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7 Unterschiede zwischen Laubwald und Nadelwald


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Laub-, Nadel- und Mischwälder unterscheiden sich hinsichtlich ihres Bodens, ihrer Tier– und Pflanzenwelt, welche die Wälder als natürlichen Lebensraum nutzen. Aber sie unterscheiden sich auch aufgrund ihrer vielseitigen Nutzung durch den Menschen. Zu guter Letzt gibt es auch geografische und ökologische Unterschiede, wie Verbreitung, Vegetation, Ökozone und Klimazone.

Keine natürlichen Nadelwälder in Deutschland

Was du wissen solltest… Es gibt kaum noch komplett natürliche Wälder, also Urwälder. Ende des 18. Jahrhunderts entstand die Forstwirtschaft als neuer Zweig der Landwirtschaft. Im Zuge dieses Wirtschaftszweiges wurde das baumarme Mitteleuropa (darunter auch Deutschland) mit Nadelbäumen aufgeforstet. Denn durch den jahrhundertelangen Raubbau (Überbeanspruchung) durch den Menschen boten die Böden keinen anderen Baumarten mehr Nahrung, in Form von Nährstoffen, an. Selbst bei Wäldern, die du als natürlich ansiehst, ist nicht auszuschließen, dass nicht auch sie in der Vergangenheit vom Menschen als Weidenflächen genutzt wurden.

Borealer Nadelwald als Gegenstück zum Urwald

Der natürliche Nadelwald wird als borealer Nadelwald (oder auch Taiga) bezeichnet. Er wächst lediglich auf der Nordhalbkugel, innerhalb der Borealen Ökozone. Dort herrscht relativ kaltes Klima, welches zu Dauerfrostböden führt. Die Nadelbäume, die dort wachsen, gedeihen gut bei Kälte und nährstoffarmem Boden. Außerdem müssen sich die Bäume einem stark schwankenden Klima, also in einem Klima, das von kalten Wintern zu warmen Sommern übergeht – anpassen können.

Heute gibt es auch in Mitteleuropa weite Flächen von Nadelwäldern. Allerdings wird davon ausgegangen, dass diese (abgesehen von alpinen Regionen und Gebirgen) nicht natürlich entstanden sind, sondern vom Menschen angepflanzt wurden. Die Nadelwälder in Mitteleuropa werden auch nicht als borealer Nadelwald bezeichnet, da sie in einer anderen Klimazone liegen. Der deutsche Nadelwald unterscheidet sich somit deutlich vom borealen Nadelwald der Taiga.

Neben dem borealen Nadelwald gibt es noch die Koniferenwälder in Nordamerika. Koniferen sind ebenfalls Nadelbäume, die aber in einem wärmeren Klima natürlich wachsen. Die Zone des borealen Nadelwaldes erstreckt sich vom Norden Europas (Skandinavien und Russland) über Eurasien (Sibirien, Mongolei und Japan) bis nach Nordamerika (Alaska und Kanada).

Nadelwald, Laubwald und Mischwald

In seiner natürlichen Beschaffenheit gab es in Mitteleuropa überwiegend Laubwälder, das heißt Wälder, die nur oder fast nur aus Bäumen mit Blättern bestanden. Das mitteleuropäische Klima ist für sie ideal. Nadelwälder waren eher wenig vertreten und nur an Orten, die für Laubwälder zu kalt oder zu hoch gelegen waren.

Durch die Einflussnahme des Menschen hat sich das Bild des Waldes stark verändert und es gibt heute viele Mischwälder. Denn Nadelbäume sind für die forstwirtschaftliche Nutzung attraktiver, da deren Wurzel nicht so tief reichen, die Bäumer schneller wachsen und auch bei spärlichen Nährstoffangebot sich gut entwickeln können. Deshalb wurden zunächst nur Nadelbäume in einen bestehenden Laubwald hinzugepflanzt, wodurch Mischwälder entstanden. Während es 1860 noch 70% reine Laubwälder in Deutschland gab, sind es heute nur noch 30%.

