennen, ob die Menschen gerade vermehrt Höhlen nutzten oder unter freiem Himmel lagerten.

Gegen Ende der Altsteinzeit gab es erneut eine Eiszeit. Am kältesten wurde es vor etwa 20.000 Jahren. Typisch für die letzte Kaltzeit war die sogenannte Megafauna. Die Wildnis wurde von großen Säugetieren wie Mammuts, Riesenhirschen und Höhlenbären dominiert. Als es langsam wärmer wurde, wurden die Menschen sesshaft, weil die großen Säugetiere als Jagdwild verschwanden.

Die Kaltzeiten beeinflussten auch die Sahara. So war die heutige Wüste vor 110.000 Jahren eine grüne Savanne. Vor etwa 50.000 Jahren kam es erneut zu einer Savannenphase von etwa 5.000 Jahren.

Während der letzten Kaltzeit dehnte sich die Sahara als Wüste wie wir sie heute kennen immer weiter aus.

Zusammenfassung

  • Die Altsteinzeit wird auch Paläolithikum genannt.
  • Die Altsteinzeit umfasst den Zeitraum von vor 2,5 Millionen Jahren bis vor rund 11.700 Jahren, wobei sie zu unterschiedlichen Zeitpunkten auf der Erde begann.
  • Die Altsteinzeit gliedert sich in drei Epochen, die Altpaläolithikum, Mittelpaläolithikum und Jungpaläolithikum heißen.
  • Das Altpaläolithikum beginnt mit bearbeiteten Steinwerkzeugen und endet mit dem Übergang zur Levallois-Technik.
  • Die Levallois-Technik ist eine Steinbearbeitungstechnik, bei der man den Abschlag als Werkzeug weiterbenutzt.
  • Ins Altpaläolithikum gehören die ersten runden Hütten.
  • Das Mittelpaläolithikum fand nur in Europa statt und stellt den Neandertaler in den Vordergrund.
  • Der Neandertaler stellte Lanzen aus Holz mit Steinspitze oder solchen aus Geweih her.
  • Im Jungpaläolithikum wurden die Steinwerkzeuge feiner und organische Materialien wurden immer mehr benutzt.
  • Während des Jungpaläolithikum kam es erstmals zu Höhlenmalerei, Schmuck und Musikinstrumenten.
  • Vermutlich überquerten die Menschen der Altsteinzeit bereits das Meer.
  • Tote wurden bei den Neandertalern manchmal begraben und erhielten Grabbeigaben.
  • Während der Altsteinzeit kam es zu mehreren Eiszeiten, die auch die Sahara beeinflussten und zeitweilig zur Savanne machten.

Ähnliche Beiträge