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Was bedeutet Inselgigantismus: Beispiele, Bedeutung und Ursachen


was bedeutet inselgigantismus

Riesenschildkröten sind ein Beispiel für Inselgigantismus


Unter Inselgigantismus verstehen Zoologen sowie Evolutionsbiologen den übermäßig großen Wuchs einzelner auf Inseln beheimateter Arten. Entweder sind diese Arten deutlich größer als identische Verwandte am Festland oder nur auf Inseln lebende Arten (Endemiten) werden größer alle anderen ähnlichen Vertreter der Spezies oder Arten-Gruppe.

Was bedeutet Inselgigantismus: Definition und Bedeutung

In der Biologie gibt es zwei Phänomene, die mit dem besonderen Wachstum von Tieren und Pflanzen in komplett isolierten Habitaten wie Inseln beschäftigen:

  • Inselgigantismus
  • Inselverzwergung.

Inselgigantismus ist ein biologisches Phänomen, bei dem die Körpergröße von Tieren oder Pflanzen, die auf einer Insel leben, über Generationen hinweg deutlich zunimmt. Inselverzwergung ist das Gegenteil. Bei dieser Erscheinung nimmt die Größe ab.

Es gibt auf der Erde mehrere Inseln, auf denen sich Arten, die auch auf dem Festland vorkommen, entweder verkleinert oder vergrößert haben. Daneben gibt es die sogenannten endemischen Arten, die nur auf einer Insel existierten, und manchmal auch größere Ausmaße erreichen als alle vergleichbare Arten auf dem Festland. Die Körpergröße einiger sehr seltener Inselgiganten kann auch gemessen an allen Tieren der Erde und des Erdzeitalters ungewöhnlich sein.

Wie und Warum kommt es zum Inselgigantismus: Gründe und Ursachen

Gründe für Inselverzwergung und Gigantismus sollen die Abgeschlossenheit des Lebensraumes (Isolation als Evolutionsfaktor) und entsprechend andere Bedingungen des Ökosystems sein.

Auf einer Insel herrschen andere Bedingungen als am Festland. Nahrungsressourcen und Gebiete sind komplett umgeben von Wasser und streng begrenzt. Durch die Begrenztheit des Raumes verhalten und entwickeln sich Arten auf Inseln teilweise ganz anders, als ihre Verwandten am Festland.

Zur Trennung von Arten kam es in Vorzeiten, als sich Inseln von Kontinenten und größere Festlandplatten abspalteten oder niedrige Meeresstände Wanderungen erlaubten. Oder aber Inseln brachten aus bisher nicht erklärbaren Gründen einmalige Spezies hervor (endemische Arten).

So haben sich auf einigen Inseln Riesenvögel entwickelt, die als Art nur dort vorkamen (Moa in Neuseeland), weltweit aber aufgrund ihrer Größe (gemessen an Vögeln allgemein) gigantisch waren.

Bei der Insel-gebundenen Theorie zur Verzwergung und dem Gigantismus beobachteten Forscher zudem eine weitere interessante Konstante, die sie als Inselregel bezeichnen:

  • Kleine Arten wachsen, sobald sie sich auf Inseln weiterentwickeln (Gigantismus).
  • Große Arten schrumpfen, wenn sie auf den abgeschlossenen Lebensraum einer Insel treffen (Verzwergung).

Doch das trifft bei Weitem nicht auf alle Tier- oder Pflanzenarten zu. Es gibt dutzende Arten, die auf dem Festland und auf Inseln leben oder wachsen und deren Größe sich nicht wesentlich unterscheidet.

Faktoren, die zum Inselgigantismus beitragen

Vermutlich wird der Größenwuchs begünstigt, wenn Arten auf einer Insel auf ein perfektes Habitat treffen:

  • ausreichend, satte oder üppige Nahrungsgrundlage
  • wenig oder gar keine Fressfeinde
  • optimales Klima, Erdboden, Wasservorkommen usw.

Die meisten bekannten Inselgiganten fanden auf den betreffenden Inseln Nischen, die sie so erfolgreich besetzen konnten, dass das Wachstum in der Evolution deutlich zunahm.

Bei den Inselzwergen ist es umgekehrt. Sie finden auf Inseln nicht mehr ganz so viel Auswahl, andere Lebensbedingungen, mehr Fressfeinde und schrumpfen im Laufe der Evolution.