Das Baumvorkommen ist im Nadelwald einseitiger als im Laubwald

Boreale Nadelwälder bestehen überwiegend aus Tannen, Kiefern, Fichten und Lärchen. In mitteleuropäischen Laubwäldern sind vor allem Birke, Ahorn, Eiche und Buche vertreten. Es gibt viele verschiedene Typen von Nadel-, Laub- und Mischwäldern. Denn der Begriff „Mischwald“ ist der Umgangssprache entnommen und kein Fachbegriff. Werden Wälder genutzt bzw. bepflanzt, in denen Nadelbäume und Laubbäume vertreten sind – bezeichnet man dieses Waldgebiet umgangssprachlich als Mischwald. Allerdings kann der Begriff für Verwirrung sorgen, da man auch Wälder, die aus verschiedenen Baumarten bestehen, als Mischwald bezeichnen kann. So gibt es auch Nadelmischwälder und Laubmischwälder.

In der Forstwirtschaft wird hier noch einmal genauer differenziert und die existierenden Bäume werden explizit genannt. Ein Tannen-Buchenwald zum Beispiel ist ein Buchenwald, in dem auch häufig Tannen vorkommen. Wie man hier sehen kann, gibt es auch Wälder, in denen nur oder überwiegend eine einzige Baumart vertreten ist, zum Beispiel Tannenwälder oder Fichtenwälder. Sobald neben der Hauptgattung eine weitere Baumart mit 5% oder mehr vertreten ist, findet sie in der Bezeichnung des Waldes Platz.

Da die Nadelgehölze in tieferen Lagen nicht zum natürlich verbreiteten Baumbestand zählen und nur durch den menschlichen Anbau dort wachsen, erkennt man im Nadelwald einen Monokulturanbau. Unter Monokulturen versteht man, dass nur eine bestimmte Baumart angepflanzt wird, da der Forstwirt diese für erfolgsversprechend hält. Da bei dieser Form des Anbaus auch nur bestimmte Baumarten sich fortpflanzen können, kam es zu einer natürlichen Verbreitung ganz bestimmter Nadelbäume (z.B. Kiefern).

Nadelwälder können auch im kalten Klima wachsen

Laubbäume haben eine größere Blattoberfläche als Nadelbäume. Die Nadeln der Nadelbäume sind zudem verhärtet, wodurch die Kälte nicht in die Blattorgane eindringen kann. Bäume des Laubwaldes verlieren im Herbst und Winter ihre Blätter, indem sie ihre Ressourcen aus diesen äußeren Organen abziehen und in die Hauptsprossachse (Baumstamm) verlagern, um sich vor der Winterkälte zu schützen.

Aufgrund der fehlenden Blätter verlieren Laubbäume im Winter kein Wasser über ihre Blätter, da diese nicht vorhanden sind und die Wasserleitungen des Baumes nicht zu den Organen reichen, um diese zu versorgen. Stattdessen ist der Baum im Einsparmodus und überwintert so.

Die Nadeln der Nadelbäume sind ebenfalls Blattorgane und haben die selben Aufgaben, wie die Laubblätter der Laubbäume. Allerdings sind die Nadeln härter, haben weniger Oberfläche, wodurch die Kälte weniger Angriffsfläche hat. Dadurch können Nadelhölzer auch im Winter und Herbst ihr grünes Nadelkleid behalten und überleben auch in kälteren Regionen.

Saurerer Boden im Nadelwald

In der Regel ist der pH-Wert des Bodens in Nadelwäldern saurer als der in Laubwäldern. Man sagt auch, dass der Nadelwaldboden übersäuert ist. Nadelgehölze sind, aufgrund ihres Verbreitungsgebiets, eher Flachwurzler. Denn die Dauerfrostböden in den kalten Klimazonen zwingen die Pflanzen dazu, ihre Wurzeln eher breit als tief zu schlagen. In der borealen Ökozone sind die unteren Schichten des Erdbodens permanent gefroren, weshalb Tiefwurzler dort sehr schlechte Überlebensbedingungen vorfinden würden.

Die breiten Wurzeln an der Oberdecke bedeuten allerdings auch, dass Nährstoffe in diesem Bereich sehr knapp werden. Tiefwurzlige Laubbäume dringen in tiefere Erdschichten ein, um auch dort Nährstoffe zu gewinnen. Und bei Nadelbäumen findet eine einseitige Nährstoffgewinnung an der Oberfläche statt, weshalb der pH-Wert verändert wird.

