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Aktiver vs. passiver Bewegungsapparat: 4 Unterschiede und Zusammenhänge


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Der Bewegungsapparat umfasst sowohl das Skelett mit Knochen und Gelenken, als auch die Muskeln und Sehnen. Das ganze Organsystem dient dazu, einzelne Körperteile zu bewegen bzw. deren Position im Raum zu erhalten. Somit ist es die Aufgabe des Bewegungssystems, die Positionsänderung von einzelnen Körperteilen zu gewähren, eine andere dient der Bewahrung. Und deshalb unterscheidet man zwischen einem passiven und einem aktiven Bewegungsapparat.

Nachdem in den letzten Artikeln die 15 Bestandteile des Bewegungsapparates und die 4 Funktionen des Bewegungssystems vorgestellt wurden, sollen jetzt die Unterschiede zwischen aktiven und passiven System erläutert werden.

Unterschiede zwischen aktiven und passiven Bewegungsapparat

Eine Bewegung ist eine Veränderung eines Körpers im Raum innerhalb einer bestimmten Zeit. Ohne die Zeit keine Bewegung. Und ohne Bewegung keine Zeit. Dabei ist der Weg, welchen eine Körper bei der Positionsänderung zurücklegt, eine beobachtbare Größe.

Das soll bedeuten, dass du sehen kannst, wie sich ein Körper bzw. deine Arme oder Beine bewegen – indem du deren Weg beobachtest, welchen diese zurücklegen. Bei der Zeit ist dies nicht beobachtbar, aber messbar. Denn indem man misst, wie lange eine Bewegung von A nach B andauert, ergibt sich erst die Zeit.

So ist die Uhrzeit eine messbare Größe, um zu bestimmen, wie lange die Rotation der Erde andauert. Denn genau 24 h sind nötig, dass die Erde sich einmal um sich selbst dreht (bewegt). Und die Jahreszeiten geben an, wie lange die Erde braucht, um sich einmal um die Sonne zu bewegen. Zeiteinheiten, wie Minuten, Stunden, Tage, Monate usw. sind lediglich Abschnitte dieser Uhrzeit oder Jahreszeit, um diese einteilen zu können und Pläne daran auszurichten.

Wieso ist das wichtig?
Nun ja, das aktive Bewegungssystem basiert genau auf diese beiden Messgrößen, nämlich dem Weg und der Zeit. Durch Muskeln wird eine Spannung erzeugt, wodurch sich der Muskel in einer bestimmten Zeitspanne zusammenzieht. Da am Muskel eine Sehne verwachsen ist, welche zugleich auch auf einen Knochen befestigt ist -bewirkt die Muskelverkürzung ein Ziehen der Sehne, welche letztlich auf einen Knochen übertragen wird.

Innerhalb einer bestimmten Zeitspanne wird der Knochen mit dem umgebenden Fleisch dann zum Muskel gezogen, wodurch ein Weg zurückgelegt wird, was du dann als Bewegung erlebst. Diese Bewegung muss aber in einer relativ kurzen Zeit erfolgen, da sie sonst nicht erlebbar wäre.

So ist das Wachstum einer Pflanze ebenfalls eine Bewegung, wird aber nicht als solche gesehen, da der Zeitabschnitt und der zurückgelegte Weg einfach so unterschiedlich ausfallen, dass man diesen nicht vollends beobachten kann. Denn der Zeitabschnitt beim Wachsen ist extrem groß (mehrere Jahre) und der Wegabschnitt ist sehr klein (mitunter nur Millimeter).

Dadurch ist die Relation zwischen Weg und Zeit so unterschiedlich, dass du die Bewegung nicht ohne spezielle Messgeräte und Vorrichtungen sehen kannst. Du weißt, was ich meine – oder?

