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Warum wurden im Nadelwald Monokulturen angelegt


warum nadelwälder monokulturen angelegt

Kiefernwälder sind Zeugnis menschlichen Anbaus von Monokulturen


Monokulturen im Nadelwald entstanden und entstehen ausschließlich durch menschliches Einwirken. Sie führen zu schwächeren Baumbeständen und schaden der Strapazierfähigkeit eines solch komplexen Ökosystems. Eine Umkehr zu gesunden Nadelwäldern kann nur nachhaltig in jahrelangem Einwirken durch den Menschen gelingen.

Definition natürlicher Nadelwälder

Nadelwälder sind Baumbestände ausschließlich aus Nadelbäumen. Natürliche Wälder bestehen aus einer dominanten Art mit einer geringen oder keiner Durchmischung anderer Arten. Beispielsweise finden sich in borealen Klimazonen wie der Taiga oder verschiedenen Regionen der Mittelgebirge ausgedehnte, üppig bewachsene Fichtenwälder, in anderen Zonen eher Kiefern- oder Zypressenbestände.

Typisch für den natürlichen Nadelwald ist das unregelmäßige Wachstum von Nadelbäumen unterschiedlichen Alters. Es gibt dichtes Unterholz mit jungen Bäumen, aus denen sich die stärksten zu langen, geraden Bäumen entwickeln. Ihre Ausbreitung finden natürliche Nadelwälder in rauen Klimazonen sowie auf nährstoffarmen bis kargen Böden. Die Vermehrung und Ausbreitung von Nadelbäumen erfolgt durch Wind und Tiere.

Definition einer Monokultur im forstwirtschaftlichen Sinne

Als Monokulturen in der Forstwirtschaft werden künstlich aufgeforstete Laub- oder Nadelwälder bezeichnet. Der Fokus der Bepflanzung baumleerer Flächen liegt auf einer einzigen Art. Heutige Fichten– und Kiefernwälder sind mit Sicherheit künstlich angelegt. Ihre Bestände werden ebenso künstlich gepflegt. Pflanzen – damit auch Nadelbäume – in Monokulturen entziehen dem Boden kontinuierlich die gleiche Menge und Art von Nährstoffen. Andere, anspruchsvollere Arten bekommen dadurch keine Gelegenheit zur eigenen Entfaltung. Denn das noch vorhandene Nahrungsangebot reicht gerade für die vorhandenen Bestände aus.

Gründe und Ursachen für das Anlegen von Monokulturen im Nadelwald

In unserer heutigen Zeit sind die Nachteile von Monokulturen bekannt. Doch erst in vergleichsweise jüngerer Zeit achteten Menschen besser auf die Natur. Sie wollten ihr einen Teil dessen zurückgeben, was ihr zu Verarbeitungszwecken genommen worden war. Über langfristige Auswirkungen wurde damals noch nicht nachgedacht. Diese folgenden zwei Gründe bewegten zum Anlegen der ersten und nachfolgender Monokulturen in Nadelwäldern:

Wohlgemeinte Gründe im Sinne der natürlichen Umgebung

Ein Grund für das Anlegen von Monokulturen war der Wunsch, waldarme Landgebiete wieder neu mit Wäldern zu beleben. Es wurden für die Aufforstung solche Schösslinge (Jungbäume) verwendet, die erfahrungsgemäß schon einmal in der jeweiligen Region gewachsen waren. Oder es wurde die Bodenbeschaffenheit einer Region im Verhältnis zum Wurzelwachstum verschiedener Nadelbäume berücksichtigt.

So erkannten die Forstwirtschaftler bei den ersten Versuchen von Monokulturen rasch, dass auf sandigen Böden der Halt für Tiefwurzler wie Kiefern ideal war, während Flachwurzler wie die Fichte bereits bei leichten Stürmen ausgerissen wurden.

Umgekehrt kommen in heutigen forstwirtschaftlichen Monokulturen hauptsächlich Fichten vor. Ihre flachen Wurzeln klammern sich auf felsigen Gründen unter der dünnen Erdschicht fest in jedes verfügbare Gestein. Dadurch finden sie selbst bei übelster Witterung soliden Halt. Kiefern dagegen würden hier schlecht gedeihen, da ihre Wurzeln konsequent in die Tiefe und nur spärlich in die Breite wachsen.

Wirtschaftliche Überlegungen

Ein weiterer Grund für einseitige Aufforstung war die Wirtschaftlichkeit von Nadelbäumen. Ende des 18. Jahrhunderts waren viele Böden durch Raubbau nahezu nährstofflos und labil gegen alle Wetter. Mit dem Aufforsten war der Boden trotz seines mageren Zustandes genutzt. Auch bevorzugten Sägewerke und andere holzverarbeitenden Unternehmen das Holz der Nadelbäume wegen seines schnellen und geraden Wuchses.

Binnen weniger Jahrzehnte stand es durch Nachaufforstung wieder für die Gewinnwirtschaft zur Verfügung. In den nordamerikanischen Waldgebieten herrschten ursprünglich Mischwälder vor. Allerdings wurde dort häufiger Laub- als Nadelholz geschlagen. So entstanden allmählich nahezu reine Nadelwälder und somit Monokulturen.