Laubwaldboden ist ein besserer Wasserspeicher

Waldboden ist zudem ein Wasserspeicher. Um genug Wasser speichern zu können, muss der Boden gelockert sein, damit Wasser nachsickern kann. Das Wurzelwerk der tiefwurzligen Laubbäume garantiert auch gelockerten Boden in unteren Schichten, was ideal für das Absickern des Wassers ist. Nadelwälder können dies, aufgrund ihrer flachwurzligen Pflanzen, nicht garantieren. Deshalb plädieren Ökologen auch dafür, dass in Überschwemmungsgebieten nur Laubbäume, anstelle von Nadelbäumen, nachgepflanzt werden.

Laubwälder haben eine üppigere Kraut- und Strauchschicht

Der Boden ist die Grundlage für die Vegetation im Laub- und Nadelwald. Und da Bäume die gleichen Nährstoffe, wie Sträucher, Gräser und andere Pflanzen benötigen, entsteht ein Konkurrenzkampf. In Böden von Laubwäldern, welche sich durch ein tiefes Wurzelwerk charakterisieren lassen, beginnt der Konkurrenzkampf in der Wurzelschicht, tief unterhalb der Erdoberfläche. Mit Pilzen gehen die Laubbäume eine Gemeinschaft ein, da die Fäden der Pilze das Erdreich sehr feinmaschig durchkämmen können.

Dadurch gewinnen Pilze die notwendigen Nährstoffe, welche die Bäume benötigen und schließen sich unterirdisch mit den Baumwurzeln zusammen. Die Fäden der Pilze, auch Hyphen bzw. Myzel genannt, verbinden sich mit der Wurzel und geben Nährstoffe an den Baum ab. Da die Ernährung der Pilze, genauso wie bei Tieren, von organischen Stoffen abhängt, erhalten sie im Gegenzug Pflanzenzucker vom Baum zurück. Es entsteht eine Symbiose zwischen Pilz und Laubbaum und die Nährstoffdichte in der oberen Bodenschichten wird nicht gestört.

Die flachwurzligen Nadelbäume dringen nicht tief genug in den Boden ein, um Nährstoffe aus dieser Schicht zu gewinnen. Stattdessen werden Nährstoffe aus den oberen Bodenschichten gezogen, wo diese nicht mehr für andere Pflanzen zur Verfügung stehen. Der Konkurrenzkampf mit anderen Pflanzen der Krautschicht entsteht direkt an der Erdoberfläche, weshalb im Nadelwald weniger wächst. Üppige Kraut- und Strauchschichten mit Farnen und Sträuchern sind deshalb eher im Laubwald zu finden.

Die tierische Artenvielfalt ist im Laubwald höher als im Nadelwald

Bezüglich der Artenvielfalt muss man bei Nadelwäldern zwischen künstlich angelegten und natürlichen Wäldern unterscheiden. Bei künstlich angelegten Nadelwäldern stehen die Bäume dichter beieinander, wodurch es schattiger ist und es weniger Lichteinstrahlung auf der Bodenfläche gibt. Deshalb ist die Artenvielfalt dort geringer als im natürlichen Nadelwald.

In natürlichen Nadelwäldern Skandinaviens, Nordasiens und Nordamerikas gibt es Marder, Vielfrasse, Lemminge, Rentiere, Elche, Hirsche, Wölfe, Luchse, Bären, Füchse, Hasen, Otter, Biber, Stinktiere, Eichhörnchen, Flughörnchen und Streifenhörnchen. In Mitteleuropa waren viele dieser Tierarten bereits ausgestorben, wurden allerdings durch aufwendige Zuchtprogramme wieder ausgewildert. Aufgrund des geringen Nahrungsangebots in Kraut- und Strauchschicht leben, im Vergleich zum Laubwald, weniger Tierarten in Nadelwäldern.

Waldtiere unter den Reptilien und Amphibien leben fast ausschließlich im Laubwald. Denn da der natürliche Nadelwald erst in den kälteren Klimazonen beginnt und diese Tierklassen zu den wechselwarmen Tieren gehören, passen sich deren Körpertemperaturen der Umgebung an. Dadurch fallen Reptilien und Amphibien in eine Kältestarre, weshalb diese Tierarten wärmere Gefilde bevorzugen. Kreuzotter und Waldeidechse bilden hier eine Ausnahme und bewohnen auch kältere Nadelwaldregionen.