Halten wir fest…
Bewegung ist ein Verhältnis zwischen Weg und Zeit, wird durch Geschwindigkeit erlebbar, indem man den zurückgelegten Weg durch die Zeit teilt. Zum aktiven Bewegungsapparat gehören alle Körperstrukturen – welche in einer kurzen Zeitspanne einen Weg zurücklegen, welcher beobachtbar wäre. Und deshalb besitzen lediglich Tiere einen echten Bewegungsapparat und Pflanzen, Algen und Pilze eben nicht.

Der passive Bewegungsapparat dient der Stabilität und der Richtungsänderung. So sind es bspw. die Gelenke, an denen die Bewegung von Knochen zu Knochen übertragen wird, wodurch ein Richtungswechsel vollzogen werden kann. Die Gelenke bewegen sich dabei selbst nicht mit.

Wieso nicht?
Klar, einzelne Komponenten im Gelenk bewegen sich – aber das Gelenk als Struktur verändert seine Position im Raum nicht. Und deshalb ist es kein Bestandteil des aktiven Bewegens, sondern tritt passiv auf.

Unterschiedliche Körperstrukturen

Zum passiven Bewegungsapparat gehören alle Körperstrukturen, welche die Bewegung kontrollieren, stabilisieren und in eine bestimmte Richtung lenken. So wird bspw. der Unterarmknochen bewegt, indem sich der Bizeps – also der Muskel im Oberarm – zusammenzieht. Denn dadurch wird die Sehne – welche mit dem Bizeps verwachsen ist – mit gezogen, welche wiederum mit dem Knochen des Unterarms verwachsen ist.

Die Bewegung des Muskels und der Sehne werden von der Ausgangsposition des Unterarmknochens bestimmt – welche sozusagen die Richtung vorgibt. Ist der Unterarm zur Seite gebeugt, bevor der Muskel angespannt wird – verändert sich die Zugrichtung der Sehne und auch die Kontraktion des Muskels.

muskelanspannung muskelentspannung

Die Sehne zieht den Unterarmknochen nach oben, nachdem der Bizeps gespannt wurde. Dabei wird der Trizeps gedehnt. Bei einer Anspannung im Trizeps wird der Unterarmknochen durch eine andere Sehne nach unten gezogen und der Bizeps wird gedehnt.

Zum passiven Bewegungssystem gehören auch Gelenke, welche zwischen den Knochen sitzen.
Und am Gelenk im Ellenbogen wird die Kraft von Knochen zu Knochen übertragen, wodurch eine Hebelwirkung entsteht – wodurch sich dein Unterarm nach oben bewegen lässt.

Neben den Knochen, den Gelenken und dem Skelett als Organsystem aller Knochen, gehören auch die Bänder zum passiven Bewegungsapparat. An ihnen sind die Gelenke befestigt, wodurch die anliegenden Knochen in ihrem Bewegungsradius eingeschränkt werden. Dadurch wird garantiert, dass die Knochen nicht aus den Gelenken springen und die Bewegung von Muskel, Sehne und Knochen auf ein Minimum reduziert wird. Somit dienen diese auch der Bewegungskontrolle.

Andere Strukturen des Bewegungsapparates sind die Wirbelsäule, welche ebenfalls aus Knochen besteht und als ein Teil des Skeletts betrachtet wird. In ihren Wirbeln sind kleine Hohlräume vorhanden, welche durch das Aufeinanderreihen einen Kanal ergeben.

In diesem Wirbelkanal ist das Rückenmark eingebettet, welches die Kommunikationslinie zwischen Körper und Gehirn darstellt. Denn alle Bewegungsabläufe werden im Gehirn festgelegt, über das Rückenmark an die Muskeln geleitet – wo die Leistung zum Bewegungsbefehl letztlich erbracht wird.

Neben Bändern, Skelett und Gelenken sind kleine Sesambeine in manchen Sehnen eingewachsen. Diese kleinen Knöchelchen verändern die Position der Sehnenführung so, dass Hebelwirkungen entstehen, wodurch eine bessere Kraftübertragung von Sehnenabschnitt zu Sehnenabschnitt garantiert wird. Mitunter haben diese Knöchelchen eine Scheibenform, wie bspw. die Kniescheibe.

