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Was bedeutet In der Kreide stehen: Bedeutung, Herkunft, Ursprung


„Bei jemandem in der Kreide stehen“ bedeutet, dieser Person Geld zu schulden. Das Sprichwort stammt aus dem späten Mittelalter und entstand als Redensart in Kneipen, Tavernen und Wirtshäusern.

Was bedeutet die Redewendung „In der Kreide stehen“?

Bei jemandem „in der Kreide stehen“ bedeutet, bei der Person Schulden zu haben. Gelegentlich verwendet man das Sprichwort auch, wenn man jemandem einen Gefallen schuldet. In der Regel wird es aber eher für Geldschulden genutzt.

„In der Kreide stehen“ ist nicht nur eine passende Redewendung bei zwei Privatpersonen. Man benutzt sie auch, wenn jemand sein Konto überzogen hat, also Schulden bei seiner Bank macht. „Er steht mit 5.000 Euro bei seiner Bank in der Kreide“, heißt es dann beispielsweise.

„Etwas ankreiden“

Die Redewendung „jemandem etwas ankreiden“ ist eng verwandt mit „bei jemandem in der Kreide stehen“. Sie bedeuten quasi das gleiche, lediglich die Person, die mit „Jemand“ gemeint ist, ist eine andere.

„Jemandem etwas ankreiden“ wird von der Person genutzt, die ihr Geld verliehen hat. Der „Jemand“ ist in diesem Fall der Schuldner. „Bei jemandem in der Kreide stehen“, sagt der Schuldner selbst oder eine Person, die von seinen Schulden weiß. Hier ist der „Jemand“ der Gläubiger.

„Etwas ankreiden“ wird heute außerdem häufig in anderer Bedeutung verwendet. Das Sprichwort wird auch genutzt, wenn eine Person einen Fehler gemacht hat. Diesen Fehler anzukreiden, bedeutet, ihn übelzunehmen oder nachtragend zu sein.

„Knietief in der Kreide stehen“

Bei dieser Redewendung handelt es sich um eine Abwandlung von „In der Kreide stehen“. Sie versteht das Wort „Stehen“ wörtlich und nutzt es als Maß dafür, wie hoch die Schulden der gemeinten Person sind. Ein ähnliches Sprichwort im Deutschen wäre da „Bis zum Hals in etwas stecken“. Die Höhe der Kreide oder des „etwas“ soll verdeutlichen, wie ernst die Lage ist. Je tiefer man in etwas drin steckt, desto schwerer ist es, sich aus dieser Situation wieder zu befreien.

Beispiele in anderen Sprachen

Im Englischen sagt man „to be in hock to somebody“. Übersetzt bedeutet das „bei jemandem Schulden haben“. Die Engländer sprechen außerdem von „to be in the red“, was man frei mit „rote Zahlen schreiben“, also „Schulden machen“, im Deutschen übersetzen könnte.

Auf Französisch heißt es „avoir une ardoise“, was dem deutschen Sprichwort vom „In der Kreide stehen“ schon sehr nahekommt. „Avoir“ bedeutet „haben“. „Ardoise“ kann „Schulden“, „Schiefer“ oder „Schiefertafel“ bedeuten.

In der Kreide stehen: Ursprung und Herkunft der Redensart

Erstmals belegt ist die Redewendung bereits im 15. Jahrhundert. Ihr Ursprung ist recht eindeutig geklärt und liegt in Gasthäusern des späten Mittelalters.

Bis heute ist es in manchen Bars oder Kneipen üblich, dass Stammgäste ihre Rechnung nicht bei jedem Besuch begleichen. Der Betreiber vertraut ihnen und notiert sich daher, was jeder Stammgast ihm schuldet. Am Ende des Monats erhalten diese eine Gesamtrechnung all ihrer Besuche. Diese Rechnung begleichen sie dann auf einmal.

Heute schreibt der Wirt die Rechnung auf ein Stück Papier oder hält sie digital fest. Im späten Mittelalter notierten sich die Wirte die Schulden ihrer Gäste auf einer Schiefertafel mit Kreide.

Diese Schiefertafeln konnten so angebracht sein, dass sie einsehbar waren. Das bedeutet, dass alle Gäste des Wirtshauses sehen konnten, wer Schulden beim Besitzer hatte. Auf diese Weise wurden die Schuldner zusätzlich gezwungen, ihre Schulden zu begleichen. Sie wollten nicht als Zechpreller gelten.

Beglich ein Gast seine Schulden, wurde sein Name und die geschuldete Summe einfach von der Tafel gewischt. Bis zu diesem Zeitpunkt stand er bei dem Wirt aber wortwörtlich in der Kreide.

„In der Kreide stehen“ hieß ursprünglich also nicht, tatsächlich in einem Haufen aus Kreide zu stehen. Damit war der Name gemeint, den der Wirt auf seine Schiefertafel geschrieben hatte.


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