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Suez: Steckbrief, Fragen & Antworten zur Hafenstadt in Ägypten


Suez liegt östlich von Kairo an der Bucht des Golf von Suez (Roten Meeres)

Suez liegt östlich von Kairo an der Bucht des Golf von Suez (Roten Meeres)

Suez ist eine Großstadt in Ägypten, welche sich an der Nordküste des Golf von Suez am Roten Meer befindet. Nach der Stadt wurde der Suezkanal benannt. Dieser ist eine Wasserstraße, welche in der Nähe von Suez beginnt bzw. endet und sich bis nach Port Said am Mittelmeer erstreckt. Durch den Suezkanal werden somit das Rote Meer und Mittelmeer verbunden.

Auf der Liste der größten Städte in Ägypten liegt Suez an sechster Stelle (Stand 2023). Die Stadt ist ein wichtiger Industriestandort mit modernen Hafen, Ölraffinerien und Anlagen zur Herstellung von Petrochemie.

In der Nähe des modernen Suez lag in der Antike die Stadt Klysma (arabisch: Kolzum, Qulzum), welche im 2. Jahrhundert von Kaiser Trajan gegründet. Die Stadt war ein wichtiger Seehafen am Roten Meer und wurde zu einem Bistum in Ägypten.

Steckbrief

Hafen von Suez, Bildnachweis: Mariusz Bugno / Shutterstock.com

Hafen von Suez, Bildnachweis: Mariusz Bugno / Shutterstock.com

Name: Suez, Sues,
Historische Bezeichnung:Klysma, Qulzum, Kolzum
Lage:Nordosten Ägyptens, südlichen Endpunkts des Suezkanals, Nordküste des Golfs von Suez (Rote Meer)
Einwohner: 699.541 Einwohner (2021)
Fläche:9.002 km²
Bevölkerungsdichte:78 Einwohner/km2
Gründungsjahr:1859
Bedeutung:Hafenstadt, Industriestadt, Universitätsstadt (Teil der Sueskanal-Universität)
Sehenswürdigkeiten:Nationalmuseum von Suez wurde 2012 wiedereröffnet, nachdem der Originalbau im Sechstagekrieg (Juni 1967) zerstört wurde

Geschichte

Suez ist wohlmöglich die antike Stadt Klysma, welche während der arabischen Epoche als Kolzum oder Qulzum bezeichnet wurde. Doch spätestens seit Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts verlor der Ort seine Bedeutung. Erst durch die Eröffnung des Suezkanals nahm die Stadt als Hafenstadt an Bedeutung zu.

Antike

Während der Perserherrschaft im Alten Ägypten (27. Dynastie) wurde bereits ein Kanal der Pharaonen bzw. ein Antiker Suezkanal geplant, welcher wohlmöglich von Dareios dem Großen eröffnet wurde. Dieser Kanal sollte das Rote Meer mit dem Nil verbinden. Spätere Autoren und Historiker der Antike, wie Aristoteles, Strabo und Plinius der Ältere – behaupten allerdings – dass dieses Werk niemals abgeschlossen wurde.

Islamische Epoche

Während der islamischen Expansion (ab 640-er Jahre) wurde die Halbinsel Sinai durch die Araber erobert. In den nächsten Jahrhunderten entstanden verschiedene Kalifate und Königreiche der Abbasiden (ab 750), der Tuluniden (869-905), der Fatimiden, der Ayyubiden und der Mamluken, bevor die Osmanen das ägyptische Reich bis zum Ende des Ersten Weltkrieges regierten.

Kurze Zeit nach der islamischen Eroberung entstand in der Nähe von Suez eine Stadt, namens Kolzum, welche als Hafenstadt angelegt wurde, wodurch der Nil und das Rote Meer eine Wasserstraße als Verbindung erhielten. Unsicher ist, ob Kolzum bzw. Qulzum tatsächlich das antike Klysma war.

Der Kanal wurde dann um 770 geschlossen, da der Kalif der Abbasiden – namens al-Mansūr – seinen Feinden aus Arabien den Nachschubweg abschneiden wollte. Etwa 10 Jahre später wurde der Kanal durch al-Mansūrs Nachfolger, Kalif al-Mahdi, wieder geöffnet.

Während der Kreuzzüge regierten die Ayyubiden und befestigten Kolzum und Suez, um Angriffe des Kreuzritters Rainald von Chatillon abzuwehren. Im Herbst 1182 ließ Rainald fünf Schiffe zerlegen, brachte diese auf dem Landweg zur Küste des Roten Meeres und ließ diese dort wieder zusammensetzen. Mit diesen Schiffen wollte er Medina angreifen.