Beispiele für Inselgigantismus bei Tieren

Der bekannteste heute noch lebende Inselgigant ist die Galápagos-Riesenschildkröte. Mit Panzerlängen von 80 bis 90 Zentimetern und einem Gewicht von bis zu 290 Kilogramm sind diese Schildkröten deutlich größer als alle anderen bekannten Landschildkröten.

Allerdings ist heute nicht mehr ganz nachvollziehbar, ob die Größe wirklich auf Inselgigantismus zurückzuführen ist oder ob die Galápagos Schildkröten ein Relikt des Pleistozäns (vor 3 bis 5 Millionen Jahren) sind, in dem es Gigantenschildkröten auch in Australien, Südasien, Madagaskar, Südamerika und sogar in Nordamerika gab.

Inselgigantismus auf Neuseeland

Auffallend viele Tier-Riesen gab es in Neuseeland. Leider sind die meisten davon heute ausgestorben. Die Wetapunga Langfühlerschrecke gibt es noch und mit bis zu 9 Zentimeter Länge ist sie deutlich größer als Heuschrecken in den restlichen Teilen der Erde.

Ausgestorben ist inzwischen der Moa. Der legendäre Riesen-Laufvogel Neuseelands, der mit Höhen von 3,60 Meter alle Strauße Afrikas in den Schatten gestellt hätte.

In Neuseeland entwickelten sich die Tiere lange völlig ohne den Einfluss von Menschen. Die heutigen Ureinwohner, die Maori, kamen erst im 13. Jahrhundert aus Polynesien. Sie wussten das Fleisch der Moa zu schätzen und bald waren die eher trägen Tiere vollständig ausgerottet.

Auf den neuseeländischen Inseln gab es zudem einen gigantischen Pinguin. Mit 1,60 Metern Höhe war der so groß wie ein kleiner Mensch und überragte die heute noch lebenden größten Pinguine (Königspinguin) um satte 40 Zentimeter.

Ebenfalls in Neuseeland wurde das Fossil des bisher einzig bekannten Riesen-Papageis der Welt gefunden. Der rund ein Meter große Vogel ist vor rund 16 Millionen Jahren ausgestorben und war gemessen an seiner Art und der Zeit ein wahrer Gigant.

Inselgigantismus auf Madagaskar und der Karibik

Auf den Inseln der Karibik und auf Madagaskar gibt es Legenden von Riesenvögeln, gigantischen Schildkröten und sogar Riesen-Affen. Lange hielten Forscher diese Geschichten für Fantasien und Spinnereien. Seit auf Madagaskar die Relikte eines Krokodils mit rund 80 Zentimeter Kopfdurchmesser gefunden wurden, beginnen Forscher mehr als Legenden in den Geschichten zu sehen.

Gefunden wurden außerdem Knochen, die zu einer einstigen gigantischen Affenart gezählt haben könnten. Ganz sicher belegt ist das aber noch nicht.

Weitere Beispiele für Inselgigantismus im Tierreich

Weltweit neigen insbesondere Echsen, Vögel und Kleinsäuger zum Riesenwuchs. Auf Inseln gibt es ungewöhnlich große Leguane, Geckos und Warane.

Auf der Gough-Insel im Süd-Atlantik sind Mäuse inzwischen so groß geworden, dass sie dort lebenden Albatrosse angreifen, um sich deren Küken als Beute zu schnappen. Forscher fanden bei diesen Mäusen 67 Gene, die sich deutlich von Mäusen vom Festland unterschieden. Mit jeder Generation nimmt die Anzahl der Mutation innerhalb der Population zu, wodurch sich dieses Merkmal innerhalb der Art durchsetzen könnte. Die Mäuse werden also weiter wachsen.

Beispiele für Inselgigantismus bei Pflanzen

Bei den Pflanzen werden die Früchte der Seychellenpalme zum Inselgigantismus gezählt. Mit bis zu einem halben Meter Länge sind die „Kokosnüsse“ dieser Palmenart wahre Riesen. Erstaunlicherweise gibt es Palmenarten, die eng mit der Seychellenpalme verwandt sind, deren Früchte aber deutlich kleiner bleiben. Welche Umstände zu diesem Gigantenwuchs beitrugen, ist bisher nicht bekannt.

Ist der Komodowaran ein Inselgigant?

Mit einer Körperlänge von bis zu 3 Metern und einem Gewicht von über 70 Kilogramm ist der Komodowaran das eines der größten Schuppenkriechtiere (dazu zählen auch Echsen und viele Schlangenarten) dieser Welt.