In Laubwäldern hingegen tummeln sich an die 6000 Tierarten. Neben Wildschweinen, Hirschen, Füchsen, Waldkatzen und Eichhörnchen leben dort auch zahlreiche Vogelarten, Amphibien und Reptilien.

Wirtschaftliche Nutzung eines Nadelwaldes ist effizienter

Die wirtschaftliche Nutzung des Waldes besteht entweder im Abbau von Holz oder die gewerbliche Nutzung als Erholungsgebiet. Holz als Rohstoff war bereits in der Steinzeit, als Menschen in Zelten aus Zweigen, Gräsern und Schlamm schliefen, ein beliebter Baustoff. Später bauten die Menschen Tische und Stühle aus Holz. Und spätestens mit der Erfindung des Schiffbaus wurde Holz zu einer Ressource, welche einer Knappheit unterliegt und wirtschaftlich verteilt (zugewiesen) werden musste.

Deshalb begann die Aufforstung in Mittel- und Westeuropa mit Nadelgehölzen, welche bis heute andauert und immer noch vornehmlich für die Herstellung von Möbeln oder Papier dient. Der wirtschaftliche Vorteil der Nadelbäume gegenüber Laubbäumen ist, dass diese schneller wachsen. Außerdem wachsen sie gerade, weshalb das Holz später weniger behandelt werden muss.

Durch ihre Nadeln sind sie außerdem robuster gegenüber Kälte und lassen durch weniger Zweige und Äste, eine effizientere Nährstoffversorgung zu ihren Blättern (Nadeln) zu. Deshalb müssen Nadelbäume im Winter ihren Energiestoffwechsel nicht umstellen bzw. fast einstellen, wie bei Laubbäumen. Dies ist der Grund, weshalb sie auch im Winter grünen und ihre gewonnene Energie auch bei Kälte wieder ins Wachstum investieren können.

Somit wachsen Nadelbäume viel schneller, können schneller abgeholzt, verwertet und nachgepflanzt werden. Der Preis für Nadelwälder in Europa ist eine Zunahme des Waldsterbens, da der Urwald von einem Kulturwald ersetzt wurde. Doch inzwischen findet ein Umdenken statt und von den vielen Nadelwäldern werden immer mehr zu Mischwäldern umgepflanzt.

Zusammenfassung

  • Natürlich gewachsene Nadelwälder gibt es wohlmöglich nur in der Borealen Ökozone.
  • Diese Nadelwälder zeichnen sich dadurch aus, dass sie auch im rauen kalten Klima bestehen können.
  • Nadelbäume sind bestens an diese Klimazone angepasst. Laubbäume könnten unter diesen Bedingungen kaum existieren.
  • Weiterhin wachsen Nadelwälder auch in Gebirgslagen oder im Norden Europas. Aber wohlmöglich handelt es sich dabei um Kulturlandschaften, welche vom Menschen – aufgrund einer forstwirtschaftlichen Nutzbarmachung – angelegt wurden.
  • Der Boden im Nadelwald ist meist saurer als im Laubwald, was an der unterschiedlichen Wurzelstruktur der Bäume und dem daraus resultierenden Absickern von Wassern und Nährstoffen liegt.
  • Aufgrund der pH-Werte im Boden ergeben sich unterschiedliche Vegetationsformen im Nadel- und Laubwald.
  • Besonders deutlich wird der unterschiedliche Bewuchs in der Kraut- und Strauchschicht, deren Pflanzen mit den Nadelgewächsen um Nährstoffe konkurrieren müssen.
  • Aufgrund den Vegetationsunterschieden der Wälder fällt auch das Nahrungsangebot für tierische Pflanzenfresser unterschiedlich aus, weshalb die Artenvielfalt der Fauna im Nadelwald ebenfalls geringer ist.
  • Nadelwälder in Mitteleuropa wurden wahrscheinlich gepflanzt, um das Holz der Bäume als Rohstoff nutzen zu können. Nadelgewächse sind robuster als Laubbäume, wachsen schneller und sind somit wirtschaftlich effizienter.

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