Halten wir fest…
Zum passiven Bewegungsapparat gehören Knochen, das Skelett als Gesamtheit aller Knochen, Bänder, Gelenke und Sesambeine. Das aktive Bewegungssystem umfasst die Muskulatur und die Sehnen, welche in den Muskeln verwachsen sind.

Stabilität vs. Flexibilität

Der passive Bewegungsapparat wird auch als Stützapparat bezeichnet, da ganz bestimmte Bewegungen verhindert werden sollen. So ist es bspw. dem Unterarm nicht möglich, sich anders zu bewegen – als es der Unterarmknochen vorgibt. Die Bänder im Sprunggelenk halten die Bewegungen, welche dort möglich sind, ebenfalls beschränkt – wodurch sich der Fuß nur in einem relativ kleinen Radius bewegen kann.

Wieso ist das wichtig?
Bewegungen können effizient oder ineffizient sein. Und der gesamte Körper funktioniert wie eine hocheffiziente Maschine. Jede falsche Bewegung kostet Energie, welche dem Organismus fehlen würde und die er wieder aufbauen müsste.

Da auch der Stoffwechsel auf Effizienz ausgelegt ist, wäre dieser Ressourcenverbrauch undenkbar. Stattdessen kann sich ein Fuß, ein Bein und Arm nur in bestimmten Bandbreiten bewegen, welche so angelegt sind – dass damit jede notwendige Körperstellung erreicht werden kann – aber bei möglichst kleinen Energieverbrauch.

Außerdem sorgt die Bewegungseinschränkung auch dafür, dass Gelenke nicht überdehnt werden, innere Organe geschützt bleiben oder Muskeln nicht überlastet werden. Und auch das ist Effizienz.

Freiheit vs. Einschränkung

Bewegungsfreiheit würde bedeuten, dass sich bspw. dein Arm in jede erdenkliche Richtung drehen lässt oder deine Beine deinen Hinterkopf berühren könnten. Vielleicht gibt es Menschen, welche so etwas können. Ich weiß es nicht. Aber die Regel ist das nicht.

Wieso eigentlich nicht?
Oben habe ich bereits die Effizienz beim Energieverbrauch erläutert. Aber der Körper ist nicht nur im Stoffwechsel hocheffizient, sondern auch im Anlegen von Bewegungsmuster. Und dabei spielt das Nervensystem eine wichtige Rolle.

Ein Baby kann nicht laufen, obwohl seine Beine das Gewicht mitunter halten könnten. Und vielleicht gehörst du auch zu den Menschen, welche zwar kräftig sind – aber keinen Liegestütz oder Klimmzug schaffen.

Andere Menschen können nicht schwimmen, obwohl sie eine kräftige Brustmuskulatur hätten. Und wieder andere können kein Fahrradfahren und dass obwohl sie zwei gesunde Beine hätten.

Also wird klar…
Der Grund, weshalb bestimmte Bewegungsabläufe nicht funktionieren, liegt nicht zwingend in der Muskelkraft begründet.

Aber was ist es dann?
Ich sag’s dir. Es sind motorische Vorlagen, welche zuvor im Gehirn angelegt werden müssen. Diese Vorlagen werden für ein bestimmtes Bewegungsmuster aktiviert und das Gehirn sendet ein Signal über das Rückenmark, welcher Muskel wie beansprucht werden soll.

So sind bspw. beim Liegestütz nicht nur die Arme, sondern auch der Rücken, der Rumpf und die Beine beteiligt. Aber vor allem aus der Brustmuskulatur wird die Kraft geschöpft, sich vom Boden hochdrücken zu können.

Die Koordination der einzelnen Muskeln obliegt einem klaren Befehl des Gehirns. Denn anhand der motorischen Vorlage (Bewegungsmuster) entscheidet das Gehirn, welche Muskeln wie beansprucht werden sollen und sendet diesen Befehl ans Rückenmark. Von dort gelangt es in die beteiligten Muskeln, welche den Befehl ausführen.