Lange nahm man an, die ungewöhnliche Körpergröße des Komodowarans hätte sich nach der Einwanderung auf die indonesische Insel Komodo entwickelt. Doch jetzt weiß man, dass das nicht stimmt.

Der Komodowaran kommt heute nur auf einer sehr kleinen Inselgruppe zwischen den beiden großen indonesischen Inseln Flores und Sumbawa vor. Funde von Fossilien und Zähnen haben inzwischen den Weg der Echsen von Australien nach Indonesien nachgezeichnet.

Genetisch gehören die auch als „letzten Drachen dieser Erde“ bezeichneten Warane zu einer Gruppe indo-australischen Warane, die ihre enorme Größe bereits während des Pliozäns (vor 3 bis 5 Millionen Jahren) in Australien entwickelt haben.

Als während der letzten Eiszeiten der Meeresspiegel sank, wanderten die Echsen in Indonesien ein. Funde bewiesen zudem, dass die Riesen-Warane vor etwa 900.000 Jahren noch auf Flores und vor 800.000 bis 700.000 Jahren sogar auf Java lebten.

Fake-Giganten und Gigantismus in der Unterhaltungsindustrie

Giganten-Tiere und seltene, große oder besondere Tierarten sind oft ein Thema der Unterhaltungsindustrie Hollywoods.

1933 erschreckte mit King Kong ein Riesenaffe die Kinobesucher. Angeblich wurde der gigantische Affe in Afrika oder auf einer abgelegenen Insel gefunden. Dort wurde er von Einheimischen als ein Gott verehrt. Als King Kong sich in eine weiße Menschenfrau verliebte, bekam er Probleme. Geldgierige Menschen brachten den Monster-Affen nach New York, wo er allerlei Schäden anrichtete. So berichtet es die Legende beziehungsweise der Film (King Kong wurde nur für den Film erfunden).

Gelegentlich zeigen Filmemacher Streifen, die auf das Thema eingehen, dass auf abgelegenen Inseln noch Dinosaurier, Drachen und anderen Urzeittiere leben könnten.

Das Internet ist zudem voll von Fake-Videos und Fotos, die beweisen wollen, dass auf Inseln oder in abgelegenen Regionen dieser Erde Dinosaurier und andere sagenhafte Tiere gefunden wurden. Mischen sich solch fragwürdige Informationen mit echten Funden, führt das in den Köpfen der Menschen schnell zu Vermischungen oder Wunschdenken.

Es gab tatsächlich eine Riesenaffen-Art (Gigantopithecus) deren Zähne vor allem auf dem asiatischen Festland (also definitiv kein Inselgigantismus) gefunden worden. Dieser schätzungsweise 1,80 bis 3 Meter große Affe starb jedoch vor 100.000 Jahren aus.

Es stimmt auch, dass es bis heute einige wenige Inseln gibt, deren Flora und Fauna bisher kaum studiert wurde. Das sind aber wirklich nur noch sehr wenige. Hinweise auf lebende Dinos, Riesen-Affen oder echte Big-Foots und dergleichen gab es bisher nicht.

Zusammenfassung

  • Unter Inselgigantismus versteht man den Riesenwuchs einzelner Arten auf Inseln.
  • Verantwortlich für dieses biologische Phänomen sind Faktoren wie die Abgeschiedenheit der Insel, gute Nahrungsgrundlage für die betreffende Art, klimatische Bedingungen und das Fehlen von Fressfeinden.
  • Das Gegenteil von Inselgigantismus ist Inselverzwergung.
  • Die größten heute noch lebenden Inselgiganten sind die Galápagos-Riesenschildkröte, die neuseeländische Wetapunga Langfühlerschrecke sowie Mäuse auf den Gough-Inseln im Süd-Atlantik.
  • Bei den Pflanzen sind die Früchte der Seychellenpalme ein noch existierendes Beispiel für Inselgigantismus.
  • Der Komodowaran ist anders als früher angenommen kein Inselgigant, sondern von Australien eingewandert.
  • In Urzeiten gab es wesentlich mehr Inselgigantismus z.B. in der Karibik, auf Madagaskar und bei vielen neuseeländischen Arten.
  • Filmfiguren und Legenden wie King Kong und Godzilla sind reine Fiktion und haben mit echtem Inselgigantismus, nur die Idee eines Riesenwuchses in abgelegegen Regionen der Erde gemeinsam.