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Thora die Ehefrau von Ragnar Lodbrok


Thora war der isländischen Ragnarlegende nach, eine Ehefrau des Wikingers Ragnar Lothbrok.

Da die Existenz des legendären Wikingeranführers nicht Hundertprozentig gesichert ist, gilt auch Thora nicht als historisch belegbare Figur.
Und deshalb wird die Geschichte um Thoras Befreiung, wie auch die ganze Ragnarsaga – mehr der nordischen Mythologie zugeordnet, als der nordischen Geschichte.

Thora die Schönheit aus Schweden

Ursprünglich stammte Thora aus Gautland, dem südlichsten Teil Schwedens, welcher heute Götaland genannt wird.
Sie war die Tochter des dortigen Jarls Herraud.

Ragnar war zu diesem Zeitpunkt noch recht jung, aber schon sehr berühmt.
Er besaß ein eigenes Schiff und eine Mannschaft.
Seine Seefahrten, die erfolgreichen Wikings und auch die Befreiung der norwegischen Schildmaide wurden bereits besungen.
Da erreichte ihn eine Nachricht bzw. ein Gerücht von den Gauten.

Thora und ihre Schlange

Thora muss wunderschön gewesen sein.
Man nannte sie auch die „Hinde in der Burg“.

Hinde ist ein altnordisches Wort, welches Hirsch bedeutet.
Und der Hirsch galt unter den Nordmännern als das stattlichste, stolzeste und ansehnlichste Tier im Wald.
Demnach muss Thora so schön gewesen sein, dass sie alle anderen Frauen in ihrer Attraktivität weit überragte.

Aber es gab einen Haken.
Denn der Jarl Herraud hatte seiner Tochter einen Lindwurm geschenkt.
So ein Lindwurm ist ein nordisches Wort für Schlange oder auch drachenähnlichem Fabeltier.

Diese Schlange war anfangs noch klein und zierlich gewesen.
Thora nahm das Tier und steckte es in eine Eschentruhe.

In dieser Truhe bewahrte Thora, neben dem Tier auch ihren Schmuck und ihre Kleider auf.
Aber laut nordischer Mythologie sind Eschen besondere Bäume.
Denn schließlich ist der Weltenbaum Yggradsil ebenfalls eine Esche.

Auf jeden Fall war es so, dass das Gold sich in der Truhe vermehrte.
Aber zeitgleich zum Goldschatz wuchs auch die Schlange erheblich an.
Irgendwann passte die Schlange nicht mehr in die Truhe.

Und somit beschloss Thora, die Schlange aus der Truhe zu lassen.
Aber dies änderte nichts daran, dass die Schlange weiter wuchs.
Das Tier erreichte irgendwann die Größe, dass sein Körper um das ganze Anwesen von Thora ragte.
Kopf und Schwanz berührten sich dabei.

Nun solltest du wissen, dass Thora nicht bei ihrem Vater lebte.
Der Jarl Herraud ließ für seine Tochter ein separates Wohnhaus bauen.
Dort lebten nun Thora und die Schlange.

Das Bild, welches die Schlange ringsum dem Haus abgab – muss Ähnlichkeit mit der Midgardschlange gehabt haben.
Auch diese ragte um das ganze Menschenreich und gab eine natürliche Grenze nach außen ab.

Thoras Schlange war natürlich kleiner als die Midgardschlange, aber dennoch – im Vergleich zu normalen Schlangen – riesig groß.

Das Tier fraß unaufhörlich und verschlang, der Legende nach, einen ganzen Ochsen mit nur einem Biss.
Auch ihre Wildheit wuchs mit ihrer Größe.
Niemand konnte das Tier bändigen und so lag die Schlange um Thoras Haus und sorgte dafür, dass Niemand dieses betreten konnte.

Thora und Ragnar Lodbroks Kampf mit der Schlange

Der Jarl Herraud war natürlich nicht erfreut darüber, dass seine Tochter so leben musste.
Schließlich hielt das Tier sie gefangen und tötete jeden, welcher sich dem Anwesen näherte.

Irgendwann gab der Jarl ein Versprechen ab.
Derjenige, welcher seine Tochter befreit – darf Thora ehelichen.
Das Gold in der Truhe, welches über die Jahre ebenfalls erheblich angewachsen war – sollte die Mitgift sein.

Ragnar hörte von dem Versprechen, dem Gold, der Schönheit Thoras und begriff die Gelegenheit.
Ihm war es völlig egal, welche Gefahr dieser Kampf barg.
Der Ruhm, welcher für ihn bereitstand war erheblich und hätte wahrscheinlich schon genügt.
Aber schließlich gab es noch die Ehe mit der schönen Thora und das ganze Gold aus der Truhe obendrauf.

Und so ließ es Ragnar keine Ruhe.
Er wollte den Ruhm, das Gold und auch die Ehe.
Aber zum Glück begriff er, dass er sich dem Untier nicht ungeschützt hätte nähern können.
Er wies seine Mannschaft an, nach Gautland zu segeln.

Auf der Überfahrt überlegte Ragnar sich, dass er seine Kleider härten musste.
Also begoss er diese mit Teer und ließ den Teer trocknen.
Der getrocknete Teer war so stabil wie ein Panzer.
Und so glaubte Ragnar, könnte man sich dem Untier nähern.