Falls im Gehirn aber kein Bewegungsmuster für Liegestütze angelegt ist, muss auch das Gehirn raten und aktiviert mitunter die falschen Muskeln für diese Bewegung und Kraftanstrengung.

Also ist klar, dass das Zentralnervensystem – bestehend aus Gehirn und Rückenmark – mit darüber entscheidet, welche Bewegungen möglich sind und welche nicht. Und das was man allgemein als Training im Sport versteht, zielt auch darauf ab – dass das Nervensystem solche Bewegungsstrukturen anlegen kann.

Ähnlich wie der Stoffwechsel ist auch das Nervensystem auf Effizienz ausgerichtet. Bestimmte Bewegungsabläufe sollen kontrolliert stattfinden, um Energie zu sparen und die Organe zu schützen.

Und da es die oberste Aufgabe des Nervensystems ist, den Organismus am Leben zu halten – wird es die Muskelspannungen nur in einem bestimmten Bereich erhöhen und zwar auch nur soweit, wie es für den passiven Bewegungsapparat erträglich ist.

Durch Training lernt das Nervensystem, wie bestimmte Bewegungsabläufe funktionieren und es lernt auch, dass bestimmte Muskelspannung für das passive Bewegungssystem (Knochen, Bänder, Gelenke) noch zumutbar sind. Dadurch kommt es in die Lage, bessere Kapazitäten für die Muskeln zu erreichen, wodurch eine zielgenauere Aktivierung einzelner Muskeln stattfinden und die ausgewählte Muskelkraft erhöht werden kann.

Was bedeutet das?
Das aktive Bewegungssystem wird durch Training stärker oder besser, indem das Nervensystem erkennt, dass der passive Bewegungsapparat den Organismus und seine Organe auch bei erhöhter Belastung noch schützen kann.

Sicherheit vs. Möglichkeit

Die Muskelkraft, welche ein Muskel erzeugen kann, hat natürlich Grenzen. Aber die Möglichkeit mehr Kraft, Ausdauer oder Beweglichkeit entwickeln zu können, hat jeder Mensch. Ein Kraftsportler, welcher 100 kg stemmt, hat auch keine Superkräfte durch ein Serum erhalten – wie es in einigen Fantasy-Filmen gezeigt wird.

Nein, der Kraftsportler isst normalerweise die gleiche Nahrung wie jeder andere Mensch. Zwar muss mehr von allem, zu sich nehmen und auch zielgerichteter essen. Aber was ich damit meine, ist klar – oder? Der Kraftsportler greift auf die gleichen Ressourcen (Essen, Luft, Wasser, Schlaf) zurück – wie jeder andere Mensch.

Doch der Unterschied zwischen dem Kraftsportler und dem Rest der Menschheit ist, dass dessen Nervensystem verstanden hat, wie es welche Kraft in welchem Muskel aufbauen kann. Das bedeutet, das Nervensystem des Sportlers weiß – wie es die Energie – welche durch den Stoffwechsel gewonnen wurde – zielgerichtet einsetzt.

Jedem Menschen steht diese Möglichkeit offen, seine Muskeln aktiv und sein Nervensystem passiv zu trainieren. Dadurch kann das Nervensystem den aktiven Bewegungsapparat schier grenzenlos aufbauen, muss aber die Sicherheit für das passive Bewegungssystem garantieren. Denn falls die Muskelkraft zu stark aufgebaut, zu viel Bewegung zugelassen wird – kann der passive Bewegungsapparat nicht schützend mehr eingreifen. Es kommt zu einer Überlastung und Trainingsverletzung.

Beim Sport werden demnach nicht nur Muskeln und Nervensystem trainiert, sondern auch Gelenke, Bänder und Knochen. Erst durch diese Feinabstimmung zwischen aktiven und passiven Bewegungsapparat ist es möglich, Trainingserfolg zu ermöglichen und gleichzeitig Sicherheit zu garantieren.


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