Zwischen 1183 und 1184 ließ Rainald diese Flotte im Roten Meer stationieren, um den muslimischen Garnisonen aus Suez und Kolzum den Zugang zum Trinkwasser abzuschneiden.

Im 13. Jahrhundert wurden Kolzum und Suez zerstört. Laut dem arabischen Historiker al-Maqrizi (1364 – 1442) war Qulzum einst ein sehr wohlhabender Ort, wurde aber durch Beduinen besetzt und geplündert.

Die Kontrolle über den indischen Fernhandel und den Indischen Ozean hatten bis zum 15. und 16. Jahrhundert die Araber. Als aber die Portugiesen den Seeweg nach Indien entdeckten, konnten sie die alte Gewürzroute umgehen. Die arabischen Zwischenhändler verloren ihre Gewinne, wodurch es zu Konflikten über die Seeherrschaft im Indischen Ozean kam.

Die endgültige Kontrolle über den Indischen Ozean erlangten die Portugiesen durch die Seeschlacht von Diu (3. Februar 1509), bei der man eine vereinte ägyptisch-arabisch-indische Flotte schlug. Die Mamluken verloren ihren Reichtum und Einfluss. Schließlich wurde das mamlukische Königreich Ägypten, welches für 237 Jahre bestand, im Jahr 1516/17 von den Osmanen erobert.

Osmanische Epoche

Nach der osmanischen Eroberung 1516/17 wurde Suez zu einer Marinebasis und Handelsstation aufgebaut. Die Insel Diu an der Südküste Indiens wurde als strategisch wichtiger Standort ins portugiesische Überseereich integriert. Die Osmanen entsandten 1538 eine Flotte aus Suez, um Diu zu belagern. Diese konnten die Portugiesen allerdings abwehren.

1541 wurde eine portugiesische Flotte entsandt, um die osmanische Marine zu vernichten. Die Stadt At-Tur im Süden der Sinai-Halbinsel wurde von den Portugiesen erobert. Nach der Plünderung segelte die Flotte, unter dem Befehlshaber Estêvão da Gama, weiter nach Suez. Die Osmanen hatten allerdings bereits erfahren, dass At-Tur überfallen worden war und richteten sich ein. So konnte weder die osmanische Flotte vernichtet, noch Suez geplündert, werden.

Moderne

Napoleon Bonaparte unternahm zwischen 1798 und 1801 seinen Ägyptenfeldzug. Hauptziel war es, Ägypten von der osmanischen Herrschaft zu befreien und Frankreichs Einfluss in Nordafrika zu stärken.

Napoleon versprach sich zudem, die Gewinne – welche Großbritannien aus dem Indienhandel zog, neutralisieren zu können. Durch die Einnahme von Ägypten hätten sich die Franzosen die Kontrolle über das Rote Meer und das westliche Mittelmeer verschafft.

Das Osmanische Reich, welches zu dieser Zeit Ägypten als Kolonialmacht regierte, verbündete sich mit Großbritannien – um gemeinsam gegen die französische Expansion vorzugehen.

Als um 1800 die Franzosen gegen die Briten bei Suez kämpften, wurde die Stadt vollkommen verwüstet. Danach nahm die Stadt komplett an Bedeutung ab. Als am 25. April 1859 der Bau des Suezkanals begann, lebten in der Region gerade noch 1.500 Menschen. Die Stadt Suez wurde ebenfalls 1859 – im Zuge des Baubeginns – gegründet. Als der Suezkanal 1869 fertiggestellt wurde, nahm die Bedeutung der Stadt rasch zu.

Als 1956 die Suezkrise ausbrach, wurde der Zugang zum Suezkanal umkämpft. Konfliktparteien waren Ägypten auf der einen Seite und eine Koalition aus Frankreich, Großbritannien und Israel auf der anderen Seite. Durch Druck der USA wurde der Konflikt behoben. Die Anspannungen zwischen Israel und Ägypten blieben allerdings bestehen.

Während des Sechstagekrieges (1967) wurde die Stadt verlassen. In den Jahren danach hielt Israel den Sinai besetzt und der Suezkanal war gesperrt. Im Zuge des Jom-Kippur-Krieges von 1973 konnte Ägypten den Sinai und die Stadt Suez zurückerobern. Der Wiederaufbau von Suez geschah nach der Wiedereröffnung des Suezkanals (4. Juni 1975).


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