Als sie in Schweden ankamen, legten sie in einer Bucht nahe Herrauds Hof an.
Ragnar und seine Männer gingen nicht von Bord und versteckten sich stattdessen in der Bucht.
Am nächsten Morgen ging Ragnar allein von Bord.
Bewaffnet mit einem Speer, in welchem eine lose Spitze steckte, wollte er die Bestie töten.

Als er sich Thoras Haus näherte, war es noch so früh – dass alles schlief.
Auch die Riesenschlange, welche komplett um das Haus ragte, schlief tief und fest.
Ragnar rammte dem Untier seinen Speer in den Rücken, so dass die eiserne Spitze in der Wunde stecken blieb.
Der Blutstrom, welcher sich ergoss, war riesig.
Aber seine teerdurchtränkte Kleidung schützte ihn vor jedem Schaden.

Als sich die Bestie im Todeskampf befand, erwachte Thora aus dem Tiefschlaf.
Sie sah aus dem Fenster und erkannte, dass ihre Gefangenschaft vorbei war.
Die Schlange war tot und neben dieser ragte eine Gestalt empor, welche einem hochgewachsenen Mann entsprach.
Sie rief diesem zu, dass er sich vorstellen sollte.

Ragnar verkündete, dass er den Lindwurm getötet hatte.
Als sie fragte, wer er ist – antwortete er, dass er lediglich 15 Jahre alt ist.
Mit diesen Worten verschwand Ragnar im Dickicht des Waldes.

Die Tochter des Jarls begriff, dass ein Fünfzehnjähriger sie befreit hat.
Seinen Namen hatte er nicht genannt und Thora glaubte, dass es kein Mensch war – welcher die Riesenschlange getötet hat.

Thora und Ragnar Lothbroks Hochzeit

Als Jarl Herraud erfuhr, was geschehen war – wollte er sein Versprechen einlösen.
Und so ließ er alle Männer der Gegend versammeln.

Er nahm die Speerspitze, welche immer noch im Schlangenrücken steckte und wollte anhand dieser, den passenden Speer dazu finden.
Der Träger des Speeres, auf welchem die verlorene Spitze passte, musste demnach der heldenhafte Schlangentöter sein.

So gingen die Männer des Jarls von Mann zu Mann und überprüften jeden Speer.
Als sie bei Ragnar ankamen, passte die Spitze zum Speer.
Daraufhin warb Ragnar um die Hand Thoras und der Jarl löste sein Versprechen ein.

Noch am selben Abend ließ der Jarl die Hochzeitsfeier ausrichten.
Als die Feierlichkeiten zu Ende waren, verließen Ragnar und Thora die Gauten.
Sie segelten zurück in Ragnars Reich Dänemark.

Die Legende mit der Schlange hatte Ragnar überall bekannt gemacht.
Der damals Fünfzehnjährige genoss unendlichen Ruhm in ganz Skandinavien.
Schon damals zeichnete sich ab, dass Ragnar Lodbrok wahrscheinlich der berühmteste Wikinger aller Zeiten werden würde.

Thoras und Ragnars Ehe

Die beiden lebten in Ragnars Heimat und der immer noch junge Ragnar erwarb weiteren Ruhm.
So vollbrachte er viele erfolgreiche Wikinger Raubzüge, stärkte sein Reich nach innen als auch außen und schuf zwei Nachkommen.

Die Kinder von Thora und Ragnar hießen Eirek und Agnar.
Beide Jungen waren Ebenbilder ihres Vaters.
Sie besaßen seine Kraft, seinen Mut und Schönheit.

Doch leider erkrankte Thora irgendwann und starb an den Folgen ihrer Krankheit.
Bevor sie starb, ließ sie sich ihr Lieblingskleid bringen und überreichte es Ragnar.
Dazu sagte sie ihm, dass er nur die Frau heiraten sollte – welcher dieses Kleid passte.

Nach dem Tod seiner geliebten Thora war Ragnar so betrübt, dass er nicht in seinem Reich bleiben wollte.
Er ließ seine beiden Söhne zurück und setzte Verwalter ein, welche sich um das Reich und die Kinder kümmerten.
Das Kleid der Thora nahm er mit auf seine Reisen und würde es irgendwann seiner letzten Gattin Aslaug geben.

Über den Autor:

Mein Name ist Mathias Mücke und ich bin Autor und Inhaber von ScioDoo.

Das Ziel von ScioDoo ist es, dass du hier Informationen findest, welche du für deinen Alltag, Schule, Studium oder eine betriebliche Weiterbildung brauchst.

Seit geraumer Zeit interessiere ich mich für nordische Mythologie.

Falls du selbst Lust hast, darüber mehr zu erfahren - kannst du die Übersichtsseiten nutzen, welche ich für dich angelegt habe.

Das Wissen dazu habe ich aus sämtlichen Büchern, welche ich so finden konnte.

Damals war ich ein Dauergast in unserer Bibliothek und Buchhandlung.

Aber es hat sich gelohnt. Und das Resultat bekommst du, auf diesen Seiten zu sehen.

Nicht schlecht, oder?

Also viel Spaß beim Lesen und bis später vielleicht.

LG Mathias Mücke


Tasse

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