Konsequenzen von Monokulturen im Verlauf der Zeiten

Reine Nadelwälder waren und sind empfindlicher gegen Umwelteinflüsse als Mischwälder. Vor allem diese Konsequenzen sind bereits eingetreten und können in Monokulturen immer wieder auftreten:

  • Nadelbäume in Monokulturen leiden unter Abgasen aus der Luft. Ihre pflanzliche Widerstandsfähigkeit ist durch den Mangel an Artenvielfalt eingeschränkt. Abgase verändern die chemische Zusammensetzung im Boden. Sie können damit dessen pH-Wert empfindlich beeinträchtigen. Schon geringe Abweichungen vom Idealwert lassen Nadelbäume absterben. Zu sehen war dieses Phänomen zu Zeiten des sauren Regens am massenhaften Sterben von Tannenbäumen in betroffenen Regionen und Ländern.
  • In Monokulturen werden ganze Nadelwälder zur gleichen Zeit aufgeforstet. Sie sind im Laufe ihres Baumlebens also ungefähr gleich alt. Durch die Dichte der Bepflanzung haben später aus Samen getriebene Schösslinge kaum eine Chance, sich unter dem Lichtmangel zwischen den älteren Nadelbäumen durchzusetzen. Ein solcher Nadelwald leidet also im späteren Baumalter an ähnlichen Alterserscheinungen. Das kann bei Unwettern zum Stürzen ganzer Waldflächen aufgrund der nicht ausreichend stabilen Kronen und Stämme führen.
  • In einem natürlichen Nadelwald finden sich stets auch Laubbäume. Ihr Laub dient nach dem Abwerfen und der Verrottung im Winter als frischer Nährstoff für die eigene Art und auch für Nadelbäume. In der Monokultur bleibt der karge Boden karg und wird immer widriger für gesundes Baumwachstum. Die Nadelwälder entwickeln sich also weniger kräftig als in einem gesunden, unberührten Mischwald.
  • Nadelwälder als Nutzwälder haben ihren Zyklus aus Aufgehen und Wachsen sowie Sterben und Verrotten verloren. Durch das gezielte Abholzen „reifer“ Bäume kommt es zu vergleichsweise wenig Waldbruch. Solche gebrochenen Stämme würden in einem natürlichen Nadelwald von Kleinstlebewesen zersetzt. Sie wären wie das Laub von Laubbäumen langfristig wieder wichtiger Nährstoff für den lebenden Waldbestandteil. Doch in einer Monokultur bekommt der ohnehin magere Boden keine solche Auffrischung. So müssen sich vorhandene Nadelbäume ein Baumleben lang mit Mangelnahrung begnügen. Dies hemmt festes, strapazierfähiges Wachstum.
  • Im Zuge des Klimawandels mussten künstlich angelegte Nadelwälder mehrere Dürrejahre überstehen. Natürliche Waldbestände konnten währenddessen auf deutlich bessere Reserven zurückgreifen, sowohl durch vorher mehr aufgenommene Nährstoffe als auch in besserer Verfügbarkeit frischer Reserven. In Dürrejahren wird weniger Harz produziert. Das macht es Schädlingen leicht, Nadelbäume zu befallen.
  • Aktuelles Beispiel eines geschädigten Nadelwalds in Monokultur ist das Waldsterben durch einen großflächigen Befall mit dem Borkenkäfer. Er konnte sich in den vorangegangenen Dürrejahren in geschwächten Fichten ausbreiten. Auf diese Weise sind bis heute beinahe drei Prozent deutscher Waldfläche verloren. Das entspricht der Größe des gesamten Saarlandes.

Waldumbau als künftige Alternative zu forstwirtschaftlichen Monokulturen

Ein Umlenken der ungünstigen Entwicklung ist nur über den Waldumbau weg von der Arten-Armut und hin zu einer natürlichen Artenvielfalt möglich. Dieser Prozess nimmt viele Jahre für Pflanzungen, Eingriffe und vorzeitige Endnutzung vorhandener Nadelbäume in Anspruch. Doch das Wachsen und Leben von Nadelwäldern ist eine Entwicklung über mehrere Menschengenerationen hinweg.

Langfristig lohnt sich die Mühe. Anschließend sind gut durchmischte Wälder auch für die Wirtschaft attraktiv. Denn gesund gewachsene Nadelbäume liefern kräftiges Holz in zuverlässiger Qualität. Klimaänderungen, Schädlingsbefall und ein Umkippen der Bodenqualität sind dadurch weniger drastisch zu befürchten.

Zusammenfassung:

  • Natürliche Nadelwälder bilden mit anderen Baum- und Pflanzenarten ein gesundes, strapazierfähiges Ökosystem.
  • In einer Monokultur fehlen viele der wachstumsfördernden Komponenten.
  • Nach Jahrhunderten des Raubbaus sollten waldarme Gebiete wieder aufgeforstet werden.
  • Auch aus wirtschaftlichen Gründen setzten die Forstwirtschaften auf das Anlegen monotoner Baumkulturen mit nur einer Art von Nadelbäumen.
  • In der Konsequenz sind solche Nadelwälder anfällig für Umwelteinflüsse, Schädlingsbefall und Waldschäden durch Unwetter.
  • Abhilfe schafft nur ein Umbau der Nadelwälder zurück zu durchmischten Forsten mit Nadel- und Laubbäumen.

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